Mein Partner leidet furchtbar unter seiner Mutter

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von Hilfe! 14.11.10 - 21:49 Uhr

Hallo. Ich bin seit fast 12 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Er ist ein Einzelkind von einer sehr speziellen Mutter.

Sie hat ihn bekommen und dann sofort jeden Kontakt zu seinem Vater untersagt (hatten sich schon in der Schwangerschaft getrennt).

Sechs Wochen nach der Geburt hat sie beschlossen, dass so ein Baby nichts für sie sei und hat ihn in eine Pflegefamilie gegeben. Dort hat sich dann sein Vater sehr bemüht, ihn zu sehen und auch einen Antrag auf das Sorgerecht gestellt (es war in den späten 1960er Jahren, sie war nicht verheiratet). Als das nach Erfolg aussah, hat sie ihn wieder zu sich geholt, weil der Vater ihn ja nicht haben sollte und hat ihn dann großgezogen. Liebe und so gab es nur von den Großeltern, er hatte eine entsetzliche Kindheit, kaum Spielsachen, viele Schläge. Seine Oma kam jeden Tag vorbei und hat sich gekümmert. Heute wäre in so einem Fall vermutlich das Jugendamt sofort tätig geworden. Die Lehrer der Schule haben sich dann ans Jugendamt gewendet, aber passiert ist nichts.

Die Mutter lebt sehr zurückgezogen, ohne viele Sozialkontakte in einem einsamen Haus mit 10 Katzen an einem Waldrand, verklagt hin und wieder die Nachbarn. Mein Mann kennt viele seiner Verwandten nicht. Als Kind und Jugendlicher hatte er auch überhaupt keine Freunde (hat sie alles verhindert). Mich will sie überhaupt nicht sehen, auch unsere Kinder will sie nicht kennenlernen.

Er hat dann dennoch noch zehn Jahre bei ihr gewohnt, gearbeitet (sie kam aber mehrmals täglich an der Arbeitsstelle vorbei, um ihn zu kontrollieren) und ist Ende 20 nachts abgehauen, mit über die Jahre heimlich abgezweigtem Geld und wusste auch nicht, wohin. Glücklicherweise hat er sich gleich am ersten Tag an eine kirchliche Beratungsstelle gewandt, die ihm sehr auf die Füße geholfen haben. Er hat dann seinen Vater gesucht - um zu erfahren, dass dieser verstorben ist.

Wir haben uns dann kennengelernt, geheiratet und er geht sehr in meiner Familie und mit unseren Kindern auf (seine Mutter hat gleich gesagt, dass sie nach der "Flucht" kein Interesse an einem Familienleben mehr hat.

Jahrelang sah es so aus, als ob er all das unter die Füße bekommt. Er hat mal eine Therapie angefangen, aber der Therapeut hat dann gemeint, dass er nicht der richtige wäre, er sollte woanders hin, und die Adresse, die er ihm nannte, war fast 200km von uns weg (wir wohnen sehr ländlich).

Jetzt, wo unser Leben stabil ist, leidet er zunehmend unter der Mutter, die keine sein will. Er kann einfach nicht akzeptieren, dass sie kein Interesse hat. Jedes Jahr an Weihnachten schickt er eine Karte und Bilder von den Kindern - ruft sie sporadisch an. Sie weiß nicht einmal, wie unsere Kinder heißen! Jetzt am WE waren beide auf der Beerdigung eines gemeinsamen Verwandten, er sprach seine Mutter wieder an udn sie sagte nur, dass sie an Kontakt wirklich kein Interesse habe.

Er ist wieder total durcheinander, weint, ist aggressiv und sagt immer solche Sachen wie "sie muss mich doch lieben, ich bin doch ihr Sohn". Ich weiß nicht, was man da macht. Hilfe?
LG


Beitrag von -floh- 14.11.10 - 21:53 Uhr

Hallo,

Wirklich viel kann man da nicht machen.
Meine Mutter war nie für mich da,ich konnte mich nie auf sie verlassen.
Dennoch bin ich diejenige die sie anruft und sich erkundigt wie es ihr geht (Andersrum kam es noch nie vor).
Mein Mann sagt auch immer ich soll das lassen, sie würde sich nicht für mich interessieren...
Aber sie ist eben meine Mutter,und man rennt meistens dem hinterher was man nicht bekommen kann.
Es ist schwer wenn Liebe eigentlich keine Liebe ist...

Alles Gute

Beitrag von dore1977 14.11.10 - 22:06 Uhr

Hallo,

viel helfen kann ich Dir nicht. Wir sind Pflegeeltern und in den ganzen Gesprächen mit dem Jugendamt wurde ein Satz gesagt der mich sehr an Deinen Mann erinnert bzw an die Situation die Du beschreibst.

