Sie kommt nicht aus dem Knick....

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von michback 10.11.10 - 13:12 Uhr

Hallo,

es geht hier um meine Nachbarin. Sie hat zwei Töchter im Alter von 2 u. 5 Jahren. Das Problem ist, dass die Frau mit allem nicht aus dem Knick kommt und sich auch nicht wirklich Gedanken macht. Beispielsweise holt sie die Große vom Kindergarten ab und lässt die Kleine allein zu Haus. Kochen tut sie nie. Die Große hat schon öfters gesagt, dass es zu Hause Joghurt oder Cornflakes zu Mittag gibt und dann bei anderen Leuten mit gegessen und gesagt, dass es zu Hause noch nichts gab. Der Haushalt ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Saustall.
Der Vater der Kinder muss sich um alles kümmern. Er ist immer auf alles genau bedacht. Problem ist, er arbeitet in Schichten. Wenn er Frühschicht hat, kocht er, macht den Haushalt usw. Hat er Spätschicht bleibt die Küche kalt, alles liegen und die Kinder vorm Fernseher. Die Mutter sagt selbst, dass sie schläft und die Kinder fern schauen. Jetzt ist es schon ein paar mal vorgekommen, dass die Jüngste sich selbständig gemacht hat und von den Nachbarn auf der Straße aufgelesen wurde. Letzte Woche saß sie halbnackt draußen und spielte mit den Katzen und die Mutter lag drin und hat geschlafen.
Keine Frage, die Eltern lieben ihre Kinder und ermöglichen ihnen auch viel aber die Mutter bekommt nix gebacken.
Ich hab mit ihr geredet, dass ihr Verhalten fahrlässig ist und sie die Aufsichtspflicht verletzt. Ihr Kommentar dazu ist, dass da schon nix passiert. Ich hab ihr die Kinder abgenommen, damit sie ihren Haushalt in den Griff bekommt. Sie hat in der Zeit am Sofa gelegen und gelesen. Ihr Mann schafft sich krumm und bucklig und es sieht so aus als klappt er bald zusammen. Ich glaube nicht, dass sie keinen Bock auf ihre Kinder hat, sondern sie ist einfach so. Meine Sorge ist, dass wirklich irgendwann mal was passiert. Auf der anderen Seite möchte ich mich nicht in Familienangelegenheiten von anderen einmischen. Sollte ich vielleicht mal mit dem Vater sprechen? Oder mich ganz raus halten?

LG

Beitrag von scura 10.11.10 - 13:17 Uhr

Ich denke die Frau ist erwachsen und braucht keine Amme. Insofern halte Dich raus. Sie hat ja schliesslich ihren Mann der ihr den Marsch blasen sollte, aber wahrscheinlich ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug.
Dich geht es definitiv nichts an!

Beitrag von sacoma 10.11.10 - 13:43 Uhr

Hallo,

ich würde mich raushalten, es aber im Auge behalten!
Ich manage zuhause auch alles und warum soll sich nicht mal ein Mann Krumm und Buglich arbeiten!

Es stellt sich mehr die Frage, warum der Vater nichts unternimmt?! Es gibt einfach Mütter, die alles locker sehen und halt nicht so fürsorglich sind, genau so wie es Glucken und überängstliche Mütter gibt...

Joghurt und Cornflakes liegen im Auge des Betrachters, hauptsache die Mäuse hatten was im Bauch, andere Kinder werden auch mit Süßem abgespeist und keiner regt sich auf...
Ich würde es nicht überdramatisieren, da ist halt mal die Mutter die Faule und der Vater der Arbeiter, vielleicht sollte er mal vorkochen, da haben alle Abends was zu essen. Es geht mindestens der Hälfte der Frauen in Deutschland so und da würde sich keiner beschweren. Der Mann duldet es und dann scheint es okay zu sein!

Beitrag von michback 10.11.10 - 13:56 Uhr

Danke für deine Antwort. Mir ging es eigentlich nicht hauptsächlich um den Haushalt und die Ernährung sondern darum, dass die Kinder zum größten Teil auf sich allein gestellt sind. Ich denke manchmal, dass der Mann das gar nicht so mitbekommt, dass seine Frau schläft und die Kleine sich aus dem Staub macht.
Dass er den ganzen Haushalt übernehmen soll, ist wirklich nicht mein Problem. An Dreck ist noch keiner gestorben und unterernährt sehen die Kinder auch nicht aus. Ich mach mir nur Sorgen, dass wegen mangelnder Aufsichtspflicht der Mutter mal irgendwas passiert. Am Haus geht direkt die Hauptstraße lang und es kommt öfters vor, dass die Kleine von jemandem "aufgelesen" wird. Meist wurde das Verschwinden gar nicht bemerkt.
Deshalb hab ich überlegt ob ich event. mal mit dem Vater reden soll.

