Hilfe! Sohnemann (7) steht sich oft selbst im Weg...

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Forum: Erziehung

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Beitrag von katinka1711 06.11.10 - 23:05 Uhr

Hallo zusammen,
ich weiß mir einfach keinen Rat mehr und hoffe, dass hier jemand den ultimativen Tipp für mich hat ;-).

Folgendes Problem:
Meinem Sohn (7) fällt es extrem schwer sich in eine bestehende Gruppe zu integrieren. Im konkreten Fall ist es so, dass er unbedingt zum Tae-Kwon-Do wollte. Mein Mann ist dann mit ihm zu einer Probestunde. Dort hat er aber nur auf der Bank gesessen und hat den anderen Kindern beim Training zugesehen (soweit ja kein Problem). Er ließ sich nicht davon überzeugen mitzumachen. Beim nächsten Training gab es schon in der Umkleidekabine dicke Tränen, weil sich dort andere Kinder aufhielten. Er wollte um keinen Preis am Training teilnehmen (zu Hause war er noch Feuer und Flamme). Mein Mann konnte ihn nach langem hin und her wenigstens dazu überreden zuzusehen. Ich muss dazu sagen, dass es nicht das erste Mal ist, dass Lenny ein solches "Drama" macht. Das gleiche Spiel hatten wir bereits beim Tanzen (er ist ein leidenschaftlicher Tänzer). Er schafft es einfach nicht sich zu überwinden und sich zu den anderen Kindern zu stellen. Es ist ihm einfach zu viel. Normalerweise hat Lenny eine hohe soziale Kompetenz. Er hat viele Freunde und spielt gern mit anderen Kindern. Er wird auch von allen Kindern gemocht. Trifft er aber auf eine bestehende Gruppe Kinder findet er nicht den Mut sich in die Gruppe einzufügen. Er tritt dann lieber den Rückzug an. Das ist nicht das erste Mal. Wahrscheinlich habe ich dieses Verhalten (dicke Krokodilstränen) nur noch verstärkt, indem ich ihm erlaubt habe diverese Kurse nicht mehr zu besuchen.

Jetzt soll er bald Musikunterricht bekommen, und seine erste Frage war, ob es Einzelunterricht ist.

Wie schaffe ich es nur ihm die Angst zu nehmen?

Über Tipps würde ich mich sehr freuen.

LG
Katinka

Beitrag von curlysue2 06.11.10 - 23:45 Uhr

Hallo,

so wirklich helfen kann ich Dir wohl nicht. Unser Sohn (6 Jahre) ist ähnlich. Er hat auch Freunde, verabredet sich, ist in der Klasse beliebt usw. Beim Turnen ist er auch mit dabei, aber auch nur weil er das schon vom Mutter-Kind-Turnen aus kennt und sein bester Freund dabei ist. In ein bestehende Gruppe hinein hat er auch super viele Hemmungen. Er findet Judo z.B. total interessant. Kann da auch anderthalb Stunden sitzen und zuschauen. Aber wehe einer der Trainer kommt auf ihn zu und fragt ob er mitmachen möchte - dann haben wir nur noch seine Umrisse in der Tür und eine staubwolke an seinem Platz;-)
Im kommenden Jahr habe ich ihn zu einem Selbstbehauptungskurs angemeldet. Den Trainer kennt er schon und zwei Freunde gehen auch dahin. Diese Tatsachen und dass ich ihm anhand von Bsp. (wie als er mal auf dem Schulhof von Älteren geärgert wurde oder wir mal an betrunkenen Männern vorbei mussten ) erklärte, dass dieser Trainer ihm da noch bessere Tips und Verhaltensregeln für solche Situationen geben kann als ich, haben ihn dann zustimmen lassen dorthin zu gehen. Ich lasse mich überraschen.