Die Dame vom Jugendamt sagte: Sie dürfen niemals vergessen Kinder lieben ihre Eltern egal was die ihren Kindern angetan haben, auch wen es noch so schrecklich war.
Je schlimmer das ist was den Kindern wieder fahren ist, je goldener und glänzender ist die "goldene Kutsche" in der die Eltern sie zu den Besuchskontakten abholen" Kinder sehen immer das gute in ihren Eltern.

Ich nehme einfach mal an das es bei Deinem Mann genau so ist. Er sollte nochmal versuchen seine Kindheit aufzuarbeiten mit einer andren Fachkraft. Es muss doch jemanden geben der dichter als 200km an Euch dran wohnt.

LG dore

Beitrag von angelaangela 14.11.10 - 22:13 Uhr

Er ist ja erwachsen. Er leidet nicht unter seiner Mutter, sondern an sich selbst. Denn er ist definitiv nicht von ihr abhängig, so wie Kinder es sind. Alles was er verändern kann, ist seine Haltung zu dieser Mutter. Es mag ein Kraftakt sein, noch einmal Hilfe von außen zu finden, aber genau dieser Kraftakt könnte ein erster Schritt sein, damit er merkt: Auf MICH und meine Tatkraft kommt es an. Da er keine Zeichen ihrer Liebe bekommen kann, wird es darum gehn, damit seinen Frieden zu machen.

Ich kann es nachfühlen.

Beitrag von badguy 14.11.10 - 23:24 Uhr

Na ja, er leidet unter den Folgen seines Verhältnisses zu seiner Mutter. Ich denke, wie du, dass er sich nochmals externe Hilfe holen sollte.

Beitrag von sterni84 15.11.10 - 10:35 Uhr

Hallo!

Meinem Freund erging es ähnlich - er hat ebenfalls eine sehr schlimme Kindheit erlebt. Er ist inzwischen 29 und hat noch sehr darunter zu leiden. Er hat Anfang des Jahres eine Therapie angefangen, musste diese aber abbrechen, weil er mit der Therapeutin nicht klar kam.

Jetzt ist er auf der Suche nach einem neuen Therapeuten. Ich denke dein Mann sollte sich nochmal dringend um eine Therapie bemühen - soetwas kann man nicht mit sich alleine ausmachen und Du kannst ihm da auch nicht bei helfen.

Mein Freund hat die Therapie übrigens erst begonnen, nachdem ich ihn mehr oder weniger dazu überredet hatte.

LG Lena

Beitrag von schildy85 15.11.10 - 17:44 Uhr

Hallo,
ich kann deinen Mann verstehen meine Kindheit war auch echt mies.
Ich habe in den letzten Jahren einige Therapien hinter mir zudem kamen dann bei mir noch alltägliche Probleme hinzu und das ich ständig mit dem Kopf in der Vergangenheit war/bin.
Ich habe auch solche Sätze gehört das man mir nicht helfen kann. Einige Therapeuten waren gut aber nicht gut genug. Die meisten haben die Vergangenheit außgekramt und mich so weggeschickt nichts wieder eingepackt und meinen Kopf sortiert bzw mir beim sortieren und verarbeiten geholfen.#schmoll

Ich habe dann eine echt gute Heilpraktikerin kennen gelernt die mir sehr geholfen hat dennoch ist nicht alles verarbeitet es ist harte Arbeit die heute noch anhält.

Vieles habe ich verstanden akzeptiert an einigen arbeite ich noch.
Das gehört zum leben und jeder Mensch muss das im laufe des Lebens der eine trägt halt mehr der andere weniger mit sich rum.

Versuche es mal mit einem anderen Therapeuten da findet sich bestimmt noch wer und such mal nach Heilpraktikern die in diese Richtung arbeiten.
Beides gleichzeitig kann auch nicht schlecht sein weil der Therapeut auf einer anderen ebene Arbeitet als der Heilpraktiker.

Ich wünsche dir und deinem Mann alles gut kannst dich auch direkt bei mir melden wenn du mal jemanden brauchst.

Beitrag von manavgat 16.11.10 - 09:57 Uhr

Das einzige was da hilft, ist eine Therapie.


Es gibt Menschen, die sollte man sich vom Hals halten, um gesund zu bleiben. Die Mutter Deines Partners ist so ein Mensch.

Gruß

Manavgat

Beitrag von Danke! 17.11.10 - 21:27 Uhr

Lieben Dank!

Ich hoffe, ich kann ihn nochmal zu einer Therapie überreden.
LG