Kinderarbeit abschaffen, und dann?

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Beitrag von shabnam85 07.11.10 - 22:51 Uhr

Hallo,


ich bin dagegen dass Kinder arbeiten müssen usw., aber ich stamme aus einem Land, dass zwar seine Reichen hat und dennoch zur 3.Welt gehört ( Nordafrika ). Viele Kinder ( zwischen 10 und 17, wobei ich denke dass ein 17-jähriger dass schon verkraften kann ) arbeiten beim Schneider, Schreiner, auf dem markt usw.

Nun zu meiner Frage, viele Europäer engagieren sich ja für diese Kinder, in dem sie die Produkte boykottieren, aber hilft es den Kindern wirklich?
Können sie dann eine unbeschwerte, schöne Kindheit genießen, wie die der Müllers, Browns und der Dubois`?
Viele haben Kranke Eltern, und wenn man sich diese Familien ansieht, dann wird man erkennen, dass die kinder wirkoich kämpfen um einen Job zu bekommen. Natürlich ist das nicht unsere Vorstellung für eine Kindheit, aber wenn die Kinder diesen Job verlieren würden, würden sie noch mehr leiden. Sie würden woanders arbeit suchen, vielleicht dort wo sie weniger bekommen, als die paar cents von H&M und Adidas. Sie würden weniger zu essen haben, und könnten trotzdem nicht Kinder sein. Sie würden betteln gehen usw. usw.

Ich finde es gut, dass man sich in Europa Gedanken macht. Aber Gedanken stillen keinen Hunger.

Mag sein dass diejenigen die Boykottieren, das gefühl des reichen, weißen Mannes bekommen, der sich politisch und caritativ engagiert, in dem er sein Geld nicht ausgibt. aber damit hilft er nur seinem Ego!

Wer opfert denn ein wenig Zeit seines Urlaubs in Afrika um die Slums zu besuchen , und wenigstens alte Kleidung der Kinder abzugeben? Ich weiß das löst nicht die Probleme, aber mehr als dieses "engagement" aus der ferne, um sein Gewissen zu beruhigen "man-tut-ja-etwas-für-die-die-von-der-kolonialisierung-verarmten-negerlein".


Liebe Grüße und gute Nacht

Beitrag von das-zuckerpueppchen 08.11.10 - 00:36 Uhr

Die Anzahl an arbeitenden Kindern in einer volkswirtschaftlichen Gemeinschaft kann man getrost als Indikator für den Entwicklungsgrad dieser Volkswirtschaft ansehen. Sogenannte Kinderarbeit findet sich vermehrt in Entwicklungs- und Schwellenländern, kaum in weit- oder hoch entwickelten Gesellschaften.
Insofern gebe ich Dir Recht, dass Kinder als billige Arbeitskräfte oft unabkömmlich in solchen Ländern sind. Auch in Fabriken und Werkstätten, die Produkte und Waren produzieren, die vornehmlich in die „reichen“ Länder geliefert werden.

Dennoch, und selbst wenn man annimmt, dass diese Kinder benötigt werden als Arbeitskräfte und diese einen wichtigen Beitrag zum Familieneinkommen liefern, es muss vornehmliches Ziel einer ausgewogenen Entwicklungshilfepolitik sein, dass diese Kinder zunächst einmal zur Schule gehen können und NICHT den ganzen Tag auf dem Feld sind oder Teppiche knüpfen oder Fußbälle für Nike zusammennähen o.ä.. Denn je mehr Bildung eine Gesellschaft erfährt umso mehr kann sie sich selbst helfen und eines Tages ein Wohlstandsniveau zu erreichen, dass Kinderarbeit völlig überflüssig macht. (So lange ist die Kinderarbeit in Europa übrigens auch noch nicht her)

