opa gestorben- nehme ich meine zwei (4 & 5 Jahre) mit zur Trauerfeier?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von steph_sp79 17.11.10 - 21:15 Uhr

hi....
nur mal ne kurze Frage...gestern ist der Opa (mein Schwiegervater) nach langer Krankheit gestorben und jetzt weiß ich nicht ob ich die beiden mit zur beerdigung nehmen soll. einige leute sagen "ja", andere eher "nein"....ich tendiere eher zu nein, vor allem wegen meinem sohn- er ist meist sehr nüchtern und ich könnte mir vorstellen dass er mich sachen fragen würde wie " wer hat das loch gegraben? wie tief ist es? usw (mein sohn ist eher technisch und praktisch veranlagt und will immer genau wissen wie etwas funktioniert). Ich denke meine tochter würde viel weinen, allein schon weil sie sehr mitfühlend ist und es sie mit sicherheit mitnimmt wenn sie uns erwachsene weinen sieht.
ich hatte auch überlegt vorher mit den beiden in die Leichenhalle (zum geschlossenen Sarg) zu gehen und später dann auf jeden fall auch auf den Friedhof aber ich bin mir halt sehr unsicher ob die Trauerfeier selbst etwas für die beiden ist....oder gibt es generell ein alter wo man sagt das ist noch zu jung?
Hat vielleicht irgendjemand damit Erfahrung?
Danke im Voraus

Beitrag von laemmchen78 17.11.10 - 21:43 Uhr

Hallo,

also ich hatte die gleichen gedanken wie du. nehm ich meine kids mit oder lieber doch nicht sie waren zu diesem zeitpunkt 4 und 6 jahre alt. ich habe mich auch gefragt was mach ich wenn sie bei der trauerfeier sachen fragen oder gar am grab wenn noch alle dabei stehen.

ich habe mich aber nach langem überlegen dazu entschieden beide mitzunehmen. ich habe sie gefragt ob sie mitmöchten und es wollten auch beide dabei sein. meine tochter sagte damals...du musst uns doch mitnehmen, ich hatte die oma doch auch lieb und muss sehen wie sie zu den engeln geht. also hab ich sie mitgenommen. ich hab ihnen vorher bissl erklärt wie die ganze trauerfeier abläuft damit sie wussten was da kommen wird.

und ich muss sagen ich habe es nicht bereut und würde es immer wieder so machen. sicher es kamen die fragen die ich befürchtet hatte. mein sohn 4 fragte mitten in der trauerfeier...warum haben die den deckel denn nicht auf oma sieht doch gar nix usw. und sicher gab es auch 2-3 leute in der verwandschaft die es eine frechheit fanden das ich meine kinder mitbringe, aber ich sagte nur...es war immerhin ihre uroma und sie haben genauso ein recht sich zu verabschieden wie du auch.

und was ich besonders toll fand...als wir dann alle am grab standen kam der pfarrer zu mir und den kids und sagte vor allen leuten...ich finde es super das ihr hier seit um eurer uroma tschüss zu sagen und wenn ihr fragen habt könnt ihr gerne noch zu mir kommen ich erkläre euch alles was heute hier war und warum es so war.

also...ich fand das klasse sie sind sehr offen mit dem thema umgegangen und das war mir auch sehr wichtig.

sorry das es etwas lang geworden ist.

liebe grüße und einen schönen abend
natascha

Beitrag von irenewachidow 18.11.10 - 01:17 Uhr

Damals als unsere kleine Tochter von uns gegangen ist haben wir unsere große mitgenommen da war sie erst 3Jahre alt und das war auch gut so, auch wenn sie damals auch fragen gestellt hat wie, wieso wird sie in das loch gelegt und sie sollen sie wieder ausgraben, dass war schwer ziemlich schwer aber trozdem war das eine gute entscheidung, denn sie hat sich verabschiedet genauso wie wir auch, natürlich haben wir ihr erst erklärt wohin wir gehen und was wir da machen, unsere große ist mitlerweile fast 7Jahre alt und die denkt sehr oft an ihre Schwester und wenn sie Bilder malt über unsere Familie dann ist unsere Maus immer dabei als ein Engel im Himmel mit Flügeln, dass sagt sie auch immer das sie ein Engel ist und das sie acht auf uns gibt von oben.
Natürlich muss jeder für sich wissen ob es eine gute idee ist die kleinen mitzunehmen, denn die Eltern wissen am bessten was gut für die Kinder ist und niemand will wahrscheinlich später mal vorwürfe höhren wieso ihr die nicht mitgenommen habt, oder.
Also meiner meinung nach sollt ihr sie mitnehmen auch wenn sie fragen stehlen aber das sind kinder und ich denke das die anderen dafür verständniss haben werden.