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 15:20 Uhr

Hey,

also ich fände nichts schlimmes daran ihm das zu erzählen. Kann natürlich sein das er sauer ist, aber das geht Dich dann ja auch nix an. Aber sooft kann man doch gar nicht schlafen, es sei denn sie macht die Nächte durch ;=). Ne mal im Ernst, mir ist es auch schon passiert, das mein Jüngster 6 unbedingt zu Hause bleiben wollte, wo ich seinen Bruder vom Fussball abgeholt habe, war ca. 15 Minuten weg und als ich kam stand er unten an der Strasse mit ner wildfremden Frau er hat mich gesucht. Seitdem muss er überall mit, zu gross ist meine Angst, das was passieren könnte. Also erzähl es ihm einfach mal beiläufig.

LG Mimi

Beitrag von maggelan 10.11.10 - 17:07 Uhr

Jeder redet von Courage, aber bei urbia oder vielmehr in diesem Beitrag kennt das wohl kaum einer. Sonst wird immer lautstark protestoiert, wenn wieder ein Kind ums Leben kommt wegen miserablen Umständen in der Familie.

Courage hast du ja bereits gezeigt, indem du überhaupt mal den Weg zu deiner Nachbarin gesucht hast.

Ein 2jähriges Kind alleine auf der Straße,. während die Mutter selig schläft ist bereits mehr als einmal vorgekommen. War glaube ich erst vor ca 2 Monaten der Fall, mit tödlichem Ende.
Das geht vielleicht auf einem kleinen Dorf, wo kaum ein Auto fährt, aber wo gibt es das heutzutage?

Beobachten würde ich es weiterhin und bei weiteren Misständen das JA informieren. Raushalten ist falsch, wenn hier das Kindeswohl gefärdet ist.
Mangelernährung, Verletzung der Aufsichtspflicht etc, das sind schon mal ein paar Gründe, weswegen man handeln müsste, je nach Schweregrad. Hinterher wird immer lautstark gejammert und Kerzchen angezündet.

Nicht wegsehen, das ist der falsche Weg!

Beitrag von tineee79 12.11.10 - 17:03 Uhr

Hört sich so an als ob die Frau sich überfordert fühlt und keinen Antrieb mehr hat. Könnte evtl. ne Depression sein, so was ist nicht zu unterschätzen.

Sei nett zu ihr und versuche es indem du fragst: kann ich ihnen helfen?

Vielleicht wird sie eines Tages ausplaudern was ihr Problem ist. Wenn du ihr Vorwürfe machst, bingt das nix.

Aber anders ist es wenn sie grob fahrlässig handelt, da würde ich schon versuchen auf NEUTRALE Art und Weise ihr das klar zu machen.

Beitrag von sunflower.1976 13.11.10 - 14:04 Uhr

Hallo!

Für mich klingt es so, als habe die Frau ein schwerwiegendes Problem, möglicherweise eine Depression o.ä., so dass sie mit allem überfordert ist, keinen Antrieb hat usw. Das würde bedeuten, dass sie professionelle Hilfe braucht. Dieses "nix gebacken kriegen" usw. klingt sehr danach.
Nur...wie es möglich ist, sie zu überzeugen, dass sie Unterstützung benötigt, also z.B. PSychotherapie, bei Bedarf Antidepressiva, psychiatrische Tagesklinik, Familienhilfe vom JA o.ä., ist schwer. Da macht es vielleicht wirklich Sinn, mit dem Vater zu sprechen, insgesamt Unterstützungsbereitschaft zu signalisieren, damit die Frau vertrauen bekommt und vielleicht Ratschläge annimmt (wenn Du dazu bereit wärst). Eine Nachfrage beim JA, wie die Familie Unterstützung erhalten kann, ist sicher auch sinnvoll (so wie Du es hier beschrieben hast, und nicht mit dem Hintergedanken, dass die Kinder in einer anderen Familie besser aufgehoben wären, sondern dass die Familie gemeinsam Unterstützung bekommt).

LG Silvia