Wie soll ich mich verhalten?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von seltsam... 16.11.10 - 11:40 Uhr

Zu meiner Vorgeschichte: Ich bin seit über 7 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit über 3 Jahren sind wir verheiratet. Wir führen das perfekte Leben, gehen beide viel arbeiten (zwischen 50 und 60 Arbeitsstunden pro Woche), haben gemeinsame Freunde, mit denen wir uns mindestens einmal treffen. Dazu hat jeder eigene Freunde, ein eigenes Hobby und seinen eigenen Freiraum. Mindestens einmal im Jahr machen wir einen tollen Urlaub und harmonieren auf ganzer Linie. Meine Beziehung stelle ich nicht in Frage, noch habe ich keinen Tag mit ihm bereut und liebe ihn aus ganzem Herzen.

Allerdings habe ich einen neuen Kollegen, der mich momentan unsicher macht. Nicht im sexuellen Sinne, und auch nicht auf Beziehungsebene. Viel mehr reizt er mich auf geistiger Ebene (er hat dasselbe Studium wie ich absolviert und spricht 7 Sprachen).
Vor vier Wochen sollte ich zum ersten Mal ein kurzes Projekt mit ihm ausarbeiten, wodurch wir nebenbei dem Smalltalk verfallen sind. Kein Austausch persönlicher Informationen, sondern Smalltalk bezüglich seiner Herkunft und unseres Studiums. Alles sehr unverfänglich, wenn er nicht irgendwann immer mehr genähert hätte und mir seither sehr herzlich entgegenkäme. Erst ist es mir nicht aufgefallen oder habe es auf Freundlichkeit geschoben. (Ohnehin haben wir trotz vieler Mitarbeiter einen sehr freundlichen Umgang untereinander.)
Nun hat er an einem Meeting teilgenommen, bei dem ich auch anwesend war. Ich hatte ihn nicht bemerkt, da ich mit anderen Kollegen im Gespräch war. Während des Meetings lächelte er mir immer wieder zu und kam später zu mir, entschuldigte sich dafür, dass er sich nicht zu mir gesetzt habe (wobei neben mir kein Platz frei war) und war sehr freundlich. Da er neu ist, habe ich ihm in den letzten Wochen einige Tipps gegeben, wenn er fragte.
Nun bot er seine Hilfe an, wenn ich sie bräuchte. Nun bin ich leider ein wirklich chaotischer Mensch und fragte ihn, ob er mir nicht einige Protokolle zuschicken könnte, die ich mal wieder verlegt hatte und nicht als Datei besaß. Dazu sagte ich ihm, dass ich einige Kollegen hätte, die mir gewisse Dinge mehrfach schicken müssten, weil ich momentan leider für einige dauerhaft erkrankte Mitarbeiter in anderen Projekten einspringen muss. Er nickte, lächelte und so gingen wir unseres Weges.

Meinem Mann erzählte ich von dem Vorfall und er stellte mir grinsend die Frage, ob ich denn meinen Ehering versteckt habe, um meinen Kollegen zu überreden (obwohl keinerlei Überredungskunst notwendig war). Außerdem meinte er, mein Kollege habe wohl Hintergedanken. (Eifersüchtig ist er jedoch nicht, da wir beide berufsbedingt viel mit Menschen zu tun haben und da bleibt die eine oder andere Annährung des anderen Geschlechts nicht aus.)

Jetzt mache ich mir den ganzen Tag Gedanken und weiß nicht, wie ich meinem Kollegen in der Kantine oder auf dem Flur entgegentreten soll. Ich weiß nicht, ob andere Kollegen ihm erzählt haben, dass ich verheiratet bin, meinen Ehering habe ich jedoch nie versteckt. Dass wir über persönliche Lebensumstände reden, soweit kam es noch nicht. Auch renne ich nicht durch die Firma und erzähle jedem von meinem Privatleben.

