Geburtsbericht von Alexander Magnus

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von linagilmore80 16.11.10 - 11:18 Uhr

Mein Kleiner kuschelt gerade ausgesprochen friedlich im Tragetuch an meiner Brust und ich wollte euch meinen Geburtsbericht nicht vorenthalten.

Am errechneten Entbindungstermin (19. September 2010) hatte ich von meiner Hebamme einen Wehencocktail bekommen. Das höchste der Gefühle an Geburtseinleitung nach zwei Kaiserschnitten. Vorher wurde noch ein CTG geschrieben, soweit war alles in Ordnung. Wir konnten also starten. Nachdem ich den Wehencocktail also runter bekommen hatte, dauerte es knapp 3 Stunden bis die ersten Wehen kamen. Die waren super in Ordnung und ich konnte sie mit etwas Bewegung gut aushalten. Zwischenzeitlich setzten die Wehen aus und ich dachte "Oha, hoffentlich kommen sie wieder..."
Eine Stunde später kamen sie wieder. Heftiger, aber immer noch mit Bewegen und Atmen gut zu ertragen.
Irgendwann gegen 23 Uhr war ich reichlich müde und ich legte mich zusammen mit meinen Mann ins Bett mit dem Gedanken, dass ich bestimmt in einigen Stunden von wirklich üblen Wehen geweckt werden würde.
Irgendwann wurde ich wach - am nächsten Morgen, weil der Wecker klingelte. Aber es waren keine Wehen mehr zu sehen. Ich war total niedergeschlagen.
Mir war klar, dass ich alles ausgereizt hatte, was nach zwei Kaiserschnitten drin war und ich hatte mir doch so sehr gewünscht, meinen Kleinen spontan zu bekommen. Aber das sollte wohl offensichtlich nicht so sein.

Also machte ich mich daran, meine Sachen zu packen und am Nachmittag musste ich zu den Voruntersuchungen ins Krankenhaus, immer in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch Wehen kommen könnten.

Am Dienstag musste ich um 7 Uhr im Kreissaal kommen. Dort wurde dann noch ein CTG geschrieben. Danach wurde ich noch aufgewärmt und konnte in den OP laufen, der direkt im Kreissaal eingegliedert ist.
Ich wurde immer nervöser. Als ich dann auf dem OP-Tisch saß und die Betäubung für die Spinale bekommen sollte bekam ich Panik – ich hatte solche Angst vor der Spritze, dass lässt sich schwer in Worte fassen. Ich fing an zu weinen und stammelte die ganze Zeit „Ich will das nicht mehr... ich will jetzt gehen... ich habe riesige Angst.“
Meine Hebamme Britta beruhigte mich, hieß mich tief und regelmäßig zu Atmen und hielt mich im Arm, während der Anästhesist die Betäubung und die Spinale setzte. Es tat tierisch weh und ich musste heulen. Gleichzeitig bekam ich eine riesen Wut auf die ganze Situation, die Ärzte und auch auf meinen Mann. Warum hat er mich geschwängert? Und warum hat er mich gemeinsam mit dem Arzt zum Kaiserschnitt überredet? Und warum habe ich das mit mir machen lassen? Gott, war ich sauer auf mich! Es half alles nichts, zurück konnte ich nicht mehr.
Als mein Mann in den OP kam, habe ich ihn vor Wut regelrecht angefunkelt und mir geschworen, dass das ein Nachspiel haben wird (es gab kein Nachspiel, die Erklärung folgt später).

Nach der zweiten Stichprobe ob die Betäubung wirkt, begann der Kaiserschnitt. Ich war wieder ganz aufgeregt, am Piepsen der Maschine konnte ich erkennen, dass der Puls raste.
In dem Versuch mich etwas abzulenken, wies meine Hebamme mich immer wieder an, regelmäßig und tief zu atmen. Während ich ihrer Anweisung folge leistete, fragte ich mich, ob der Anästhesist wohl weg fliegt, wenn ich ich seine Richtung atme – er hatte richtig große Ohren.

Es ruppelte und es ruckte. Ich bekam mehr mit als mir lieb war, aber ich hatte keine Schmerzen dabei. Der eine Arzt meinte:“Boah, der hat ja echt viele Haare – wir müssen direkt einen Termin für den Friseur ausmachen!“
Irgendwann hörte ich ein wütendes „Uhä, uhä“ und Alex war da. Über sein Gebrüll bekam ich noch ein „Der ist so groß, den melden wir gleich zu Schule an!“ zu hören und schon lag er an meiner Seite. Ganz friedlich, weich und warm, schaute er meinen Mann und mich mit großen Augen an. Ich war so glücklich, ich konnte nur noch „Hallo, kleiner Mann stammeln.“
Meinem Mann standen die Tränen in den Augen und er strahlte nur so vor Stolz und Freude.
Wir sahen uns an und sagten dann gemeinsam: „Der sieht aber nicht wie ein Tim aus!“ Kurz darauf war der Name Alexander Magnus (weil er größer und schwerer als angenommen war) gefunden und beschlossene Sache.
Britta beugte sich zu mir rüber, gratulierte mir und sagte mir dann, dass der Kaiserschnitt beim ersten Blick auf das Kind durchaus angebracht gewesen sei.

Die Ärzte „räumten“ noch etwas auf, führten die Sterilisierung durch und vernähten dann alles. An dieser Stelle ein Kompliment an das Ärzte- und OP-Team des evangelischen Krankenhauses in Oldenburg: Die Narbe ist echt super geworden und ich habe keine Wulst oder sonstwas davon getragen.
Während diese Aufräumaktion hatte ich den Eindruck, dass jemand in mir rumwühlt (ich hatte wie gesagt keinerlei Schmerzen) brachte diesen Eindruck zum Ausdruck und der Arzt erwiederte: „Joa, das ist richtig, ich wühle derzeit mit meiner Hand in Ihnen rum.“ Schluck, soviel wollte ich dann doch nicht wissen.

Alexander war bis auf die letzten 5 Minuten bei mir im OP und musste dann aber mit meinem Mann schon mal in den Kreissaal vorgehen.

Nachdem der Kaiserschnitt beendet war, wurde ich ihn den Kreissaal zurückgebracht und durfte das erste Mal in meinem Leben bei der U1 dabei sein. Alexander war fit mit seinen 4.240g und 54cm. Außerdem hatte er einen KU von 36,5 cm.

Im Nachgang war der Kaiserschnitt eine gute Entscheidung (daher kein Stress für meinen Mann). Bei diesen Maßen wäre mir die Gebärmutter unter der Geburt garantiert gerissen – der Meinung war auch die Hebamme. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Ich bin froh, dass es mein letzter Kaiserschnitt war.

Und wenn ich noch ehrlicher bin: Ich würde keiner Frau empfehlen ohne Grund einen Kaiserschnitt vornehmen zu lassen. Ich hatte zwar bis auf die Betäubung keine Schmerzen, auch hinterher nicht. Aber es ist nicht der natürliche Weg einer Geburt und ich bin traurig, dass es bei mir mit einer spontanen Geburt geklappt hat.


LG,
Lina mit #sonne Alexander, heute 8 Wochen alt