Beitrag von kyrilla 18.11.10 - 08:38 Uhr

Hallo,

zunächst mein Beileid zu eurem Verlust!

Ich habe vor kurzem meine Oma verloren, und kann deine Gedanken gut nachvollziehen.


Was wollen denn deine Kinder? Unser Großer (damals noch 4) hat sofort gesagt, dass er mit zur Beerdigung gehen will. Wir haben ihm den Ablauf im Vorfeld genau geschildert, auch, dass viele Leute dort weinen werden.
Wir haben das Glück, gläubig zu sein, und konnten unseren Kindern so alle anfallenden Fragen nach unserem Glauben beantworten (und mussten uns nichts "ausdenken").
Unser kleiner Sohn (3 Jahre) hat vor der Messe schon angekündigt, dass er nicht mit will, also wartete er mit seinem Papa vor der Kirche und die beiden kamen auf dem Friedhof dazu. Denn Blumen ins Grab werfen wollte er schon.

Auch hier kamen Fragen nach dem Grab, wie tief es ist, wer es wieder zu schüttet etc. Beantworte sie einfach, auch wenn sie DIR im Moment pietetlos erscheinen!

Unser Sohn wollte auch die Oma noch einmal sehen (als wir in der Totenhalle waren), auch das haben wir ihm am offenen Sarg möglich gemacht.

Erkläre deinen Kindern, was dort passieren wird, erkläre ihnen alles nach deinem besten Wissen und Glauben. Sag ihnen auch, welches Verhalten von ihnen "erwartet" wird (leise sein etc.), dass sie aber natürlich weinen können.
Ich finde es auch wichtig, dass trotz eurer eigenen Trauer einer von euch für die Fragen der Kinder ansprechbar sein sollte.

Letztendlich müsst ihr nach euren Befindlichkeiten entscheiden.

Alles Gute
Kyrilla

Beitrag von cahahi 18.11.10 - 09:21 Uhr

Guten Morgen!!!

Mein Beileid.

Ich war erst letzte Woche in dieser Situation. Mein Opa (84 Jahre) ist am 05.11. gestorben.

Opa und Oma wohnen nur 150 Meter von uns entfernt. Dadurch war ich sehr oft mit Finn (4 Jahre) dort.

Als wir den Anruf erhalten haben, dass Opa gestorben ist, haben wir Finn sofort erklärt, dass Uropa bei den Engelchen ist. Er war traurig. Hat an dem Tag auch im Kindergarten viel geweint.
Mittags sagte Finn "Uropa ist einfach gegangen ohne mir Tschüss zu sagen". Das hat mir fast das Herz zerrissen.

Ich habe mir auch sofort ein sehr schönes Buch für Kinder besorgt. Eine total "schöne" Geschichte (wenn man das in Verbindung mit dem Tot sagen kann).

Zuerst habe ich auch überlegt, ob wir Finn mit zur Beerdigung nehmen sollen. Viele sagten auch sofort "auf keinen Fall".
Aber schnell wurde mir klar, dass Finn mitkommt.

Und im Nachhinein kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, ihn mitgenommen zu haben.

Ich glaube irgendwann hätte ich es sonst bereut, wenn er nicht dabei gewesen wäre. So ist es einer Bekannten gegangen. Sie bereut es heute.

Aber ich denke, es kommt wirklich aufs Kind an. Jedes Kind reagiert anders.
Hör einfach auf dein Herz. Deine Entscheidung wird die richtige sein.

Ich wünsche euch viel Kraft für die schwere Zeit.

LG Carmen

Beitrag von teddybriefmarken 18.11.10 - 11:48 Uhr

Hallo!

Schon komisch, als mein Vater vor 1 Monat gestorben ist waren auch die ersten Worte meines Sohnes: Ich hätte so gerne zu Opa lebewohl gesagt.

Für ein Kind in diesem Alter ist es schon komisch wenn man sich nicht verabschieden kann von einem Menschen den man liebt.

Wir haben ihn dann auch auf die Trauerfeier mitgenommen und da konnte er sich von Opa verabschieden, das war ganz wichtig für ihn. Seit dem geht er mit dem Tod von Opa viel besser um. Er redet oft von ihm wie es ihm wohl im Himmel gehen mag, aber das ist jetzt ok für ihm.

