Frühförderung, was erwartet uns da??

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von -marina- 12.11.10 - 20:01 Uhr

Hallo zusammen :-)

Erst mal kurz ein bissle was zu meinem kleinen Mann ;-) :
Etienne ist nun 1 Jahr und 8 Tage alt. Er hatte die ersten Tage nach der Geburt schwere Krampfanfälle; das erste halbe Lebensjahr hat er daher täglich Luminaletten genommen; inzwischen wurde das Medi abgesetzt. Dazu kommt, dass er erst ab dem 4. Monat ca gehört hat.
Seit der 12.Lebenswoche gehen wir einmal in der Woche zur Physiotherapie.
Er hing mit allem schon immer bisschen hinter her; bei der U6 vor 2 Wochen wurde eine Entwicklungsverzögerung von circa 4 Monaten festgestellt. Etienne kann nun seit kurzem robben. Beim Sprachlichen haperts noch etwas: Mehr als ein einfaches "Aaaah" in allen Lautstärken und Tonlagen kann er noch nicht.

Nun hab ich heute in der Kinderkrippe von Etienne`s Gruppenleiterin die Telefonnummer der Lebenshilfe (wegen Frühförderung) bekommen. Sie legte mir sehr ans Herz, mich auf jeden Fall dort mal zu melden und einen Termin abzumachen.

Was genau erwartet mich? Und vor allem Etienne?? Arbeiten die dort dann sozusagen mit unserem KiA und Physiotherapeut "Hand in Hand"?

Danke euch schon mal für die Antworten #blume

LG
Marina



Beitrag von lepidoptera 12.11.10 - 21:52 Uhr

Hallo Marina,

meine Tochter ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate. Sie bekommt schon seit 1 Jahr (vielleicht auch länger) Frühförderung.

Für den Laien sieht es einfach nur danach aus, als würde da eine nette Person mit dem Kind spielen. Meine Tochter hat einen guten Draht zu unserer jetzigen Frühförderin und macht auch gerne mit. Bei der letzten Frühförderin stimmte das Verhältnis nicht so. Da hat sich meine Tochter verweigert und manchmal auch regelrecht dumm gestellt. Alles, was die Frühförderin von ihr wollte, hat sie nicht "verstanden" und sich anderen Dingen zugewandt. Es hat einfach nicht gepasst.

Zuerst wurde bei meiner Tochter anhand eines spielerischen Tests festgestellt, auf welchem Entwicklungsstand sie sich ungefähr befindet. Anschließend folgen die Spiele, die dann dafür sorgen sollen, dass das Kind den nächsten Entwicklungsschritt macht.
In Eurem Fall könnten das z.B. Bewegungsspiele sein, die Deinen Sohn dazu animieren, loszukrabbeln oder Ähnliches.

Bei uns findet die Frühförderung einmal in der Woche in der Kita statt. Die Frühförderin schreibt mir aber e-Mails, mit dem, was sie gemacht hat und was sie an meiner Tochter beobachtet hat.
Sie hat auch die E-Mailadresse unserer Kindergärtnerin und unserer Ergotherapeutin.

Mir war es wichtig, die ersten Sitzungen dabei zu sein um zu sehen, was da genau passiert.
Guck es Dir einfach an. Wenn es Dir nicht gefallen sollte, kannst Du immmernoch wechseln.

Liebe Grüße
Lepidoptera

Beitrag von s_jehle 13.11.10 - 08:50 Uhr

Hallo,

meine Maus bekommt seid Februar diesen Jahres Frühforderung....Sie ist jetzt 2,5 Jahre alt und von Antrag bis zur Aufnahme dauerte es bei uns ewig, da bei uns die Frühforderung total überlaufen ist.

bei mir lief es so ab: ich bekam die Telefonnr. vom KIA und rief die Leitung der Frühforderung an...da vereinbahrten wir einen Termin für ein Gespräch miteinander....in diesem Gespräch erzählte ich alles was so gefragt wurde...wie verlief die Schwangerschaft, wie bis jetzt die Entwicklung? usw.....
Dann war Pause und die meldeten sich ca. 6 Wochen später wieder für einen Termin mit meiner Maus...bei diesem Termin wurde Sie auf Video aufgenommen und beim Spielen beobachtet. Diese Aufnahme werteten dann 2 Sozialpädagogen aus und machten einen Behandlungsvorschlag/plan, den die dann mit mir beim dritten Termin besprachen...anschl. wurden Anträge gestellt.
In unserer Frühförderung ist es so, dass alle Therapieen über die Frühforderung laufen...alle Mitarbeiter kommunizieren miteinander und sprechen sich ab, was das Kind gerade dort und dort macht, 2x im Jahr gibt es wohl eine Sitzung mit den Kinderärzten, so dass perfekt alles miteinander abgestimmt wird.
Wir fingen im Februar mit Physio an...seid September haben wir noch die heilpädagogische Behandlung und die Logopädie, sprich wir haben 3 Termine in der Woche #schwitz Das ist gerade ziemlich viel, aber meiner Maus nützt das unwahrschlich...Sie macht tolle Fortschritte und wir sind gerade dabei einen Integrationskindergartenplatz zu beantragen:-)
Unsere Frühforderstelle läuft auch über die Lebenshilfe.

