Sohn (fast 7) hält sich nicht an Verbote/Absprachen

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Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von tanja180871 05.11.10 - 17:07 Uhr

Hallo.

Momentan weiß ich wieder einmal gar nicht weiter mit unserem Großen. Seit einiger Zeit macht er einfach stets und ständig, was er will, egal ,was ich ihm erkläre oder ob es Konsequenzen hagelt. Wenn ich mit ihm rede, gelobt er Besserung, um dann keine Stunde später erneut einfachste Absprachen zu brechen.

Beispiel Straßenverkehr: Es gibt Straßen, die wir nach wie vor nur gemeinsam überqueren, weil ihm oft noch die Übersicht fehlt. Ich erwarte also von ihm, dass er auf ein laut gerufenes STOPP von mir reagiert, sollte er ein Stück voraus gelaufen sein. Regelmäßig läuft er dennoch alleine über die Straße. Wenn ich ihn frage, warum er das gemacht hat oder ob mein Rufen nicht gehört hat, gibt er zur Antwort. " Doch, ich habe dich gehört, aber ich wollte halt rüber . Ich mach es aber nicht wieder." #augen Ich führe ihn manchmal an der Hand wie ein Kleinkind, aber das kann ja auch auf Dauer nicht die Lösung sein.

Beispiel Spielen auf unserem Gelände: Wir leben in einer großen Wohnanlage, wo schon jüngere Kinder kurzzeitig ohne Aufsicht spielen können, wenn sie sich an gewisse Regeln halten. Unser Sohn ist hin und wieder in Sichtweite mit seiner Schwester (5) und deren Freundin (7) vor unserem Haus auf dem Spielplatz. Nun ist es so, dass er gerne buddelt und es Stellen gibt, wo er das darf und welche, wo es nicht gestattet ist (Beete der Nachbarn). Er gräbt aber wie und wo er lustig ist, egal, wie oft ich ihm die Regeln erkläre. Unsere Tochter weist ihn dann darauf hin, dass er das nicht darf. Er: "Ich weiß!", macht aber munter weiter, bis ich, durch unsere Tochter gerufen, einschreite #nanana.

Ich könnte die Liste endlos fortsetzen, es ist immer das gleiche Muster. Es gibt eine Absprache, eine Regel oder Verbot, er weiß es auch genau, bricht sie aber trotzdem, weil ihm danach ist. Es sind teils harmlosere Sachen , teils auch gefährlichere Sachen . Ich habe echt alles durch: Ausführliche Erklärungen, strengere Konsequenzen, emotionale enttäuschte Reaktion meinerseits. Alles nützt nichts :-( :-[ #heul.

Ist das normal? Ich bin langsam verzweifelt.

Danke fürs Lesen #klee

Tanja

Beitrag von jazzbassist 05.11.10 - 18:11 Uhr

Ich kenne solche Situationen eigentlich gar nicht, wobei unsere Sichtweise auch eine gänzlich andere war/ist. Ihre scheint hier eher zu sein: "Er hat jetzt Alter x erreicht, also darf er y". Lese ich hier auf Urbia immer wieder: "Mein Kind bekommt xyz erst mit 14" - Sie scheinen da also in guter Gesellschaft zu sein.

Bei uns waren das viel eher Privilegien, die sich unser Sohn hinzuverdienen konnte. Wir haben ja ein Grund dafür, warum wir ein Kleinkind im Straßenverkehr lieber noch an die Hand nehmen - weil wir uns dann noch nicht darauf verlassen können, dass sich ein Kind hier bedingungslos an unsere Regeln hält und wir vermeiden wollen, dass sich ein Kind z.B. selbst in Gefahr bringt. Wir würden ein Kleinkind also niemals vorlaufen lassen, wenn wir uns nicht darauf verlassen könnten, dass es unser STOP bedingungslos akzeptiert. Erst, wenn ein Kleinkind gelernt hat, auf dieses STOP zu reagieren, können wir es vorlaufen lassen.

Und, hier ist ihr Problem: Ihr Sohn hat das einfach noch nicht gelernt, und, da er nun schon etwas älter ist, lassen sie ihn einfach vorlaufen, obwohl er das noch gar nicht gelernt hat. Sie geben ihrem Sohn also einen Freiraum, mit dem er einfach noch überfordert ist; und wundern sich dann, dass er täglich aufs neue beweist, dass er mit diesem Freiraum noch überfordert ist. Die Konsequenz ist hier also kein Erklären, kein schimpfen oder kein Fernsehverbot, sondern schlechtweg, einem Kind diesen Freiraum des Vorlaufens nicht zu geben. So kann sich Ihr Sohn nicht in Gefahr bringen, und, sie brauchen sich darüber nicht aufregen, dass er sich nicht an ihre Regeln hält.

