Ich bin am ende....

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von sasula 14.11.10 - 22:09 Uhr

Hallo an alle,

es dauert nicht mehr so lange und mein Sohn "feiert" seinen dritten Sternengeburtstag....Mir tut es jetzt schon wieder unendlich weh und heute hatte ich auch einen kleinen Nervenzusammenbruch... Ich kann einfach nicht mehr....

Wir mussten damals die Schwangerschaft in der 25.SSW abbrechen, da mein Sohn nicht lebensfähig war. Der Abbruch und die Geburt haben in meiner Seele sehr, tiefe Narben hinterlassen, da dass alles nicht gut abgelaufen ist....

Ich war zwar 2008 in einer Mutter-Kind Kur, die mir auch recht gut tat, aber als ich wieder zuhause war, war ich wieder im tiefen loch.... Dann war ich im Juni in einer Tagesklinik für 6 Wochen, was mir auch wieder ein wenig Kraft gegeben hatte. Im Oktober hatte ich dann eine Fehlgeburt, die mir meine Kraft wieder genommen hatte. Aber ich konnte mich schnell wieder aufstellen, es wird schon einen Grund gegeben haben, warum es nicht klappte....

Im August 2009 wurde ich wieder schwanger, und Amy wurde im April 2010 geboren. Doch leider war ihr Start alles andere als leicht. Sie hatte eine Früchenkrankheit (NEC) obwohl sie normal geboren wurde. Sie wurde drei Wochen künstlich ernährt und lag insgesamt 6 Wochen in der Klinik.

Ich verbrachte mein Wochenbett mehr im Auto und am Krankenbett meiner Tochter. Das Krankenhaus war eine Strecke 70km entfernt. Als sie drei Wochen später wieder verlegt wurde, waren es nur noch 50km pro Strecke...

Es war sehr anstrengend und ich nahm in der zeit 20kg ab und musste leider nochmal ausgeschabt werden, da ich noch reste in der Gebärmutter hatte.

Als die kleine nachhause gekommen ist, hatte ich echte probleme die maus als mein Kind anzunehmen. Ich fühlte mich einfach nicht als Mama. Die Geburt von Amy ging auch so rasend schnell (von erster Wehe bis Maus nur 2std.) Es fühlte sich alles so unecht an....

Ich wollte die Babyzeit mit Amy genießen, aber ich kann es nicht. Die Zeit geht so schnell vorbei und ich komm einfach nicht mit...

Und jetzt sitz ich hier und weiß überhaupt nicht mehr, wie ich mich fühle... Ich bin so durcheinander... Mir fehlt grad echt die Kraft weiterzumachen... Ich sollte so glücklich sein, dass mir nochmal ein Kind geschenkt wurde... Ich liebe sie über alles, aber ich bin nicht glücklich... Mir fehlt mein Sohn jetzt umsomehr.

Und das ist nicht richtig... heute war ich mal wieder am Grab und es raubte mir wieder viele Kräfte. Ich kann mit dem Verlust nicht mehr umgehen... Es wird immer schlimmer. Vorallem alle denken, dass es mir wieder gut geht. Und das es mir auch gut gehen muss, da ja jetzt Amy da ist. Und das schlimme ist, ich erwarte das von mir auch.

Ich hab ganz schlimme gedanken, ich denke teilweise, dass es besser wäre, wenn ich nicht mehr da wäre, würd mich ja sowieso keiner mehr vermissen.... Die Kinder vergessen mich sowieso und mein Mann findet auch schnell wieder jemanden neues, die das alles besser schafft als ich... Er erwartet nichts von mir, aber ich kann das so nicht mehr...

...Suse

Beitrag von beni76 14.11.10 - 22:18 Uhr

Liebe Suse

es tut mir sehr Leid, was Du alles erlebt hast #schmoll

Wie Du schreibst und sich das anhört, brauchst Du dringend ärztliche Hilfe!
Das hört sich für mich nach einer Depression an :-(
Lass Dir bitte helfen, Deine Tochter braucht Dich ganz ganz ganz arg doll und auch Dein Mann!!!
Und auf jeden Fall würden sie Dich vermissen!!!

