3-jähriger zu selbstdiszipliniert. Könnt ihr helfen?

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von ally28 11.11.10 - 11:42 Uhr

Hallo!
Mein Sohn ist 3 (wird im Januar 4) und geht seit beinahe drei Jahre in die Kita. Seit September ist er ein Kindergartenkind. Gestern hatte ich Elterngespräch. Sie sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist sehr sozialkompetent und kann sich extrem gut über einen langen Zeitraum konzentrieren. Das war das Positive. Der Erzieherin ist aber auch aufgefallen, dass er manchmal sehr gehemmt ist. Er traut sich nicht, Dinge auszuprobieren oder sich durchzusetzen, weil er Angst hat, etwas falsch zu machen. Ich habe das auch schon bemerkt. Er will immer alles perfekt machen, und wenn das nicht klappt, dann wird er wütend oder traurig. In der Kita wird er nicht wütend oder traurig, sondern dort probiert er es erst garnicht. Ich habe gestern lange mit meinem Mann geredet und wir wissen nicht so recht, wie wir ihm da helfen können. Wir üben zuhause keinen übermäßigen Druck auf ihn aus, wir loben ihn viel und haben ein recht entspanntes Familienklima. Wir schimpfen auch nie, wenn er etwas ausprobiert und es geht schief, sondern sagen ihm immer, dass es nichts macht, und dass er es einfach nochmal probieren soll. Er hat auch einen kleinen Bruder ( fast 2) und der ist wesentlich unverkrampfter.
Kennt das jemand? Ich würde ihm wirklich gerne helfen, weil er sich mit seiner Selbsdisziplinierung und seinem Perfektionismus wirklich oft selbst im Weg steht, sich Dinge garnicht versuchen traut, oder mit sich so unzufrieden ist? Wie kann ich ihm da raus helfen? Ihm fehlt wirklich ein ganzes Stück kindlicher Unbeschwertheit.
Liebe Grüße,
Ally

Nur zur Verdeutlichung noch ein Beispiel:
In der Kita hat er sich immer geweigert mitzumalen, weil er es nicht kann. Sagt er. Und zuhause hat er auch nur manchmal gemalt und immer gesagt, er könne das nicht. Ich habe dann mal zu ihm gesagt, wir malen jetzt mal zusammen ein Männchen. Das wollte er nicht. (Er hat vorher noch nie ein Männchen gemalt. Nichtmal ein Gesicht. Zumindest weiß ich nichts davon.) Und am nächsten Tag kommt er aus der Kita und sagt, er könne jetzt Männchen malen, eine Vorschülerin hat es ihm gezeigt. und dannn hat er sich hingesetzt und eins gemalt mit Hals, Bauch, Beinen, Zehen, fünf Fingern an jeder Hand, Nabel, Kopf, Mund, Nase, Augen, Haaren und sogar Augenbrauen. Ich war platt. Natürlich habe ich ihn gelobt, aber ich hätte viel lieber gehabt, dass er einfach kritzelt als dass er sich das so perfekt aneignet und denkt: Zum Glück kann ich das. Er hat danach wieder aufgehört Männchen zu malen. So richtig nach dem Motto: ich habe gezeigt, dass ich es kann und das reicht. Aber er hat daran keinen Spaß! Versteht ihr, was ich meine???

Beitrag von claudi2712 11.11.10 - 11:54 Uhr

Da möchte ich mich gern "ranhängen" - meine Tochter hat ähnlich geartete Probleme....

Lieben Gruss,
Claudia

Beitrag von hanni123 11.11.10 - 12:02 Uhr

Huhu,

mein Sohn ist ganz genauso. Ich habe gerade diesen Artikel hier gelesen und fand es ganz interessant:
http://www.urbia.de/magazin/familienleben/erziehung/kinder-richtig-loben

Mein Sohn kann auch Männchen malen, aber meist kritzelt er nur und sagt "ich kann das nicht." Er hat einmal ein Flugzeug gemalt, einmal ein Haus, ein komplettes Wikingerschiff mit Wikinger (mit Hörnerhelm), mit Fischen im Wasser, etc. Das war es, seit einem halben Jahr malt er nur noch abstrakte Formen.

Bei der U8 sollte er auf einem Bein stehen, die Aussage war: "Ich kann das nicht." Da war auch nix zu machen.
Wenn ich zusammen mit ihm etwas singen möchte: Ich kann das nicht.

Er kann es nicht, also hat es auch keinen Sinn, es zu versuchen.

Dieses Argument höre ich sehr oft. Ich verzweifle auch häufig daran...