Lg.

Beitrag von anyca 18.11.10 - 10:55 Uhr

Frag die Kinder doch selbst!

Beitrag von steph_sp79 19.11.10 - 18:55 Uhr

"frag die Kinder doch selbst"- du bist witzig. was sagst du wenn dich jemand fragt ob du etwas machen möchtest was du nicht kennst und dir noch nicht vorstellen kannst?!
wie auch immer, danke an alle Vorredner für eure Anteilnahme, Erfahrungsberichte und lieben Worte.

Beitrag von ayshe 19.11.10 - 19:02 Uhr

Meine Tochter war 3,5 als mit zur Beerdigung meines Schwiegervaters war.
Ich fand es absolut okay.
Und beim Kaffee war noch ein kleines Mädchen dabei und die beiden haben gespielt.
Weißt, Kinder lockern das Ganze eher angenehm auf, finde ich.

Beitrag von claudi68 21.11.10 - 16:25 Uhr

Hallo,

mein Schwipa verstarb Angang des Jahres. Beide Kinder (4J und 9J )haben sich
von ihm mit einem Bild und einem Brief am offenen Sarg verabschiedet
und waren auch bei der Trauerfeier dabei.
Es hat ihnen sehr geholfen, alles zu verarbeiten und sie haben
so sehr gut verstanden, das ihr Opa (wohnte mit uns zusammen) nicht mehr wieder kommt.

Ich hatte ihnen erkärt, das der Opa verstorben ist und sie dann gefragt,
ob sie gerne nocheinmal sehen möchten und auf Wiedersehen sagen wollen. Beide hatten sich dafür entschieden und so bin dann mit ihnen
in Opas Zimmer gegangen. Sie haben viele Fragen gestellt und es war nicht einfach diese in dem Moment zu beantworten.

Aber ich bin froh, das ich so gemacht habe und würde es wieder machen.

LG und viel Kraft
Claudia

Beitrag von nala22 22.11.10 - 11:56 Uhr

Hallo,

ich habe es meinen Kindern nicht zugemutet zur Trauerfeier und zur Beerdigung mitzuehen.
Und ich bin froh darüber!
Natürlich ist der Tod und das Sterben etwas "Normales" aber muss es sein, dass man seine Kinder zu sowas mitnimmt?
Beerdigungen sind nichts Schönes und man kann doch den Kindern das erklären und lieber nach der Beerdigung mit den Kindern das Grab besuchen.
Wisst Ihr eigentlich wie schlimm es ein muss, wenn so kleine Würmer, die noch nichts vom Tod verstehen, alle Menschen dort weinen sehen?
Und es ist auch so das es manchmal derart schmerzlich am Grabe ausartet, dass ich denke das die Kinder damit voll überfordert sind!
Ich war damals froh, dass meine Eltern entschieden haben, dass wir nicht zur Beerdigung mit gehen müssen. Auch ich habe mich dagegen entschieden meine Kinder mitzunehmen.
Aber dennoch muss Jeder selber die Entscheidung dazu treffen, nur Ihr wisst, ob es für Eure Kinder gut ist oder nicht.
Ich bin da zwiegespalten, auf einer Seite ja, aber auf der anderen Seite nein.
Ich tendiere mehr zu dem "nein" es sei denn die Kinder sind so gross, dass sie selber entscheiden können.

Alles Gute und natürlich mein Mitgefühl!

LG

Beitrag von steph_sp79 23.11.10 - 12:18 Uhr

hi,
nochmals danke an euch alle. Die Beerdigung war gestern und ich hatte mich entschieden die beiden doch nciht mitzunehmen und ich denke dass ist letztendlich auch gut so. Ich hatte auch mit Kindergärtnerin, pfarrer usw geredet und alle haben mir abgeraten, aber unabhängig von deren Meinung- ich bin letztendlich doch zu dem Schluß gekommen dass es so für die beiden (und für mich) besser war, zumal man an so einem Tag mit sich selbst genug beschäftigt ist als das man dann noch sachlich mit den Kindern über solche Sachen reden kann....wie ich vorausgesagt hatte kam auch von meinem Sohn die Frage "wie tief ist das Loch"? (wir waren vorher am offenen Grab und in der Leichenhalle beim Sarg).
Wie auch immer.....jetzt ist das erst mal rum. Heute werde ich mit der oma und den 2en nochmal zum Grab gehen, damit sie die blumen sehen usw.

LG und danke:-)