Ganz liebe Grüße
#blume beni

Beitrag von gaia1976 14.11.10 - 22:28 Uhr

Hey Suse,

Hab nicht so schlimme Gedanken.

Deine beiden Mädels würden Dich niemals vergessen, die Große ist doch schon 5 Jahre alt!

Und ganz bestimmt lieben sie Dich mehr als alles andere auf der Welt, denn DU bist ihre Mutter!

Dass Du Deinen Sohn hast gehen lassen, war mutig und selbstlos von Dir, Du hast gehandelt wie eine Mutter, die nur das Beste für ihr Kind möchte. Das war keine leichtfertige Abtreibung.
Und dass Du Deinen kleinen Sohn vermisst, kann doch wahrscheinlich jede Mutter nachvollziehen, denn er ist auch Dein Kind.

Gibt es bei Dir in der Nähe vielleicht eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern?
http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=verwaiste+eltern+westerwald&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=&fp=4803fd73a9f89a0d

Suche Dir eine Psychotherapeutin für eine Gesprächstherapie, sie kann Dir vielleicht den Rücken stärken.

Hast Du mit Deinem Gynäkologen gesprochen, steckt evtl. eine "Wochenbettdepression" zusätzlich dahinter? Das kann man sehr gut behandeln!

Was auch immer Du tust, bleib bei Deinen Kindern und suche Dir Hilfe, wenn Du bis jetzt nicht die richtige Unterstützung gefunden hast, kämpfe weiter! Dein kleiner Sohn schaut Dir mit Sicherheit zu und wünscht sich, dass Du stark bist für seine beiden Schwestern - lass ihn stolz auf Dich sein!


UND: auch wenn es hart klingt, hast Du ganz akute Suizidgedanken, dann sprich mit einer vertrauten Person darüber und lass Dir helfen!
Alles Liebe! #liebdrueck
Gaia

Beitrag von sasula 14.11.10 - 22:41 Uhr

Hallo,

danke für deine antwort...

Ich möchte in keine Selbsthilfegruppe, da ich das Gefühl habe, dass es mir nicht zusteht, da ich es ja so wollte, dass mein Sohn stirbt... Damit kann ich nicht umgehen und das erwarte ich auch nicht, dass die Frauen denen ihre Kinder normal gestorben sind, das tun...

Suse

Beitrag von gaia1976 14.11.10 - 23:12 Uhr

Na, Dein Sohn war so sehr krank, dass er nicht lebensfähig war, dass heisst doch, dass Du in seinem Sinne gehandelt hast. Wäre er 15 Wochen länger in Deinem Bauch geblieben, wäre er 15 Wochen lang weiter so krank gewesen, dass er, wenn ich das richtig verstanden habe, nach der Geburt nicht überlebt hätte.

Dass Du sagst, Du wolltest, dass Dein Sohn stirbt, das stimmt ja so nicht!
Du hast Dir ein Kind gewünscht und hast doch nicht gewollt, dass es so krank ist! Dein Kind ist gestorben, weil es krank war und nicht aus einer Lust heraus.

Ich denke, Du hast durchaus Anspruch darauf zu sagen, dass Dein Kind wegen einer Krankheit gestorben ist.

Welche Diagnose habt ihr denn damals bekommen?

LG
Gaia

Beitrag von sasula 15.11.10 - 09:07 Uhr

Hallo,

Julian hätte einfach keine Chance gehabt... Er hatte einen Wasserkopf, kein Kleinhirn, einen Herzfehler, nur eine Niere usw...

Ich weiß ja auch, dass meine/unsere Entscheidung für Julian richtig war, aber ich kann damit auch drei Jahre später noch nicht mit umgehen und damit leben.

