Pubertät/Verhalten mit 11 Jahren - welche Strafe?

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von maren04 06.11.10 - 13:52 Uhr

Hallo!

Meine Tochter benimmt sich gerade mal wieder wie ein Vulkan. Erst hat sie sich nach dem Mittagessen mit ihrem kleineren Bruder gestritten (und er sich mit ihr) sodaß wir beide Kinder in ihre Zimmer geschickt haben. Bevor sie hoch ging hat sie mir im vorbei gehen mit der flachen Hand gegen den Arm gehauen.
Dann hatte sie meinem Mann vor dem Essen ihre Matheaufgaben zur Kontrolle gezeigt. Dort sind einige Fehler drin. Sie wollte sie nach dem Essen korrigieren. Sie ist also schon auf 180, setzt sich so an die Aufgaben und flippt nun völlig aus.
Weil mein Mann ihr die Aufgaben angestrichen hat, die falsch sind. Sie will wissen WAS da falsch ist. Mein Mann sagt "das Ergebnis ist falsch" Sie: JA WELCHE ZAHL DENN (laut schreiend) Er: Das mußt du schon selbst heraus finden. Daraufhin hat sie ihm das Heft auf den Kopf gehauen (er saß auf der Treppe, wollte sich gerade die Schuhe anziehen, sie stand eine Stufe drüber).
Er hat sie sofort hoch geschickt.
Es kann doch nicht angehen, dass sie sich an uns "vergreift"? Auch an ihrem kleinen Bruder läßt sie ab und an ihre Wut ab indem sie ihn schubst, kneift, haut.
Ich bin total ratlos, wie wir ihr das abgewöhnen sollen. Sie wird schnell wütend und weiß dann überhaupt nicht wohin mit ihrer Wut. Seit sie in der Pubertät ist, ist es noch schlimmer.
Aber sie hat vorher nie die körperliche Grenze zu uns überschritten. Sie hat es oft angedeutet. Dann habe ich sie natürlich ermahnt das zu lassen. Sonst hat sie Türen geknallt, ist die Treppe hoch getrampelt, hat vor Wut mal einen Stift an die Wand geworfen....
Sie brodelt noch, also ist momentan keine Möglichkeit mit ihr zu reden. Aber so geht es ja gar nicht.
Ich bin total erschrocken, dass sie diese Hemmschwelle überschritten hat.
Welche Konsequenz ist jetzt die richtige? Sie weiß, dass wir konsequent sind. Irgendwann war es mal nötig den "Mamataxifahrdienst" für ein paar Tage zu streichen, weil sie so unglaublich frech zu mir war. Das hat dann geholfen für eine Zeitlang. Wer sich beim Essen nicht benimmt, muss allein in der Küche essen, wer sich die Zähne nicht putzen will bekommt keine Süßigkeiten ect.
Tja, und nun?
Vielleicht weiß jemand von euch Rat.
Vielen Dank, Maren

Beitrag von marion2 06.11.10 - 14:07 Uhr

Hallo,

deine Tochter hat ein PROBLEM mit Mathematik und ihr sagt ihr, sie müsse es allein lösen können???

Wenn sie es könnte, hätte sie keine Fehler gemacht!

Konsequent wäre, ihr zu zeigen, wie es richtig geht.


Wenn sich Geschwister streiten, sind sie für gewöhnlich gerade dabei eine Meinungsverschiedenheit zu klären. Warum lasst ihr sie nicht?

Sie benimmt sich nicht so, weil sie euch ärgern will, sondern weil sie sich nicht anders zu helfen weiß.

Gruß Marion

Beitrag von maren04 06.11.10 - 14:18 Uhr

Danke für deine Antwort.
Sie weiß, wie die Aufgaben gehen. Aber sie hat sich halt verrechnet. Da muss ich ihr doch nicht helfen. Das ist eine Konzentrationsfrage. Wenn sie keine Lust hat, "verrechnet" sie sich häufig. Da sage ich ihr doch nicht auch noch vor, bei welcher Zahlt sie sich vertan hat.
Selbstverständlich setzen wir uns mit ihr hin, wenn sie eine Aufgabe nicht versteht. Wenn sie aber nur 4376 mal 2348 rechnen soll, weiß sie ganz genau wie es geht. Macht sie da schon einen Fehler bei 6x8 macht, ist das Ergebnis nun mal falsch.

