Sexleben nach Vergewaltigung

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Forum: Liebesleben

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Beitrag von sternchen266 09.11.10 - 18:21 Uhr

Hallo ihr lieben,
ich habe jetzt mal meinen inneren Schweinehund überwunden und werd mir jetzt mal ganu das von der Seele schreiben was mich schon seit Jahren beschäftigt.

Also vor 6 Jahren wurde ich von einer "Bekanntschaft" vergewaltigt (war damals 17 Jahre) mit dem ich sozusagen in der "kennlerphase" war (kannten uns 2 Monate). Wir hatten uns auf einer Party kennen gelernt und alles war eigentlich schick (häufige treffen, anstreben einer Beziehung, halt ganz normal). Naja zumindest bis auf diesen einen Morgen an dem er nach der Disco vor meiner Tür stand, ich mir nichts dabei dachte, ihn in meine Wohnung ließ und er auf kein "nein" meinerseits reagierte, als er versuchte sich mir anzunähern. Naja Ende vom Lied war dann halt, dass er mich vergewaltigt hat, wobei ich es anfangs so gut verdrängte, dass mir meine beste Freundin Wochen später die Augen öffnete, dass er mich vergewaltigt hatte, als ich ihr erzählte was da passiert ist. Das klingt total doof, ich weiß, aber es war wirklich so. Mir ging es danach richtig dreckig aber ich wusste nicht warum. Dachte halt immer eine Vergewaltigung passiert immer mit körperlicher Gewalt und mir würde ja sowas nie passieren. Aber er hatte halt nicht auf mein deutliches NEIN reagiert. Er hat es einfach ignoriert bis ich komplett zugemacht habe, das gefühl hatte gelähmt zu sein und er mit mir machen konnte was er wollte #hicks
Das ist erstmal die Hauptgeschichte aus der sich mein eigentliches Problem ergibt.

Sooo... damals bin ich dann ein Monate später mit meinen jetzigen Partner zusammen gekommen. Jetzt denkt nichts falsches von mir. Hatte mit meinem jetzigen Partner schon über 6 Monate sms Kontakt eh wir unser erstes Date hatten und dann zueinander gefunden hatten. Hatte nämlich herkömmlich kein Interesse an ihm (kannten uns durch meine damalige Ausbilderin als ich meine Lehre bei Aldi machte) aber wollte eine Freundschaft aufbauen, weil ich ihn nett fand und daraus ergab sich dann doch mehr ;-)
Naja er war auch die einzige männliche Person der ich vertraute und mit dem ich darüber per sms schrieb (bevor ich mit meiner besten Freundin darüber sprach). Es tat halt gut, mit jemand darüber zu reden ohne jemanden dabei ins Gesicht sehen zu müssen, weil ich mich extrem geschämt habe, zuzugeben das ein mann mich so unterdrücken kann. Ich hoffe ihr versteht das etwas.

Auf jedenfall war ich mehrmals auch in Therapie deshalb (litt unter Angststörungen und Panikattacken) und kann jetzt einiger Massen damit umgehen aber es beeinträchtigt immer noch mein Sexualleben.
Vor der Geschichte hatte ich wirklich gerne Sex und für (fast) alles offen. Aber seit der Geschichte hab ich jegliche Lust an Sex verloren. Mein Partner und ich haben seit wir zusammen sind maximal 2 mal pro Monate Sex. Manchmal ist es so schlimm, dass wir wirklich monatelang nicht verkehren. Er akzeptiert es zwar und bedrängt mich keinesfalls aber manchmal geht es halt auch mit ihm durch und er hält es mir vor und fragt sich wann er mal ein normales Sexleben hat, weil es ja schon so lange her ist und das ich damit abschließen muss.
Naja zu allem ärger haben wir auch seit gut 2 Jahren einen extremen Kinderwunsch. Und da bin besonders ich sehr versteift drauf. Also mit entspannt angehen ist da nicht viel. In den letzten Monaten haben wir nur regelmässigen Sex, weil um ein Baby zu zeugen und von Spaß meinerseits würd ich nicht unbedingt reden. Ich hab echt das gefühl, ich werde nie wieder Spaß am Sex haben. Ich meine, sobald mein Freund mich anfässt, reagiere ich ungewollt abweisend und hab das Gefühl er will eh nur meinen Körper für seinen Spaß und dabei gibt er sich wirklich Mühe um es mir so angenehm wie möglich zu machen. Von daher kann ich mich beim Sex auch nicht fallen lassen oder gar geniessen.
Wir reden ja auch viel darüber aber wir finden einfach keine Lösung. Zumal ich auch so ehr gelangweilt von unserem Sexleben bin.