Suse

Beitrag von gisele 14.11.10 - 22:51 Uhr

liebe suse.
auch ich habe ein kind verloren,ich war zwar "erst" in der 13..ssw,aber was spielt das für eine rolle...
die gedanken die du hast kann ich nicht verstehen,aber du hörst dich sehr verzweifelt an,ich würde dir ganz dringend raten hilfe in anspruch zu nehmen,bei einer gruppe,einem therapeuten oder einer art selbstfindung...
ich habe mich fürs letzte entschieden und bin in gedanken sehr oft bei meinem kind.
aber meine anderen kinder brauchen mich,sehr sogar.
du kannst dich gerne über meine vk melden,ich weiss ja wie sehr der verlust schmerzt...
auch mein kind war sehr krank,hatte sich aber von alleine entschieden zu gehen...
ich bin dankbar über die 13 wochen die ich es in mir tragen durfte und es wird immer mein kind sein,in meinem herzen habe ich 3 kinder.
sei bitte stark für deine familie!!
liebsten gruss,nadine

Beitrag von lieke 15.11.10 - 00:00 Uhr

Hallo Suse,

diese Gedanken kenne ich. Ich habe diesen 3. Geburtstag gerade hinter mir. Wenn man so viele schwierige, vielleicht sogar traumatische Ereignisse hintereinander oder gleichzeitig erlebt (was ich auch habe), dann hat man irgendwann das Gefühl, das einen das Leben überholt. Man kommt nicht mehr mit, so sehr man sich auch anstrengt.

Natürlich weißt du, dass deine Kinder und dein Mann dich vermissen würden. Sie lieben dich, wie du bist, mit deiner Trauer, deinen Problemen und deinen Fehlern. Du DARFST dein verstorbenes Kind vermissen, dass heisst nicht, dass du undankbar bist, oder nicht glücklich über die anderen. Was du nicht darfst ist, dich unter Druck setzen, damit diese Gefühle verschwinden. Gefühle kommen und gehen wie sie wollen, nicht wie wir es uns wünschen oder wie es passt.

Eine Kur kann kein Wunder vollbringen, höchstens eine kleine Auszeit bieten. Die Trauer wird bleiben und immer wieder zu den unpassendsten Gelegenheiten hochkommen. Dagegen kann man nichts machen, aber es lebt sich leichter, wenn man es dann akzeptiert.

Amy ist keine Medizin gegen die Trauer um ihren Bruder, sie ist ein weiteres Kind von dir, die eigenen Platz in deinem Herzen hat. Es MUSS dir nicht gut gehen, weil Amy jetzt da ist, denn dein anderes Kind ist ja immer noch tot. Ich finde es sogar sehr normal, denn ein folgendes Kind macht einen jeden Tag deutlich, was man verloren hat. Aussenstehende sehen das natürlich nicht so. Das ist bei mir auch so. "gönn" dir deine schlechten Tage, du selber weißt, dass du auch an den tieftraurigen Tagen deine Kinder gleichermaßen liebst.

Versuch die Verpflichtung zum Glücklichsein aus dem Kopf zu kriegen und mach ein Schritt nach dem anderen. Nicht alles muss von heute auf morgen so perfekt laufen, wie bei "den anderen".

"Feierst" du denn den Geburtstag? Hat er einen Platz in eurer Familie? Wie geht dein ältestes Kind damit um? (Verstehe deinen Beitrag so, dass es noch ein Kind vor deinem verstorbenen Sohn gibt?)

Vielleicht kannst du speziell nach einer Gruppe suchen für Frauen nach einem Abbruch. Schau mal auf nachabtreibung.de "Abtreibung" klingt vielleicht jetzt erstmal unpassend, aber dort geht es auch um Spätabtreibungen, und es gibt verschiedene private Foren je nach Geschichte, in die ich natürlich jetzt nicht reinschauen kann.

Ich hoffe, du findest einen Weg!

Liebe Grüße,
Lieke

Beitrag von sasula 15.11.10 - 09:04 Uhr

Hallo,

danke dir für deine worte!!! Momentan ist das Loch wieder so groß wie bei Julians Geburt....Vorallem fängt im Dezember die Zeit an, wo wir vor drei Jahren, die ersten Diagnosen bekommen haben.... Das reißt alles wieder auf... Letztes Jahr, war mir das nicht so bewusst, da ich mit Amy schwanger war und die Schwangerschaft auch nicht so toll war.

