Erziehung früher und heute!

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 15:37 Uhr

Hallo,

hab mich gerade gefragt, wann und wielange es angemessen ist ein Kind alleine zu Hause zu lassen. Hatte dann hier einen älteren Beitrag gefunden wo ziemlich "heiss" diskutiert wurde, das ein 6jähriges Schulkind keine Stunde alleine zu Hause bleiben kann, wenn die Eltern arbeiten gehen und es besser ist sozusagen vom Staat zu Hause zu leben. Also wie sieht das bei Euch aus? Könnt Ihr Euch noch an Eure Kindheit erinnern, ab wann "durftet" Ihr alleine zu Hause bleiben? Und wie handhabt Ihr das mit Euren Kindern?

Ich denke das die Gesellschaft sich mittlerweile so entwickelt hat, das wir eher "Übermütter" sind und es unsere Kinder sehr oft sehr einfach machen. Wir bringen sie von A nach B, wenn irgendwas in der Schule gebraucht wird, natürlich von einem zum anderen Tag, flitzen wir los um es zu besorgen, wir kümmern und sorgen uns und das Ende vom Lied ist die eher doch Unselbstständigkeit, da sie ja wissen wir sind da. Bestes Beispiel meines Sohnes (10) er geht in den Fussballverein und jedes Mal sage ich ihn ne viertel Stunde vorher, hast Du Deine Tasche gepackt es ist dreiviertel. Fünf Minuten später ratter ich runter was alles drin sein muss, ob es dann auch so ist. Wieder fünf Minuten später so wir müssen jetzt los. Wenn ich an meine Kindheit denke, ich musste früh selbstständig aufstehen mich anziehen, frühstücken und zur Schule gehen, weil die Eltern beispielsweise arbeiten waren. Ich bin früh zum Bäcker gegangen, ohne ein sogenanntes Belohnungssystem, ich habe frühzeitig kochen gelernt damit ich meine Familie unterstützen konnte. Klar war es vielleicht nicht optimal, aber irgendwie hab ich das Gefühl wir waren damals selbstständiger.

Liege ich hier falsch? Was denkt Ihr darüber?


LG Mimi

Beitrag von sassi31 10.11.10 - 16:36 Uhr

Hallo,

also ich war mit 6 Jahren schon mal allein bzw. mit Geschwistern zuhause, wenn meine Mutter kurz eingekauft hat. Der Supermarkt war aber nicht so weit entfernt von uns.

Ich denke, viele Kinder werden heute zur Unselbstständigkeit erzogen. Sie werden z. B. von A nach B gekarrt, obwohl die Strecke gut mit Bus, Fahrrad oder gar zu Fuß zurück zu legen ist. Mithilfe im Haushalt sollte meiner Meinung nach auch selbstverständlich sein, sofern es sich um kleine Aufgaben handelt, die das Kind auch erledigen kann (abtrocknen, Geschirrspüler ausräumen, Tisch decken, Müll raus bringen). Aber ich kenne es von vielen Bekannten her, dass die Kinder das nur gegen Bares machen oder die Mutter alles alleine macht.
In meiner Kindheit war das anders. Ich wußte, wie man die Waschmaschine bedient und durfte auch mal das Bügeleisen ausprobieren. Tisch decken mussten wir vor jeder Mahlzeit und hinterher mit abtrocknen. Auch mal staubwischen und -saugen oder gar etwas aufputzen oder einkaufen. Freizeit hatten wir trotzdem noch ohne Ende (ist hier ja immer ein beliebtes Argument, warum Kinder nicht helfen können). Wir wurden vorbereitet auf ein Leben in einer eigenen Wohnung ohne Mutter, die den Dreck weg macht.

Meiner Meinung nach ist es verkehrt, die Kinder dermaßen zu verhätscheln. Das hat zur Folge, dass sie später im Leben oft nicht allein zurecht kommen. Sehr deutlich merkt man das, wenn man Vorstellungsgespräche zur Vergabe eines Ausbildungsplatzes führt. Viele Jugendliche sind einfach nur unreif und unselbstständig.