Vor zwei Jahren, als ich frisch in die Firma kam, hatte ich einen ähnlichen Fall, der mich jetzt wieder unsicher macht. Ich hatte einen Kollegen, der mit mir die Arbeit begonnen hatte. Da wir beide neu waren, kamen wir leicht ins Gespräch, alles sehr unverfänglich. Er sprach in den kommenden Wochen oft mit mir, meist über sich, seine Probleme und ich hörte geduldig zu. Ich mochte ihn als Kollegen ganz gern, aber nicht als Freund. Eines Tages fragte er mich, was ich am kommenden Wochenende vorhabe. Da unser erster Hochzeitstag anstand, erzählte ich ihm von unseren Plänen. Da war er wirklich entsetzt, dass ich ihm nicht vorher gesagt habe, dass ich verheiratet sei. Er warf mir vor, ich hätte ihm Hoffnungen gemacht, obwohl ich ihm einfach nur in der Mittagspause zugehört habe. Bei Fragen hatte ich ihm geantwortet, aber er hatte mich niemals etwas über mich gefragt und ich habe von mir aus nicht das Bedürfnis gehabt, ihm etwas von meinem Privatleben zu erzählen (zumal ich der Meinung bin, dass mein Privatleben meine Kollegen nichts angeht).
Wenig später kündigte er, nicht ohne mich bei meinem Chef zu denunzieren. (Er sagte, mit mir könne er nicht zusammenarbeiten und solche Sachen.) Ich war wirklich verletzt, da ich nicht den Eindruck hatte, dass er etwas von mir wollte und mich schuldig fühlte, weil ich ihn ohne Absicht vielleicht doch bestärkt hätte.

Seither gehe ich besonders freundlichen Kollegen wennmöglich aus dem Weg. Der Kollege, um den es mir geht, ist mir aber so sympathisch, dass ich ihn gern im Freundeskreis hätte, da ich wirklich gern mit ihm rede. Die Ausführungen meines Mannes machen mich aber stutzig, da ich einen Vorfall wie den vor zwei Jahren gern vermeiden möchte.
Allerdings traue ich mich nicht einfach zu ihm zu gehen und zu sagen: "Ich mag dich als Menschen ganz gern, aber du musst wissen, dass ich verheiratet bin." Am Ende fühlt er ich vor den Kopf gestoßen, weil er wirklich nur nett sein will. Außerdem ist er Osteuropäer und die habe ich oft als sehr freundlich erlebt. Auch mein Mann hat einen Kollegen aus Osteuropa, den er als den selbstlosesten und liebenswertesten Menschen überhaupt bezeichnet.
Wenn ich aber nicht darauf hinweise und er wirklich etwas von mir wollen sollte, fühlt er sich womöglich gekränkt und auf der Basis lässt sich keine Freundschaft bauen.

Mein Mann meint, ich solle in einem Gespräch einfach mal Andeutungen fallen lassen, dass ich glücklich verheiratet bin. Aber ich bin ein sonst sehr direkter Mensch und kann nur schlecht lügen. Gestern standen wir zusammen und haben in unserer Pause kurz geredet. Da hatte ich regelrecht Herzklopfen, weil ich nichts falsch machen wollte und einfach nicht weiß, wie ich ihm sagen soll, dass ich kein Interesse an ihm habe (sexuell gesehen), aber gern mit ihm befreundet wäre. Im Kollgerium gibt es kaum jemanden, mit dem ich privat etwas mache, und meist ist es auch dann nur oberflächlich.

Wie soll ich jetzt mit ihm umgehen? Es wäre sehr viel einfacher, wenn ich wüsste, dass er vergeben ist und mir keine Sorgen machen müsste. So will ich ihm aber weder wehtun noch ihm etwas unterstellen. Und dann ist da noch die Sache mit den Protokollen: Sieht er das als Anmache, obwohl ich ihm sagte, dass ich noch mehr Kollegen habe, die mir Protokolle und Materialien zuschicken? Meist machen das für mich nämlich weibliche Kollegen...

Beitrag von rosalinde.x 16.11.10 - 11:52 Uhr

Hallo,

der Tipp von deinem Mann ist doch gut.
Wenn ihr miteinander redet, erwähne einfach deinen Mann. Das ist weder indirekt noch gelogen, sondern ganz normal.
Ihr redet übers Studium, das ist doch auch schon privat. Beim nächsten Smalltalk, erzähle z.B. wo du mit deinem Mann am Wochende / im Urlaub etc. warst - je nachdem was zum Thema passt. Möglichst ganz ungezwungen und so wie du es jemand anderm gegenüber auch machen würdest.

Sollte es zu einem privaten Treffen kommen (du erwähnst, dass du ihn gerne im Freundeskreis hättest), keine Verabredung zu zweit - am besten dein Mann ist auch dabei. Das zeigt klare Verhältnisse.



Liebe Grüße

Beitrag von seltsam... 16.11.10 - 12:26 Uhr

Ein Treffen mit ihm würde ohnehin nur mit meinem Mann laufen - wenn wir nicht unseren Weiber-/Kerleabend haben, haben wir einen gemeinsamen Freundeskreis.

