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Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von fragender2010 11.11.10 - 13:11 Uhr

Hallo liebe Community,

ich habe ein kleines Problem. Vor einigen Jahren habe ich meine große Liebe geheiratet und führend seitdem ein schönes Eheleben. Allerdings verfolgt mich seit dieser Zeit auch wiederum eine Last. Damals hatte jemanden an meiner Seite, den ich gut und gerne als beste Freundin bezeichnen würde. Es war eine langjährige Freundschaft wo wir durch dick und dünn gegangen sind. Ein wenig abgekühlt hatte sich das alles, seitdem ich in einer Beziehung gelebt habe. Ein Grund ist auch gewesen, dass sich die beiden absolut nicht ausstehen konnten, vor allem von der Seite meiner Frau aus.
Als wir dann geheiratet haben (sollte eigentlich so sein, dass erstmal nur die Familie davon weiß) ist es dann so gekommen, dass es sich doch rumgesprochen hat. Da letzte was kam war ein Brief, wo mir dann die Freundschaft gekündigt wurde, weil sie es von anderen erfahren hat. Damals habe ich das alles noch verdrängt. Nur merke ich - je mehr Zeit vergeht (mittlerweile 5 Jahre), desto mehr kommts in mir hoch. Ich weiß, schriftlich so eine Freundschaft kündigen ist nicht gerade die Feine Sache, aber ich weiß natürlich, welchen Mist ich gebaut habe. Ich habs einfach laufen lassen und gehofft, dass sich alles zwischen diesen beiden Menschen, die mehr sehr nah standen bzw. immer noch stehen von alleine regelt.
Ich weiß, diese Freundschaft wird es nicht mehr geben. Dennoch ist das für mich wie ein offenes Buch, das vor mir liegt und die Geschichte nicht abgeschlossen wurde. Ich spiele immer wieder mit dem Gedanken, Kontakt aufzunehmen. Einmal habe ich es gemacht (per Brief), aber ich weiß einfach nicht, ob der Brief angekommen ist oder nicht gelesen wurde (kann auch eine nicht mehr gültige Adresse gewesen sein, ich weiß es nicht).
Nun ist mir eine Emailadresse in die Finger gekommen, aber ob ich diesen Schritt jetzt wirklich tun soll... schließlich hätte ich dann wiederum zuhause die Hölle, wo für diese Gedanken null Verständnis da ist.

Mich würde es einfach mal interessieren, wie andere Menschen in solch einer Situation handeln würden. Bzw. wie man die Situation akzeptieren und verarbeiten kann.

Beitrag von pupsismum 11.11.10 - 13:28 Uhr

Meine erste Heirat hat sogar stattgefunden, ohne, dass unsere Eltern es wussten. Warum auch immer, mein damaliger Mann hat es sich so gewünscht.

DIE hätten nun wirklich Grund gehabt, wütend zu sein, waren sie aber nicht. Klar, sie waren enttäuscht, dass sie nicht dabei waren, waren aber gleich wieder versöhnt, weil wir ja noch eine kirchliche Hochzeit planten, natürlich mit allen.

Bei meinem Freunden war es nicht anders... klar, ein wenig Enttäuschung, sie hätten sich ja gerne mitgefreut (oder auch nicht #schock), aber keiner hat mir oder uns die Freundschaft gekündigt. Was für eine unmögliche Reaktion.

Für mich bedeutet das, dieser Mensch wollte dich für sich allein, entweder als Freund oder doch als Partner.

Und auf solch besitzergreifende Menschen kann man getrost verzichten, finde ich. Und ich würde auch nicht Missstimmung in meiner Ehe riskieren wollen für einen solchen Menschen.

Wenn es dir noch so viele Gedanken bereitet, schreibe doch das, was du ihr sagen würdest nieder, ohne es ihr zu schicken, und schließe dann das Buch für dich.

Ich denke, das wäre der bessere Weg oder möchtest du unbedingt wieder Kontakt zu ihr haben?

Gruß
p

Beitrag von fragender2010 11.11.10 - 15:31 Uhr

Vielen Dank erstmal für deine Antwort.

Was ich mir einfach Wünsche ist ein Gespräch - nicht mehr und nicht weniger. Das ist die Frage, ob ich das riskiere.