Sehen Sie es doch einfach so rum: Jeder Freiraum ist ein Privileg, dass an Regeln geknüpft ist. Und, ein Kind bekommt einen Freiraum erst, wenn es sich an unsere Regeln hält; und nicht vorher, aber, auch nicht später. Kinder sind hier nunmal gänzlich unterschiedlich - einige Kinder kommen mit gewissen Freiräumen sehr früh klar - andere wiederrum etwas später. Und, dass halte ich für sehr normal. Weniger normal finde ich da schon, ein Kind unbeaufsichtigt spielen zu lassen, wenn es sich nicht an die für dieses Privileg aufgestellte Regeln hält. Wie Sie selbst schreiben: "Auch jüngere kinder können dort schon kurzzeitig ohne Aufsicht spielen, wenn sie sich an gewisse Regeln halten." Ihr Sohn tut das momentan noch nicht; darum sollte er dieses Privileg auch noch nicht haben.

Denn, bei Ihrem Ansatz werden ihre Regeln zu einer Farce. Ihr Sohn soll ja an einer gefährlichen Straße warten, weil wir die Situation für zu gefährlich halten, dass ein 6-Jähriger diese richtig einschätzen kann. Ihr Sohn rennt über die Straße, und, (zum glück) nichts passiert. Was aber sagt das einem 6-Jährigen über die sinnhaftigkeit ihrer Regel aus? Eigentlich nur, dass sie absolut überflüssig ist. Also, egal, ob ich mich an diese Regel halte, oder nicht halte, passiert das gleiche. Ich werde dann zwar ausgeschimpft, oder bekomme erklärt, warum es diese Regel gibt - aber - ich habe doch gerade selbst bewiesen, dass ich diese Regel nicht mehr brauche. Außerdem lässt mich Mama morgen ohnehin wieder vorlaufen - völlig unabhängig davon, ob ich diese Regeln akzeptiere oder nicht.

Dann würde ich ihn für die nächste Zeit einfach wieder an die Hand nehmen und ihm keine Möglichkeit geben, diese Regel in Frage zu stellen oder zu brechen. Ist für einen 6-Jährigen auf dauer sicherlich auch nicht so prickeln, ständig an Mamas Hand gehen zu müssen. Und dadurch haben wir ein Element, dass bei ihrem bisherigen Erziehungsansatz fehlt: Motivation. Denn, entweder akzeptiert er ihre Regeln, dann darf er nicht über gefährliche Straßen laufen; oder aber - er akzeptiert ihre Regeln nicht (muss dann an ihre Hand gehen und kann trotzdem nicht über diese Straße laufen). Also egal, was Ihr Sohn tut, er kann diese Regel nicht mehr brechen. Jedoch ist es für ein Kind wesentlich interessanter, nicht mehr an Mamas Hand gehen zu müssen, darum entscheiden sich die meisten Kinder dann recht schnell von alleine, Mamas Regeln hier einfach zu akzeptieren. Denn die Konsequenz wäre ja, wieder an Mamas Hand zu gehen. Und das ist noch "dööfer", als, nicht alleine über die große Straße gehen zu dürfen.

Bei ihrem Ansatz des "nachträglichen Erklärens, Schimpfens, Bestrafens" fehlt das gänzlich - denn, egal was sie machen, ihr Sohn wird immer die Möglichkeit haben, ihre Regel wieder zu brechen; und stellt sie damit ganz zwangsläufig in Frage. Die einzige Möglichkeit, dass zu verhindern, ist leider, ihn hier wie ein Kleinkind zu behandeln und ihm diesen Freiraum ersteinmal für 1-2 Tage nicht mehr zu geben, und ihm dann auch erklären, warum er diesen Freiraum nicht mehr bekommt: "Weil er sich nicht an die Regeln, die zu diesem Freiraum gehören, hält, und Sie ihm genau deswegen diesem Freiraum nicht geben können". Auch hier wird es sicherlich noch einige Male vorkommen, dass ihr Sohn sich dann nicht an diese Regeln hält - aber - das ist bei Erziehung normal. Denn lernen heißt nichts anders, als etwas wieder und wieder zu wiederholen - bis man es gelernt hat. Das geht bei A, B, C, bei 3+3 und auch bei: "Mama lässt mich erst vorlaufen, wenn ich mich an Mamas Regeln halte". Bei: "Mama lässt sich immer vorlaufen, egal, ob ich Mamas Regeln akzeptiere, oder nicht" funktioniert das entsprechend weniger gut.