Ich finde, Kinder und Jugendliche sollten auch mal ein wenig Verantwortung (immer entsprechend ihres Alters) übertragen bekommen und darauf vorbereitet werden, dass das Leben kein Ponyhof ist.

LG
Sassi

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 16:49 Uhr

Danke für die Antwort, das ist der Punkt den ich meine, ich will mich ja nicht ausnehmen, wir denken wir tun den Kindern damit einen Gefallen, eben damit sie unbeschwert Kind sein können. Wir sind also im Grunde (so würden wir uns sehen) super tolle Mamas, die alles ermöglichen, aber im Grunde sind wir wohl eher doch schlechte Mütter (nicht in Bezug gesehen auf solche die ihre Kinder schlagen oder ähnliches) wir nehmen alles ab.

LG Mimi

Beitrag von sassi31 10.11.10 - 17:13 Uhr

Da liegst du sicher richtig. Nicht alles, was gut gemeint ist, ist letztendlich auch wirklich gut. Der Ansatz, es den Kindern möglichst schön zu machen, ist auf jeden Fall richtig. Die Frage ist nur, wie man es umsetzt und die Kinder gleichzeitig auch selbstständig bekommt. Stelle ich mir nicht leicht vor.

LG
Sassi

Beitrag von spongebob2008 10.11.10 - 17:21 Uhr

Hallo Mimi!
Also, unsere beiden sind mittlerweile 10 und 8!
Und schon vor 2 Jahren haben wir die beiden auch hin un dwieder für ne Stunde allein gelassen....
Das kann und sollte man aber auch nur tun, wenn man sicher gehen kann, dass die Kinder in der Zeit keinerlei Dinge tun, die eben gefährlich und/oder einfach zu unterlassen sind.

Und jeder kennt doch seine Pappenheimer am Besten#aha

Mittlerweile bleiben unsere 2 auch schonmal abends allein zu Hause, wenn wir mal eine Siedlung weiter bei Freunden oder so sind.
Wie wohnen sehr ländlich und ruhig und haben viele liebe Nachbarn, die immer Bescheid wissen und ab zu nach dem Rechten sehen, wenn wir nicht da sind.
Und unsere Jungs haben unsere Telefonnummern und die der Nachbarn für irgendwelche Vorkommnisse#pro

Unsere beiden Jungs verstehen sich so gut miteinander, dass dies eben so auch möglich ist.
Wüssten wir, es gäbe mit den beiden nur Chaos und Streiereien, so könnten wir Projekte dieser Art eben auch nicht machen.
Und beide fühlen sich dadurch für sich und den anderen verantwortlich und finden es auch ganz #cool, hin und wieder alleine zu Hause zu sein!!

Und wir sind mächtig stolz auf beide, dass sie es so prima bewerkstelligen#verliebt

Aber jeder muss es selber wissen, die einen sagen: geht gar nicht#nanana.
Die anderen sagen: macht gar nix #pro etc

Aber ein gewisses Alter muss ja schon gegeben sein.