Was du angemerkt hast (Besitz ergreifend, das ist auch so ein Punkt, woran sich ja meine Frau stört die im Prinzip nicht anders ist), das schwebt mir auch im Kopf rum.

Dieses Warum hämmert mir immer im Kopf rum. Ich muss dazu sagen, dass wir nach der Hochzeit soweit alle eingeweiht haben. Alle... außer sie. Sie hats dann über gemeinsame Freunde erfahren. Ich schau da auch etwas von meiner Warte aus, ich wäre da auch tief verletzt und würde mich wir das fünfte Rad am Wagen fühlen.

Aber was mich halt beschäftigt: War es nur das? War es Besitz ergreifend? War da mehr als nur Freundschaft (obwohl das Thema schon tausendmal beredet wurde, man weiß ja nie)? Ich mache mir ja nicht mal die Vorwürfe, dass ich heimlich, still und leise geheiratet habe sondern dass sie es über Freunde, die mir lange nicht so nahe Standen erfahren hat. Diese Fragen gehen mir immer durch den Kopf. Nur wenn ich z.B. mit meiner Frau drüber spreche versucht sie es gar nicht erst zu verstehen - sie geht in Wut und Zorn auf weil ich darüber nachdenke. Wenn ich dann noch Kontakt aufnehmen würde, würde ich damit einen großen Knall herauf beschwören.

Das mit dem Aufschreiben habe ich schon unzählige Male gemacht. Es bringt sicherlich erstmal Besserung. Aber leider nur kurzfristig.

Beitrag von superhase 11.11.10 - 20:54 Uhr

Ich habe zweimal ähnliche Situationen erlebt.
Im Vorfeld haben die Freundschaften und der Bruch, mich - über Jahre hinweg - immer wieder beschäftigt. Oft habe ich von den Freunden geträumt, was letztendlich ja ein Zeichen dafür war, dass die Sache mir immer noch nachläuft.
Mit beiden Freunden habe ich Jahr später wieder Kontakt bekommen. Einmal bin ich zuerst in Kontakt getreten, einmal der andere.
Wir haben uns getroffen und beide Seiten haben beschrieben, was sie damals empfunden haben und erklärt, warum sie so gehandelt haben.
Diese Gespräche dienten der Klärung und waren immer nett. Die Freundschaft ist jedoch nie wieder belebt worden, weil einfach zu viel passiert war und man sich auseinander gelebt hatte.
Die Träume sind dann jedoch nicht wieder gekommen und das Kapitel war endlich abgeschlossen.
Daher würde ich Dir schon raten, für ein "letztes" Gespräch den Kontakt zu suchen, damit Du die Sache für Dich auch abschließen kannst.

Lg
Jutta

Beitrag von schichtsalat 12.11.10 - 12:03 Uhr

Hallo!

Ich kann dein Problem verstehen.
Allerdings würde ich dir raten, erstmal deine eigenen Gefühle zu erkunden. Warum willst du Kontakt mit ihr aufnehmen? Um die Sache ein für allemal zu klären? Dann ist nichts dagegen einzuwenden, allerdings nicht heimlich.
Oder suchst du die Nähe dieser Frau, weil du damals selbst evtl. mehr als Freundschaft empfunden hast? Dann wird es gefährlich! Und dann könnte ich auch deine Frau verstehen, die das Ganze vielleicht schon ängstlich "gewittert" hat und deshalb so eifersüchtig auf diese Frau reagiert. In diesem Fall würde ich dir raten, keinen Kontakt aufzunehmen.

Was erhoffst du dir davon? Eine letzte Klärung? Ein Wiederaufleben der Freundschaft? Möchte deine Frau das auch? Tust du ihr damit weh?

Das ist eine verwzickte Situation. Ich denke, du musst deine Prioritäten finden. Bekommt deine Ehe durch die Kontaktaufnahme einen Knacks? Oder zerbricht sie evtl. daran, dass du ständig an diese andere Frau denkst?

Du musst deine Gefühle ordnen und dann besonnen handeln. Ohne jemandem wehzutun und ohne alte Kamellen wieder aufzuwärmen.

Ich wünsche dir, dass du mit dieser Sache abschließen kannst!