Beitrag von tanja180871 05.11.10 - 18:58 Uhr

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. In der Tat kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen, ich denke eigentlich ähnlich habe aber auf Grund der allgemeinen Meinung in Schule und Umfeld "die Zügel" seit dem Schuleintritt unseres Sohnes etwas gelockert. Ich glaube auch langsam, in der Schule liegt das Problem; dort werden nämlich, wie ich festgestellt habe, viele Regeln aufgestellt, ohne dass die Möglichlkeit da wäre, die Einhaltung zu kontrollieren.

BSP: Die Kinder sollen morgens um 8:30 Uhr in der Klasse sein. Ist das nicht der Fall (manche spielen halt noch draußen) wird ein Schüler, der bereits in der Klasse ist losgeschickt, die anderen zu holen. Die antworten dann:" Ja, gleich!" und spielen weiter, bis dann erneut ein Schüler #rofl losgeschickt wird, um erneut zum Reinkommen aufzufordern. Resultat: die anderen scheren sich nicht darum. Schließlich kommt dann die Lehrerin selber, um die Schüler zu rufen. Und was machen die? Spielen noch etwas und kommen schließlich. Hin und wieder gibt es dann eine "Verwarnung". ERGO: vor 8:45 Uhr ist die Klasse selten komplett. Das gleiche Spiel in den Pause :-[

Ich denke, das alles färbt ab, früher war er nicht so, das ist erst neuer, habe ich wohl nicht ganz klar gemacht.

Ich werde etwas eine Zeitlang wieder mehr Aufsicht walten lassen. :-).

Beitrag von parzifal 06.11.10 - 06:32 Uhr

Handelt es sich um eine "normale" Grundschule oder eine mit "speziellen" Lehrmethoden?

Ersteres würde mich verblüffen. Besteht diese Sonderbarkeit, dass die Schüler erst um 8.45h komplett sind dann nur bei dieser Lehrerin oder bei allen Klassen?

Beitrag von tanja180871 06.11.10 - 11:22 Uhr

Es handelt sich um die zuständige staatliche Grundschule, von speziellen Lehrmethoden ist uns nichts bekannt.

Das Problem mit den Unterrichtszeiten/Pausen tritt primär wohl in den ersten Klassen auf, später legt sich das dann.

Beitrag von parzifal 06.11.10 - 11:49 Uhr

Ich hatte schon gedacht, dass ein spezielles Konzept (Walldorf oder was weiß ich) zugrunde liegen könnte.

Von einer normalen staatlichen Schule habe ich so etwas noch nicht gehört. Sind die Lehrer dort alle Hampelmänner (oder eher Hampelfrauen)?

Beitrag von tanja180871 06.11.10 - 13:28 Uhr

Ich denke, sie sind schlichtweg überfordert und setzen bei den Kindern einerseits zu viel als (genetisch?) gegeben voraus, andererseits lassen sie wohl oft zu viel Nachsicht walten (die Kinder sind ja schließlich noch klein und sollen selbständig werden). #gruebel

Beitrag von parzifal 06.11.10 - 16:11 Uhr

Das Kinder bei Schulbeginn in die Klasse gebettelt werden habe ich aber noch nie gehört.

Das heißt doch, dass es am nötigen Respekt fehlt.

Beitrag von silke_35 06.11.10 - 11:36 Uhr

Hallo,

ich finde diese Antwort auch gut. Allerdings habe ich Schwierigkeiten sie auf banalere Dinge im täglichen Alltag anzuwenden. Straßenverkehr und ohne Aufsicht draußen spielen sind bei uns so oder so noch tabu.

Unser Sohn ist gestern 6 Jahre alt geworden.

Wir haben zuzeit ein ähnliches Problem wie die Themeneröffnerin.

z.B.

Ich habe unserem Sohn verboten, an "meine" Schränke zu gehen und Dinge herauszuholen und zu benutzen. Erst gestern hat er aus meinem Badezimmerschrank teures Parfüm herausgeholt und an die Wände im Badezimmer geschmiert. Zu dem Zeitpunkt war ich in der Küche beschäftigt. Er musste sich auf die Toilette stellen, um dran zu kommen. Habe es nämlich extra hoch gestellt.

oder

Wir hatten Besuch und ich habe ihm gesagt, dass auf seinem Bett (selbstgebaut) nicht geklettert werden darf. Es wurde nicht eingehalten und das Bett ist nun kaputt.

Ich kann doch nicht einen sechsjährigen Jungen zu Hause unter Dauerbeobachtung stellen. Wenn ich ihn frage, warum er das gemacht hat, sagt er immer: Weiß ich nicht!

Wir haben erklärt, geschimpft und er musste auch schon auf Dinge verzichten, die ihm lieb waren, weil er wieder nicht gehört hat.

LG
Silke