In diesem Sinne,
Spongi#winke

Beitrag von zarah89 10.11.10 - 19:34 Uhr

Hallo,
also mein Sohn ist erst 1 Jahr alt, also kann ich noch nicht sagen wie ich mein Kind dann wirklich Erziehe. (Hab im ersten Jahr gemerkt das man eh irgendwann viele seiner Vorhaben nicht umsetzt)
Aber ich kann sagen wie meine Eltern mich erzogen haben. Ich bin jetzt 21 also noch relativ jung und als wirklich "Erziehung früher" kann man da nicht sagen.
Ich habe immermal mit 10 für ne halbe Stunde (später auch länger) auf meine Schwester aufgepasst. Die ist 8 1/2 jahre jünger und war demzufolge noch sehr jung. In der Zeit haben wir meist abendbrot gegessen welches gemeinsam mit meinem Vater vorbereitet wurde. (Mein Vater arbeitete regelmäßig in der Nachtschicht und meine Mutter war halt oft erst ne halbe Stunde später von ihrer arbeit zu hause) Zu dieser Zeit gab es zwar schon Handys aber meine Eltern hatten keine, ich konnte sie also in dieser Zeit nicht erreichen. Viel passiert ist nie. Einmal musste sich meine Schwester übergeben, habs halt weggemacht und gut ist. Wirklos hilflos fühlte ich mich nicht, warum auch. Mit 10 konnte ich schon nen Lappen benutzen.
ich musste schon zeitig mit im Haushalt helfen.
Das Abendbrot haben immer meine Schwester und ich zusammen mit meinem Vater vorbereitet. (also auch schon bevor meine Schwester da war)
Ich musste schon zeitig mit mein Zimmer aufräumen, Staubsaugen (die ganze Wohnung) und die Spühlmaschiene ausräumen.
Kochen konnte ich nicht wirklich außer Spagetti und Kartoffeln kochen waren meine Kochkünste ziemlich beschränkt. (Mittlerweile kann ich es)
klar hab ich gemotzt und wollte nicht mit helfen geschadet hat es mir trotzdem nicht und freizeit hatte ich auch.
In die Schule und zum Karate training bin ich immer gelaufen und gefahren wurde ich nur wenn es zum laufen zu weit und die Busverbindungen nicht wirklich gepasst haben.
Fand ich damals auch OK.
Mittlerweile würde ich allerdings schon abwägen ob es nicht zu gefährlich ist. Die Zeiten haben sich nun mal geändert und es gibt verdammdt viele bekloppte auf der welt die sich an kleine Kids vergreifen. (Bin da allerdings vieleicht etwas übervorsichtig, da mein Vater Polizist ist und ich somit immer sehr viel über die gefahren äufgeklärt wurde)

Ja und wie habe ich es bei meinem Sohn vor?
Also wenn ich das Gefühl habe das er reif genug ist dann werde ich ihn bestimmt auch mal für kurze Zeit allein lassen. Mittlerweile hat ja jeder ein Handy und ist immer zuerreichen.
Helfen soll mir mein Sohn auch. Find ich selbstverständlich, wir leben in einer Gemeinschaft wo jeder mit helfen muss. Vorallem innerhalb der Familie. Er soll schon wisssen wie man nen Lappen benutzt, Staubsaugt, und wenigstens paar Spagetti kocht. Schon aus Rücksicht zu meiner zukünftigen Schwiegertochter.
Tja und mit dem allein von a nach b kommen, ist halt so ein Ding ich glaube das werde ich echt kurzfristig entscheiden.

Lg Sarah

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 21:52 Uhr

Da stellt sich für mich noch eine Frage, die Du Deinen Vater vielleicht mal stellen kannst, ist früher wirklich weniger passiert? Ich meine gab es damals wirklich weniger Chaoten? Oder ist einfach viel weniger an die Presse gedrungen?

LG Mimi

Beitrag von sassi31 11.11.10 - 15:08 Uhr

Ich glaube nicht, dass heute mehr passiert. Es wird einfach nur schneller und auf anderem Weg verbreitet, da die genutzen Medien sich verändert haben.

Zwei Beispiele:
- Hier ist ein Kind mißbraucht und getötet worden, als ich 16 Jahre alt war. Das ist nun 21 Jahre her und seitdem ist sowas hier nicht mehr passiert.

- Ich wurde mit 11 Jahren auf dem Schulweg von einem Mann angesprochen, mit den Worten "Komm, wir gehen vögeln.". Zwar hatte ich keine Ahnung, was er von mir will, aber ich habe mich erfolgreich gewehrt.

Damit will ich nur sagen, dass es solche Vorkommnisse schon immer gab und leider auch immer geben wird.

LG
Sassi

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 21:54 Uhr

Hallo,

so stelle ich es mir vor, finde es wunderbar wie das bei Euch klappt mein Respekt!Aber ich weiss auch bis dahin ist es ein langer Weg!