Liebe Grüße,
schichtsalat

Beitrag von fragender2010 12.11.10 - 23:19 Uhr

Erst einmal vielen Dank für die Antworten. Einmal einige unterschiedliche Ansichten zu lesen bringt mich schonmal etwas weiter.

@schichtsalat
In erster Linie geht es mir natürlich um ein klärendes Gespräch. Was dabei aber alles hochkommen würde, darüber bin ich mir aber selber nicht sicher. Um mal meine Gefühlswelt zu beschreiben: ich denke viel über die Zeit mit ihr nach, den Spaß den wir mit einander hatten, dass wir immer für einander da waren. Und wie Jutta es aus ihrer Erfahrung beschrieben hat: zuletzt häufen sich in der Tat die Träume.

Was jetzt das böse Blut zu hause angeht - genau da liegt der Hase im Pfeffer. Mit dem Menschen, der mir am nächsten steht kann ich leider nicht reden, weils dann wieder knallt. Das ist das was mich noch zusätzlich runterzieht. Das mit der Eifersucht könnte ich verstehen, das wäre für mich die logischste Erklärung. Aber das hatte meine Frau stehts bestritten (und ich kenne sie gut genug um zu wissen, ob sie mir was vormacht oder nicht). Es ging einfach um den Lebenswandel dieser Freundin. Wobei ich sagen muss, dass sie einmal eine heftige Phase hatte, diese aber vorbei war wo ich meine Frau kennenlernte. Das frustrierende ist dabei, dass meine Frau den Geschichten von fremden Leute da mehr Glauben schenkt als mir. Wie gesagt, Eifersucht könnte ich ja verstehen, aber das waren rein persönliche Gründe.

Kurzum, ich müsste es heimlich machen was mir letztlich widerstrebt, denn ich will einfach nur das Verständnis meiner Frau, sozusagen eine Erlaubnis.

Ich habe schon häufig es versucht, alles zu vergessen, die Situation zu akzeptieren. Aber dadurch wirds noch schlimmer.
Um mal die Gedankenwelt zu beschreiben, wenn ich in so eine Depression reinschlitter: es reicht, wenn ich an ein vergangenes Erlebnis denke. Ok, erstmal ist das für mich abgeschlossen. Dann kommt mir aber irgendwie wieder dieser Brief in den Sinn, wo meine Freundin mir die Freundschaft gekündigt hat. Daraus wird erstmal Trauer, weil ich letztlich immer nicht verstanden und akzeptiert habe, warum es so enden musste. Als nächstes kommt das Bedürfnis, mit meiner Frau drüber zu reden und die Erkenntnis dass es nichts bringt. Ich versuche zu verstehen, was meine Frau so gegen diese Freundschaft hatte. Dann kommt auf einmal Wut. Wut auf sie. Wut, weil sie nicht verstehen, nicht akzeptieren konnte. Wut über Ungerechtigkeit. Ich meine, der Langjährige Freund meiner besten Freundin und ich - wir hatten uns super verstanden und ein richtig gutes Verhältnis zu einander. Warum ging dass dann bei meiner Frau nicht? Und auf einmal bin ich in einer Gefühlswelt gegenüber meine Frau, wo ich zwischen Wut, Hass, Liebe und Zuneigung gar nicht mehr unterscheiden kann und ihr die Schuld daran gebe. Nach ca. 3 Stunden Sparziergang, Musik hören und stillem abreagieren ist dann alles wieder gut, bin wieder runter - bis das nächste mal eintritt.
Bevor ihr auf den Gedanken kommt: mensch, warum geht er so hoch, das ist schon lange her und er hat sich für diese Frau entschieden.

Es gibt hier und da immer wieder Schwierigkeiten bei uns - nur dadurch, dass mir dieses Ereignis von damals so über dem Kopf hängt und mich immer mehr runterzieht weiß ich gar nicht mehr, weswegen ich häufig ich in diesen Mischmasch von sehr intensiven Gefühlen gerate. Ich habe immer das Gefühl, dass mir meine Frau etwas weggenommen hat. Aber ist es das, sind es andere Dinge... ich weiß es nicht nicht mehr. Ich komme mir halt nur sehr alleine vor in dieser Situation wo ich mit niemandem drüber reden kann. :-(