Ansonsten hat es ihm in vielen Situationen geholfen, wenn er (zumindest am Anfang) einen guten, wenn nicht sogar seinen besten Freund an der Seite hatte. Und auch wenn wir uns schon mal die Räumlichkeiten usw. vorher schon anschauen konnten. Es gab zwar auch ab und an Tränen, aber es hat ihm geholfen sich der Situation zu stellen und zu merken, dass er doch etwas schaffen kann, auch wenn er Angst hat. Was ihm auch sehr zu schaffen macht ist, dass er schon viel zu viel im Vorhinein über gewisse Situationen nachdenkt.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es noch besser wird. Kleine Schritte, aber es sind Schritte und letzendlich muss ich mich dann auch damit abfinden, dass er in manchen Situationen nun mal zu den Schüchternen gehört.

LG

curlysue

Beitrag von katinka1711 07.11.10 - 00:03 Uhr

Hallo curlysue,
danke für deine Antwort. Ich finde es halt total schade für ihn, dass er sich oft selbst im Weg steht. Er verpasst dadurch so viel :-(. Ich war als Kind auch sehr schüchtern, aber so extrem wie mein Sohn war ich nicht. Mir ist aber aufgefallen, dass er nicht so ein "Theater" macht, wenn ich, oder mein Mann nicht dabei sind. Bei der letzten Trainingsstunde war ein Schulfreund von Lenny dabei, aber geholfen hat es leider nicht. Jetzt habe ich ihm aus lauter Verzweiflung Dr. Bach Rescue Tropfen (Bachblüten) gekauft. Sollte dies auch keine Besserung bringen werde ich die Mutter des Schulfreundes bitten, Lennart mit zum Training zu nehmen.
Gestern gab es eine ähnliche Situation. Wir hatten von der Schule aus St. Martin. Meine Freundin wollte noch mit den Kindern von Haustür zu Haustür ziehen und singen. Als ich meinen Sohn fragte, ob er mitgehen möchte lehnte er sofort ab. Erst als meine Freundin ihn direkt fragte (ohne meine Anwesenheit) stimmte er zu. Wie stolz war er, als ich ihn eine halbe Stunde später abholte. Ich habe ihm dann gleich gesagt, dass es doch schön ist, wenn man sich was traut.

Ich gebe die Hoffnung auch nicht auf ;-).

LG
Katinka

Beitrag von marion2 07.11.10 - 10:44 Uhr

Hallo,

manchen Kindern muss solche Entscheidungen abnehmen. Was gut für ihn ist, solltet ihr so lange entscheiden, bis er in der Lage ist, euch diese Entscheidungen abzunehmen.

Fürs tapfere "allein in der Garderobe umziehen" sollte er auf jedenfall ein Lob bekommen - selbstverständlich, nachdem er unmissverständlich in die Garderobe hineingeschoben wurde.

LG Marion

Beitrag von katinka1711 07.11.10 - 12:55 Uhr

Hallo Marion,
danke für deine Antwort.

<selbstverständlich, nachdem er unmissverständlich in die Garderobe hineingeschoben wurde>

Auch das haben wir schon probiert. Er heult und schreit wie ein Irrer, als würde man ihn auf's Schafott schicken #augen.

Mein Mann und ich haben nun beschlossen, dass wir solange mit ihm zum Tae-Kwon-Do gehen, bis er dort mitmacht. Und wenn er die nächsten Monate nur auf der Bank sitzt und zusieht.

LG
Katinka

Beitrag von marion2 07.11.10 - 14:40 Uhr

"Er heult und schreit wie ein Irrer, als würde man ihn auf's Schafott schicken. "

Das heißt er benimmt sich immer noch wie ein zwei bis dreijähriges Kind, dass nicht allein im Kindergarten bleiben möchte #gruebel

Ich würd ihn schieben und losgehen. Hinterher gäbs ne Belohnung - ist ja klar, aber ich würde mich nicht "erpressen" lassen.