LG Mimi

Beitrag von leopoldina1971 10.11.10 - 19:19 Uhr

Du liegst nicht falsch!
Ich bin auch so eine Mami, die zumindest unter Zeitdruck dem Sohnemann (1. Klasse) gewisse Dinge abnimmt bzw. erledigt, obwohl er dies gut und gerne selber könnte. Zwar üben wir eine gewisse Selbstständigkeit (Brötchen holen, Zimmer aufräumen, Ranzen packen, Dinge erledigen usw., aber wirklich konsequent sind wir nicht.
Jedes Mal gelobe ich Besserung, weil ich ja weiß, dass ich im Endeffekt meinem Kind langfristig eher schade. Da muss ich noch dran arbeiten.
Ich war früher selbständiger bzw. musste es notgedrungen sein.

LG

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 21:55 Uhr

Hallo,

ich arbeite auch daran und gelobe mir immer wieder Besserung.. ;=) Es ist wirklich nicht einfach aber wir wachsen ja mit unseren Aufgaben oder?

LG Mimi

Beitrag von leopoldina1971 11.11.10 - 08:16 Uhr

#pro


Beitrag von knutschbacke07 10.11.10 - 20:17 Uhr

Liebe Mimi, du triffst den Nagel auf dem Kopf!

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 22:02 Uhr

Danke Dir mache mir halt viele Gedanken zur Zeit, ich bin alleinerziehend und versuche es wirklich meinen Beiden so Recht wie möglich zu machen, aber ich merke wirklich das es nicht wirklich ein Familienleben ist, wenn Mama gibt und gibt und fährt und tut, aber andersrum wenn man zum Beispiel sagt bringe bitte den Müll runter, dann heisst es wie sieht es mit einer Belohnung aus oder ähnliches. Ich hätte halt lieber das sie ab und an mal von selbst was sehen und sei es wirklich nur das sie ihr Zimmer aufräumen ohne das ich was sage oder ihr Eispapier wegräumen was sie auf dem Tisch liegen lassen haben, aber ich ertappe mich sooft dabei das ich das einfach mache, weil es schneller und vorallem ohne grosses Diskutiere abgeht, aber sie gewöhnen sich dran. Und vorallem sind sie sowas von schlau. Bestes Beispiel mein Sohn 10 hatte Computerverbot, weil er wieder mal vergessen hat nach dreimaliger Aufforderung seine Noten aus dem Klassenbuch nachzutragen, da lag ein Zettel auf seinen Tisch (er war beim Training) für sein Vortrag bitte Bilder austragen. Ja er meinte er hätte ja Computer Verbot was sollte er denn machen, sehr clever und Mama sprachlos. Aber wie gesagt wir wachsen mit den Aufgaben.

Beitrag von goldmannchen 10.11.10 - 20:39 Uhr

hey...,.

an den beitrag erinner ich mich:-D war meiner!

ja ich wurde da ziemlich zu schnecke gemacht,aber naja..urbia halt..hehe

als ich es geschrieben habe war er grade 6 oder nicht mal...weiß ich jetzt nicht.mittlerweile ist er fast sieben und er bleibt allein zu hause 1-2 stunden.und es klappt sehr gut.ich kann mich auf ihn verllassen!!! er geht nicht an die tür und macht auch kein blödsinn.


lg

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 22:08 Uhr

Hallo,

genau Dein Beitrag war das!!! Schön wenn jetzt alles klappt. So ein zerreissen bringt nichts, ich meine wir gehen auch an unseren Erwartungen ein, es wird erwartet das wir dem Staat nicht auf der Tasche liegen und dennoch zu hundert Prozent für unsere Kinder da sind. Klar ist das nicht vereinbar, gerade in der Jobsituation heute, man steht ständig im schmalen Grad zwischen Rabenmutter und Karrieretussi. Klar ist beides vereinbar, aber eben mit Abstrichen. Aber früher war es doch nicht anders, sicher es gab Unterschiede, hier im "Osten" waren alle Frauen arbeiten, die haben sich keine drei Jahre Zeit genommen, mag man darüber denken wie man will, es war so. Wir waren wirklich selbstständiger damals und sicher gibt es das Argument heute passiert viel mehr, aber ich glaube nicht recht daran. Damals ist es bloss nicht so an die Öffentlichkeit getragen worden, aber meine subjektive Meinung. Klar ist es schön alles den Kindern zu geben was man hat, aber sie müssen auch selbstständig sein und ich weiss wie schwierig das ist. Wieoft habe ich so bei mir gedacht Mensch ich hatte es nicht so einfach wie meine Kinder, warum sind sie nicht dankbar. Klar sie kennen es nicht anders, für sie ist es einfach normal, eben keinen Bus benutzen zu müssen, sie wissen nicht mal wie das geht, in ihrem Alter hatte ich schon ne Dauerfahrkarte. Ach herje.

