Ergotherapie

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von wolke2007 10.11.10 - 15:28 Uhr

Hi ihr,

heute wurde ich im Kindergarten zum Gespräch gebeten.

Mathis hat wohl Defizite im fein- und grobmotorischen Bereich. Er kann eine Schere und Stifte/Gabel nicht richtig anfassen, traut sich nicht von höheren Kisten zu springen, tut sich schwer ein Männchen zu malen etc.

Geistig ist er wohl topfit und wäre weiter als die gleichaltrigen.

Jetzt fühl ich mich als Mutter als die totale Versagerin :-(

Die Erzieherin hat uns Ergotherapie vorgeschlagen.

Könnt ihr mir sagen, was bei der Ergotherapie gemacht wird?

Danke.

Traurige Grüße

Beitrag von sweety03 10.11.10 - 15:33 Uhr

Hi,

warum fühlst Du Dich als totale Versagerin #kratz?
Übrigens finde ich es prima, dass die Erzieherin ein Augenmerk darauf hat und Ergotherapie vorschlug.
Wir haben vor 2 Jahren auch Ergotherapie für unsere Tochter (damals 5) verschrieben bekommen, weil sie Probleme hatte, eine liegende Acht (Überkreuzbewegung) zu malen.
Wir haben dann ein halbes Jahr Ergo gemacht, und dann konnte sie es.
Es hat ihr viel Spaß gemacht. Anhand von spielerischen Übungen hat ihr die Therapeutin das näher gebracht. Wichtig ist, dass die Chemie zwischen Deinem Kind und der Therapeutin stimmt.
Bleib ganz entspannt, das wird Deinem Sohn sicher Spaß machen und ihm bei seinen Defiziten helfen.

Sweety

Beitrag von wolke2007 10.11.10 - 15:54 Uhr

als Versagerin deswegen, weil ich befürchte ihm die grundlegenden Dinge einfach nicht richtig bei zu bringen.

die Haltung von von Stiften/Gabel korrigieren wir immer, aber er fasst sofort wieder um.

Über das malen von Personen hab ich mir bspw. nie Gedanken gemacht. Ein "Mondgesicht" malt er, aber ich selbst bin nie auf die idee gekommen, da noch nen Körper dran zusetzen.

Das sind die Sachen, wo ich mich jetzt echt schlecht fühle :-(

Beitrag von hummelinchen 10.11.10 - 15:42 Uhr

Hey wolke,
ich bin Erz. und ich sehe oft Kinder mit Defiziten aber ich habe noch nie gedacht, dass die Eltern dazu Versager sind...
Ich kann deine Gedankengänge aber durhaus verstehen, bin ja selber Mutti... #schein
Das dein Kind derartige Defizite hat, kann so viele Gründe haben aber ich denke nicht, dass du absichtlich irgendetwas "falsch" gemacht hat, wenn überhaupt, denn es kann auch einfach schon in der Schwangerschaft "passiert" sein. (global gesagt)

Schlaf einmal drüber, morgen fühlt es sich nicht mehr so schlimm an..#liebdrueck
Und anstatt jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, hilf deinem Kind, wo es nur geht... :-)

Ergotherapie ist ganz salopp gesagt, Turnen für Körper und Geist, so arbeiten u.a. Kinder ihre Defizite auf...
http://de.wikipedia.org/wiki/Ergotherapie

Alles ist gut, glaub mir... #liebdrueck

lg Tanja

Beitrag von wolke2007 10.11.10 - 15:56 Uhr

Das ist echt lieb, aber es fühlt sich echt sehr schlecht an.

siehe auch meine Antwort unter dem ersten Beitrag.

Beitrag von hummelinchen 12.11.10 - 21:57 Uhr

Natürlich fühlt es sich schlecht an aber das musst du überwinden...
Du kannst nicht alles wissen - fäddich... #liebdrueck

Was aber jetzt in deiner Macht steht, ist etwas daran zu ändern.
Du wurdest darauf hingewiesen und nu mach was, damit es sich verbessert..
Nicht jammern (sorry #schein) - ran an die Arbeit..... :-)

Ich denke, wie gesagt, über keine Mutter, dass sie ne Versagerin ist...

lg Tanja

Beitrag von kati543 10.11.10 - 15:55 Uhr

Also nur weil Kinder etwas nicht können, sind die Eltern keine Versager. Mach dir nicht solche Gedanken. Das ist nicht gut für dich, dein Kind und deine Familie.
Geh mit ihm einfach mal zum KiA und sage ihm, was die Erzieherin gesagt hat. Je nach Gegend, wo ihr wohnt, wird der Arzt dann sagen, ob er es für richtig empfindet, oder ob es nicht so schlimm ist, dass er Ergo braucht. (Von der Gegend hängt es ab, weil Therapeuten rar sind und auf einen Therapieplatz teilweise eine Warteliste von Monaten ist.)
Ansonsten wird die Ergotherapeutin dann genau das machen, was eben noch Probleme bereitet. Also Mal- und Schwungübungen, klettern,...