Der Geburtstag ist im Januar und wir werden Julians Geburtstag am Grab feiern. Er bekommt dann auch ein Geschenk. Aber die Zeit am Grab raubt mir sämtliche Kräfte... Ich bin dann immer in einem tiefen Loch, wo ich nur schwer rauskomme... Ich würd gern öfters zu ihm gehen, aber ich kann nicht.... Es tut zu weh.... obwohl ich am Grab selbst nichts fühle... Erst danach....

Meine große Tochter (5 Jahre) spricht sehr, sehr viel von Julian. Eigentlich jeden Tag. Sie erzählt auch jedem das sie einen Bruder hat, der aber gestorben ist. Als wir uns letztens mit einer Nachbarin unterhalten haben, meint Lea nur, dass Julian dahinten auf der Wolke sitzt und uns winkt....

Ich wünschte mir, dass ich es auch so schön sehen könnte...

Suse

Beitrag von lieke 15.11.10 - 13:18 Uhr

Hallo Suse,

aber daran, wie deine Tochter damit umgeht, siehst du doch, dass du gar nicht so eine schlechte Mutter bist, wie du denkst!
Sie fühlt sich offentlich sicher und geborgen, sonst würde sie nicht so locker mit Fremden über ihren Bruder reden. Meine Kinder waren fast 4 als ihr Bruder starb und man hat mir immer gesagt, das Schlimmste ist, wenn Kinder NICHT darüber reden. DU gibst ihr den Raum dazu! Vielleicht versuchst du, dich daran festzuhalten, als etwas, was du gut machst!

Ich habe gerade das 3. Jahr ohne meinen Sohn hinter mir, und mein jüngster ist vor ein jaar Wochen 1 geworden. Also das erste Jahr mit dem folgenden Kind. Ich fand dieses Jahr anders schwierig, keineswegs leicht. Sowohl die Umwelt, als auch ich selber dachte oft, man, was habe ich jetzt noch zu klagen, ich habe doch jetzt ihn.....

So funktioniert es nicht, auch ich habe das lernen müssen. Ich habe vorher nie gedacht, dass sich alle Probleme lösen mit einem neuen Kind, ich habe aber auch nie gedacht, dass es sowas wie ein "1.Trauerjahr mit neuem Kind gibt". Ich empfinde das so. Und dabei hatte ich sogar noch einen wunderschönen Start mit dem Kleinen....

Gibt dir Zeit, echt!

Alles Gute!

Beitrag von nane29 15.11.10 - 11:13 Uhr

Liebe Suse,

es tut mir so Leid.
Ich glaube, jede Mutter gerät in der Schwangerschaft und auch später immer wieder in den Strudel der Gedanken daran, was wäre, wenn......

Ich habe in meinen Schwangerschaften auch oft überlegt und die Gefühle "vorgefühlt", wie es mir gehen würde, wenn mein Baby krank wäre und ich es gehen lassen müsste.

Allein dieses Vorfühlen war so schrecklich, es hat so weh getan und mich in solche Verzweiflung gestürzt, dass ich mich mit aller Macht von den Gedanken losreißen musste.

Was dir passiert ist, ist ganz ganz schlimm und ich glaube, es braucht unheimlich viel Arbeit, um das zu verkraften und damit weiterzuleben. Therapiearbeit.

Du bist keine schlechte Mutter - du bist so unglücklich, weil du eine gute Mutter bist, weil du deinen Sohn geliebt hast, weil du genau die richtigen Instinkte hattest - dass du ihn schützen und retten wolltest.

Ich kann dir keinen Rat geben, aber ich glaube, du brauchst unbedingt noch ganz viel Hilfe. Und das zu Recht, denn deine Gefühle sind doch völlig natürlich nach so einem Schicksalsschlag.

Ich drück dich ganz doll und fühle mit dir.

