Wie soll ich damit umgehen?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von mami-5 18.11.10 - 08:38 Uhr

Hallo,


zur kurzen Erklärung: Meine Mama ist dieses Jahr im Jänner mit 53 Jahren gestorben ( an Krebs, es ging sehr schnell, am 27.12.2009 bekam sie die Diagnose und am 13.1.2010 ist sie gegangen), es war ein Schock und wenn ich ehrlich bin, habe ich mich bis heute noch nicht wirklich damit auseinander gesetzt, weil auch der rest meiner Familie erwartet, dass ich stark für meinen Papa bin. Das war auch gleich direkt danach so, jeder hat angerufen und hat sich nach meinem Papa erkundigt, wie es ihm geht und das ich ihn unterstützen soll, keiner hat gefragt , wie es mir geht, ich bin ja nur die Tochter, die ihre Mutter verloren hat. Wie es dann darum ging das Gewand auszusuchen, hat mein Vater die ältere Schwester meiner Mutter angerufen, die dann ihre jüngere Schwester angerufen hat, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlt und ICH???? ich wurde nicht gefragt, da bin ich dann ausgeflippt, was soll dass ( ich habe dies selbst bei meinen Schwiegereltern gemacht und bei meiner eigenen Mutter darf ich es nicht tun??)
BEi der Beerdigung hatte ich ein Gedicht vorgetragen, es hat mich viel Kraft gekostet, aber ich habe es dennoch gemacht, als dann der Sarg hinunter gefahren wurde , stand ich alleine da, niemand von der Familie war da, mein Mann hat sich um unsere älteste Tochter gekümmert ( nur zum Vergleich, als mein Onkel verstarb auch unerwartet, waren Cousinen da, die meine zwei Cousinen aufgefangen haben, meine Eltern waren für sie da, aber bei mir???) wahrscheinlich nehmen sie alle an, dass ich so stark bin, aber das bin ich nicht es zerreist mich innerlich.

Jetzt bin ich erneut schwanger, und als wir es meinen Vater gesagt haben, ist der vollkommen ausgeflippt, es kamen Ansagen, wie dass er froh ist das meine Mutter schon tot ist, denn das hätte sie nicht verkraftet ( was ich absolut nicht glaube, denn sie hat ihre Enkelkinder geliebt), dass sie es innerlich zerrissen hat, wie auch ich letztes Jahr im Spital gelegen bin ( ich fiel im November letzten Jahres ins Koma), und dass dann quasi der Auslöser war für ihre Krankheit, dass ich auch nicht weiß wie sehr mich meine Mutter geliebt hat und immer wieder kommen dies unterschwelligen Anschuldigungen, dass ich meiner Mutter mehrmals das Herz gebrochen hätte, wenn ich dann nachfrage, bei was , kann er mir keine Anwort geben. Auch sagt er , dass er nur eine Stütze mehr hätte in seinem Leben und das sei , seine Mutter, wenn es diese nicht mehr gibt, dann wird es auch ihn nicht mehr geben. ICH BIN Fertig, was soll ich mit solchen AUssagen?Wie soll ich damit umgehen? ich weiß schon , dass er trauert und im Moment auch sehr extrem, aber muss ich dass alles aushalten?

Es tut mir leid, dass es so lange geworden ist, aber es sind nun mal viele DInge, die im Moment passieren.
Danke auf jeden Fall für´s lange durchhalten und durchlesen.

LIebe Grüße
Petra

Beitrag von engel_in_zivil 18.11.10 - 09:54 Uhr

mein vater ist ähnlich. meine mama ist seit dem 25.07. nicht mehr da. es ist alles noch so frisch. er denkt auch, er ist der einzige, der darunter zu leiden hat. aber was ist mit mir, meiner schwester, meiner nichte (mein sohn bekomtm es zum glück ja noch nicht bewusst mit) und vor allem, mit IHRER mutter (87)??? ich bin auch so (manchmal dämlich, denke ich) dass ich ihm ständig helfe (er ist umgezogen und da muss man natürlich viel organisieren). ich hatte am anfang kaum zeit, selber zu trauern. und immer wieder diese sprüche, wie schlecht es IHM doch nun geht, was ER denn nun alles alleine schaffen muss, dass ER doch nun die arschkarte hat ...
irgendwann bin ich ausgeflippt und habe ihm gesagt, dass er nicht alleine ist und schon gar nicht der einzige, der einen grund zum trauern hat. WIR haben unsere MUTTER verloren, unsere oma IHRE tochter. hallo?
ich kann ihn verstehen, zu gut sogar - habe vor 7 jahren meinen damaligen freund durch einen unfall verloren - wir hatten auch träume, noch so viel vor... jeder weiß, wie scheiße es ist, nach 33 jahren den partner zu verlieren.
nun merkt er, was er an ihr hatte, wie abhängig er von ihr war. er ist bei den einfachsten dingen völlig hilflos (z.b. den fernseher einstellen...) und manchmal denke ich, er tut nur so, weil er nicht alleine sein will/kann.

ich habe ihm gesagt, er muss sich nun dinge suchen, die ihm spaß machen. klar, ist das nicht einfach, wenn man ALLES zusammen gemacht hat.

trauer ist ein prozess und ich weiß eben (leider) zu gut, dass es irgendwann anders, besser wird. man muss da durch und man kann es schaffen.

