Junge (4) wird aggressiv

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von stubi 15.11.10 - 09:17 Uhr

Nun brauche ich mal Rat, da ich meinen kleinen Sonnenschein nicht wiedererkenne.

Kurze Zusammenfassung: er war bis 30.09. im Kiga in der kleinen Gruppe und sollte danach in die große Gruppe wechseln. Durch eine OP (Mandeln, Polypen, Ohren) habe ich ihn aber ab 01.10. daheim gelassen, damit er vor der OP (war Mitte Oktober) nicht noch krank wird. OP verlief gut, nach 4 Tagen konnten wir heim, allerdings lag er dann richtig heftig über 1 Woche wegen Rota-Viren flach. Seit letzten Montag geht er nun wieder in den Kiga, es wurde eine kleine Verabschiedung aus der kleinen Gruppe und ein kleiner Einstand in die große Gruppe gegeben (ist dort Tradition). Er freute sich auch riesig, dass er endlich in die große Gruppe durfte, da seine besten Freunde dort schon drin waren.

Nun zum Problem: seit letzten Dienstag wird er extrem aggressiv. Er hat ständig die Hand zur Faust geballt und jeder 2. Satz ist "soll ich dir paar klatschen, soll ich dir paar richtige reinhauen?" Leider bleibt es nicht nur beim Reden, sondern er prügelt auch grundlos immer häufiger auf seine große Schwester (13) und auch auf mich ein. Ich gehe dann auf Augenhöhe, rede ruhig mit ihm, halte ihn notfalls fest und mache ihm schon deutlich klar, dass ich das keinesfalls möchte. Dann klappt es 10min und der kleinste Anlass lässt ihn wieder zuhauen.

Heute früh sprach ich dann seine Grupenleiterin darauf an, die sich das allerdings gar nicht erklären kann. Im Kiga wäre er lieb. Klar gehen die Jungs mal etwas rauer miteinander um, aber gehauen wird dort auch nicht. Unser Sohn selbst erzählt mir aber auf Nachfrage, woher er das hat, aus dem Kiga.

Ich gebe zu, ich stehe der Sache etwas hilflos gegenüber, weil ich unseren Sohn überhaupt nicht so kenne. Er war immer ein total ruhiges, liebes und ausgeglichenes Kerlchen, den nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Familiär gab es auch keinerlei Veränderungen.

Bitte um Tipps, wie ich mich verhalten soll und wie wir diese Aggressivität schnell wieder in den Griff bekommen.

Beitrag von bine3002 15.11.10 - 09:37 Uhr

Ich habe ja die Theorie, dass gerade Jungs ab und an das Bedürfnis zu haben, sich einfach mal welche "auf die Mütze" geben zu dürfen. Zumindest war das früher (als mein Papa noch klein war) völlig normal, dass die Jungs sich gekloppt haben. Heute hören sie dagegen meistens: "Ich möchte nicht, dass Du schlägst." "Gewalt ist keine Lösung!" usw.

Ist ja auch richtig... ich würde jetzt kein Kind dazu animieren, sich zu prügeln. Die Frage ist halt nur, ob dieses passive Verhalten immer so das Richtige ist. Und zwar GERADE für einen Jungen.

Du sagst es passiert "grundlos". Wie kann man sich das vorstellen? Ihr spielt und plötzlich fängt er an zu schlagen? Oder ist er vorher besonders aufgedreht oder wütend?!? Ich meine... es ist schwer vorstellbar, dass das absolut grundlos passiert.

Vielleicht will er echt mal richtig rangeln und seine körperliche Grenze kennenlernen. Vielleicht zieht er auch bei Rangeleien im Kindergarten den Kürzeren und möchte nun feststellen, ob das zu Hause auch so ist. Soll heißen: Vielleicht wäre ein kleiner "Kampf" mit klar definierten Regeln (also eher eine wilde Toberei wie es Papas oft mit ihren Kinder machen) das Richtige für ihn, um diese überschüssige Energie loszuwerden. Und vielleicht kann man ihm dann auch mal erlauben, mit der Faust richtig in ein Kissen zu boxen (also eine Art Boxtraining), ihm aber eben klar machen, dass auch ein "Kampf" Regeln hat.

Beitrag von stubi 15.11.10 - 09:53 Uhr

Grundlos meine ich jetzt für uns grundlos, für ihn wahrscheinlich nicht.

Situation: beide Kinder sitzen auf der Couch und schauen einen Trickfilm. Unsere große Tochter nimmt ein Kissen beiseite, weil es sie stört und der Kleine haut ihr plötzlich mit der Faust auf die Nase. Begründung: XY soll das Kissen nicht wegtun (lag ja nicht mal auf seiner Seite).

2.Situation: ich bin am Essen austeilen mittags, plötzlich steht der Kleine auf, schlägt mir mit den Fäusten mehrmals in die Beine. Begründung: ich will jetzt nicht essen.

Er legt ja davor keine passives Verhalten an den Tag, nur im Normallfall regte er sich selbst anderweitig ab, wenn ihn wirklich mal was störte, z.B. will er immer nach draußen, wenn er Wut hat und dort dreht er dann volle Kanne mit dem Laufrad paar Runden und gut ist.