Der Boykott richtet sich im Übrigen nicht nur gegen die Entstehung solcher Produkte bzw., wird als Angriff auf Einkommensmöglichkeiten dieser Menschen wahrgenommen, sondern er richtet sich v.a. gegen die Profiteure, also vornehmlich die Unternehmen, die ja meist in den Abnehmerländern sitzen. Wenn die Textilkette „kik“ Kinder-T-Shirts für 1,99 € hier anbietet und diese Dumping-Preise aufgrund von Ausbeutung von Arbeitskräften, auch Kindern, in der 3. Welt oder in ärmeren und ärmsten Regionen dieser Welt ermöglichen kann, dann ist doch v.a. der hiesige Konsument (wenn es Regierungen nicht bewerkstelligen können oder wollen) aufgerufen, Druck auf diese Art von extremer Ausbeutung auszuüben, in dem er entweder diese Produkte nicht mehr kauft und/oder aber ein gesellschaftlicher Druck z.B. durch die Medien, eine Veränderung dieses Geschäftsmodells bewirkt.
„kik“ könnte das gleiche T-Shirt auch für 3,99 € verkaufen und damit eine erste Grundlage schaffen, bessere Löhne zu bezahlen, was wiederum dazu führt, dass Kinder eventuell vormittags eine Schule besuchen könnten und nicht den ganzen Tag ab 06:00 in der Früh an der Nähmaschine sitzen müssen.

Das Thema lässt sich noch beliebig ausweiten und es ist ein sehr schwieriges Thema. Man möchte ja nicht das Kind gleich mit dem Bade ausschütten.

Dir auch eine gute Nacht!

Beitrag von zeitblom 08.11.10 - 09:59 Uhr

"es muss vornehmliches Ziel einer ausgewogenen Entwicklungshilfepolitik sein, dass diese Kinder zunächst einmal zur Schule gehen können "

Fein, doch nach der Regel "wer zahlt, bestimmt", sollten solche hilfsbeduerftigen Staaten ihre Souveraenitaet verlieren und meinetwegen Kolonialstatus erhalten.

"Profiteure"

Bei Verkaufspreisen 1,99€ frage ich mich, wer da die Profiteure sind: die Textilketten .. oder nicht doch die Konsumenten.

Beitrag von shabnam85 08.11.10 - 16:03 Uhr

Du glaubst aber nicht im ernst dass die Kolonialmächte sich um die Menschen scheren würden ??

Du weißt anscheinend nicht, wer die Afrikaner ausbeutete und warum sie teilweise immer noch unter den Folgen des Kolonialismus leiden.

Beitrag von zeitblom 08.11.10 - 16:42 Uhr

Doch, das glaube ich...mindestens jedenfalls so viel, wie die herschende politische Klasse sich um ihre arme Bevoelkerung kuemmert....

"Du weißt anscheinend nicht, wer die Afrikaner ausbeutete "

Aber eben nur "anscheinend"....

Beitrag von king.with.deckchair 09.11.10 - 18:29 Uhr

Süß. "Die" Afrikaner - jau, alle nur ausgebeutet vom bösen weißen Mann. Bis heute. Nur Opfer der bösen bösen Kolonialmächte.

Selbstverständlich in keinster Weise selbst schuld an ihrer seit Jahrzehnten andauernden Misere, "die" Afrikaner. Bürger- und Stammeskriege, Korruption, massive und brutalste (sexuelle) Gewalt gegen alles, was nicht bei 'drei' auf den Bäumen ist, Ausbreitung von AIDS wegen idiotischen Aberglaubens (trotz aller Hilfsversuche aus den bösen bösen ehem. Kolonialstaaten), Unterdrückung von Frauen und "Ungläubigen", Ausübung der Scharia auf mittelalterliche Weise in einigen Staaten dort... - jau, an allem ist das böse alte Europa Schuld.

Jahrzehntelange Entwicklungshilfe, Fantastilliarden von Mark, Dollar und Euro für Projekte... alles ja nur, damit der böse weiße Mann sein Gewissen beruhigt. Was für eine dumme, undankbare und erbärmliche, arrogante Unterstellung!

Du bist doch einfach nur mal wieder berufsbeleidigt und empört und spielst das bzw. weißt anderen zu, was exzessive Anhänger deiner Religion zu gern tun: Das Opfer bzw. die Opferrolle.

Ich kann übrigens keine Kleidung nach "Afrika" bringen - ich pflege nicht in Länder zu reisen, die a) islamisch/islamistisch sind und/oder in denen b) Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Und zwar von den Einwohnern SELBST.

Nicht einen Cent werde ich in diese Länder tragen. Nicht als Touristin, nicht als (Kleider)spenderin.

Beitrag von klimperklumperelfe 09.11.10 - 18:52 Uhr

Krass, dass ich mal deiner Meinung sein würde!;-)

Beitrag von eishaendchen80 08.11.10 - 15:19 Uhr

Kik ist aber nu mal ein sehr bekanntes Beispiel
Es gibt auch von Bennetton Shirts für 2€ das Stück, wo kommen die her?
sicherlich nicht aus Deutschland.
Alle Produkte, selbst deutsche Autos, werden irgendwo im Ausland produziert und die "deutschen Produkte" werden dann hier nur noch zusammengesteckt.