Lass ihn nicht auf der Bank sitzen. Damit hört er nie auf. ;-)

Beitrag von gismomo 07.11.10 - 13:06 Uhr

Hallo,

also das würde ich auf gar keinen Fall für jedes Kind empfehlen! Mag sein, dass das bei deinem Kind funktioniert, bei meinem Sohn bewirkt es genau das Gegenteil. Was ich auch absolut nachvollziehen kann, ich selber würde es HASSEN, wenn man mich zu etwas zwingen würde was ich aus gutem Grund nicht machen will. Wieso sollte es bei einem Kind anders sein? Mein Sohn ist intelligent, vernünftig und kann ganz gut selbst entscheiden. Manches kann er aufgrund fehlender Erfahrung nicht beurteilen, aber in so einem Fall würde ich mit ihm reden und ihn nicht einfach so zu etwas zwingen.
In den wenigen Fällen in denen ich ihn dann doch zu etwas gezwungen habe ging der Schuss vollkommen nach hinten los und das Problem war ums 100fache verstärkt.
Auf gar keinen Fall für alle Kinder empfehlenswert!

lg
K.

Beitrag von marion2 07.11.10 - 14:42 Uhr

Hallo,

das Kind WILL zum Sport. Es hat eine Hemmschwelle - ok. Wie soll es aber die Hemmschwelle jemals überwinden, wenn es nie MUSS?

Dass sie vorher mit ihrem Kind redet, setze ich voraus ;-)

Gruß Marion

Beitrag von gismomo 07.11.10 - 17:31 Uhr

Hallo,

ich glaube, dass es die Hemmschwelle nicht unbedingt dadurch überwinden kann, indem es gezwungen wird. Ich verstehe schon was du meinst - ich habe ein zweites Kind, welches manches Mal einen kleinen "Schubser" braucht. Da würde es evtl. so funktionieren.

Aber bei meinem großen Sohn würde das gar nicht gehen, da würde man absolut das Gegenteil erreichen. Er muss erst innerlich zu 100% bereit sein. Und da kann man von außen gar nichts tun außer ihm die Umgebung so zu gestalten dass er innerlich bereit dazu wird - etwas blöd formuliert, aber so ist es. Das bedeutet z.B., mit ihm jedes Mal wieder hinzugehen und zuzuschauen, bis er von sich aus sagt, er möchte mitmachen. Also im Prinzip die Hemmschwelle schrittweise niedriger machen.

Deshalb finde ich die Lösung der Posterin ganz gut, ich glaube, dass es bei ihrem Kind so funktionieren wird.

lg
K.

Beitrag von thyme 07.11.10 - 18:31 Uhr

"nachdem er unmissverständlich in die Garderobe hineingeschoben wurde"

Und was soll das bringen? Damit wird er wahrscheinlich die nächsten sechs Jahre gar nichts mehr alleine schaffen.

@TE mein Sohn ist auch eher ängstlich, allerdings auch erst 41/2 Jahre. Er kann sich zwar überwinden, aber es ist eben ein Überwinden. Ihm hilft es, wenn wir mitgehen und moralisch unterstützen, Drucküben wir eigentlich nicht aus, es sei denn vielleicht bei Dingen, die er gut kennt, wie Spielgruppe und ähnliches

Beitrag von tomama 07.11.10 - 19:21 Uhr

Hallo,

ich glaube, ich würde ihn einfach lassen. Klar, er wollte zu dem Kurs, aber nun traut er sich nicht. Dann würde ich ihn eben nicht mehr hinschicken. du schreibst ja, dass er ansonsten ein Kind ist, dass eine gute soziale Kompetenz hat und Freunde. Wofür muß denn dann noch ein Verein sein.

Ich würde ihm sagen, dass es bestimmte Hobbys eben nur in einem Verein gibt und er für sich entscheiden soll, ob er da teilnehmen möchte. Vielleicht möchte er es aber auch erst in ein, zwei Jahren oder eben nie. Es gibt doch unter den Erwachsenen auch viele, die nichts mit Vereinen anfangen können.

Und Musikunterricht gibt es doch in kleinen Gruppen.

lg Tomama

Beitrag von angelinchen 08.11.10 - 11:12 Uhr

Hallo!
spontan würde mir nur einfallen, ihn quasi als allerersten in den jeweiligen Kurs zu bringen. dann ist er schon da, und die anderen kommen erst NACH ihm, so muss er nicht in eine Kindergruppe gehen die schon fertig da steht.
vielleicht hilft es ihm ja auch, wenn einer seiner Freunde mitgeht? dann sind sie zu zweit...

LG Anja