Beitrag von gismomo 10.11.10 - 16:20 Uhr

Hallo,

ja, ich bin auch eine Versagerin :-p - meine Jungs haben beide Logopädie und der Große Ergotherapie bekommen.
Ich habe sie übrigens seitdem sie auf der Welt sind jeden Tag zehn Stunden vor den Fernseher gesetzt, zu essen gab es nur Chips, Pommes, Tiefkühlpizza und Cola. Selbstverständlich haben sie noch nie ein Buch in der Hand gehabt, den Spielplatz kennen sie auch nur vom Hörensagen und nicht aus eigener Erfahrung. Wir haben natürlich auch keine Scheren, Bastelsachen, Wasserfarben - es reicht, wenn ich zur Einschulung solches Zeug kaufen muss, früher kommt mir das nicht ins Haus.

OK, Spaß beiseite: Mach dir keine Gedanken. Ich bin Lehrerin und habe bestimmt 100 Bücher zum Thema Erziehung und Entwicklung gelesen. Wir haben Tausende von Euro für pädagogisch wertvolles Spielzeug ausgegeben, welches die Feinmotorik und das räumliche Denken fördern soll. Ich habe meinen ältesten Sohn eisern ins Mutter-Kind-Turnen gefahren, ein Jahr lang, obwohl das einzige, was er dort gemacht hat, das Folgende war: Er hat mit mir und dem Tor als Requisite Kaufladen gespielt.
Wir haben jahrelang in unserem Mini-Wohnzimmer einen Kindermal- und Basteltisch ertragen und ihn jede Woche mit neuen Stiften, Glitzerfarben, Buntpapier, Goldfolie etc. ausgestattet, was uns neben viel Geld auch Unmengen an Geduld und Aufräumzeit gekostet hat - einzig in der Hoffnung, unser Sohn würde von sich aus wenigsten mal fünf Minuten einen Stift und eine Schere in die Hand nehmen.

Ganz ehrlich: Wenn jemand den eisernen Willen hatte, sein Kind optimal zu fördern, so war das mit Sicherheit ICH, die perfekte Mutter. Ich habe inzwischen den Verdacht, dass gerade DIESE Frauen, die alles perfekt machen wollen und ihre Kinder aufs Optimalste fördern und erziehen wollen, Kinder bekommen, an denen sie lernen können, dass man vieles im Leben einfach nicht planen kann und dass jeder Mensch ein eigenes Individuum mit eigenen Stärken und Schwächen ist... Ich glaube, ich habe deshalb genau so ein Kind wie meinen Sohn bekommen, damit ich meine Lektion lerne. Inzwischen habe ich das und kann ganz entspannt (oder zumindest meistens ganz entspannt) akzeptieren, dass mein Sohn in Heftführung und Schrift nie über ein befriedigend herauskommen wird, egal wie sehr er sich anstrengt. Und dass er, solange er lebt, seinen Fuß nie mit einem Fußball in Kontakt bringen wird, außer vielleicht man baut in den Fußball ein Miniklavier ein welches sich mit den Zehen spielen lässt.

Ganz ehrlich: Nimms locker! Mach Ergo mit ihm, bewerte es aber nicht über, sieh es ganz gelassen. Freu dich daran, dass er geistig fit ist. Mein Sohn braucht sich einen Text nur einmal durchzulesen und dann kann er fast wörtlich wieder geben, was er gelesen hat. Als er knapp acht war, hat er innerhalb von zwei Tagen Harry Potter gelesen.

Freu dich an den Stärken deines Kindes, überbewerte seine Schwächen nicht, und vor allem: Hab Geduld, Humor und Gelassenheit - die wichtigsten Waffen einer Mutter im Kampf gegen sich selbst!

lg
K.


Beitrag von fanti8 10.11.10 - 21:40 Uhr

Da muß ich einfach sagen wie wundervoll ich deinen Text finde. Echt toll.

Schönen Abend, Fanti mit einer absoluten Mal- und Bastelverweigerin, die demnächst bestimmt durch die U8 fällt :-). Ich hoffe ich sehe es dann so gelassen wie du.