Wie kommt er in eine Therapie/Alkohol? Wie geht man vor?

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Forum: Gesundheit & Medizin

Hier könnt ihr Fragen stellen zu allen Themen rund um Gesundheit, Vorbeugung, Kinderkrankheiten, Hausmittel und Naturheilmittel. Beachtet dabei bitte, dass medizinische Empfehlungen von interessierten Laien nicht den Gang zum Arzt ersetzen können.

Beitrag von kissja 14.11.10 - 13:29 Uhr

Guten Tag,
weiß jemand wie man genau vorgeht, wenn man eine Therapie bezüglich Alkoholkonsum braucht? Also es geht um meinen Bruder. Auf der Arbeit trinkt er nicht, aber sobald er zu Hause ist, kennt er keine Maßen,genauso wenn er irgendwo hin z.B. Geburtstagfeier geht,ebenfalls. Gestern hatte er einen Blackout auf Mamas Geburtstag, was ihm sehr peinlich war. Schließlich hat er 2 kleine Kinder. Er kommt davon nicht weg und säuft sich seine Sorgen weg, bis sie ihn einholen. Er hat mir heute gesagt, so kann es nicht weitergehen, wie er denn in eine Therapie kommen kann! Seine Frau hat auch schon die Schnauze voll wegen der Sauferei...
Meinermeinung sollte er sich an einen Psychotherapeuten überweisen lassen, ich glaub der hat viel zu verarbeiten und stürzt sich deshalb in den Alkohol. Kann man das schon als Alkoholiker definieren? Bin mir nicht so ganz sicher. Und wie kommt man an eine Entziehungskur? Bezahlt das die Kasse?
Hoffe, ihr könnt mir Rat geben...?
Danke.
LG
Regina

Beitrag von maupe 14.11.10 - 16:23 Uhr

Hi,

es gibt die verschiedensten Arten von Alkoholismus. Da gibt es die, welche jeden Abend ihr eines Bierchen schlucken oder halt die, welche wochenlang nichts anrühren und dann über Tage nur noch blau sind.

Das eine ist, ein guter Hausarzt. Der hilft weiter mit Entzug etc. Das nächste ist AA oder, wenn Dein Bruder christlich eingestellt ist, die Guttempler.

Zu den AAs kann man einfach hin. Da wird auch nicht nach Nachnamen gefragt und die, welche man dort über Tag antrifft, dass sind selbst trockene Alkoholiker. Die wissen also wovon sie reden.

LG maupe

Beitrag von woodgo 14.11.10 - 18:20 Uhr

Hallo,

der erste Weg ist zum Hausarzt, der leitet alles Weitere in die Wege.
Wenn Dein Bruder nicht bereit dazu ist, kann sich seine Frau zunächst selber an den Hausarzt wenden. Allerdings ist es schwer zu helfen, wenn der Hilfebedürftige nicht einsieht, daß er Hilfe braucht.

LG und alles Gute!

Beitrag von danat 14.11.10 - 19:15 Uhr

Hallo Regina,

ich empfehle euch dringend einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle zu machen. Die gibt es eigentlich überall in Deutschland (unterschiedliche Träger, z.B. Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, etc.). Dort sitzen die Experten für Suchterkrankungen und die können gemeinsam mit deinem Bruder überlegen, welche Schritte zu welcher Zeit die Richtigen sind.

Ideal ist meist Folgendes: Suchtberatung, dann in eine Entgiftung vermitteln lassen (da hilft die Suchtberatung; ca. 14 Tage in der Klinik), im Anschluss eine Entwöhnungsbehandlung (auch da hilft die Suchtberatungsstelle; ca. 3 Monate in einer Reha-Klinik), im Anschluss Nachsorge (übernimmt meist wieder die Suchtberatungsstelle). In der Reha-Klinik können die Depressionen die dein Bruder wahrs. auch hat mit angearbeitet werden. Direkt von dort aus, soll er sich schon um einen Platz für eine Psychotherapie zu Hause bemühen.

Zuerst zu einem Psychotherapeuten zu gehen, scheitert meist an den langen Wartezeiten. Das hilft ihm im Moment nichts. Und die meisten Therapeuten arbeiten nur mit abstinenten Klienten. Klar, wer in einer akuten Trinkphase steckt, kann schwerlich an seinen dahinterliegenden Problemen arbeiten.

Ein guter Hausarzt kann ihn bei Bedarf krank schreiben und die Überweisungen in die Klinik unterstützen. "Heilen" kann man ihn dort aber nicht.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass zu einer Suchterkrankung Rückfälle gehören können - das ist (leider) der "typische" Verlauf. Deshalb nicht aufgeben, wenn es zu einem Rückfall kommt, sondern das Ziel weiter verfolgen ... das ist hart, aber lohnt sich.

Ich drück euch die Daumen, da liegt ein schwieriger Weg vor euch.

Liebe Grüße, Dana.

Beitrag von kissja 14.11.10 - 21:51 Uhr

danke euch für die Tipps! Werde dann morgen mit ihm sprechen... #schwitz