Rumtoben kann er hier mehr als genug, mit Papa, Mama und Schwester. Es wird auch mal aus Spaß ein kleiner Kampf ausgetragen, alles kein Thema.

Überschüssige Energie hat er eher selten, wir haben 4000qm Grundstück und sind bei jedem Wetter ganztägig draußen. Dort fahren wir Fahrrad, spielen Fußball, rennen um die Wette etc. was man eben draußen so machen kann. Dabei wird er aber nicht die ganze Zeit bespaßt, er kann auch schon lange allein spielen.

Beitrag von bine3002 15.11.10 - 10:18 Uhr

Ok, in den konkreten Situationen würde ich in etwa so reagieren:

"Äh geht es noch? Was ist los?"
"Ich will nicht essen."
"Na dann iss halt nicht, aber deswegen musst Du mich doch nicht schlagen. Das kann man doch ganz normal sagen."

Ebenso in der Situation mit dem Kissen.
"Brauchst Du denn ein Kissen?"
"Jaaa!"
"Ja hier BITTESCHÖN. Beim nächsten Mal sagst Du es bitte einfach und tust mir nicht so weh. Und jetzt wäre eine Entschuldigung angebracht und bei der Gelegenheit kannst Du mir dann bitte auch gleich mal einen Kühl-Akku besorgen für meine Nase."


Einfach relativ gelassen bleiben, dabei aber deutlich machen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt als gleich zu schlagen.

Beitrag von hanni123 15.11.10 - 10:25 Uhr

Huhu,

also ich bin mittlerweile auch Bines Ansicht, dass Jungs Gerangel und Geraufe brauchen. Das zum einen. Und zum anderen hat sich bei euch ja etwas verändert, die Kindergartengruppe. Hier muss Dein Sohn jetzt erst mal einen neuen Platz finden. So erklärte es uns die Leiterin unseres KiGas, nachdem mein Sohn und zwei andere Jungs sich doch öfter mal in den Haaren haben.

Mein Sohn (gerade vier geworden) kam mit fast drei Jahren in den Kindergarten und bis dahin war er äussert sensibel, vorsichtig und alles andere als aggressiv. Er hat schon auch als Baby nie gehaut oder an den Haaren gezogen. Er hatte eine äusserst milde Trotzphase zwischen 2 und 3, ohne Wut und Tobsuchtsanfälle. Aber seit er im Kindergarten war, wurde es wöchentlich "schlimmer". Entweder, die Trotzphase kam bei ihm einfach verspätet, oder es ist der Einfluss des Kindergartens (oder beides). Mittlerweile geht es wieder halbwegs, im letzten halben Jahr habe ich mich auch häufiger gefragt, wo der sensible, verständige Junge geblieben ist. Ausdrücke und Gebrüll sind das eine, aber im Ärger sofort die Hand zu heben ist das andere. Wenn er sich ärgert, hat er eine unglaubliche Wut in der Stimme.

Ich denke, das kommt einfach durch den KiGa. Damit mache ich dem KiGa oder einem speziellen Kind keinen Vorworf, ich glaube, dass IST einfach so ("Naturgesetz"). Es ist ein Gruppengefüge und da kommt die ganze Gruppendynamik zum Tragen. Wenn von 25 Kindern 2-3 dabei sind, die Hauen und Schubsen als Methode bei Auseinandersetzungen haben, dann werden das über kurz oder lang viele andere Kids auch abschauen. Mein Sohn war letztes Jahr der jüngste in der Gruppe, musste sich also immer behaupten und wurde oft einfach untergebuttert. Die Kindergärtnerinnen erzählten im Entwicklungsgespräch, dass er sich sehr an den Vorschulkindern orientieren würde, da aber oft nicht mitkäme und frustriert wäre. So erkläre ich mir die Aggressionen meines Sohnes, die er manchmal an den Tag legt.

Was tun? Wir sprechen darüber, dass Hauen mega-uncool ist, wir lesen Geschichten zu dem Thema, wir sorgen dafür, dass er körperlich ausgelastet ist. Wir machen Vorschläge, wie man sich besser verhalten soll (anstelle zu hauen). Wir minimieren TV und vor allen Dingen Serien, die sehr aufregend sind. Mittlerweile gibt es bei uns nur noch Sesamstrasse, Sandmännchen und ähnliches, aber z. B. mit Sicherheit kein Yakari (ist ja eigentlich auch erst ab 6 empfohlen). Wir kuscheln viel und gehen zuhause freundlich (aber bestimmt) miteinander um. Im Moment klappt es wieder gut, vor 3 Wochen war ich aber auch etwas verzweifelt, weil ich den Eindruck hatte, es geht in die falsche Richtung mit seinem Verhalten.

Bei Deinem Sohn würde ich tippen, dass er jetzt wirklich seinen Platz in der neuen Gruppe finden muss. Das ist nicht so einfach, wenn die Gruppe schon besteht. (Bei uns hatte das zuhause auch mehr Auswirkungen als im KiGa selbst.)

LG

Hanna