Wann wird es besser-/ Feige & Scham/ Fragen zum Sterben allein

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von 960207 12.11.10 - 16:53 Uhr

Hallo
endschuldigt meine Überschrift .
Ich muß mir mal was von der Seele schreiben.



ich bin bei meinen Großeltern auchgewachsen.
Im Juni 2009 wurde mein Opa ( 75)sehr krank- Er hatte eine schwere Lungfibrose.
Am 11. Juni 2010 ist er nach 4 Tagen Intensivstation gestorben.
Das Jahr war unglaublich hart und mit vielen vielen Tränen / Angst und Aufregungen verbunden.

Mein geliebter Opa baute sehr schnell ab
es folgten Stürze/ Noteinweisungen ins KH usw usw,
2 mal ist er dem Tot von der Schippe gesprungen zweimal haben wir uns schon verabschieden müssen

Meine Oma / mein Mann und ich haben uns rund um die Uhr um ihn gekümmert.

Ihn gebadet / ins Bett gebracht / an und ausgezogen usw usw,

Ich hätte nie gedacht das ich "sowas" mal könnte.
Ich habe immer gedacht ich zerbreche daran wen es mal soweit ist...


Als er am 1 Juni diesen Jahres ins Kh kam ( zur Tabletten einstellung )
hatte trotzdem keiner damit gerechnet das es so schnell geht oder er nicht mehr nach Hause kommt#heul

Er hatte sich im KH einen Durchfallvirus eingefangen
Das Kh hat es nicht in den Griff bekommen
Er bekam ein " neues " Medikamte worauf er am nächsten Morgen ohne kaum mehr Messbaren Puls im Bett gefunden wurde...
Danach Intensivstation


Ich und meine Oma kommen im mom nicht mehr mit der Situation klar.
Nicht mit den " Bildern" der Intensivstation
nicht mit dem Jahr
nicht mit den Erinnerungen.

Am schlimmsten sind die 4 Tage Intensivstation.
Mein Opa hatte rasant abgebaut-weinte viel und stündlich verschlechterte sich sein Zustand.

Er regte sich tierisch auf und war zuletzt endweder weggetreten oder nur am weinen
außerdem sah man ihm an das er bald sterben wird... man sah es einfach#heul

Ich schwöre ich / wir haben uns das Jahr wirklich so gut wie es ging um ihn gekümmert.

Er war oft im Kh und die Zeit zu Hause war für niemanden einfach...
Wir haben zwei Kinder / sind arbeiten und trotzdem sind wir mindesten jeden zweiten Tag zu ihm gefahren.

Als er zuletzt im KH lag bin ich am ersten und zweiten Tag auf die Intensivstation am Mittwoch konnteich nicht mehr hin...Ich brauchte einen Tag Abstand
Mein Opi ... so zu sehn..so leiden zu sehn...
Er hat die ganze Zeit geweint...war voll verkabelt und wurde Druckbeatmet.
Auserdem hat er sich tierisch aufgeregt wo ich und meine Omi bei ihm waren...
So hatten wir endschlossen am Mi nicht hinzufahren...

Am Donnerstag sah er schon aus wie eine "lebende Leiche" er war irgendwie richtig grau - schlief die ganze Zeit und war in einem anderen Zimmer..immer noch an der Überwachung aber schon stark wegetreten und kaum noch ansprechbar..

Wir wußten das es sehr Ernst ist und durften nur kurz zu ihm...
er regte sich wieder tierisch auf#heul

In der Nacht vom Donnerstag zu Freitag rief meine Omi uns gegen 23.30 an und weinte ganz toll am telefon..der Arzt hatte angerufen das es meinen Opi nun schon sehr sehr schlecht gehen würde und es warscheinlich zu Ende geht
Er fagte noch ob es eine Patientenverfügung geben würde..

Mein Mann holte meine Omi (80 Jahre und wir haben die restliche Nacht zusammen auf der Couch verbracht.

Wir sind nicht ins KH gefahren... ich bin einfach zu feige gewesen...
ganz ehrlich.

Auf der anderen Seite. Wir haben nur uns dreie ( meine Omi inzwischen und ich und mein Mann)
Wo hätten wir mit den Kindern hin sollen ( 2 u.8 Jahre) wir haben hier niemanden...
Ich hätte nicht mehr fahren können
Mein Mann hätte mich nicht in der Situation alleine lassen können und wollen...
Und wir hätten auch nicht fahren können und meine Oma in der Situation alleine bei unseren Kindern lassen können...


Und trotzdem ich war froh das ich nicht " hin mußte"
Ich hätte gerne die Kraft und den Mut gehabt das könnt ihr mir glauben..
Aber ich konnte das nicht..#heul

am Freitag seinen Sterbetag bin ich noch ganz normal auf Arbeit das KH haben wir gegen 7.00 Uhr angerufen.. der Zustand unverändert...
Wir beschlossen noch Nachmittags hinzufahren...