Die "Meinungsverschiedenheit" bestand darin, dass sie ihren Bruder "Baby" genannt hat, er sie daraufhin "Zicke" nannte und dann wurde es handgreiflich. Da kann ich doch nicht daneben stehen und zuschauen?!

Gruss, Maren

Beitrag von marion2 06.11.10 - 14:56 Uhr

Wenn ein Kind so ausflippt wie du es beschreibst, dann ist es in der Regel grad total überfordert. Drum gehe ich davon aus - und ich bleib dabei - sie kann es eben noch nicht (richtig).

Vorsagen sollt ihr ihr nichts. Aber eventuell überprüfen, woher der Fehler kam... . Pure Unlust nehm ich dir nicht ab.

Wenn ihr die Kinder auseinandersperrt, wird deine Tochter weiterhin "Baby" und dein Sohn weiter "Zicke" sagen. Klärt, warum deine Tochter keine Zicke und warum dein Sohn kein Baby mehr ist.

Gruß Marion

Beitrag von anja676 06.11.10 - 20:41 Uhr

Solche Aussetzer bei 11jährigen sind nicht immer das Ergebnis einer Überforderung. Vielmehr wissen sie in dem Moment selbst nicht, was eigentlich los ist. Es ist auch unmöglich, in solch einer Situation irgendwas zu erklären. Selbst die einfachsten Matheaufgaben "wollen" sie dann nicht richtig lösen. Und ja, es ist im Regelfall pure Unlust und Bockigkeit.

Das einzige was hilft ist hier: Ausbocken lassen, wenn die Tochter sich beruhigt hat, kann man auch wieder ganz normal miteinander reden. Die Matheaufgaben dürften dann ein Klacks sein.

Im Übrigen habe ich genau so eine Zicke zuhause und kenne solche Situationen gut genug. #cool

LG Anja

Beitrag von ilva08 06.11.10 - 21:40 Uhr

Genau so sehe ich es auch: Wenn meine Tochter nach mir schlägt, ist es piepegal, warum... sie hat eine Grenze überschritten und das bedeutet Konsequenzen.

Wenn sie etwas nicht verstanden hat, dann kann sie in einem vernünftigen Tonfall um Hilfe bitten. Auf Gezicke reagiert die Umwelt mit Dichtmachen. Das muss sie lernen.
Bei so einem Benehmen ist Verständnis völlig unangebracht. Damit züchtet man sich das Zickentum erst recht heran - weil Töchterlein ja in ihrem Benehmen Bestätigung und Erfolg erlebt.

Beitrag von marion2 13.11.10 - 14:21 Uhr

Ich hab auch solche Zicken zu Hause. Die sind aber erst drei und entdecken neue Wirkungsweisen auf die Umwelt... Wenn die Kinder sich mit 11 noch genauso benehmen, weiß ich, dass was FALSCH gelaufen ist.

Beitrag von dominiksmami 14.11.10 - 10:02 Uhr

Huhu,

da ist dann definitiv nichts falsch gelaufen, sondern eher normal.

Und "Kinder" benehmen sich mit 11 nicht "noch" so, sondern wieder.

Meine Stieftochter ist 24...und man, da kamen Sachen zu Tage *grusel*

Also erstmal abwarten was deine so drauf haben wenn sie in das Alter kommen.

lg

Andrea

Beitrag von gismomo 06.11.10 - 15:17 Uhr

Hallo Maren,

mein Sohn ist zwar noch jünger, aber er ist auch so ein kleiner "Vulkan", und leider hat er die von dir genannte Hemmschwelle auch schon überschritten.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwer (eigentlich unmöglich) ist, sinnvoll mit ihm zu reden, solange er vor Wut außer sich ist. Auch wenn ich es absolut nicht richtig finde, wenn er ausflippt, bringt es gar nichts, in diesem Moment Druck auszuüben (also ihn festzuhalten, oder ihm zu sagen: "Knall nicht mit der Tür, sonst..."). Die Situation eskaliert dann, er hasst es z.B., wenn ich ihn festhalte.

Natürlich geht so ein Verhalten trotzdem nicht, auch wenn ich weiß, dass er sich in diesem Moment nicht im Griff hat und nicht gegen seine Wut ankommt. Er muss dann dringend an sich arbeiten.