Beitrag von goldmannchen 11.11.10 - 07:52 Uhr

hey...

ja wenn ich drüber nachdenke was ich schon alles in seinem alter durfte und musste!!!

jetzt grade ist er auch zu schule,allein.habe jedesmal angst.bis halb neun wird gewartet ob die lehrer sich melden wo er bleibt.wenn nix kommt,ist man beruhigt.klar könnte ich ihn fahren,aber dann lernt er doch nix.

und dann wird es so einer der später bei "schwiegertochter gesucht "auftaucht..:-D

bei uns in der schule gibt es noch mütter die ihren 6-7 jährigen die jacke anziehen und schulranzen tragen und und und....dann wird gesagtich möchte mein kind,kind sein lassen#zitter


meine freundin ist 29 und kann nicht mal ein spiegelei braten vernünftig...sowas finde ich sehr schade.da hat die mama alles gemacht,damit die küche nicht schmutzig wird#augen


naja...


lg

Beitrag von derhimmelmusswarten 10.11.10 - 20:42 Uhr

Ich war als Kind nie allein! Wenn ich nach Hause kam, war stets meine Oma da. Falls sie mal weg sein sollte, was eigentlich so gut wie nie vorkam, war mein Opa da und hat auf mich gewartet. Als ich ganz klein war, wurde ich in den Kindergartenbus gesetzt und abgeholt und bis zum 3. Schuljahr brachte mich meine Oma zu Fuß zur Schule. Ich finde es schade, dass es sowas heutzutage kaum noch gibt. Bzw. das viele Großeltern auch gar nicht mehr bereit dazu sind. Ich bin Anfang der 80er Jahre geboren und damals gingen sehr viele Kinder nach der Schule zu den Großeltern. Es gab auch "Schlüsselkinder", aber das war die Ausnahme. Ich würde ein Grundschulkind auch nicht regelmäßig allein zu Hause lassen. Lieber würde ich mich finanziell einschränken, mir einen anderen Job suchen oder zumindest eine gesicherte Betreuungsmöglichkeit oder aber das Kind, wenn möglich in der Übermittagsbetreuung der Schule lassen.

Ich finde, das Kinder eine Person brauchen, die zu Hause ist, wenn sie kommen und die auf sie achtet und sich um sie kümmert! Es ist doch kein Wunder, dass Kinder, die auf sich allein gestellt sind, vor der Glotze oder dem PC hängen. SOWAS hätte es bei uns früher nie gegeben. Es stand stets das Mittagessen auf dem Tisch, anschließend wurden die Hausaufgaben gemacht, dann durfte ich raus. Unselbstständiger komme/kam ich mir deshalb nicht vor. Kinder sind eben noch nicht selbstständig und müssen es in meinen Augen auch nicht sein. Sie brauchen Rückhalt und eine feste Bezugsperson, die für sie da ist. Bei meinem Kind werde ich es genauso handhaben.