Wie ich von Arbeit bin und warum weiß ich nicht mehr..
ich mußte zum Chef und der schickte mich wegen dieser Sache heim zu meiner Familie er hatte es mir wohlangesehn,,,

Ich bin dann irgendwie zu meiner Omi wo auch schon mein Mann war...
das Telefon klingelte und ich ging ran.. mein Opi war eben verstorben#heul#heul#heul#heul

Seid dem schähme ich mich für meine Feigheit er ist ganz alleine gestorben..wegen mir#heul

Ist das die Strafe das ich diese Scheiß Bilder nicht aus dem Kopf bekomme ?
#heul

Beitrag von stoltze-mami83 13.11.10 - 16:28 Uhr

Hallo

alsoerstmalmöchte ich Dir sagen das Du keineswegs feige bist oder warst,
ich denke einfach as Du tierische Angst hattest in der letzten Std.seines lebens bei Ihn zu sein und ganz erlich ich kann es verstehn es ist nicht ganz und gar nicht einfach neben einen sterbenden geliebten Menschen zu sitzen und nichts aber auch gar nichts machen zu können.

Ich war in diesen letzten stunden bei meinen Opi an der Seite gewesen zum einen weil ich es Ihn versprochen hatte und zum anderen weil ich Ihn grad da nicht alleine lassen wollte.
Er war ja auch immer ür mich da gewesen wenn ich Ihn brauchte und jetzt brauchte er mich also war ich da so schwer es auch war aber ich war bei Ihn und bereuhe es nicht ich denke eher wenn ich nicht da gewesen wäre hätte ich mir mein leben lang vorwürfe gemacht und ich glaub ich hätte diesen Verlust auch nie wargenommen.

ABER: Die Bilder bekomme ich einfach nicht aus meinen Kopf und es ist sehr schwer mit solchen Bilder zu leben auch ein Psychologe kann die Bilder nicht aus meinen Kopf rausbekommen.

Du hast alles getahn für Deinen Opi hast Ihn umsorgt und Ihn alles gegeben was er brauchte du solltest Dir keine Vorfürfe machen und sieh es mal so immer wenn Du mit Deiner Omi bei Ihn warst hat er sich schrecklich aufgeregt vieleicht wollte er gar nicht das Ihr bei Ihn seit Ih so seht vieleicht war Dein Opi ein Mann der es nicht gerne gezeigt hat wenn es ihn schlecht ging ich weis es nicht ABER du solltest stolz auf Dich sein Du hast als er Dich brauchte alles in der Situation getahn was in deiner Macht stand.

Also ich bin ganz erlich stolz auf Dich

denn ich weis wie anstrengend es ist einen schwer kranken Menschen zu pflegen und gleichzeitig für Kind und Familie und Haushalt und bei Dir sogar noch die Arbeit zeit zu finden.

lg und eine kerze für Deinen lieben Opi#kerze

Beitrag von 960207 13.11.10 - 16:59 Uhr

danke für deine liebe Antwort#heul

Beitrag von eurasia 13.11.10 - 18:11 Uhr

Hey Du,

ich kann mich meiner Vorposterin nur anschließen.

Du kannst stolz auf dich sein, dass du Dich so liebevoll um deinen Opi gekümmert hast.
Vielleicht wollte er nicht, dass ihr dabei seid und ist eingeschlafen, als ihr alle gegangen wart. Du warst nicht feige, als Du nicht hingegangen bist. Es ist in Ordnung, wenn man nicht die Kraft findet, dabei zu sein. Du hast dich in der ganzen Zeit auch noch um deine Kinder und deine Oma gekümmert. Das verdient Respekt. Du hast alles getan, was in deiner Macht stand und mehr kann keiner verlangen.

Fühl dich gedrückt,
eurasia

Beitrag von helikopta 13.11.10 - 22:29 Uhr

Hallo,

mein Papa ist leztes Jahr an Weihnachten verstorben. Wir haben auch eine ähnliche Geschichte mit Krankenhaus usw hinter uns gehabt.
Ich habe mit meiner Mutter bei ihm am Bett gesessen, als es mit ihm zu ende ging. Meine Schwester war nicht da, weil sie es nicht ertragen konnte bei ihm zu sein. Und das war OK. Mein Papa wusste das sie nicht bei ihm sein kann, weil sie einfach nicht die Kraft dazu hatte. Ich war immer die, die bei uns Stärke gezeigt hat und alles versucht hat, aber auch ich kann meine Schwester verstehen. Es ist schwer und auch ich habe Bilder im Kopf die ich manches mal vergessen möchte.
Die Bilder werden irgendwann blasser, aber es wird dauern bis die Bilder verschwinden.
Kopf hoch, er wird gewusst haben das ihr ihn liebt.