So jetzt ist es erstmal raus *puhhh* Übrigens würde ich mich über eure Erfahrungen sehr freuen. Vielleicht hat die ein oder andere ja ähnliches durch und hat einen Weg gefunden, den Akt wieder zu geniessen. Oder ihr habt Tipps für mich wie ich in die Beziehung wieder Schwung reinbringen kann oder mich fallen lassen kann. Oh mann ist mir das Thema unangenehm #hicks

Auf jedenfall danke für`s zuhören #blume und noch einen schönen Abend

lg #sternchen

Beitrag von summer7708 09.11.10 - 18:46 Uhr

Hallo,

das tut mir wirklich leid was du durchmachen musstest und immer noch musst. Ich habe da keine Erfahrung, würde als erstes aber an Therapie denken aber du sagst ja hast du schon gemacht.
Vielleicht gibt es ja speziell für das Thema Sexualleben danach... eine angepaßte Therapie...ein Experte kann dir da bestimmt spezifisch Tipps zu geben.

Mit Sicherheit kann man sowas nie ganz verdrängen/vergessen. Ich habe mal eine ähnliche Bedrohliche Situation erlebt und versuche das immer zu verdrängen.Sicher nicht richtig aber ich bin damals glimpflich dabei weg gekommen daher ist es nicht soschlimm wie bei dir.

Versuche wirklich nochmal mit einem Experten zu reden...

Alles Gute

Beitrag von julia3ho 09.11.10 - 19:11 Uhr

Hallo Du,

ich selbst habe vor gut zwei Jahren eine "normale" Psychotherapie gemacht - gebracht hat es mir nicht sehr viel.

Seit einiger Zeit bin ich nun bei einer Therapeutin, die sich auf Traumatherapie nach Erfahrungen mit sexueller Gewalt spezialisiert hat. Ich merke, dass die Therapie deutlich besser zu mir passt.

Ich empfehle Dir dich abermals zu therapieren, vielleicht warst Du nur beim falschen Therapeuten.

Frag mal bei Wildwasser nach (www.wildwasser.de), die können Dir Spezialisten empfehlen und machen Dir Überbrückungsangebote für die Wartezeit bis Du einen Therapieplatz bekommst.

Liebe Grüße und alles Gute

Beitrag von sternchen266 09.11.10 - 23:31 Uhr

Vielen Dank für eure lieben Antworten.
Also die bisherigen Therapien (2) haben mir schon etwas gebracht. Denn nachdem ich geschnallt habe, was da mit mir passiert ist, hatte ich ja gewaltig mit meinen Gefühlen zu kämpfen. Es hatte ja auch lange gedauert eh mein Freund und ich das erste mal miteinander schliefen und selbst da, hatte ich ständig mit meinen Gefühlen zu kämpfen, weil ich über Jahre ständig anfing mit weinen #hicks Warum weiß ich bis heute selber nicht und hab nur die Erklärung meiner Therapeutin die meinte, dass in meinen Kopf wie eine Schleife abläuft. Hatte ja während der Vergewaltigung auch geweint und wenn mein Kopf mitbekommt, dass ich wieder in einer ähnlichen Situation bin, kommen die Tränen automatisch. Das ist jetzt zum Glück nicht mehr. Später fing ich dann an, meinem Freund weh zutun, wenn er mich falsch berührte beim spielerischen Kampeln oder manchmal auch einfach so und das halt immer in sein "bestes Stück" (bitte nicht dafür verurteilen, ist mir total unangenehm und das tut mir sooo unendlich leid #gruebel ). Daraufhin hab ich ja noch eine Therapie gemacht und hab das dann auch schnell in Griff bekommen. Die Psyche kann einen halt ganz schön verändern nach so einem Trauma.
Tja und jetzt ist halt noch die chronische Unlust an Sex hängen geblieben. Denke aber die wird auch daher kommen. dass ich seitdem halt immer Schmerzen beim Sex habe, weil ich immer so verkrampfe und nicht richtig feucht werde #hicks (haben auch schon verschiedene Gleitgel`s und ganz viel Spucke probiert aber es ändert sich nichts).
Und eine dritte Therapie... ich weiß nicht... #gruebel
Also die ersten beiden haben mich schon verdammt viel Überwindung gekostet und vorallem Zeit. Und dann halt auch das Problem erstmal einen guten Therapeuten zu finden und auch einen Termin zu bekommen. Muss dazu sagen, ich habe bereits in meinen jungen Leben sehr viele Therapien hinter mir (glaube 6 oder so), weil ich halt auch noch andere psychische Problemchen habe. Und noch nicht mal da finde ich einen passenden Therapeuten.
Kennt sich eigentlich irgendjemand mit solchen Paartherapien aus? Ich denke mal, wenn mein Partner und ich gemeinsam mit einem Therapeuten daran arbeiten, kann uns am ehesten geholfen werden. Wobei da dann wieder die Angst vor der Kränkung ist, weil ich sehr empfindlich darauf reagiere, wenn mein Freund äußert, dass ihm das und das halt fehlt usw.
Hab halt langsam wirklich Angst, dass meine Beziehung daran zerbricht, weil ich mich halt auch nach einen "befriedigenden" Liebesleben sehne.

lg #sternchen

Beitrag von julia3ho 10.11.10 - 08:31 Uhr

Hallo Sternchen,

ich hab' Dir eine PN geschickt.