Beitrag von kleinemimi 10.11.10 - 22:25 Uhr

Hallo,

es ist schön das bei Dir immer jemand da war und das Du das für Dein Kind genauso gewährleisten kannst, aber nicht immer ist es so einfach. Bei uns zum Beispiel: Mein Grosser ist 10 Jahre und mein Kleiner 6 Jahre im Haus seiner Grosseltern aufgewachsen (wir haben dort eine Wohnung gehabt) und es war immer jemand da. Irgendwann kam der Punkt wo der Vater sich von mir scheiden liess und seine neue Frau darauf drängte das er uns "rauswarf" ohne eigenen Vorteil. Das heisst wir zogen um in eine Mietswohnung, nicht so weit weg aber eben nicht im Haus mehr. Es war keiner mehr da als er aus der Schule kam. Es war schon immer so das der Grosse sein Mittagessen im Hort einnahm und auch die Hausaufgaben machte, warum ? Ganz einfach ich arbeitete voll, die Grosseltern 49 und 59 arbeiten selbst volltags. Da kann man einfach nicht gewährleisten das jemand da ist. Und soll ich Dir was sagen? Klar ist die Gefahr von PC und TV gross, aber mein Sohn ruft mich jeden Tag an sobald er mit dem Schulbus zuhause abgesetzt wurde, macht dann seine Hausaufgaben (er ist jetzt auf einer weiterführende Schule) wenn er fertig ist ruft er mich an ob er TV anschauen darf, was maximal ne halbe Stunde pro Tag ist, da er zu mehr gar keine Zeit hat, er geht noch zum Fussball zweimal die Woche um Teamgeist zu lernen und natürlich um sich zu betätigen, er hat einen strukturierten Tagesablauf. Er weiss genau das er erst an den Pc bzw Internet gehen kann wenn ich zu Hause bin und ich sehen kann was er tut. Was ich damit eigentlich nur sagen will, klar ist es schön wenn jemand da ist, aber es ist nicht immer machbar, und trotz allem muss man sehen das die Kinder selbstständig werden. Beispiel als wir noch bei den Grosseltern wohnten, legte Oma immer die Sachen raus (10 Jahre!!!) das muss nicht sein finde ich. Er ist sogar noch angezogen worden, weil er ja so müde war, klar er kam ja abends auch immer dreimal zu Oma und meinte lies mir was vor, dann gab es ne heisse Schokolade ec.. Jetzt gibt es das nicht mehr und langsam spüre ich ein wenig Selbstständigkeit, nachdem ich ein wenig auf die Barrikaden gegangen bin und ich mir vorkam wie ne Schallplatte da ich immer alles fünf Mal sagen musste, bin ich unsagbar glücklich wenn ich wie heute nach acht Stunden Arbeit nach hause kam und er wortlos meinen Korb in die Küche trug nachdem er mich umarmt hat. Das macht mich glücklich und das sage ich ihm auch. Es tut ihm gut nicht mehr ganz so verhätschelt zu werden, okay vielleicht sieht er es nicht ganz so wie ich, was ja ganz logisch ist, wenn unser Chef drüber hinwegsehen würde, das wir während der Arbeitszeit private Sachen erledigen, würden wir das auch ausnutzen. Aber es muss ein Geben und Nehmen sein, damit aus unseren Rackern mal selbstbewusste Menschen werden, die ihr Leben im Griff haben. Ich will Dein Modell des Lebens nicht angreifen, aber wenn sich alles ändern würde, hättest Du sicher auch ein paar Probleme oder? Ich meine es gibt immer unvorhergesehenes, das eben keine Betreuung da ist, dann gilt es nicht im Chaos zu versinken, sondern sich auf die Kids verlassen können.

LG Mimi

Beitrag von isabimi 10.11.10 - 22:32 Uhr

Also ich glaube auch, dass man früher zum Teil selbstständiger erzogen wurde.

Zumindest war das bei mir der Fall:
Mit fünf wurde ich ein "Schlüsselkind" - ich bin alleine zum Kindergarten und wieder zurück, in der Schule genauso. Bis meine Mum nach Hause kam, war ich auch ne halbe Stunde alleine. Ich kannte aber auch alle bei uns im Haus und die Nachbarn wussten auch alle Bescheid, so dass im Prinzip trotzdem im Notfall immer jemand da gewesen wäre...
Mein Bruder und ich mussten frühzeitig im Haushalt mithelfen - wobei wir mit unserer Hilfe anfangs meiner Mum wohl mehr "Belastung" als Hilfe waren, schließlich musste sie hinterher trotzdem nochmal sauber machen ;-)
Sonntags Brötchen holen durften wir auch immer machen... so konnten meine Eltern noch ne halbe Stunde länger schlafen ;-)
Mit 8 habe ich mit Eisschnelllauf angefangen, da musste ich immer alleine mit Bus und Straßenbahn fahren, ebenso bin ich öfter alleine zu meinen Großeltern mit Bus und Bahn gefahren...
Ich durfte auch als Kindergartenkind alleine auf dem Hof spielen...