Alles Gute
Jana

P.S. Meine Mutter starb mit Baby im Bauch, als ich 3 war. Glaub mir, NIEMAND konnte sie und niemand könnte dich ersetzen#liebdrueck

Beitrag von sasula 16.11.10 - 20:29 Uhr

Hi,

danke dir für deine antwort...

Eigentlich weiß ich ja selbst, dass mich meine beiden kinder brauchen... Sie sind der Grund warum ich überhaupt noch lebe.

Aber ich fühle mich teilweise so nutzlos. Ich versuch irgendwie alles zu schaffen und perfekt zu machen, aber ich schaff es nicht. Wenn ich die perfekten Mamas und Hausfrauen so sehe... Das lässt mich noch zusätzlich zweifeln, was ich hier noch soll....

Ich versuche, wieder Mut zu finden und meine Therapeutin wieder anzurufen, aber ich trau mich noch nicht so richtig, da ich der meinung bin, dass die wieder alle denken, dass ich übertreibe und es doch auch mal gut sein müsste.


Suse

Beitrag von nane29 16.11.10 - 22:05 Uhr

Hallo Suse,

wenn du diese ganzen Selbstzweifel hast und nicht für dich selbst stark sein kannst, dann denke an deine Kinder. Bringe es FÜR SIE auf den Punkt:

- Deinen Kindern ist es scheißegal, ob du eine perfekte Hausfrau bist. Sie brauchen eine Mama, die sie liebt. Und die sich selbst liebt, damit sie lernen, selbstbewusst durch's Leben zu gehen.
Mein Papa hat mich großgezogen. Was glaubst du, wie ordentlich es wohl bei uns war? #schein Wenn er gekocht hat, gab es entweder Pfannkuchen oder Steak mit Nudeln.#mampf Wenn er mich für Fasching verkleidet hat, sah ich aus, wie eine Vogelscheuche - sofern er den Termin nicht vergessen hat:-p. Ich war Abends oft auf Partys oder in Restaurants, statt im Bett. Ich hatte komisch verunglückte Frisuren, wurde viel herumgereicht, bin immer zu spät zur Schule gekommen.
Ich hatte eine glückliche Kindheit und liebe meinen Vater wie verrückt, weil er - trotz allem - ein toller Papa ist.

- Es ist auch völlig egal, ob andere denken, dass "genug" sein müsste. Die haben keine Ahnung. Wann wirklich genug ist, das kannst nur du wissen und du bist es deinen Kindern schuldig, so lange weiterzumachen. Stell dich hin, Kopf hoch, Schultern gerade und sag': "Es ist noch nicht genug, ich brauche Hilfe!". Du kannst die Mama sein, die du sein möchtest, aber nicht in deinem jetzigen Zustand. Das könnte niemand. Du musst dich bewegen.

Ich drück dich und fühle wirklich ganz doll mit dir. Ich weiß nicht, wie ich das verkraften würde, mir ginge es sicher genau wie dir.


Beitrag von hannah.25 15.11.10 - 12:34 Uhr

Hallo Suse,

vor ein paar Tagen noch hast du mir so lieb geschrieben und mich beglückwünscht und umso mehr macht es mich traurig, dass es dir so schlecht geht.
Lass dich mal fest drücken! #liebdrueck

Ich denke, dass es ganz normal ist, dass dir durch deine Tochter der Schmerz und die Lücke, die dein Sohn hinterlassen haben, immer mehr bewusst werden und auch wenn du das nicht willst. Man vergleicht, wie es mit dem Sohn gewesen wäre und wie es jetzt mit der Tochter ist und es ist eben doch kein Ersatz, den man bekommt.
Leider wäre eben ein zweites Kind immer mit da und leider wird die Leere nach seinem Tod immer bleiben. Ich habe gemerkt, dass mir meine beiden Kinder auch immer fehlen, dass es aber auch ohne unseren Per so wäre, weil es immer Situationen geben wird, wo sie fehlen - sei es eben das leere Kinderzimmer, sein es andere Familie mit Kindern oder eben so Dinge, die man typischerweise mit Kindern macht.
Wir können leider nur lernen, mit dem Verlust zu leben, die Trauer zu akzeptieren und damit leben lernen, dass es neben guten auch wieder ganz schlechte Tage gibt.

