Wer kennt sich mit Erbrecht aus?

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Beitrag von wonderbra1 07.11.10 - 22:21 Uhr

Hallo!

Kurz zum Sachverhalt: Wir sind verheiratet, mein Mann hat "unsere" Wohnung schon vor der Hochzeit gekauft, deshalb läuft alles auf ihn.
Wir haben keinen Ehevertrag.

Wenn meinem Mann etwas passieren sollte (was ich natürlich nicht hoffe!!!), wer bekommt die Wohnung?

Unser Sohn und ich, ABER: Haben seine Mutter und Geschwister auch irgendwelche Ansprüche darauf?

Habe schon oft überlegt ob wir uns da nicht mal schlau machen sollten und evtl. die Wohnung auf halb/halb umschreiben...

#danke schonmal om Voraus!

LG, Nadine

Beitrag von gh1954 07.11.10 - 22:30 Uhr

In eurem Fall haben Eltern und Gechwister keine Erbansprüche, was aber deinen Mann nicht davon abhalten sollte, ein Testament zu deinen Gunsten zu machen.

Beitrag von parzifal 08.11.10 - 08:09 Uhr

Nein, haben sie nicht. Erben vorrangiger Ordnung schließen Erben nachrangiger Ordnung aus.

Dein Mann sollte aber trotzdem ein Testament zu Deinen Gunsten machen, wenn er die Wahrscheinlichkeit erhöhen will, dass Du in der Wohnung bleiben kannst.

Wenn es dumm läuft musst Du ansonsten Deinen Sohn zu 50 % auszahlen. Wenn Du Alleinerbe bist nur zu 25%.

Beitrag von myimmortal1977 08.11.10 - 11:06 Uhr

Wenn die TE in einer Zugewinngemeinschaft lebt, muss sie im Erbfall (Tod des Mannes) nur den Zugewinn bei Erbscheinsantrag geltend machen.

Dann entfallen auf die Kinder oder das Kind nur 25 % der Erbmasse.

Man kann zwar testamentarisch festhalten, wer welche Besitztümer erhalten soll, nur die Erbmasse wird aus dem ganzen Vermögen berechnet.

Der Miterbe hat einen Anspruch auf den entsprechenden Geldwert aus der kompletten Erbmasse. Dieser entfällt vorerst nur, wenn der andere Erbe eine Aussetzung wegen besonderer Härte geltend macht, was aber nicht von der Zahlungspflicht auf immer und ewig entbindet.

LG Janette

Beitrag von parzifal 08.11.10 - 17:24 Uhr

Der Pflichtteil ist ein reiner Anspruch in Geld.

Weshalb gilt dies auch für den Miterben?



"Wenn die TE in einer Zugewinngemeinschaft lebt, muss sie im Erbfall (Tod des Mannes) nur den Zugewinn bei Erbscheinsantrag geltend machen.
Dann entfallen auf die Kinder oder das Kind nur 25 % der Erbmasse. "

Das habe ich nicht verstanden.

Wie soll man bei gesetzlicher Erbfolge dazu kommen, dass das Kind nur 25% erbt?

Über den Zugewinn?
Welch nennenswerter Zugewinn soll hier denn angefallen sein? Genannt wurde im Sachverhalt jedenfalls keiner?

Und ohne ganz erheblichen Zugewinn, für den ich überhaupt keine Anhaltspunkte sehe, erhält die TE doch gesetzlich nur 50 %.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. In Fragen des Zugewinns behaupte ich nicht der Allwissende zu sein.

Die Antwort würde mich daher wirklich interessieren. Vielleicht lerne ich ja etwas Neues dazu?

Beitrag von myimmortal1977 08.11.10 - 23:18 Uhr

"Das habe ich nicht verstanden.
Wie soll man bei gesetzlicher Erbfolge dazu kommen, dass das Kind nur 25% erbt?
Über den Zugewinn?"

Ja, über den Zugewinn. Dafür muss die TE auch keinen genaueren Sachverhalt benennen, denn wenn man verheiratet ist und kein Gütertrennungsvertrag besteht, besteht automatisch eine Zugewinngemeinschaft. Also, wenn die TE und ihr Mann keinen Gütertrennungsvertrag haben, gilt folgende Regelung:

- Haben die Ehegatten hingegen im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt, wird der Erb- und damit auch der Pflichtteil des Überlebenden durch den zwingend durchzuführenden Zugewinnausgleich beeinflusst. In aller Regel wird der Ausgleich des Zugewinns dadurch verwirklicht, dass der gesetzliche Erbteil des Ehegatten um ein Viertel erhöht wird. -

Quelle: http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/pflichtteil/pflichtteil_02.html

Bei uns war der Fall so, als mein Vater starb. Meine Mutter hätte 3/4 beanspruchen können, brauchte sie nicht. Ich hatte ihr so wie so alles gelassen.