Man darf aber auch nicht vergessen, dass das doch andere Zeiten waren: Jeder kannte jeden im Haus oder Straßenzug, da konnte man seine Kinder auch alleine unten spielen lassen, irgendwer hatte immer einen Blick auf die Kinder... und die Kinder haben vorallem auch auf andere Erwachsene gehört.

Ich glaube, ich würde meine Tochter nicht so früh alleine im Hof spielen oder allein zu Hause lassen. Ich glaube auch nicht, dass ich meine Tochter heutzutage mit 8 Jahren alleine durch Berlin fahren lassen würde...#zitter
Allerdings möchte ich schon versuchen, meine Tochter so selbstständig wie nur möglich zu erziehen - schon um ihretwillen, damit wird sie es im Leben definitiv mal einfacher haben :-)

Aber wir schauen mal, meist macht es ja doch anders als man sich vorgenommen hat...#winke

Beitrag von mansojo 11.11.10 - 08:27 Uhr

hallo,


früher gab es auch unterschiedliche erziehungsstile

meine sm war 15 jahre zu haus
meine mutter hat gleich nach dem mutterschutz wieder angefangen zu arbeiten

meine eltern waren sehr streng
da wurde sich auch mit ohrfeigen durchgesetzt

mein mann ist absolut gewaltfrei fast antiautosität aufgewachsen
hatte aber ein sehr höfliches elternhaus

nun aus uns beiden sind doch halbwegs vorzeigbare erwachsenen geworden
die erzeihungsstile unserer eltern haben wir quasi zusammengeschmissen

unsere kinder werden früh zur selbsständigkeit erzogen mit regeln und grenzen
aber ohne die kalte strenge meiner eltern
unsere kinder haben relativ viele freiheiten
das lappt mal mehr und mal weniger gut

worauf ich sehr stolz bin das ich meine kinder nie eine geknallt hab
und ich emine cholerische seite gut in griff hab

in einem geb ich dir recht
früher hat sich nimand gedanken drüber gemacht was erzeihung für das kind bedeutet(glaub ich jedenfalls)

Beitrag von frauke131 11.11.10 - 10:24 Uhr

Ich finde, heute wird alles so übertrieben. Das geht schon in der Schwangerschaft los, die mehr ein Tanz ums goldene Kalb ist. In der Babyzeit wird alles durchstrukturiert, ohne Abweichungen, es wird ein Haufen Geld für Kinderausstattung ausgegeben etc. Dann wird das Kind von einer Frühförderung in die nächste gebracht und wenn das Kind nicht in der Spur ist, hat es ADHS und wird therapiert. Im Gegenzug beglucken viele ihre Kinder und trauen ihnen nichts zu.

Meine Eltern waren vollberufstätig, wir waren früh selbständig, haben kleine Aufgaben erledigt und im Haushalt mitgeholfen. Wir waren ach mal allein zu Hause, v.a. waren wir allein draußen und haben OHNE Eltern gespielt.

Ich glaube nicht, dass die heutigen Erziehungsvorstellung ideal ist und denke, es geht irgendwann wieder anders lang. Kinder, denen man etwas zutraut, sind oft stolz und sind auch verantwortungsbewusster. Ich sehe es an meinen Kindern, die stolz auf alles sind, was sie mittlerweile allein schaffen. Im Gegenzug bekommen sie auch immer mehr Freiheiten.

Meine Kindheit war geprägt von viel Freheit mit anderen Kindern und vielen Familienausflügen und -urlauben mit meinen Eltern.

Beitrag von tekelek 11.11.10 - 10:39 Uhr

Hallo Mimi !

