Im Methadon-Programm, alleinerziehend, depressiv,...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von *freundin* 05.11.10 - 15:31 Uhr

Hallo,

es geht um eine sehr liebe Freundin von mir, wir waren schon als Teenager wie Schwestern und haben unsere wilden Jahre miteinander verbracht. Leider rutschte sie dann innerhalb kurzer Zeit ins Drogenmilieu ab, ohne daß ich ihr helfen konnte. Sie ist mir einfach entglitten. Dazu kam daß sie wirklich schlimmen Umgang hatte womit ich nicht umgehen konnte. Ich war dann irgendwann die Böse und wir haben uns überworfen.

Wir hatten einige Jahre keinen Kontakt. Durch Zufall haben wir uns vor ca. einem Jahr wiedergetroffen. Wir hatten sofort wieder den Draht zueinander. Ich hatte nach ihr nie wieder so eine intensive und wichtige Freundschaft zu einer Frau.

Ich habe ja inzwischen eine Familie gegründet und bin sozusagen "seriös" geworden. Also quasi Mann, Kind, Haus, Hund. Sie hat mehrere Heroin-Entzüge hinter sich, eine Schein-Ehe, Betrügereien usw. Noch in ihrer Drogen-Sucht wurde sie von ihrem ebenfalls drogensüchtigen Freund, ein Ex- und mittlerweile Wieder-Knacki schwanger. Sie ist seit der Geburt des Kindes im Methadon-Programm, vom KV hat sie sich getrennt. Sie hat dann vom JA aus alle Auflagen erfüllt und durfte das Kind behalten. Ich muß sagen sie meistert den Alltag mit dem Kind wirklich super. Sie ist wirklich eine total liebe und verantwortungsbewußte Mama. Ihr Kind ist zuckersüß und gut erzogen.

Das Schlimme, ich merke wie sie immer mehr verfällt. Sie wird immer dünner. Sie ist abgemagert und körperlich nicht wirklich leistungsfähig, ich weiß nicht ob das von dem Medikament kommt. Sie hat Depressionen und zieht sich total in ihr Schneckenhaus zurück. Sie hat schwere Schuldgefühle ihrer Tochter gegenüber und fühlt sich unnütz und wertlos.
Sie hat beruflich keinerlei Perspektive und lebt von Sozialhilfe. Gleichzeitig ist sie in der Lage derart herzlich und liebevoll mit ihrer Tochter umzugehen daß es mir manchmal wirklich ein Rätsel ist. Absolut ungesund weil sie ihrer Tochter etwas vorgaukelt was so nicht existiert. Und die Frage ist wie lange kann sie das noch durchhalten?

Ich weiß nicht wie ich ihr helfen soll außer ihr eine gute Freundin zu sein... Es macht mich traurig zu sehen wie ein so wertvoller Mensch dahinvegetiert. Gleichzeitig will sie keine Hilfe annehmen und nicht über ihre Probleme reden. Ihre Familie ist leider keine Hilfe. Eher das Gegenteil.

Nunja, ihr könnt dazu vielleicht nicht soviel beitragen, ich wollte es nur mal niederschreiben weil es mich sehr beschäftigt...

Danke fürs Lesen!

Beitrag von sniksnak 05.11.10 - 15:52 Uhr

Hast du ihr deine Gedanken mal geschildert? :-)

LG
snksnk

Beitrag von *freundin* 05.11.10 - 20:37 Uhr

Ja, erst neulich. Ich habe an sie appelliert daß sie sich Hilfe holt. Alleine schon wegen der Kleinen. Ich habe Angst daß sie das alles nicht mehr lang packt. Und sie hat ja nie eine richtige Therapie gemacht.

Sie hat geheult und zugegeben daß sie Hilfe braucht und versprochen zu einer psychologischen Beratungsstelle zu gehen.

Naja, bisher ist nichts dergleichen passiert.

Ich denke ich bin diejenige die ihr in den Arsch treten muß...

lg

Beitrag von ??? 05.11.10 - 16:28 Uhr

>Das Schlimme, ich merke wie sie immer mehr verfällt. Sie wird immer dünner. Sie ist abgemagert und körperlich nicht wirklich leistungsfähig, ich weiß nicht ob das von dem Medikament kommt. Sie hat Depressionen und zieht sich total in ihr Schneckenhaus zurück. <

hallo
ist deine Freundin HIV positiv? Bei meine Ex gab es die Symptome und er war positiv, hatte Methadon aufgrund der Infizierung und seiner Abhängigkeit bekommen

Beitrag von *freundin* 05.11.10 - 20:33 Uhr

Hallo,

nein, ist sie nicht, bzw. verschweigt sie es mir, falls doch.

lg

Beitrag von redrose123 06.11.10 - 05:34 Uhr

Ich habe vor Jahren mit Methadon und Drogenabhängigen gearbeitet, und hab da kaum welche gesehen die es geschafft haben, ich drücke deiner Freundin die Daumen das sie für Ihr Kind stark ist und es schafft, und ja das MEdikament geht an die Substanz.

Es ist schlimm, immer noch wenn ich an die Zeit denke, Patienten kamen und gingen manche wurden wieder abhängig von Heroin etc. andere Starben, ich habe einen einzigen erlebt der heute clean ist, von 20 und viele waren sehr jung.

Beitrag von *freundin* 06.11.10 - 12:26 Uhr

Hallo,

ich finde das echt grausam. Sie bekommt das Medikament und sonst keine weitere Betreuung. Außer eine Sitzung im Monat bei einem seltsamen Psychiater zu dem sie keinen Draht hat.

Diese depressiven Schübe sind meiner Meinung nach die größte Gefahr. Sie hat zwar keinen Kontakt mehr zum Milieu, ich habe aber dennoch Angst daß sie dem Druck irgendwann nicht standhält und rückfällig wird. Sie ist manchmal so am Boden daß sie selbst sagt vielleicht wäre das Kind woanders besser aufgehoben.

Aber wenn das Kind weg ist dann lebt sie sicher nicht mehr lang. :-(

lg