Wenn ich aber deinen Text lese, dann merke ich, dass du nicht mehr nur "normale" Trauer empfindest, dass du eben richtig dolle im Loch steckst und wer kann dir das auch verübeln. Du denkst an Freitod und hast die Gedanken, die ich vor einem Jahr hatte, dass deine Familie ohne dich und deine Trauer besser dran wäre. Aber das stimmt. Nur kann man das in der Situation von dir nicht einsehen und erkennen.
Ich kann dir nur ganz, ganz dringend raten, such dir professionelle Hilfe. Es ist keine Schande und du musst auch kein schlechtes Gewissen haben und dir Vorwürfe machen oder dir gar einreden, dass du Hilfe nicht verdient hättest, weil du deinen Sohn hast freiwillig gehen lassen. Dein Julian war krank, du bist die beste Mama gewesen, die es gibt, du hast ihn erlöst und hast dich damit selbst belastet. Du warst alles andere als egoistisch.
Such dir bitte einen richtigen Therapeuten, das was du andeutest, sind schwerste Depressionen und das ist eine Krankheit, da kommt man allein nicht mehr raus.

Ich hoffe und wünsche dir, dass du rechtzeitig die Hilfe bekommst, die du brauchst und ich wünsch dir ganz, ganz viel Kraft und alles Gute!

Liebe Grüße
Hannah mit Niklas und Sarah fest im Herzen und #baby Per fest im Arm

Beitrag von sasula 16.11.10 - 20:34 Uhr

Hallo Hannah,

danke dir für deine lieben Worte....

Ich dachte wirklich, dass ich auf dem richtigen weg bin und meine Trauer gut im griff habe. Und dass ich gelernt habe mit ihr umzugehen.

Aber ich bin vom gegenteil überrascht worden. Jetzt merk ich erst, was ich überhaupt verloren habe und wie sehr mir Julian fehlt...
Und vorallem merk ich jetzt erst, dass ich bei Julians Tod auch mitgestorben bin und von mir nur noch ein kleiner Teil richtig da ist... Und das ist der Teil, der meinen beiden Kindern auf der Erde gerecht werden möchte....

Eigentlich weiß ich auch, dass ich Julian ein schweres Leben erspart habe (wenn er lebend auf die Welt gekommen wäre) aber ich kann das nicht akzepterien, dass es so ist.

Suse

Beitrag von aptschi 15.11.10 - 17:21 Uhr

Liebe Suse,

Deine Zeilen haben mich sehr betroffen gemacht. Bitte hol Dir Hilfe! Du hast Kinder, und sie brauchen Dich. Sie werden Dich nicht vergessen.

Meine Oma ist jetzt 92 Jahre alt, ihre Mutter starb als sie 5,5 Jahre alt war. Als ich noch klein war, hat sie mir / uns oft Geschichten erzählt von früher, aus ihrer Kindheit.

Sie erzählte über Kleinigkeiten, Einzelheiten die ihre Mutter betrafen - das glabst Du gar nicht! Und sie erzählte, wie es war als die Mutter noch da war und wie es ihr und ihren Geschwistern nach ihrem Tod ging. Klar, andere Zeiten - aber selbst im hohen Alter hat sie Sehensucht nach ihrer Mutter, heute noch erinnert sie sich an sie.

Wenn sie heute sieht wie ich mit meiner Tochter spiele, sie umsorge etc, sagt sie IMMER "was für ein Glück die Kleine hat, ihre Mama um sich zu haben!" Sie ist stark gläubig, und ich weiß, daß sie täglich für meine Tochter betet, daß sie gesund und glücklich bei ihren Eltern aufwächst.