Ich bin ganz Deiner Meinung. Heutzutage wundere ich mich teilweise, wie wenig den Kindern zugetraut wird.
Unsere Kinder spielen eigentlich fast immer alleine im Garten, sie dürfen auch mal um die Straßenecke laufen (dort ist ein Biergarten und sie finden es spannend, die Leute zu beobachten) oder alleine die Nachbarin besuchen.
Wenn ich im Supermarkt etwas vergessen habe, lasse ich sie auch kurz hier und gehe alleine hin - allerdings ist dieser nur ca. 500 m entfernt, weiter weg würde ich mich noch nicht trauen. Meine Handynummer ist aber in allen Telefonen einprogrammiert und meine Tochter kann sie selbstständig aufrufen, somit könnte sie mich auf jeden Fall erreichen, wenn etwas wäre.
Sie helfen mit beim Tisch auf- und abdecken, Spülmaschine ein- und ausräumen und demnächst werde ich meiner Tochter auch zeigen, wie die Waschmaschine funktioniert - sie interessiert sich auch dafür, also warum nicht ?
Mein Sohn kocht gerne mit mir und darf auch in Pfannen und Töpfen rühren, Zutaten abwiegen, u.s.w. ...
Eigentlich richte ich mich größtenteils nach den Kindern. Wenn sie sich etwas zutrauen, dann lasse ich sie auch ausprobieren. Erst unter Beobachtung und etwas Anleitung, dann selbstständig. Das funktioniert bisher sehr gut und teilweise bin wirklich ich diejenige, die innerlich ein Problem mit dem Loslassen hat, nicht die Kinder #schein ...
Ich selber wurde sehr früh zur Selbstständigkeit erzogen. Als Kinder mussten wir viel im Haushalt erledigen, alleine zum Kindergarten und zur Schule gehen (und das war nicht gerade gleich um die Ecke), mit 8 habe ich bereits angefangen, alleine ganze Mahlzeiten zu kochen und gespielt haben wir sowieso ohne Aufsicht im Wald und auf den Wiesen ...
Hier in der Stadt bin ich noch etwas vorsichtiger, nächstes Jahr ziehen wir aber aufs Dorf und dann tue ich mir denke ich noch leichter damit, die Kinder ziehen zu lassen ...

Liebe Grüße,

Katrin mit Emilia-Sofie (bald 6), Nevio (4) und Sohn Nr.2 (morgen 32.SSW)

Beitrag von woelkchen1 11.11.10 - 11:37 Uhr

Nun ja, Selbstständigkeit zu Hause hat ja nix mit Selbstständigkeit draußen zu tun- finde ich.

Ich wohne in einer Kleinstadt, es gibt nicht mehr viele Schulen hier, die Wege sind weit.
Vor 3 Jahren wurde ein 8 jähriger Junge auf einem Spielplatz in der Nähe von einem Mann vergewaltigt.
Woanders werden 10 jährige Mädchen entführt, vergewaltigt, weggesperrt, getötet.

OH Ja, ich bin ängstlich. Was wäre mein Leben noch wert, wenn jemand meinem Kind sowas antun würde. Nix. Also wird sie rumgekarrt, bis ich das Gefühl hab, ich kann loslassen.
Und da ist es mir total egal, ob ich als Übermutter betitelt werde oder andere das anders handhaben. Mein Kind ist mein Herz, und das wird beschützt.

Allerdings wird meine Tochter bzw. Töchter frühzeitig lernen, sich mal Essen zu kochen oder alleine die Waschmaschine zu bedienen!;-)

Beitrag von frauke131 11.11.10 - 12:24 Uhr

Es geht ja nicht darum, sein Kind auf Teufel komm raus allein gehen zu lassen, sondern darum, dass das was ein Kind allein kann, auch von ihm bewältigt wird. Ich würde meine Kinder auch nicht 4 km allein zur Schule gehen lassen, im Dunkeln geht hier keiner allein und nachts lassen wir sie auch nicht allein hier (sie sind 9 und bald 8). Aber zum Bäcker gehen, kleine Einkäufe erledigen, der Schulweg ca. 800m), das trauen wir ihnen zu und daher erledigen sie es. Es geht um das Mittelmaß: Zutrauen ja, allein auf sich gestellt sein nein!

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