Ich versuche meinem Sohn jetzt verstärkt zu vermitteln, dass man Sachen nicht einfach so kann, sondern dass man das Üben muss. Ich erzähle immer, wie viel sein Papa übt, wenn er etwas lernen will. Ich bringe Beispiele, wie er in der Vergangenheit etwa gelernt hat, z. B. Fahrradfahren. (Manchmal, wenn er etwas unbedingt, unbedingt will, aber wirklich nur dann, dann hat er nämlich durchaus Ehrgeiz, leider kommt das nur 1-2 mal im Jahr vor.)

Wir haben einen Mama Muh Film (Mama Muh und die Krähe) zuhause, da geht es darum, dass Mama Muh alle möglichen Sachen lernen will und es mit Beharrlichkeit auch schafft. Ich finde den thematisch auch ganz passend...

Ich bin übrigens auch so vom Wesen her, ich habe mich z. B. in der Schule früher nie gemeldet, aus Angst, etwas falsches zu sagen. Ganz schlimm (für mich)!

Ich hoffe, dass ich es bis zur Schule meinem Sohn vermitteln kann, dass man aus Fehlern lernt und das versuchen wichtiger ist als es zu schaffen.

Beitrag von hanni123 11.11.10 - 12:03 Uhr

Huch, falscher Knopf.

Ich wollte noch sagen, dass jetzt versuche (angelehnt an den urbia Artikel), ihn mehr fürs Bemühen/Üben als für das Ergebnis zu loben.

LG

Hanna

Beitrag von bastet123 11.11.10 - 12:03 Uhr

hey!!!!! gib mir sofort meine kinder zurück!!!!!!!!

hallo1
so wie du es beschreibst ist es bein uns auch nur mein großer ist gerade 5 geworden-der keine ist wie bei euch auch probierfreudiger- auch beim essen usw.-also interessieren mich die antworten auch sehr.

als rat..... lass ihm zeit , viel zuspruch und ermunterung- das kommt dann nicht sofort aber mit der zeit.......

sag mal räumt/ordnet dein großer auch alles ein??
z.b. autos er baut sie alle auf (im regal od.parkgarage) und findet es toll wenn sie so stehen-es darf auch nichts verrückt werden usw -es soll alles an seinen platz-ist manchmal stressig-gerade wenn ich putzen will und alles abräumen möchte ,wenn auch nur für kurze zeit.
frag mich woher er das hat ist zwar ordentlich bei mir-bin aber kein "das muß alles da stehn und setzt euch nicht auf die kissen und passt auf mit den krümmeln" typ
lg bastet

Beitrag von muckel1204 11.11.10 - 12:05 Uhr

Ich habe das ähnlich mit meinem Großen (4J5Mo) er probiert es gar nicht erst aus, oder aber er fängt an und ruft dann sofort nach Hilfe und meint er könne das so nicht. Er kann aber wiederrum stundenlang Bücher anschauen, spielen, tüfteln, mit Autos spielen, Gesellschaftsspiele machen, oder mit seinem Dad Schach spielen.
Dann war vor 2 Wochen die erste Schulvoruntersuchung und die nette Ärztin erklärte mir zu meinem Erstaunen, das er alles super gemeistert hätte und wunderbar gezeichnet habe. Ich war platt, denn in der Kita oder zu Hause malen oder basteln? Da muss er schon ganz besonders drauf sein, seine Erzieher sagten mir schon, dass er sich zu schnell ablenken ließe, was aber nur für das Malen und Basteln gilt. Ich sehe das aber auch als Problem der Kitakonzepte an, denn es malen eben nicht alle zusammen, sondern nur die, die auch wollen. Sitzt er dann mal da und um ihn herum toben andere Kinder oder spielen was tolles, kann man natürlich nicht so wirklich still sitzen und sich konzentrieren, mich würde das auch nerven.
Wir machen nun immer mal Bastelstunden zu Hause und bringen ihm das so langsam näher. Malbücher schaut er erstmal an und wir malen dann zusammen ein Bild aus. Ich fange an mit basteln und er schaut einfach erstmal nur zu, irgendwann macht er mit und kann dann mit richtig Ausdauer dabei sein, so haben wir letzte Woche eine schöne herbstliche Deko für sein Zimmer gebastelt, ohne Hilfe Rufe und "kann ich nicht, weil geht nicht so wie ich möchte"

LG

Beitrag von engelshexle 11.11.10 - 12:05 Uhr

Hallo ally,

hmmm, schwierig....Mir würd jetzt spontan einfallen, daß er es vielleicht bei Dir und deinem Mann sehen muß, daß man sich etwas zutraut bzw versucht, auch wenns dann schiefgeht ( viele Kinder lernen durchs "sehen" ; nicht unbedingt durchs erklären....VORBILDHALTUNG!!) ist es egal....Hauptsache probiert....