Diese Diskussion ist ein schwieriges Thema welches ewig mit andren Kommentaren vollgestopft werden kann.

Meine SchwieMu hat eine Patenschaft über World Vision und das reicht. Wir spenden unsere Energie hier in unsere Gegend und ich sorge dafür das unsere Jungs ein großes Angebot bekommen und gut aufwachsen können.

Beitrag von king.with.deckchair 09.11.10 - 18:31 Uhr

"Alle Produkte, selbst deutsche Autos, werden irgendwo im Ausland produziert"

Unfug.

Beitrag von perserkater 09.11.10 - 23:19 Uhr

So weit ich weiß produziert ausschließlich Porsche komplett im Inland. Alle anderen Autohersteller lassen im Ausland produzieren. Ich lasse mich aber gerne berichtigen.

Beitrag von leopoldina1971 08.11.10 - 08:11 Uhr

Also mehr als nur Provokation kann ich deinem Beitrag nicht entnehmen.

Artikel dieser Art helfen jedenfalls nicht weiter.

Beitrag von daisy80 08.11.10 - 20:31 Uhr

In wie fern fühlst Du dich provoziert?

Beitrag von leopoldina1971 08.11.10 - 20:40 Uhr


Warum interessiert dich das?

Beitrag von shabnam85 08.11.10 - 21:00 Uhr

würde mich auch interessieren, warum di dich provoziert fühlst??

Beitrag von hexlein77 08.11.10 - 21:08 Uhr

Ja, mich allerdings auch! #kratz

Ich kann in diesem BEitrag nichts provozierendes finden! Oder plagt da jemanden das schlechte Gewissen? #kratz

Beitrag von daisy80 09.11.10 - 11:57 Uhr

Weil ich mich in keiner Weise provoziert fühle und es in der Tat nicht nachvollziehen kann.

Beitrag von leopoldina1971 08.11.10 - 21:22 Uhr

Ein Nichthandeln/Falschhandeln (wobei der Bezug nur auf Europäer bezogen allein schon oberflächlich ist) zu unterstellen, ohne es vorher zu erfragen bzw. zu hinterfragen, ist provokativ.

Wenn dann noch Ausbrüche wie:

<<Mag sein dass diejenigen die Boykottieren, das gefühl des reichen, weißen Mannes bekommen, der sich politisch und caritativ engagiert, in dem er sein Geld nicht ausgibt. aber damit hilft er nur seinem Ego!>>

und

<<....als dieses "engagement" aus der ferne, um sein Gewissen zu beruhigen "man-tut-ja-etwas-für-die-die-von-der-kolonialisierung-verarmten-negerlein". >>


folgen, warum sollte man sich auf derart Emotionales und Unsachliches einlassen?

Das ist meine Meinung.

Beitrag von shabnam85 08.11.10 - 21:28 Uhr

Sind Emotionen etwas schlechtes???


Und trotzdem hast du dich ja darauf eingelassen, und JA wenn man nicht betroffen ist, kann man schön emotionslos und sachlich über etwas diskuttieren...

Beitrag von leopoldina1971 08.11.10 - 21:37 Uhr

Ich lag demnach richtig, dass du provozieren willst. Auch verbitte ich mir irgendwelche Unterstellungen.

Menschen, die sich tatsächlich karitativ engagieren (finanziell oder persönlich) haben es nicht nötig, damit hausieren zu gehen oder gar hier ein Statement abzugeben. Oder was ist dein eigentliches Anliegen?


Beitrag von king.with.deckchair 09.11.10 - 18:12 Uhr

Die ich absolut teile.

Beitrag von nele27 08.11.10 - 09:54 Uhr

Hallo,

die Kinder arbeiten ja nicht überwiegend, weil die Eltern krank sind. Sondern die Eltern hängen arbeitslos auf der Straße rum, während die Kinder eingestellt werden, da sie weniger kosten und sich besser unter Kontrolle bringen lassen - oft mit Gewalt.

