Bin ratlos, soll ich mit meinem Sohn zum Grab des Nachbarsjungen

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von jule0009 07.11.10 - 14:06 Uhr

Hallo zusammen,

vor 2 Monaten ist der Nachbarsjunge (3 3/4) meiner Mutter ertrunken.

Ich habe es meinem Sohn damals ziemlich schonend erklärt das er den Jungen nicht mehr sehen wird, da er jetzt tot ist.

Fynn ist 4 1/2 und hat den Tod ziemlich mitgenommen, es hat schon ne Weile gedauert bis er das soweit verstanden hat.

Jetzt fragt er mich ob wir mal zu dem Grab gehen um dort eine Kerze hinstellen. Mein Sohn ist sehr sensible und ich weiß nicht so recht was ich machen soll.

Ich habe einfach Angst das er das ganze nicht verkraftet.



Jule


Beitrag von ioqui69 07.11.10 - 14:23 Uhr

Hallo Jule,

also ich würde es nur machen, wenn dein Sohn nochmal von dem Jungen redet, bzw. quasi das Thema selbst anspricht. So ohne irgendeinen Anlass ans Grab gehen würde ihn doch sicher mitnehmen, gerade, weil du schreibst, dass er sehr sensibel ist. Andererseits könnte es auch eine Möglichkeit sein, dass er damit abschließen kann, d.h. er weiss, der Junge liegt da begraben und ihr könnt ihn immer besuchen, auch wenn er ihn nicht sieht... Ist halt ein heikles Thema und erfordert wohl etwas Fingerspitzengefühl. Sicher kannst du deinen Sohn am besten einschätzen...

LG
ioqui

Beitrag von kati66 07.11.10 - 14:23 Uhr

Hallo Jule,

vielleicht kann Dein Sohn es besser verstehen und auch trauern, wenn Du mit Ihm dort hingehst.

Mein Sohn hat mit 9 Monaten seinen Vater und mit etwas über 3 Jahren seine Oma verloren und ich muss meinen Sohn mit zum Grab nehmen. Für Ihn ist es auch gut und der Tod gehört zum Leben dazu.

LG
Kati

Beitrag von lenimelina 07.11.10 - 14:24 Uhr

Hm, schwierig....
Bei uns ist letztes Jahr der Lebensgefährte meiner Schwägerin tötlich verunglückt.Luca war da 4 3/4.
Er wollte auch auf den Friedhof und das Grab sehen, er konnte das nicht vetstehen, dass da jetzt Klaus drinliegt.wir haben dann eine Kerze angezündet und ich habe ihm erklärt, dass Klaus das jetzt im Himmel bestimmt sieht und sich darüber freut.
Luca hat sich noch sher lange (bestimmt 1/2 Jahr ) damit beschäftigt.Es kamen dann auch Fragen wie:Und wenn ihr sterbt? etc.
Und er hat auch lange gebraucht um zu begreifen, dass er wirkich nie mehr wiederkommt....

Wenn dein Sohn den Wunsch äußert, dann würde ich schon mit ihm auf den Friedhof gehen.Du mußt halt nur mit Fragen etc rechnen.


LG
melina

Beitrag von kati66 07.11.10 - 14:24 Uhr

Hab noch was vergessen, mein Sohn ist auch sehr sensibel und es schadet Ihm nicht, mit zum Grab zu gehen. Ganz im Gegenteil, Fabian braucht das, um seine Trauer zu verarbeiten.

Beitrag von sakirafer 07.11.10 - 14:28 Uhr

Hallo,

wenn ich dein Posting richtig verstanden habe, möchte dein Sohn von sich aus an das Grab, um eine Kerze hinzustellen.

Ich denke, dass ich an deiner Stelle mit meinem Sohn dahingehen würde, wenn er das möchte. Vielleicht ist es wichtig für ihn. Es beschäftigt ihn ja anscheindend noch.

Liebe Grüße

Sara

Beitrag von gismomo 07.11.10 - 14:31 Uhr

Hallo,

wenn er es selber möchte, würde ich es machen. Lass ihn evtl. die Kerze selber basteln (verzieren). Ich persönlich würde meinem Kind erklären, dass der "wirkliche" Junge nicht im Grab liegt, sondern bei Gott ist. Dort geht es ihm gut und er ist nicht allein. So wie beim Schmetterling die Hülle übrig bleibt, wenn er sich verpuppt, und der Schmetterling selber davon fliegt - so ist auch der "wirkliche" Junge bei Gott im Himmel.