Koch/ back was und vergess ne Zutat; dann probiert ihr gemeinsam und du bemerkst, daß es gründlich schief ging.. Aber egal, dann versuch ich es einfach morgen wieder....Irgendwann wird es schon klappen ;-)

Oder du fragst ihn um Hilfe, was er machen würde, du kommst alleine nicht weiter....Du weisst nicht, was fehlt usw...

Ich hoff, ich konnte dir verständlich machen, wie ich es meine#schwitz

Grüßle vom engelshexle

Beitrag von bine3002 11.11.10 - 12:16 Uhr

Ich denke, dein Sohn muss noch begreifen, dass er niemals überall perfekt sein wird. Und dass man manchmal Dinge einfach tut, weil sie Spaß machen, nicht weil man der Beste ist. Ich würde sehr viel weniger loben, wenn er etwas gut gemacht hat, sondern viel mehr dafür, dass er etwas PROBIERT hat. Dann würde ich mit ihm gemeinsam lachen, wenn mal etwas schief gegangen ist und ich würde ihn immer wieder darauf hinweisen, dass auch bei etwas nicht gut geklappt hat.

Vielleicht gehört er aber auch zu der Sorte Mensch, die eben einfach immer perfekt sein wollen. So etwas gibt es und man wird es niemals ganz los. Mein Mann ist so einer.

Beitrag von schnullabagge 11.11.10 - 12:21 Uhr

Hallo!
Macht ihm vor, wieviel Spaß etwas machen kann, auch wenn es nicht so perfekt ist. Alps ungestüm mit viel Farbe auf großen Papierrollen malen oder einen ganz schiefen Turm bauen, der dann sicher einkracht. Macht ihm sowas vor und lacht darüber. Ansonsten glaub ich nicht, dass das sehr dramatisch ist und er sich bestimmt auch mal ändert. Evtl. Ergotherapie?
Lg steffi

Beitrag von kleinjano 11.11.10 - 12:24 Uhr

Hallo
meine Mittlere war/ist genauso! Laut Erzieherin kam sie mit 2,5 Jahren "als kleine Erwachsene" in den Kindergarten.
Sie hat exakt wie du beschreibst nichts gemacht bevor sie es konnte. Bsp. bis 10 zählen. Sie hat jedes Zählspielchen verweigert - irgendwann konnte sie sofort bis 15 zählen. Oder ihren Namen schreiben: Im Kiga hat die Erzieherin mir einen fast richtigen Schreibversuch von ihr gezeigt. Sie brach daraufhin in Tränen aus, weil sie den Zettel doch wegwerfen wollte und nir es erst zeigen, wenn es 100% stimmt.

Mittlerweile (sie ist mit ihrern 6 Jahren ja immer noch jung) hab ich mich damit abgefunden und versuche diese Charakterzüge zu akzeptieren. Man kann mit Erziehung versuchen diesen Perfektionismus nicht auch noch zu unterstützen, aber raus aus ihrer Haut kann sie nicht.
Wichtig für sie und ihr soziales Umfeld ist momentan, dass sie lernt, ihre hohen Maßstäbe nicht auf andere zu übertragen und auszuhalten, dass andere (z.B. ich) es anders (vielleicht weniger perfekt) machen.

LG kleinjano

Beitrag von lieka 11.11.10 - 12:49 Uhr

Ich habe mal gelesen das es sinnvoller ist ein Kind nicht für das Ergebnis zu loben sonder für das Üben bis das Ergebnis erreicht wurde.
z.B. In der Schule also nicht für die 2 loben sonder loben das es so gut gelernt hat.

Vielleicht ist das ja das Problem das Kind denkt ich muss das richtig machen sonst bekomme ich kein Lob.

Beitrag von ally28 11.11.10 - 12:54 Uhr

Hallo!
Ich danke euch ganz herzlich für eure Antworten. Zum einen einen weiß ich jetzt, dass es nicht nur meinem Kind so geht und zum anderen habe ich mir wirklich vorgenommen, mich jetzt noch mehr darauf zu konzentrieren, ihn für das Probieren an sich zu loben. Und den Artikel hier bei Urbia habe ich auch gelesen und fand ihn sehr interessant!
Ich danke euch nochmal und muss jetzt aber los zur Probe!
Ich komme wahrscheinlich eh schon zu spät. Ich bin eben nicht perfekt ;-)
Liebe Grüße,
Tschüss #winke Ally