Lg

helikopta

Beitrag von juliane1978 13.11.10 - 23:08 Uhr

Hallo,

ich weiß nicht ob ich Dir damit Deinen Schmerz nehmen kann, aber meine Schwiegermutter (62 Jahre) ist im Mai diesen Jahres wegen einer Chemo ins Krankenhaus gekommen und hatte daraufhin in der Nacht ein Atemwegsverlegung. Als die Schwestern dies gemerkt haben, war sie schon ganz blau und hatte einen Herzstillstand. Nach längerem Reanimieren ist sie im Koma auf die Intensiv gekommen. Aus diesem Koma ist sie nicht mehr aufgewacht. Wir waren eine Woche lang jeden Tag bei ihr und wann ist sie gestorben - als wir nicht da waren. Das Krankenhaus hat uns sogar noch angerufen - aber wir waren zu langsam. Wir mussten auch erst die Kinder (6+4) "verräumen" usw und bis wir da waren war sie schon tod und alle Schläuche entfernt.

Ich denke mir bis heute sie hat extra gewartet das wir nicht da sind - sie wollte alleine sterben. Vielleicht war es ja bei deinem Großvater auch so und deshalb hat er sich so aufgeregt?

LG und viel Kraft,
Juliane

Beitrag von 960207 14.11.10 - 07:57 Uhr

Guten Morgen
und ein herzliches Danke an allle die sich zum lesen Zeit genohmen haben und mir so liebe Zeilen geschrieben haben.

Wie schon geschrieben ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen.
Seid ich denken kann hatte ich immer Angst einen zu verlieren.
Als Kind mußten sie mir ständig "versprechen" nicht zu sterben.
Ich habe immer gedacht wir haben noch ganz viele Jahre miteinander
Bis Juni 2009 hat mein Opa noch sein Feld bestellt und hatte viele Tiere.
Er ist sogar noch 2mal in der Woche mit dem Mophet in die Stadt zum einkaufen gefahren.

Das ganze letzte Jahr war "Scheibenkleister" was uns emotional und körberlich an unsere Grenzen gebracht hatte.

Von der Erstdiagnose im Juni 2009 bis zuletzt haben wir alle noch daran geglaubt das "Ruder" rum reißen zu können.
verschiedene Kliniken/ Ärzte usw..

Um so schmerzlicher ist es das wir die ganze Zeit nichts machen konnten...

Ich wünsche mir von Herzen das es jetzt meinen Opa und natürlich auch eueren Lieben besser geht.


#liebdrueck

Beitrag von derhimmelmusswarten 14.11.10 - 10:37 Uhr

Ich kann verstehen wie du dich fühlst. Mein Opa ist dieses Jahr auch an einer ganz schlimmsen Sache nach langem Aufenthalt auf der Intensivstation gestorben. Aufgrund dieses schlimmen Anblicks muss ich aber ganz ehrlich sagen, dass wir froh waren, dass er endlich sterben durfte. Er wollte auch sterben, das konnte er in den wenigen Momenten, in denen er dazu in der Lage war, noch sagen. Wir waren zwar am Todestag da, aber ich war nach Hause und meine Oma war dann da. Sie ist gerade gegangen, weil niemand sagen konnte, wann es soweit ist. Als sie nach Hause kam, kam der Anruf, dass er tot ist. Du musst es so sehen. Du hättest auch im Krankenhaus sein können und zur Toilette gehen können, wärst zurück gekommen und er wäre tot gewesen. Manchmal "warten" Sterbende auch auf einen Moment, in dem sie alleine sind.

Ich sehe das Ganze jedenfalls in meinem Fall nicht als Strafe an. Niemand kann 24 Stunden ununterbrochen an einem Sterbebett sitzen und wenn jemand dann stirbt, wenn er allein ist, dann ist es eben so. Man kann es sich nicht aussuchen. Wenn du allerdings solche Probleme damit hast, solltest du vielleicht fachärztlichen Rat holen. Für mich ist es jedenfalls ein Trost, dass mein Opa endlich erlöst wurde und nicht in ein Pflegeheim musste.

Beitrag von 960207 14.11.10 - 13:00 Uhr

Hallo auch an Dich und vielen Dank für deine Antwort.
Das ist auch für mich ein Trost ganz ehrlich.
Wir hatten die letzte Woche viele Gespräche mit der Oberärztin der Intensiv und des behandelnden Arztes.
Mein Opa wäre wenn er nochmal geworden wäre ein schwerst Pflegefall geworde.
Und so oder so nicht mehr nach Hause gekommen.
Für ihn ist es in Ordnung und ich gönne ihm seinen Frieden.