"Der Pflichtteil ist ein reiner Anspruch in Geld.
Weshalb gilt dies auch für den Miterben?"

So ist einfach die Gesetzeslage :-) Man muss aber unterscheiden zwischen einem Pflichtteilserben und Erben, die z. B. in einem Testament mit Sachgütern bedacht worden sind. Dennoch gehen alle vererbten Sachgüter in der Summe des Wertes in die Erbmasse mit ein! D. h. das alle Güter wertmäßig beziffert werden und zusammen mit Barvermögen die Höhe des Pflichtteils begründen.

- Mit der so festgestellten Pflichtteilsquote ist der Pflichtteilsberechtigte dann am Wert des Nachlasses beteiligt. Der Pflichtteilsberechtigte hat demnach lediglich einen Zahlungsanspruch auf eine bestimmte Geldsumme. Er kann hingegen vom Erben keinen bestimmten Nachlassgegenstand herausverlangen, mag dieser auch wertmäßig seinem Pflichtteilsanspruch entsprechen. -

Quelle: http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/pflichtteil/pflichtteil_02.html

"Und ohne ganz erheblichen Zugewinn, für den ich überhaupt keine Anhaltspunkte sehe, erhält die TE doch gesetzlich nur 50 %."

Das mit dem Zugewinn hatte ich ja oben schon versucht zu erklären. Erheblich muss der Zugewinn nicht sein. Es reicht halt die Tatsache verheiratet zu sein ohne Gütertrennungsvertrag.


Beitrag von parzifal 09.11.10 - 08:58 Uhr

Da geht ja einiges Durcheinander.

Zunächst ein Pflichteitsberechtigter ist niemals Erbe (einen "Pflichtteilserben" gibt es nicht. Nur einen Pflichteilberechtigen). Dieser hat immer nur einen Anspruch in Geld. Das ist soweit richtig.

Ein Erbe erhält den Nachlass des Erblassers.

Miterben bilden eine Erbengemeinschaft. Ihnen gehört der Nachlass gemeinsam. Dies ist gerade kein Anspruch nur in Geld!

"Das mit dem Zugewinn hatte ich ja oben schon versucht zu erklären. Erheblich muss der Zugewinn nicht sein."

Bis jetzt ist aber immer noch nicht ersichtlich Du auf 3/4 kommt. Dies erreicht man dioch regelmäßig nur über ein Testament aber nicht über das gesetzliche Erbrecht. Hatte Dein Vater Deine Mutter eventuell als Alleinerbin eingesetzt?

Richtig an den Ausführungen ist aber, dass der Ehegatte einen pauschalierten Zugewinnsausgleich verlangen kann.

Diese Wahl wäre für die TE hier auch ratsam, da ja gerade kein tatsächlicher Zugewinn angefallen ist (zumindest kein genannter bzw. nennenswerter). Besser für sie wäre selbstverständlich die Einsetzung als Alleinerbe.

Aber auch über den pauschalierten Zugewinn kommt man doch nur insgesamt auf 1/2.

Der gesetzliche Erbanspruch als Ehegatte ist bei vorhandenen Kindern doch nur 1/4!
Ein weiteres 1/4 erhält man über den pauschalierten Zugewinn.

1/4 + 1/4 ist 1/2.

Wien kommst Du also bei gesetzlicher Erbfolge konkret auf 3/4?

Beitrag von parzifal 10.11.10 - 18:40 Uhr

Darf ich noch auf eine Antwort hoffen, wie Du bei gesetzlicher Erbfolge auf 3/4 kommst?

Vielleicht kennst Du ja doch einen Dreh der mir unbekannt ist?

Auch ein Nein, wäre hilfreich, damit ich nicht öfters hier nachschauen muss, ob noch etwas kommt.

Beitrag von anyca 08.11.10 - 10:10 Uhr

Wenn es kein anderslautendes Testament gibt, erben Du und Dein Sohn jeweils zur Hälfte.

Häufig machen Immobilienbesitzer allerdings ein "Berliner Testament", das besagt, daß zunächst der Ehepartner Alleinerbe ist. Eben damit die Kinder das Haus bzw. die Wohnung erst erben, wenn beide verstorben sind.

Beitrag von wonderbra1 10.11.10 - 00:05 Uhr

Vielen Dank für Eure Antworten! #blume

@parzifal und myimmortal1977: Leider konnte ich Euch nach dem zweiten Beitrag nicht mehr folgen #schwitz, sorry