Zumal wir auch oft Besuch von den Kollegen meines Mannes bekommen, weshalb nichts dabei wäre.

Beitrag von ich frag mich... 16.11.10 - 11:54 Uhr

Trägst Du keinen Ehering? #kratz Den erkennt man doch eigentlich...

Warum lässt Du nicht im nächsten Gespräch sowas fallen wie "Ich muss gleich meinen Mann noch anrufen" oder so? Und dann siehst Du ja wie er reagiert! Ich käme mir auch doof vor, wenn ich zu jemandem sagen würde "aber ich bin verheiratet!" und dann will er vielleicht gar nichts von mir und wundert sich, wie eingebildet ich sein muss, davon auszugehen... #rofl

Beitrag von lichtchen67 16.11.10 - 11:55 Uhr

Du hast einen Ehering auf - wieso sollte es da ein großes Geheimnis sein, dass Du verheiratet bist?

Ich kapier das irgendwie nicht. Rede normal mit ihm, unterhalte Dich und gut ist. Das macht man doch mit anderen Menschen auch ganz unverfangen.

Ich glaube Dir nicht so ganz, dass er dich nicht reizt..... Herzklopfen und so... du bist eben nicht ganz unverfangen.

Lichtchen

Beitrag von seltsam... 16.11.10 - 12:16 Uhr

Meinen Ehering trage ich immer, nur trug ich ihn schon vor 2 Jahren und er wurde scheinbar übersehen.

Und leider bin ich wirklich ein komplizierter Mensch - ich habe schon Herzklopfen, wenn ich Freunde auf gewisse Missstände hinweisen soll. (Beispiel: Der Mann einer Freundin hat sich bei mir ausgekotzt und mich gebeten, mal mit ihr zu reden, weil sie ihm nicht zuhört. Da ich Trauzeugin beider war, habe ich mit ihr geredet - aber vor dem Gespräch mir auch sonstwas ausgemalt, was sie denken könnte. Warum rede ich mit ihrem Mann über seine Probleme? - Ich wollte mit ihr telefonieren, sie war nicht da und er nutzte die Gunst der Stunde. - Ich hatte während des ganzen Gesprächs totales Herzklopfen, obwohl sie recht gelassen reagiert hat.)

Es fängt immer dann an, wenn ich nicht ganz gerade heraus agieren kann. Wenn mein Handeln Folgen haben könnte, die ich nicht beabsichtige.

Beitrag von lichtchen67 16.11.10 - 12:23 Uhr

Na und Du bist immer noch in der Firma, der Chaot hat das Feld geräumt.

Zieh Dir einfach nicht jeden Schuh an. Wenn jemand sich in dich verguckt - SEIN Problem. Sei einfach höflich und nett und vor allem unverbindlich kollegial. Erwähne bei Gelegenheit "mein Mann..." wie hier vorgeschlagen wurde und Du hast Dir absolut nichts vorzuwerfen.

Mit zunehmendem Alter wirst Du noch "lernen" nicht allzuviel über ungelegte Eier zu grübeln, das kostet nämlich viel zu viel Kraft auf Dauer.

Lichtchen

Beitrag von witch71 16.11.10 - 12:00 Uhr

Meine Güte, da quält man sich ja beim Lesen mit! :-D Du machst es Dir echt schwer, da würde ich mich bei anderen Menschen schon fragen, was dahinter steckt. Aber anscheinend hast Du wirklich keine Übung mit sowas. Und das Vergangene mit dem Ex-Kollegen scheint Dich auch noch sehr zu belasten.

Dein Mann hat total Recht. Lass nebenbei fallen, dass Du verheiratet bist.
Beispiele:

Ihr redet über etwas berufliches, er macht eine Aussage und Du sagst: "Das hat mein Mann auch schonmal gesagt *lächel*"

Es ist Montag, er fragt Dich, wie Dein Wochenende war, Du sagst: "Mein Mann und ich haben es uns zuhause gemütlich gemacht."

Noch eins? Ok. Ihr trinkt zusammen einen Kaffee, eventuell aus der betrieblichen modernen Maschine. Du sagst: "Der Kaffee hier ist echt lecker, mein Mann und ich haben uns letztlich auch eine neue Maschine gekauft."

Das sollen alles realistische und natürlich ehrliche Beispiele sein, niemand erwartet von Dir, die Sache mit einer erfundenen Geschichte zu bringen. Es geht nur darum, zu zeigen, wie einfach es eigentlich ist, ganz kurz das Privatleben darzustellen, ohne mit dem plumpen: "Du, ich bin verheiratet, das wollt ich mal hier klarstellen" zu kommen.

