(Wie) Kann ich ihm helfen?

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Beitrag von dani.m. 17.11.10 - 23:20 Uhr

Nach längerer Abwesenheit habe ich mal wieder eine etwas eigenartige Frage und möchte euch um Rat bitten.
Und zwar mache ich seit ein paar Wochen einen 1-Euro-Job in der Schule meines Sohnes. Dabei (und auch schon vorher aus den Erzählungen meines Sohnes) ist mir ein Junge aufgefallen. Zuerst äußerst unangenehm: brutal, wenn einmal in Rage nicht wieder zu beruhigen. Jetzt habe ich ihn eine Weile beobachtet: meist war es so, dass er zuerst provoziert wurde und dann einfach nicht mehr aus der Situation raus kam. Ich habe mich auch schon ein paar Mal mit ihm unterhalten und das Gefühl, dass ihm einfach Anerkennung fehlt. Er sagt oft: "das kann ich sowieso nicht" :-( Mich macht das traurig und ich würde ihm gern helfen! Vielleicht mich ab und zu mit ihm allein beschäftigen, ihm zeigen, dass er auch was kann. Heute musste ich mich schon ein paar Mal zwischen ihn und seine "Angreifer" stellen. Aber auf Dauer ist das doch auch keine Lösung, ich kann ja nun nicht ständig bei ihm sein.
Aus Unterhaltungen mit den Lehrern weiß ich auch, dass der Kontakt zwischen Schule und Elternhaus nicht der Beste ist: da wird sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben, die Eltern halten ihn von Freizeitaktivitäten fern weil er andere Kinder angreift. Nach dem WARUM wird nicht gefragt :-( Und dass Lehrer und Erzieher sich nicht nur mit ihm beschäftigen können, ist ja auch klar.
Er scheint mich auch zu akzeptieren, es gab Situationen, in denen er unruhig wurde, da reichte ein Blick von mir und es war wieder gut. Er kommt oft von sich aus zu mir, ich denke, auch das ist schon mal ein Anfang.
Mein Hauptproblem bei der Geschichte ist: der Job ist befristet bis Februar und ich wollte danach eigentlich ein Studium (Erziehungswissenschaften) anfangen. Es wäre sicher schwer für ihn, eine Bezugsperson wieder zu verlieren :-( Aus dem Grund versuche ich im Moment, nicht zu viel Kontakt zuzulassen und erst mal zu sehen, wie es weiter läuft.
Was meint ihr (besonders die Erzieherinnen, die hier unterwegs sind): soll ich versuchen, mich mit ihm zu beschäftigen, ihn aus kritischen Situationen nehmen, sein Selbstwertgefühl aufzubauen indem ich mit ihm übe? Oder ist die Zeit dafür zu kurz? Ich habe ja (noch) keine entsprechende Ausbildung, nur das Gefühl, dass ich ihm helfen kann.

Beitrag von melli0327 18.11.10 - 07:27 Uhr

ohhh man das ist schwierig.
Also ich würde ihm erklären das er wenn er geärgert wird aus der Situation raus muss. Meine Tochter wurde mal in der Schule immer von 2 Jungs geärgert ich habe ihr erklärt das sie einfach weggehen soll.
Wenn das nicht klappt soll sie sich verstecken.
Wenn er sich darüber nicht ärgert hören sie auf.
Also hat er das schon mal weg.
Mhhh also mit dem Selbstwertgefühl ist das schwierig.
Er müsste ein Erfolgserlebnis haben. Oder in einem Vereingehen vielleicht in Judo oder irgend was was er besonders gut kann.

Vielleicht kannst du auch zwischen Eltern u. Schule vermitteln??

Wenn du garnicht weiter weisst kannst du dir auch bei den Caritas oder beim Jugendamt rat holen. Du kannst das auch anonym machen.

Viel Glück

Melanie

Beitrag von dani.m. 19.11.10 - 08:10 Uhr

Danke. Das mit dem aus der Situation rausgehen will ich ihm auch zeigen. Er versucht es schon, schießt aber dabei übers Ziel hnaus. Wenn es ihm zu viel wird, versucht er die Schule und das Schulgelände zu verlassen. Und handelt sich dadurch jede Menge Ärger mit den Lehrern und Erziehern ein.
Das Erfolgserlebnis finde ich einfacher. Im Hort besteht immer die Möglichkeit, was Kreatives zu machen. Er schaut dei Sachen immer wieder an, behauptet aber, er könne es nicht. An sowas würde ich ihn gern heranführen (Sport ist nicht so mein Ding ;-))

Beitrag von melli0327 19.11.10 - 08:32 Uhr

also wenn es ihm zuviel wird dann soll er in der Nähe von den Lehrern gehen. Dann lassen sie ihm bestimmt auch in ruhe.


Lieben Gruss

Melanie

Beitrag von leopoldina1971 18.11.10 - 09:44 Uhr

Du bist ja bereits eine Bezugsperson für ihn. Sich jetzt zurückziehen, nur weil deine Stelle bis Februar befristet ist, ist sicherlich nicht der beste Weg. Dass du dann gehen wirst, wird ihn verunsichern und eventuell wieder in sein altes Verhaltensmuster zurückfallen lassen, aber du hast ihm auch Wege aufgezeigt, mit sich selbst und seiner Umwelt besser klar zu kommen. Vielleicht zeigt dies aber auch auf Dauer Wirkung und deine Unterstützung, Aufmerksamkeit, eventuelle Zuneigung und Hilfe wirkt sich positiv auf ihn aus.
Ich bewundere deinen Einsatz und ich habe großen Respekt vor deinem Engagement. Zieh dich nicht zurück! Mach weiter so!

LG

Beitrag von nanoukaladar 18.11.10 - 11:21 Uhr

Du sagst, die Eltern halten ihn von Freizeitaktivitäten fern, weil er andere Kinder angreift.
Ob sie nicht nach dem Warum fragen, oder ob es ihnen noch niemand sagen konnte?
Womöglich sind sie überfordert, mit der Situation, ihr Kind immer der Sündenbock....
Möglicherweise würde es schon unendlich viel helfen, wenn du den Eltern deine Beobachtungen schildern würdest. Ich denke, eigentlich müssten sie darauf positiv, eventuell erleichtert reagieren. Wer ein "Problemkind" hat, befindet sich nach einer Weile oft nur noch in der Deffensive, oder nur noch im Kampf, überall Vorwürfe und Anschuldigungen, Überforderung total.

Beitrag von dani.m. 19.11.10 - 08:31 Uhr

Die Eltern kenne ich leider nicht persönlich, bekomme nur immer wieder mit, wenn die Lehrerin, die sich wirklich Mühe gibt, mal wieder beschuldigt wird, falsch mit dem Jungen umzugehen. Und von Anderen höre ich immer wieder, was die Eltern alles falsch gemacht haben :-( Sicher nicht der richtige Weg, aber wenn ich sehe, dass er (3. Klasse!!!) schon an der 3. Schule ist, weil es (angeblich) nie mit den Lehrern geklappt hat, weiß ich selbst nicht, was ich denken soll. Manchmal habe ich das Gefühl, der Junge hat jegliches Vertrauen in Erwachsene verloren :-(. Ich hoffe, ihm wenigsten etwas davon zurückgeben zu können, indem ich mich mit ihm beschäftige.