Embryonenschutzgesetz

Archiv des urbia-Forums Unterstützter Kiwu.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Unterstützter Kiwu

Dein Arzt hat Hindernisse für eine normale Empfängnis festgestellt und du bist in Behandlung in einer Kinderwunschpraxis? Hier kannst du dich mit anderen über die künstliche Befruchtung etc. austauschen. Auch nützlich: Lexikon der Abkürzungen. Unser Kinderwunschmediziner Dr. David Peet beantwortet deine Fragen in unserem Expertenforum.

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 18:42 Uhr

Habe gerade bei Mona L. einen Bericht über das sog. Embryonenschutzgesetz gesehen. Hatte mich vorher mit diesem Thema nie auseinandergesetzt.

Ich bin gegen dieses Gesetz. Mein Freund dafür. Das Ergebnis eine hitzige Diskussion.

Wie seht ihr das?

Beitrag von tritratrullalala 14.11.10 - 18:59 Uhr

Hallo,
ich finde es macht keinen Sinn, dass man einen Mehrzeller nicht auf genetische Defekte untersuchen darf, ein lebensfähiges Kind mit Down-Syndrom dagegen zu einem sehr späten Zeitpunkt der Schwangerschaft abtreiben darf. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum man Zweizeller einfrieren darf, Sechszeller aber nicht.

Ich glaube nicht, dass das Gesetz irgendeinen Embryo schützt. Im Gegenteil. Wenn man hier mal im Forum stöbert, werden oft genug Embryos "verworfen", weil man sie eben nicht mehr einfrieren darf.

Für mich ist das eine typische Gesetzgebung von alten Männern, denen die Bedürfnisse von Frauen komplett am A**** vobei gehen. Denn es sind vor allem die Frauen, die unter der Regelung leiden.

LG,
Trulli

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:02 Uhr

Mich hat wütend gemacht, das Frau Merkel sich NATÜRLICH für dieses Gesetz ausgesprochen hat. Bin mal gespannt, was demnächst rauskommt, wenn die Politik darüber entscheidet.

Alles echt krass.

Beitrag von amalka. 15.11.10 - 00:39 Uhr

#kratz

Beitrag von molly78 14.11.10 - 19:19 Uhr

Hallo,

frag Deinen Freund doch mal, ob er sich vorstellen kann, wie man sich als Frau fühlt, wenn man eine Fehlgeburt hat oder bei einer Untersuchung während der Schwangerschaft festgestellt wird, dass das Kind nicht lebensfähig sein wird etc...

Ich hatte schon einige Fehlgeburten und wäre dankbar, wenn man in Deutschland die Embryonen auf Krankheiten untersuchten dürfte, denn es ist eine wirklich schwere Zeit, wenn man sich freut, schwanger zu sein und es dann wieder verliert.

Was ich nicht verstehen kann ist, vorher untersuchen darf man nicht, aber später abtreiben schon, wenn´s krank ist #kratz Was für eine Logik!!! Das kann nur von Männern kommen oder von Frauen, die sowas noch nie erlebt haben.

Außerdem ärgert es micht, dass Abtreibungen (auch von gesunden Kindern) erlaubt sind und auch bezalht werden, aber die Leute, die sich nix sehnlicher wünschen als ein Baby, müssen oft tief in den Geldbeutel greifen und dürfen die Embryonen nicht untersuchen. (Soll nicht heißen, dass ich gegen Abtreibungen bin, aber das Verhältnis passt einfach nicht)

LG MOlly

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:25 Uhr

Er sieht das "Medien sei Dank" aus der Sicht von wegen Designerbabys.

Ich habe ihm versucht zu erklären, das es hier nicht um Blond und Blauäugig, sondern um Krankheiten etc. geht.

Er blieb bei seiner Meinung und ich bei Meiner. Deshalb wollte ich hier eure Meinungen mal dazu hören.

Beitrag von motmot1410 14.11.10 - 19:36 Uhr

Ich finde nicht, dass man das Embryonenschutzgesetz abschaffen sollte. Aber bestimmte Dinge müssen einfach neugeregelt werden und auch die PID sollte natürlich nicht grenzenlos erlaubt werden.

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:39 Uhr

Was heißt grenzenlos in diesem Zusammenhang?