LG Silke

Beitrag von kati543 13.11.10 - 11:50 Uhr

Zunächst einmal, ist es wichtig, in welchem Landkreis du wohnst. Zwar hat unser Staat eine Regelung herausgegeben, wie die Frühförderung abzulaufen hat, wer sie bezahlen sollte,... aber an der Umsetzung hapert es ganz gewaltig. So sind nun dankenswerterweise die Regeln in jedem Bundesland, in jedem Landkreis anders. Es gibt im Großen und Ganzen 2 verschiedene Möglichkeiten:
1. die sogenannte "komplexe Frühförderung" - da arbeitet die Frühförderung mit allen zusammen und alle zusätzlichen Therapien werden unter der Frühförderung mit gemacht. Also bekommt dann das Kind Frühförderung als Logopädie, Ergo,... Die Kosten dafür teilen sich KK und Sozialamt. Falls dein Kind eine Pflegestufe hat/oder du die beantragen willst, ist das die schlechte Variante, denn alles was unter dem Namen "Frühförderung" läuft, wird nicht anerkannt.
2. die normale, einfache Frühförderung - da macht die Frühförderstelle ihr "Ding" und das Kind geht zusätzlich (außerhalb) noch zu außenstehenden Therapien. Ob Therapeuten und Frühförderstelle zusammenarbeiten hängt ganz von den einzelnen Beteiligten ab. Kosten dieser Frühförderung trägt allein das Sozialamt. Kosten für die Therapien (die ja wie gehabt vom Arzt verordnet werden müssen) trägt die KK. Wegen der Pflegestufe ist das die günstige Variante, denn hier werden dir die Therapien anerkannt.
Bei uns im MTK haben wir die Variante 2. SPZ, Ärzte, Therapeuten, Frühförderer sind allerdings zum Glück bei uns sehr bemüht, alle an einem Strang zu ziehen. So arbeiten die zusammen und es gibt in sehr großen Abständen auch mal einen "runden Tisch" mit allen zusammen. Den zahlt dann die KK zähneknirschend - denn so viele Spezialisten zusammen kosten natürlich. Unser nächster runder Tisch ist in einem Monat. Wir rechnen mit Kosten von ca. 1500€ - bei insgesamt 4 Ärzten, 3 Therapeuten und 1 Frühförderin ... und das Ganze über 2 Stunden, da es für 2 Kinder ist.
Wird denn dein Kind vom SPZ betreut? Denn normalerweise kannd er KiA so komplexere Fälle doch gar nicht mehr alleine koordinieren und weist dann das Kind zum SPZ.

Beitrag von -marina- 13.11.10 - 12:24 Uhr

Hallo :-)

Danke für die ausführlichen Infos!

Unser Kinderarzt ist gleichzeitig Kinderneurologe hier bei uns im KH und hat Etienne von der ersten Lebensstunde an behandelt. Es war mir sehr wichtig, ihn auch als unseren KiA zu haben, auch wenn die Praxis ca 40 Min Autofahrt von uns entfernt ist.
Haben wir im KH wieder mal Termin fürs EEG, wertet er dieses immer gleich aus und bespricht alles ausführlich mit uns.

Werd gleich einfach mal bisschen im Netz stöbern, wie das hier bei uns im Saarland geregelt ist mit der Frühförderung.

LG Marina

Beitrag von visilo 13.11.10 - 18:31 Uhr

Von der Lebenshilfe halte ich persönlich nicht viel. Lukas hat auch so eine Dame zur Seite gestellt bekommen, da war er 3. Sie sollte eigentlich einmal die Woche kommen und ihn jeweils eine Stunde lang fördern. Tja sie hatte aber immer irgendeine Ausrede, sie hatte irgendwelche Termine oder kam zu spät und ging zu früh. Nach 4 Monaten baten wir um eine andere Person, bei der lief es genauso. Wir haben dann den Vertrag mit der Frühförderung gekündigt und uns lieber richtige Therapheuten gesucht. Die Logo und Ergo die er dann bekam hat ihm deutlich mehr gebracht wie die "Hilfe" von der Lebenshilfe. Ach ja die Dame eröffnete uns das unser Sohn nicht spricht weil wir an seinem Hochstuhl das untere Brett rausgenommen haben#rofl.