Ich kenne noch viele andere Beispiele. Ein Kind wird niemals seine Mutter vergessen! Es wird vielleicht vergessen, wie die Mutter genau ausgesehen hat, vielleicht ihre Stimme, es wird sich aber sein lebenlang an irgendetwas erinnerrn - Geruch, Lachen, Gang, ein Muttermal, bestimmtes Kleidungsstück, was weiß ich! Und daran wird es seine Sehnsucht festmachen.

Das klingt alles so kitschig was ich Dir geschrieben habe, aber es ist so!!! Bitte hol Dir Hilfe, kämpfe für Dich, laß Deine Kleinen nicht im Stich!

Beitrag von sasula 16.11.10 - 20:38 Uhr

Hallo,

danke dir für deine Worte...

Ich würde meine Kinder nicht im Stich lassen, sie sind der Grund, warum ich noch nicht gegangen bin.

Aber manchmal hab ich einfach das Gefühl, dass sie mich nicht brauchen und ich hier einfach total unnütz bin.

Vor Julians Tod war ich eine super Mama, ich hab soviel mit Lea gemacht. Sei es stundenlang draussen gewesen oder gebastelt oder, oder oder.... Und heute? Heute muss ich meinen Arsch rauszwingen, weil ich einfach keine Lust habe... Aber ich muss...

Am liebsten würd ich mich den ganzen Tag verkriechen und ich will eigentlich von der Welt nichts wissen.... Ich bin einfach am 11.01.2008 mitgestorben.... :-(


Suse

Beitrag von dieneue05 15.11.10 - 19:02 Uhr

hallo,

für mich hört sich das nach einer depression an, die aus der wochenbettdepression entstanden ist. du brauchst hilfe. das schafft man kaum allein. und nach all dem was du noch zu verarbeiten hast, solltest du dich schnellstens an einen arzt wenden.

schau bitte hier:

www.schatten-und-licht.de

lg und alles gute für dich (hol dir HILFE!!!!!!)

Beitrag von sasula 16.11.10 - 20:34 Uhr

Hallo,

danke dir für den Link!!!

Suse

Beitrag von amalka. 19.11.10 - 00:34 Uhr

Liebe Suse, als ich es las, hatte ich wirklich Tränen in den Augen. Unsere Geschichten sind so unterschiedlich und tortzdem erleben wir innerlich ähnliches.

Auch ich dachte ganz oft, dass es oft besser wäre, wenn ich nicht wäre. Ich sagte, dass mein Mann eher mit einem Kind klar kommen würde, als wenn ich jetzt das zweite gebäre, hier gleich vor die Gleise gehe und mache das, was ich mir manchmal von Herzen wünschen würde, dem Leben ein Ende zu setzen. Ncihts mehr spüren, nicht zu sein. Manchmal empfinde ich mich für meinen Mann und die Umgebung eher als Belastung und nicht als was minimal wertvolles.

Ich wünschte mir MEIN Kind und jetzt die letzten Monaete war es so, dass mir am liebsten war, wenn sie beim Fernseher gesessen hat und von mir nichts wollte..

Ich habe keine AHung, was in 5 Tagen passiert. Ich habe keine Ahnung wie es weiter gehen wird...

Unsere Geschichten sind so untershciedlich aber die Welt gleich schwarz...und in diesem schwarzen will ich dir nur sagen, dass ich spüre, dass man diesen unedlichen Schmerz, as jede von uns aus anderen Grund erlebt, dass man es intergrieren kann.

Es sagt überhaupt keiner, dass du mit amy superhappy sein musst, das ist maximal deine sinnlose Forderung an dich!

Ich fühle nur eins, was wir beide erleben, ist nicht normal. Und die Welt kann aufgrund von bestimmten Umständen schwarz werden aber sie ist es nicht.

Ich stehe auf einer Warteliste für Psychotherapie. Ich sag mir, dass meine Kinder es verdienen, dass ich nicht nur eine schwarze Mama erleben. Ich will nichts vorspielen aber wenn ich mich nur ansatzweise fürs Leben entschieden sollte, dann will ich es bitte richtig tun und dem Leben eine Chance geben...bitte, suche dir Hilfe!