Beitrag von motmot1410 14.11.10 - 19:43 Uhr

Naja, man sollte die Regelung halt so gestalten, dass sie eben so weit es geht dem Mißbrauch entgegenwirkt. Dass sie eben nicht dazu führt, dass Paare sich ein so genanntes "Designerbaby" aussuchen können (obwohl ich das eh eher für eine Utopie halte).
Außerdem finde es nicht, dass man die PID standartmäßig erlauben sollte. Es sollten bestimmte Indikationen beim Paar vorliegen (wiederholte FG oder halt bekannte schwere Erbkrankheiten).

Beitrag von sternenkind-keks 14.11.10 - 19:41 Uhr

ganz klar! aber so was ließe sich regeln!

siehe mein bericht weiter unten.

Beitrag von motmot1410 14.11.10 - 19:34 Uhr

Genau so sehe ich das auch und der BGH hat diese Ansicht ja auch durchaus bestätigt. Es KANN einfach nicht sein, dass ein Staat Abtreibungen von kranken Föten (völlig unabhängig davon, ob sie lebensfähig sind oder nicht) erlaubt und dass der Achtzeller im Reagenzglas (der ja nun wirklich noch nicht viel "menschliches" hat und von dem nicht einmal klar ist, ob er überhaupt lebensfähig ist) besser geschützt ist. Das ist absolut absurd. Wer Pränataldiagnostik erlaubt, die teilweise ausschließlich dazu dient, um Behinderungen aufzuspüren, der muss auch die PID erlauben. Alles andere ist scheinheilig. Seltsamerweise führt die Pränataldiagnostik nicht zu solche heftigen Diskussionen und dabei entscheiden sich 95% der Frauen, bei denen dieses Diagnostik zu einem "negativem" Ergebnis führt, sich gegen das Kind bzw. für einen Abbruch. Und ganz ehrlich: Meiner Meinung nach geht es da in den meisten Fällen um den puren Egoismus.
Die PID hingegen kann Frauen, die eh schon genug durchmachen, sehr viel Leid ersparen, da Embryonen mit Gendefekt halt sehr häufig zu FG führen.
Aber das scheint niemanden in der Diskussion so richtig zu interessieren.

Heute Nachmittag lief auf Phoenix übrigens eine "kritische" Reportage zum PID mit dem Namen "Tod im Reagenzglas". Man, hab ich mich darüber aufgeregt. Nicht zuletzt, weil der Konsens dieser "Informationssendung" war, dass IVF im Grunde genommen nur Leid verursache und dafür sorgen würde, dass in Zukunft keine Kinder mehr im Bett gezeugt würden #aerger
Ganz ehrlich: Ich hätte auf die IVF sehr gut verzichten können und hätte mein Kind sicherlich nicht so gezeugt, wenn ich eine Wahl gehabt hätte. Immer diese Horror-Szenarien...Die Reportage war übrigens von einer Frau ;-)

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:37 Uhr

Das ist auch das was ich nicht verstehe. Frauen die selbst nie Probleme hatten können leicht reden.

Beitrag von molly78 14.11.10 - 19:50 Uhr

Unfassbar!!! Ich wünsche ja niemandem was schlechtes, aber diese Frauen sollen einmal das durchmachen, was ich 6 mal durchmachen musste.

Es geht mir auch nicht darum, dass mein Kind blaue Augen und braune Haare haben soll, sondern "nur", dass es gesund ist. Natürlich muss es Grenzen geben, aber für Frauen wie mich, wäre es ein Segen...

LG

Beitrag von lucccy 14.11.10 - 19:30 Uhr

Hallo,

man sollte das Thema differenziert sehen.

Welche Gründe hat denn Dein Freund dafür und welche hast Du dagegen?

Gruß Lucccy

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:35 Uhr

Ich: um Krankheiten soweit wie mgl. auszuschließen

Er: "Gott spielen" "Designerbabys"

Beitrag von sternenkind-keks 14.11.10 - 19:43 Uhr

wenn es ihm um "gott spielen" geht, dann darfst du keine künstl. befruchtung machen lassen. nicht mal clomifen oder dergleichen nehmen! denn das alles ist schon ein eingriff in die natur!