Dein Problem ist die Angst vor seiner Reaktion, aufgrund des bereits Erlebten gepaart mit Deiner Unfähigkeit, Dein Privatleben auch auf der Arbeit zu erwähnen. Du bist aber nicht nur Arbeitskraft, sondern eben auch Frau und vor allem Ehefrau. Das darfst Du gerne auch mal erwähnen. ;-)

Beitrag von athame 16.11.10 - 12:08 Uhr



Hallo#winke
bist du immer so kompliziert? ich verstehe dein Problem nicht recht.

Warum willst du ihn in deinem Freundeskreis haben? Hast du nicht genug Freunde? Gerade weil du erwähnt hast, eher oberflächliche Beziehungen zu Kollegen zu pflegen, wundert es mich, das du plötzlich Wert auf freundschaftlichen/privaten Umgang legst..#kratz

Herzklopfen? Gedanken, wegen Protokollen, die er dir schicken soll? Seltsam. Und warum bildest du dir ein, er steht sexuell auf dich oder wolle überhaupt _mehr_ von dir? Hat er das signalisiert?#kratz

Ich glaube, er reizt sich und du gibst es nicht zu, weil du ja _soooo_ glücklich mit deinem Mann bist;-);-);-)
Wem willst du was erzählen?

VG
a.

Beitrag von seltsam... 16.11.10 - 12:25 Uhr

Ich sagte, er reizt mich auf intellektueller Ebene. Körperlich schreckt er mich viel eher ab - er ist so gar nicht mein Typ.

Warum ich ihn in meinem Freundeskreis will? Wenn ich das genau beantworten könnte. :-( Mein Mann und ich haben oft ein und dieselbe Meinung zu einem Thema, mein Kollege sieht einiges (wohl aufgrund privater Erlebnisse) ganz anders und wirf ganz neue Aspekte ein. Aspekte, die wir von unserer Position nie bedacht haben.

Und genau da wird es kompliziert: er erinnert mich sehr stark an meinen früheren besten Freund. Mit dem habe ich vor meinem Mann lange ein on-/off- Beziehung geführt. Ich konnte und wollte nicht mit ihm zusammen sein, aber er wollte nur mit mir zutun haben, wenn ich mit ihm zusammen war. Leider ist es aufgebrochen, als es mit meinem Mann und mir begann. Seither habe ich nur wenige, meist homosexuelle männliche Freunde. Und die sind ganz andere Typen als mein Kollege.

Vielleicht projeziere ich auch zu viel auf ihn, weshalb ich ihm gern aus dem Weg ginge. Aber leider kommt er im Flur immer freudestrahlend auf mich zu, dass ich es auch nicht übers Herz bringe, ihn "abzuweisen".

Er ist einfach anders als der Rest des Kollegiums, obwohl ich nicht einmal sagen kann, inwieweit er sich unterscheidet außer von anderen Ansichten.

Beitrag von ug2712 16.11.10 - 12:37 Uhr

Hallo Seltsame,

die Vorgeschichte mit deinem Kollegen war schon recht heftig.
Dabei solltest du aber immer bedenken, dass es eigentlich sein Problem war.
Im übrigen kenne ich mich mit derartigen Problemen aus - leider.
Du hast den Ehering am Finger und bist einfach kollegial und nett ohne Hintergedanken... und trotzdem.
ICh bin sonst eher schüchtern und spreche nie über mein Privatleben. Wenn mich dann allerdings jemand anspricht, bin ich natürlich freundlich, nett und höre gern zu. Das wurde dann hin und wieder falsch verstanden, die betroffenen Männer sahen für sich eine Sonderstellung, da ich aus ihrer Sicht mit ihnen besonders umgegangen bin.

Ich bin nun dazu übergegangen, im Gespräch einfach mal meinen Mann zu erwähnen damit das einfach mal klar ist, dass es diesen gibt.
Das muss man üben, klappt sicher auch nicht auf Anhieb aber es geht mit der Zeit. Ich habe da jetzt schon einige Standardsätze drauf.

Liebe Grüße

Beitrag von gustav-g 16.11.10 - 16:57 Uhr

Ich kenne dein Problem.

Lade ihn zu einem Treffen mit deinem Mann und euren Freunden ein. Er darf auch seine Frau oder Freundin mitbringen. Da hast du genug Gelegenheiten zu zeigen, wie gut eure Ehe ist.

#klee