Das machen wir, wenn der Konfklikt nicht mehr "heiß" ist (schöner Begriff aus der Psychologensprache). Das bedeutet, wenn es ihm wieder gut geht und er emotional wieder in der Balance ist, reden wir über sein Verhalten und über die Situation. Ich sage ihm, dass ich seine Gefühle verstehe und er auch wütend sein darf, dass er aber trotzdem lernen muss, angemessen damit umzugehen. Und das bedeutet, andere nicht zu verletzen. Wir überlegen gemeinsam, wie er sich anders hätte verhalten können. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass er lernt, rechtzeitig zu sagen: "Ich bin gerade müde/sauer/frustriert und möchte jetzt nicht die Aufgaben verbessern, sondern mich erst zehn Minuten in meinem Zimmer ausruhen." Als Eltern merkt man nicht immer, wenn das Kind gefühlsmäßig gerade angespannt ist, deshalb müssen Kinder lernen, das zu kommunizieren.

Wenn ich merke, dass mein Sohn frustriert/angespannt ist, verbalisiere ich das (als Frage: "Bist du gerade müde?") und frage ihn, ob er sich zehn Minuten in seinem Zimmer ausruhen will, BEVOR wir zusammen seine Hausaufgaben durchgehen. Meistens kann er das auf diese Weise dann annehmen und ist dann auch tatsächlich emotional stabiler, wenn wir anschließend die HA besprechen.

Für das phyisch-aggressive Verhalten empfehle ich ebenfalls ein Gespräch - zum Thema, wie man angemessen mit seiner Wut gegenüber anderen umgeht. Mach ihr ruhig klar, wie Gewalt eskalieren kann - wenn sie dich schlägt und du zurückhaust, und sie wieder stärker zurückhaut, usw. Man kann dabei ruhig übertreiben - ich habe meinem Sohn schon gesagt, dass irgendwann beide tot sind, wenn man nicht rechtzeitig aufhört, und dass die Wut durch dieses Verhalten nicht verschwindet, sondern größer wird. Ich habe übrigens bei meinem Sohn auch schon mal in der Form reagiert, dass ich ihn unsanft angefasst und auf den Boden gelegt habe, als er mich geschlagen hat. Nachdem er auf verbale Ansagen nicht reagiert hat und ich das Gefühl hatte, er muss einmal wirklich erfahren, wie es ist, wenn jemand sich auch körperlich wehrt (und dieser Jemand dazu auch noch stärker ist). Ich bin nicht so furchtbar stolz darauf aber denke auch heute noch, es war das kleinere Übel - die Alternative, dass er seine Wut regelmäßig körperlich gegen andere einsetzt, geht halt nun mal gar nicht. Natürlich haben wir anschließend ausführlich darüber geredet und ich habe mich bei ihm entschuldigt. Er hat eingesehen, dass er seine Wut anders äußern muss, und dieses Verhalten kam nicht mehr vor.

Wichtig finde ich, konkrete Verhaltensweisen zu nennen, wie sie mit ihrer Wut umgehen lernen kann. Also zum Beispiel: Sie merkt, dass sie wütend/frustriert ist. Reagiert dann, indem sie sich in ihr Zimmer zurückzieht und etwas für sie Entspannendes tut. Kommt dann wieder ins Wohnzimmer und ist nun in der Lage, zu sagen, was sie stört. Dann kann man in Ruhe und sachlich über das Problem reden. Z.B. darüber, welche Wörter (von Eltern oder Geschwistern geäußert) weh tun und man deshalb besser vermeiden sollte. Sie wird das einsehen (zur Not nochmal über den Kreislauf der Gewalt sprechen, bei dem alles noch schlimmer wird, wenn man ihn nicht durchbricht). Man kann darüber reden, wie man mit anderen umgeht, die einen geärgert haben, und wie man selber möchte, dass man von anderen behandelt wird. Daraus kann sich eine in der Familie allgemein gültige Regel ableiten, die verbalisiert wird. Aber ich vermute, dass ist bei euch sowieso klar und sie weiß das eigentlich auch, kann nur in der Situation nicht angemessen reagieren. Deshalb ist es wichtig, dass sie weiß, sie kann sich in ihr Zimmer zurückziehen, wenn sie "geladen" ist, und die Situation erst besprechen und klären, wenn es ihr wieder besser geht.