dein vater scheint (unbewusst) einen schuldigen zu suchen. das ist gemein und falsch. aber irgendwann wird er verstehen, dass es keinen schuldigen gibt. das leben ist manchmal echt scheiße. so ist das eben.

du musst dich auch mal ausklinken und vielleicht auch mal ausflippen. mein vater hat es (scheinbar) verstanden und kann damit leben, wenn wir mal einen sonntag nicht können, weil wir auch unsere zeit als familie brauchen.

auf jeden fall wünsche ich dir ganz viel kraft!

lg#liebdrueck

Beitrag von myimmortal1977 18.11.10 - 14:50 Uhr

Hallo Petra,

Deine Geschichte ist traurig. Es ist ein doppelter Schmerz seine Mutter zu verlieren und dann noch unterschwellig die Schuld in die Schuhe zugeschoben bekommen.

Das Menschen kurz nach dem Tod mit Hass und Wut reagieren, ist nicht ungewöhnlich. Dennoch solltest Du nicht alles so hin nehmen, auch nicht unter dem Aspekt des Respektes Deines trauernden Vaters gegenüber, sondern Dich gegen die Vorwürfe wehren! Für Deine Seele.

2000 bekamen beide meiner Eltern quasi parallel die Diagnose Krebs. Meine Mutter konnte man damals mit einer OP heilen, für meinen Vater gab es keine Rettung. Er starb kurze Zeit nach der Diagnose.

Meine Mutter reagierte damals auch mit Wut. Diese Wut entsprang aber meiner Meinung nach aus maßloser Überforderung an der ganzen Situation. Sie schoss auf alles, was sich in ihrem Umfeld bewegte. Man konnte ihr lange Zeit, nichts, aber auch wirklich gar nichts recht machen. Es war alles scheiße, schlecht, jeder war ihr unangenehm, man durfte nichts sagen.... Dan holte sie verbal sofort aus... Usw. usw....

Sie suchte nach ihrer Antwort auf alle Fragen. Doch diese Fragen nach dem Wieso und Warum konnte niemand beantworten.

Es war wie die Suche nach einem Sündenbock, ähnlich wie bei Dir, es war ihre Art ein Ventil zu suchen um ihrem Frust Luft zu machen. Das sie damit auch Menschen weh tat, hatte sie glaube ich zumindest in dem Moment gar nicht bemerkt.

Sie starb übrigens auch am 25.07. d. J, wie die Mutter meiner Vorschreiberin auch #schwitz, an Krebs. Im Frühjahr kam derselbe Krebs nach 10 Jahren zurück, eine Rettung gab es diesmal nicht mehr.

Ein Trauerprozess ist ein irrsinnig langer Weg und hat viele, viele Facetten.

Ich bin übrigens ähnlich wie Du, ich mime ganz gern nach außen hin die Starke, deshalb denkt mein Umfeld auch ich wäre super stark, doch innen drin sieht es oftmals ganz anders aus. Dadurch provoziert man aber auch diese Denkweise des Umfeldes und steht dann sehr alleine da, obwohl man Stützen benötigt.

Zeige offen Deine Gefühle und versuche nicht nach außen stark zu wirken. Stehe auf für Dein Recht, wehre Dich! Lass die Anschuldigungen Deines Vaters nicht auf sich beruhen!

Du trägst keine Schuld am Tod Deiner Mutter! Krebs ist ein jahrelanger aufbauender Prozess im Körper und nur weil Du Ende letzten Jahres schwer erkranktest, ist Deine Mutter sicherlich nicht aus Sorge von jetzt auf gleich plötzlich an Krebs erkrankt. So was ist totaler Schwachsinn!!!! Und Du solltest es für Dich wissen!!!!

Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit!!!

#kerze #kerze #kerze #kerze Für Deine Mutter, für die Mutter meiner Vorschreiberin und für meine Mutter und für meinen Vater

LG Janette

Beitrag von mami-5 18.11.10 - 16:20 Uhr

Vielen Dank , für deine Worte!

Das Problem ist, dass ide Schwestern meiner Mutter auch glauben, dass nur sie leiden, extrem ist es bei der jüngeren, sie musste oder muss noch immer Tabletten nehmen. SIe glauben alle , dass nur sie leiden und kein anderer so sehr leidet und den Schmerz empfindet.

Mein Vater erklärt auch immer wieder, dass er leidet wie ein Hund, dass glaube ich ihm auch , er muss jeden Tag sich dort aufhalten wo sie jahrelang gemeinsam gewohnt haben, er hat zu allem überfluss auch noch von zuhause aus gearbeitet und kam noch weniger raus. dass hat er jetzt wenigstens beendet.

Ich bin auch wütend, aber ich gehe anders damit um, ich schreie z:b. das Bild meiner Mutter an, warum sie erst so spät zum Arzt ging, obwohl sie es schon viel früher bemerkt hat, aber ich gebe niemanden sonst die Schuld, weder meinen Vater geschweige mir selbst.

Ich fürchte mich schon sehr vor den Jahrestag , denn sie hat sich einen besonderen Tag ausgesucht, es ist nämlich auch der Geburtstag meiner jüngsten Tochter, ich hoffe sehr das, dass meiner Tochter nicht zum Verhängnis wird, nicht von mir , sondern eben durch die liebe Familie.

#kerze auch für deine Eltern eine Kerze und auch dass sie uns immer in Erinnerung bleiben!

lg.petra