Angst vor / starke Abneigung gegen Pflege

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von jana-marai 14.11.10 - 19:02 Uhr

Hallo,
mein Kind braucht intensive Pflege, und ich beobachte, dass seine Abneigung immer größer wird. Er scheint teilweise regelrechte Angst zu haben.
Ich pflege ihn von Geburt an sehr liebevoll, einfühlsam, vorsichtig, und dennoch...
Ist hier jemand in einer ähnlichen Situation? Es zermürbt und wird immer schwieriger. Für beide Seiten.

LG
jana-marai

Beitrag von herzensschoene 14.11.10 - 22:17 Uhr

hallo jana-marai,

ich weiß nicht wie alt dein sohn ist. vielleicht sind es auch probleme mit der autonomie.

in einem gewissen alter möchte jedes kind selbständig werden.

viele grüße maren

Beitrag von jana-marai 14.11.10 - 22:29 Uhr

Meinst Du?
Er ist stark entwicklungsverzögert und will eigentlich gar nicht so wirklich.
Das einzige, was er will, ist permanent sein Nein durchsetzen.
Nur bei der Pflege behauptet er steif und fest, es täte weh.
Eigentlich dürfte all das nicht weh tun, was täglich gemacht werden muss. Klar, angenehm ist auch nicht alles.
Wenn er wenigstens was selber machen wollte, aber er möchte am liebsten, dass alles wegfällt. Geht aber nicht.

Beitrag von herzensschoene 14.11.10 - 22:56 Uhr

ich kenne leider die einschränkungen deines sohnes nicht. kannst du ihn bei der pflege mit ins boot holen?

maren

Beitrag von jana-marai 15.11.10 - 08:13 Uhr

Teilweise wäre das theoretisch möglich, zumindest soweit, dass er das Gefühl hätte, aktiv beteiligt zu sein. Leider lehnt er auch das massiv ab. :-(

Beitrag von krokolady 15.11.10 - 08:15 Uhr

Wenn er sich im Allgemeinen gegen Berührungen sträubt können das Wahrnehmungsstörungen sein.
vielleicht empfindet er sachte Berührungen als unangenehm.

Hast Du mal versucht wie er reagiert wenn du ihn fester anfasst? Also z.B. das einreiben mit richtigem Druck?
Meine Tochter mags z.B. nicht wenn sie mit weichen Materialien gestreichelt wird. Aber ne Noppenbürste oder so hingegen mag sie gern

Beitrag von jana-marai 15.11.10 - 08:19 Uhr

Er lehnt sehr, sehr vieles ab.
Zähneputzen, anziehen, wickeln, alles ähnelt einem Nahkampf. Es ist so traurig, und ich habe echt schon alle Register gezogen :-(.
Er sagt unglaublich schnell aua, aber wenn er sich beim Spielen z.B. stößt, kann es sein, dass er nicht einmal mit der Wimper zuckt.

Beitrag von krokolady 15.11.10 - 08:28 Uhr

für mich hört sich das wirklich nach ganz argen Wahrnehmungsstörungen an.

Habt ihr Ergotherapie?
Damit kann man gezielt gegen dieses Problem angehen!

Beitrag von jana-marai 15.11.10 - 10:03 Uhr

Ja, bekommt er schon lange. Die erwünschten Erfolge blieben aber bislang anscheinend aus...

Beitrag von myimmortal1977 22.11.10 - 15:37 Uhr

Wie alt ist denn Dein Sohn? Es geht leider nichts aus Deiner VK hervor.

So wie Dir eine Userin schon schrieb, ist es normal, auch bei nicht gehandycapten Kids, dass sie auf solche Dinge auf einmal keine Lust mehr haben. Das ist die Loslösephase von den Erwachsenen/Eltern, ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit.

Mein Sohn ist 2,5 Jahre und das Wickeln, Anziehen uvm. gleicht bei uns auch einer Nahkampfsituation, da er am Liebsten alles selber bestimmen und selber machen will. Hilfe wird momentan total wehement abgelehnt.

Er schreit auch aua, wenn man ihn wickeln will, zeigt aber meistens auf immer andere Stellen, daher denken wir, es ist nur eine Nummer, um sich aus der Situation rauszuziehen. Von außen ist auch nichts erkennbar, was wund sein könnte oder weh tun könnte.

Das Aua hört auch sofort auf, wenn man ihn in Ruhe läßt.

Wir hoffen, dass diese Phase bald beendet ist, denn es kann sehr, sehr anstrengend sein #schwitz, zumal man nie weiß, ob gerade wirklich was mit ihm ist.

Vielleicht hat Dir ja meine Beschreibung etwas geholfen, um für Dich erkennen zu können, dass das Verhalten Deines Kindes ähnlich ist und irgendwie nur eine Phase und relativ normal.

#liebdrueck Janette

Beitrag von jana-marai 22.11.10 - 16:00 Uhr

Danke für Deine Antwort.
Ja, vielleicht ist das der Grund. Aber alleine möchte er es auch nicht, könnte er auch noch nicht... und nun? Da hilft wohl nur durchhalten, egal wieviel Kraft es kostet.
LG
jana-marai

Beitrag von myimmortal1977 22.11.10 - 16:06 Uhr

Unser könnte es auch noch nicht allein. Es geht ihm nur darum, seinen Willen durch zu setzen. Und seinen Wunsch nach Selbstbestimmung durch zu führen.

Da hilft tatsächlich nur Augen zu und durch, auch wenn man es nicht möchte, wir finden es auch sehr anstrengend und uns tut es auch leid, wenn er sich wie Rumpelstielzchen aufführt und schreit und meckert, als wenn man ihn abstechen würde....

#liebdrueck Janette

Beitrag von kati543 15.11.10 - 10:37 Uhr

So wie es klingt, kann es aber auch einfach sein, dass dein Sohn ein eigenes Mittel hat, wie er unangenehme Sachen nicht machen muß. Sehr, sehr viele Kinder wollen nicht Zähne putzen,...