Der Tod ist eine Trennung von den Menschen, aber keine Trennung von Gott. Da Gott die Liebe ist, geht es dem Kind jetzt gut, auch wenn es anders ist als hier auf der Erde bei den Menschen. Ich glaube fest daran, dass es so ist, und ich würde meinem Kind das aus vollster Überzeugung auch sagen können.
Falls dein Kind fragt, warum es den Tod gibt, warum das Kind nicht mehr bei seinen Eltern sein kann - darauf würde ich sagen, dass ich das nicht weiß. Dass es auch ganz schlimm ist, dass das Kind nicht mehr bei den Eltern sein kann - dass es dem Kind aber trotzdem gut geht, da wo es jetzt ist. Und dass es irgendwann seine Eltern auch wieder sehen wird und sie dann wieder zusammen sein werden.

Das Thema ist schwierig und erfordert Fingerspitzengefühl, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, ich weiß. Aber gar nicht darüber reden ist auch keine Alternative.

lg
K.

Beitrag von jule0009 07.11.10 - 14:31 Uhr

Danke erstmal für Eure Antworten.

Fynn weiß das er wenn er mag Fragen über Lars stellen kann. Ich stoppe ihn nicht.

Die Frage hat sich halt bei mir aufgeworfen, weil Fynn jetzt aktuell wieder gefragt hat. Fynn hat auch oft gefragt wie Lars gestorben ist.

Ich weiß das der Tod zum Leben gehört, und ich möchte ihn auch nicht davon abhalten.

Ich habe Fynn erzählt, das Lars jetzt ein Sternenkind ist und auch sieht das wir kurz nach seinem Tod immer eine Kerze angemacht haben.

Dann werde ich wohl mit Fynn zum Grab gehen.

Habt vielen Dank, hier habt mir mit Euren Antworten geholfen

Beitrag von hinterwaeldlerin09 07.11.10 - 14:31 Uhr

Hallo,

also ich würde mit ihm dahingehen. Er hat ja selbst den Wunsch geäußert, die Kerze aufzustellen. Er wird trauern, fragen, die Verarbeitung wird vielleicht Zeit brauchen, ihn aufwühlen...aber daran ist ja nichts Falsches! Sich auf diese Weise mit dem Tod auseinanderzusetzen als kleines Kind...ist doch gesund.

Ich denke, es wird viel schlimmer, bedrohlicher...wenn um das Grab ein Geheimnis gemacht wird, ihm, mit welchen Ausreden auch immer vermittelt wird, er dürfe/könne da nicht hin!

Ich finde sein Bedürfnis zeigt, wie intensiv er den Tod des kleinen Nachbarn verarbeitet. Mit dem Kerze aufstellen möchte er es "begreifen".

lg die hinterwäldlerin

Beitrag von emilia72 07.11.10 - 15:30 Uhr

Hi,

ich persönlich könnte es nicht.

Bei uns ist im weitläufigen Bekanntenkreis ein 2jähriger gestorben. Unser Kleiner kannte ihn allerdings nicht. Auf dem Grab (habe ich von Weitem gesehen), steht sein Teddy.

Ich würde zusammenbrechen, wenn ich vor dem Grab stehe...

Chris

Beitrag von jule0009 07.11.10 - 15:33 Uhr

Hallo Chris,

kann ich gut verstehen, ich konnte auch nicht zur Beerdigung, es hat auch einige Wochen gedauert bis ich an das Grab gegangen bin, vorallem weil ich den Jungen noch 2 Tage vor dem Unglück noch gesehen und gesprochen habe.

Beitrag von donaldine1 07.11.10 - 15:39 Uhr

Hallo,
wenn dein Sohn da hin möchte, dann würd eich mit ihm da auch hingehen. Wenn du es jetzt von dir aus irgendwie blockst, dann merkt er es sowieso.ich denek nicht, daß das dann sehr förderlich für einen gutem Umgang mit Thema tod wäre.
Ehrlich gesagt verstehe ich insgesamt nicht, warum viele so ein Riesendrama/-thema um den Tod machen. Er gehört leider zum Leben dazu. Und genau darum sollte ein Kind auch einen vernünftigen Umgang mit dem Thema lernen. Tabuisieren ist sicherlich nicht der richtige Weg.
LG
donaldine1

Beitrag von jule0009 07.11.10 - 15:48 Uhr

Dann lies doch mal bitte was ich geschrieben habe, ich will ihn auch nicht davon abhalten, sonst würde ich ganz anders damit umgehen und alle Fragen abblocken, tue ich aber nicht.

Ich bin mir halt unsicher was den Besuch am Grab angeht. Der Tod kann überall ihm begegnen und ich habe mich mit ihm ja zusammengesetzt und ihm von Lars erzählt

Beitrag von bine3002 07.11.10 - 20:03 Uhr

Wenn dein Sohn darum bittet, ans Grab zu gehen, dann würde ich das auch tun. Selbst sensible Kinder wissen oftmals sehr genau, was sie verkraften bzw. was sie für das "Verkraften können" brauchen.