Ich vermute, dass Kinder in der Pubertät sehr oft von ihren Gefühlen überrollt werden. Vor allem, wenn es Kinder sind, die sowieso schon immer starke Gefühle hatten. Sie "wissen", wie sie sich richtig verhalten sollen, haben sich aber nicht im Griff. Umso wichtiger, dass sie lernt, auf ihre Gefühle zu achten und die richtige Konsequenz zu ziehen (z.B. ins Zimmer zu gehen und sich beruhigen, indem sie etwas Entspannendes macht und etwas, das ihr gut tut). Und anschließend darüber reden, wenn Gesprächsbedarf ist, weil auf der sachlichen Ebene etwas geklärt werden muss.

lg
K.

Beitrag von jazzbassist 06.11.10 - 18:08 Uhr

#pro

Beitrag von leopoldina1971 06.11.10 - 19:54 Uhr


Falls wir je eine solche Situation/Zeit erleben sollten, werde ich mich an deinen Beitrag erinnern.


LG

Beitrag von himbeere_11 06.11.10 - 21:01 Uhr

ein toller Beitrag, den ich gleich zweimal gelesen hat. Mir gefällt besonders, dass die Wut so ernst genommen wird.

Gruß H. (selber manchmal mit Wut im Bauch und auch mit manchmal wütenden Kindern)

Beitrag von starshine 08.11.10 - 10:53 Uhr

Ich habe das mit meiner Tochter (12) sehr aehnlich gehandhabt. Natuerlich gelingt das mal besser und mal weniger :-)

Ich kann dazu noch sagen, dass es mit Einsetzen der Regel wieder einfacher geworden ist, sie zu erreichen und sie ihre Wut besser im Griff hat bzw. schneller wieder "runter kommt".

Zum Geschwisterstreit kann ich noch sagen, dass ich manchmal gezielt plane, dass die beiden Zeit zusammen verbringen um wieder zurueck zu finden zum "zusammen spielen" und auch "gemeinsame Erlebnisse" aufzubauen. Als wir gerade 2 Wochen im Urlaub waren, haben sie tatsaechlich den ganzen Tag zusammen im Wasser geplanscht und meine Grosse wollte wie die Kleine ein Pueppchenset haben und die beiden haben tatsaechlich zusammen Puppen gespielt :-) Natuerlich gab es dabei auch immer wieder Auseinandersetzungen, aber nicht ganz so heftig wie zuhause. Heute, nach dem Urlaub, ist es nun auch wieder moeglich, dass die eine das Zimmer der anderen betritt oder sich mal ein Nintendospiel ausleihen kann (das war vorher nicht mehr moeglich).

Ich wuensche uns allen die notwendige Gelassenheit fuer die Pubertaet :-)

Beitrag von maren04 09.11.10 - 20:30 Uhr

Vielen Dank! Das ist eine Antwort, die keine Vorwürfe enthält und die mir Tipps gibt. Ich habe sie mehrmals gelesen. Mittlerweile habe ich mir ein gutes Buch besorgt, d.h. "Plötzlich sind sie 13" Ich habe es jetzt zur Hälfte durch und finde es sehr hilfreich.
Lg
Maren

Beitrag von rienchen77 07.11.10 - 20:37 Uhr

ich finds jetzt mal "doof" das ihr nicht gesagt worden ist, welche der Aufgaben falsch ist....

Beitrag von maren04 09.11.10 - 20:24 Uhr

Bitte, richtig lesen! Natürlich ist ihr gesagt worden, WELCHE Aufgaben falsch gerechnet sind. Aber sie wollte im ERGEBNIS wissen WELCHE Zahl falsch ist. Also z.B ob bei 12345 die 5 die falsche Zahl ist.
Gruss,
Maren

Beitrag von manavgat 09.11.10 - 21:05 Uhr

Ich weiß, dass die Dutzi-Dutzi-Liga jetzt schreit, aber egal: wenn mein Kind nach mir schlägt, dann gibt es ein Echo!

Was die Hausaufgaben anbelangt: ich würde ihr keine Aufgaben anstreichen und dann auch noch die Erklärung verweigern. Das eine ist unnötig und das andere unfair.

Gruß

Manavgat

Beitrag von dominiksmami 14.11.10 - 10:03 Uhr

Ok...auch wenn wir beide höchst selten einer Meinung sind, hier sind wirs!

lg

Andrea