Ich weiß das läuft nicht überall so ab aber wenn euer Sohn Förderbedarf hat dann lieber in eine I-Gruppe stecken, da wird er täglich kompetent gefördert und nicht nur einmal die Woche.

LG
visilo

Beitrag von cazie71 14.11.10 - 18:02 Uhr

Wie kannst du aber auch das Brett rausnehmen....#nanana #rofl

Darf ich mal fragen, ob dein Sohn mittlerweile spricht bzw. warum er nicht spricht (falls bekannt...) ?

lg

Beitrag von visilo 14.11.10 - 19:16 Uhr

Mit etwas über 4 Jahren fing er dann an zu reden. Lukas hat eine auditive Wahrnehmungsstöhrung, d.h. er konnte die verschiedenen Laute nicht auseinanderhalten. Mitlerweile spricht er altersgemäß und seid Sommer spricht er noch ungarisch ( das auch relativ gut) und das obwohl wir das Brett immer noch nicht wieder in den Hochstuhl reingemacht haben:-p

LG
visilo+Lukas (16.11.04)

Beitrag von cazie71 14.11.10 - 21:43 Uhr

Kannst du mir noch erklären, wie und wo diese auditive Wahrnehmungsstörung festgestellt wurde? Geht mir hier um die Tochter meiner Freundin. Die ist kürzlich 3 Jahre alt geworden und hat einen Wortschatz von kaum 10 Wörtern... #schwitz

Respekt vor deinem Sohnemann! Er hat ja so gesehen superschnell aufgeholt - noch dazu mit Zweitsprache! Find ich klasse!

Alles Liebe!
cazie71

Beitrag von visilo 15.11.10 - 21:05 Uhr

Mit ca 3,5 Jahren waren wir das erste Mal im SPZ, dort wurden Tests gemacht ( unter anderem ein IQ Test) um herauszubekommen warum Lukas nicht sprechen kann. Er konnte 10 Buchstaben garnicht bilden d.h. alle seine Wöter bestanden aus "T"´s da er damit alle Buchstaben ersetzte die er nicht bilden konnte. Es wurde ein EEG und ein Höhrtest gemacht und bei allem kam raus das er soweit unauffällig ist, d.h. er höhrt normal und auch das Gehirn arbeitet "normal".

Zu seinem 4. Geburtstag konnte er auch nur etwa 10 deutliche Wörter sagen, ca 1 Monat nach seinem Geburtstag ging es dann rasant los mit der Sprache ( zu diesem Zeitpunt bekam er schon ca 7 Monate Logopädie und war in einer I-Gruppe im Kiga)

In der Logopädie wurde vor allem daran gearbeitet das er Laute voneinander unterscheiden kann ( für ihn klang z.B. das T wie ein K) das war wirklich harte Arbeit bis wir soweit waren das er alle Laute richtig einorden und auch bilden konnte.

Zu seinem 5. Geburtstag wurde ein weiterer Sprachtest gemacht und da hatte er schon die gleiche Sprache wie Gleichaltrige. Allerdings merkt man natürlich auch noch heute das seine Grammatik nicht perfekt und manche Wörter kann er nicht richtig aussprechen.

LG
visilo

Beitrag von cazie71 15.11.10 - 21:34 Uhr

Ich danke dir für deinen ausführlichen Bericht. :-D

Bei der Kleinen meiner Freundin besteht aber scheinbar eine ganz andere "Problematik". Sie bildet überhaupt keine Laute. Benutzt nur ein paar wenige Wörter, die sie aber klar und deutlich ausspricht. Ansonsten - nix zu machen mit Wortschatzerweiterung. Sie ist aber momentan in osteopathischer Behandlung. Könnte evtl. ja auch eine KISS-Folgeerscheinung sein.

Alles Gute!

LG
cazie71

Beitrag von steffi-34 14.11.10 - 22:41 Uhr

Hallo liebe Marina

ich bin selbst Physiotherapeutin und arbeite in einer Frühförderstelle.
Dein Sohn kann dort ganzheitlich in verschiedenen Bereichen, (wenn nötig) gefördert werden.
Mit Spiel, Spaß, Gesprächen und einer eingehenden Beratung seid ihr in der Frühförderung sehr gut aufgehoben.

vlg
Steffi