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:47 Uhr

Das weiß ich. Dann darfst Du kranken Menschen auch nicht durch Beatmung u.ä. am Leben halten.

Hört sich zwar krass an, ist aber so.

Beitrag von sternenkind-keks 14.11.10 - 19:39 Uhr

schade, habe den bericht nicht gesehen.

ich bin definitiv dagegen, ein kind nach haarfarbe, augenfarbe oder geschlecht zu selektieren! da muß man ganz klar unterscheiden!!

wir waren schon im ausland in behandlung, weil mein mann einen schweren chromosomenfehler vererbt. dieser führt zu 50% zu fehlgeburten.
die kinder, die nicht früh abgehen enden in totgeburten. sollte ein kind bis zur geburt "durchhalten" ist es aufgrund multipler behinderungen nicht lebensfähig!!!

in deutschland würde ich gezwungen werden, so einen embryo auszutragen! im ausland darf so ein embryo erst gar nicht transferiert werden!

schöne grüße an deinen freund, wenn er so etwas frauen zumuten möchte.

wie gesagt ich unterscheide hier ganz klar zwischen "schönheitsselektion" und eben ganz einfach nicht lebensfähigen kindern!

das lächerliche ist, dass mir hier in deutschland schon gesagt wurde, dass man unsere spezielle untersuchung erst nach 16. ssw machen lassen kann.
aber dann dürfte ich aus medizinischen gründen abtreiben.
(wie gütig!!!)
heißt mit anderen worten ich darf das baby erst 5 monate unter dem herzen tragen um es dann UMBRINGEN zu DÜRFEN?!?! aber den kleinen zellhaufen hätte ich nicht "wegwerfen" dürfen.

ich finde das ziemlich armselig in deutschland...

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:42 Uhr

Da haste Recht. Ich bin auch gegen "Schönheitsselektion". Aber die steht bei "uns Normalen" ja nicht zur Debatte.

Mit dem Zellhaufen sehe ich auch so. Aber leider kommt mir mein Herzblatt gleich mit Ethik.

Beitrag von motmot1410 14.11.10 - 19:45 Uhr

Hält er denn die Spätabtreibung eines behinderten Kindes für legitim?

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:48 Uhr

Nein, das tut er nicht. Und zum Teil versteht er mich ja auch. Habe ihm aber gesagt, das ich von seiner Meinung sehr enttäuscht bin und er solle sich mal vorstellen, wie es wäre "selbst betroffen zu sein".

Beitrag von motmot1410 14.11.10 - 19:58 Uhr

Immerhin ist er nicht doppelmoralisch ;-)
Ich erlebe in den Diskussion immer wieder Menschen, die mit es ok finden, wenn eine Frau ein Kind auf Grund einer Behinderung abtreibt. Sich aber total über das BGH-Urteil zur PID aufregen.#nanana

Es ist wirklich ein heikles Thema und ich finde es eigentlich immer gut, wenn solche Themen öffentlich kritisch diskutiert werden. Eine Gesellschaft sollte sich immer fragen, wie weit sie Freiheit des Einzelnen gehen kann und wo sie zum Schutz anderer eingeschränkt werden muss. Und es ist auch so, dass all diese Möglichkeiten das Leben für behinderte Menschen schwerer machen und ihre Eltern sich immer häufiger am Pranger sehen. Meine Schwester ist auch behindert und meine Mutter durfte sich tatsächlich mal fragen lassen, warum sie sie überhaupt bekommen hätten :-(
Aber gerade was die PID angeht, sollte man abwägen, wann sie eben einer Frau Leid ersparen kann. Es geht ja in erster Linie nicht darum, Behinderungen auszuschließen, sondern vorbelasteten Frauen FG zuersparen. Und das finde ich wesentlich "unbedenklicher", als ein lebensfähigen Fötus in der 15.SSW abzutreiben, nur weil er das Down-Syndrom hat.

Beitrag von molly78 14.11.10 - 19:51 Uhr

#pro#pro#pro

Beitrag von gwen123 14.11.10 - 19:54 Uhr

Tut mir leid, das Du schon so viele "Babys" verloren hast.

Beitrag von molly78 14.11.10 - 19:56 Uhr

Danke :-)

  • 1
  • 2