Schöne Grüße
Julia

Beitrag von nie nie 10.11.10 - 10:40 Uhr

hi,
es wird sich nie in dein kopf ändern wenn du es net zulässt!
oft endet eine therapie niemals bei solchen vorfall.Ich kann dir nur raten das du immer wieder eine machst bis es ok ist.Aber nicht für dein partner sondern für dich-denn solange du es für ander tust - wird es nie besser!
Es wird das ganze leben lang da sein.der umgang damit wird immer leichter aber nicht durch private gespräche - sondern durch intensive Therapie!!!verstehe nicht warum du dir und dein mann es an tust wenn du dev.noch nicht bereit bist?Ich habe es nicht getan und würde es nicht tun!denn wiklich leiden tut nur der partner-der dev. nichts dafür kann.:-(
Erst wenn du wieder im kopf bereit bist wird der AKT wieder was.

lg

Beitrag von auch durchlebt 10.11.10 - 22:35 Uhr

Hallo, mir ist das gleiche passiert. Ich war damals 15 und es war
ein Verwandter von mir. Er hatte ziemlich Alkohol intus.
Nun bin ich 33. Seit 10 Jahren verheiratet. Aber erst vor ca 2 Jahren
macht mir der Sex und die Nähe einigermaßen Spaß.
Habe keine Therapie gemacht habe mich zu sehr geschämt.
Hat auch jahrelang keiner was bemerkt.
Mein Mann hatte am Anfang viel Geduld, Nächtelang Gespräche mit
mir geführt. Depressionen und Selbstwertgefühle waren oft an der Tagesordnung. Er durfte keine Pornoheft oder Filme sehen denn dann war bei mir alles Blockiert.
Es war jahrelang sehr schwer. Doch mit der Zeit wurde es besser.
Auch wel mein Mann echt super war.
Ich wusste das mit nichts passieren kann aber immer wieder blockierte ich oder bekam ekel. Selbst bei der Geburt was ja das normalste der Welt ist
hatte ich Schwierigkeiten so ausgeliefert da zu liegen. Er musst Sicherheits
abstand halten. Voll krank. Die Jahre brachten mir die Erleichterung.
Selbst wenn ich ihn so ca. 5 mal im Jahr seh macht es mir nichts mehr aus.
Lass mich nicht mehr kaputt machen.,
Nun schauen mein Mann und ich zusammen Pornos an und
probieren so viel neues aus und es macht Spaß.
Es hat nur mit dem Kopf zu tun.
Ich wünsche Dir wirkich alles Gute
und viel Verständnis und einen lieben Partner.

Beitrag von nie nie 11.11.10 - 09:50 Uhr

genau das meine ich;)#pro#pro#pro#pro#pro#pro#pro#pro#pro

Beitrag von jojo0507 11.11.10 - 21:52 Uhr

lass dich erstmal in den arm nehmen.

etwas ganz ähnliches habe ich im alter von 14 jahren erlebt - er war 16 jahre älter als ich und der mann meiner tante.

mein mann und ich schlafen auch selten miteinander, aber wenn, dann genieße ich es schon. zum orgasmus komme ich dabei allerdings nur extremst selten (was nicht heißt, dass ich selten orgasmen habe, im gegenteil, aber dazu braucht es ja keinen mann).
ICH bin in unserer beziehung diejenige, die signalisiert, wann sie lust auf sex hat.
UND: bis vor zwei monaten wusste er nichts von der vergewaltigung! denke, ein "normales" sexualleben ist nochmal schwieriger, wenn der partner davon weiß.

selten sex in einer langjährigen beziehung ist aber absolut nicht ungewöhnlich!
langeweile beim sex mit dem langjährigen partner auch nicht.

ich habe 14 jahre an dem scheiß von damals gelitten und dann ENDLICH einer freundin detailreiche briefe darüber und über die begleitumstände und meine gefühle geschrieben - das hat mich gerettet.
wäre aber sicherlich nicht das schlechteste gewesen, schonmal früher einen therapeuten aufzusuchen. dann hätt ich mich womöglich ein paar jährchen weniger gequält und das ein oder andere graue haar weniger auf dem kopf.

alles gute
jojo