Und bei solchen Geschäftsgebaren mache ICH halt zu einem gewissen Anteil nicht mit und das hat nichts mit Gewissensberuhigung zu tun. Ich habe es schlichtweg nicht nötig, Produkte zu kaufen, die aus zweifelhafter Produktion stammen. Sicher schafft das keiner zu 100%, dazu ist diese Praxis zu weit verbreitet, aber schon wenn jeder 2 Ausbeuterfirmen boykottieren würde, wären wir einen Schritt weiter.

Genauso wie Du den so Handelnden Gewissensberuhigung vorwirfst, kann ich Dir vorwerfen, aus Bequemlichkeit/Ignoranz/Egoismus bei Kik, H&M und Addidas zu kaufen und Dir das damit schönzureden, dass "man ja gar nichts tun kann" oder "die Kinder auf den Job angewiesen sind".
Gerade das erste ist eine verdammt faule Ausrede.


***Wer opfert denn ein wenig Zeit seines Urlaubs in Afrika um die Slums zu besuchen , und wenigstens alte Kleidung der Kinder abzugeben?***

ICH. Ok, ich habe keinen Urlaub geopfert, aber mir das Ganze letztes Jahr im Rahmen einer Dienstreise angeschaut (Kenias Slums Kibera und Mathare Valley), weil ich da an Hilfsprojekten meines Arbeitgebers mitgewirkt habe.
Und da kann ich Dir aus Erfahrung sagen, dass die Mädchen aus unserem Projekt in der Schule und in der Ausbildung (z.B. Schneiderin, Gastronomie) wesentlich besser aufgehoben sind als als Tagelöhnerinnen irgendwo auf der Straße, wo sie neben ihrer Armut auch sexueller Gewalt schutzlos ausgeliefert sind.

Liebe Grüße
Nele

Beitrag von karin3 08.11.10 - 12:57 Uhr

Hallo,

wenn du Entwicklungshilfe leisten willst, spende für Schulen, kaufe nur ganze Hähnchen und gib deine Kleidung entweder in den Müll oder in den secondhand Handel.
Beispiel Hähnchenfleisch
Da europäische Verbraucher angeblich (ich wurde noch NIE befragt) lieber die Brust des Hähnchens essen, liefert die EU regelmäßig den Rest in 3te Welt Länder. Die 3te Welt Länder müssen wenn sie Subventionen haben wollen ihre Märkte öffnen. Folge der Geflügelbauer vor Ort kann mit dem billig Fleisch aus der EU nicht mithalten und muss seine Mitarbeiter entlassen. Die Mitarbeiter können die ortsansässigen (Kein)Bauern nicht bezahlen. "juhu" die EU hat einen ewigen Abnehmer für das was die EU Verbraucher nicht wollen.
Genau so verhält es sich mit Kleidung!


Gruß Karin

Beitrag von anyca 08.11.10 - 13:57 Uhr

"Wer opfert denn ein wenig Zeit seines Urlaubs in Afrika um die Slums zu besuchen , und wenigstens alte Kleidung der Kinder abzugeben?"

So weit ich weiß, macht der Altkleiderexport aus Europa die heimische Textilindustrie in afrikanischen Ländern kaputt, also "alte Kleidung spenden" ist auch wieder nicht die Ideallösung ...

Und solange es genug erwachsene Arbeitslose in den Entwicklungsländern gibt, wäre es ja nun sinnvoller, denen die Jobs zu geben und die Kinder schulpflichtig zu machen bzw. ihnen Ausbildungen zu ermöglichen.

Wenn Jugendliche ab, sagen wir, 15 arbeiten ist es ja o.k., aber Zehnjährige sollten lernen, nicht schuften!

Beitrag von mauz87 08.11.10 - 14:01 Uhr

Weiß grad nicht was Ich davon halten soll!? Was willst Du nun mit dem Thread bezwecken?

Ich zB würde nie für andere Spenden stehe Ich auch offen zu.

Zum anderen mein Vater musste auch mit 14 arbeiten da hat Niemand nach etwas gekräht das war eben so. Wie war es bei unseren Großeltern?

Mal im Ernst. Wenn DU speziell helfen willst dann spende dahin wo DU meinst das es anklang findet.


Beitrag von nele27 08.11.10 - 14:24 Uhr

Was ist das denn für ein sinnloser Vergleich??

Es ist ja wohl was anderes, ob Dein Vater oder Opa mit 14 in die Lehre geht oder ob ein indisches Kind mit 5 Jahren 12 Stunden am Tag im Steinbruch schuftet, wo es auch noch geschlagen wird #augen

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