Im Moment ist sie so zickig! Hat jemand das gleich Problem?

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um Ihr Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von bienemirja 18.11.10 - 20:38 Uhr

Hallo

Meine Tochter ist 25 Monate alt und geht seit Ende August in die Krabbelgruppe im Kindergarten.

Tut ihr total gut mit anderen Kindern. Was aber im Moment echt schlimm ist, ist das abholen. Wir brauchen etwa 30 Minuten (ich komm in die Gruppe rein) bis wir wieder gehen können.

Also ich finde es ja super, dass sie gerne da ist und eigentlich auch dableiben möchte, aber ich muss ihren kleinen Bruder 5 1/2 Monate mitnehmen und er ist dann auch schon immer super müde um kurz vor 12 Uhr. Aber sie weint dann nur, will alles alleine machen mit anziehen oder auch überhaupt nicht.

Zu Hause ist es dann nicht anders. Wenn sie was nicht darf, fängt sie an zu schreien und zickt halt fast den ganzen Tag nur rum. Wir dürfen sie im Moment eigentlich auch gar nicht anfassen.

Ich weiß auch, dass sie gerade ihre Grenzen testet aber das mit dem Kindergarten ist schon sehr extrem was sie da macht. Und ich hab einfach keine 1/2 Stunde Zeit um sie abzuholen. Ich will auch nicht gleich wieder los und sie damit rausreißen, aber so nach etwa 15 Minuten sollten wir wenigstens so weit sein, dass sie Tschüss sagt und wir los können.

Kennt jemand das Problem und wie regelt ihr das?

Liebe Grüße bienemirja

Beitrag von christianeundhorst 19.11.10 - 07:17 Uhr

Hallo Du,
also ich finde das völlig normal:-) Es ist für Deine Tochter eine große Umstellung von zu Hause in den Kindergarten und da braucht es seine Zeit sich wieder auf Mama einzustellen und vom KiGa wegzukommen. Frieda hat auch eine Weile sehr lange gebraucht bis wir gehen konnten. Das ist echt normal. "Und ich hab einfach keine 1/2 Stunde Zeit um sie abzuholen. " schreibst Du. Hmmmmmm, die solltest Du Dir aber unbedingt nehmen. Vielleicht geht es, daß Du früher kommst?Dann könntest Du Dir mehr Zeit lassen und wärst trotzdem nicht so spät zu Hause. Oder Du kommst später zum KiGa legst erst den Kleinen schlafen und hast für die Abholzeit jemanden, der zu Hause ist, dass Dein Kleiner nicht allein ist. Oma,Freundin, Babysitter? Wäre ja nur für ne Stunde oder so.
So oder so würde ich versuchen mir die Zeit zu nehmen. Natürlich nicht endlos, sondern immer wieder klarstellen dass ihr jetzt heimwollt, aber eben ohne Druck und Stress. Bei uns hat es ca. 2 Wochen sehr lange gedauert ( mehr als 30 Minuten) und dann ging es plötzlich schnell. Jetzt ist es unterschiedlich wie lange, ganz schnell bis ca. 15 Minuten ist alles drin ;-) Bei Frieda ist es aber so, daß sie je müder sie ist umso länger braucht. Vielleicht trödelt Deine ja auch weil sie schon so müde ist?
Wenn sie alles selber machen will ist das zwar anstrengend aber gut und wichtig! Und auch richtig! Schliesslich soll sie ja selbständig werden.

"Zu Hause ist es dann nicht anders. Wenn sie was nicht darf, fängt sie an zu schreien und zickt halt fast den ganzen Tag nur rum. Wir dürfen sie im Moment eigentlich auch gar nicht anfassen. "
Was darf sie denn nicht? Manche Verbote sind ja ggf unnötig. Wichtig ist, daß es nicht zu viele Verbote gibt. Überfordere sie nicht, denn sie ist erst 2. Wie sagst Du ihr denn dass sie was nicht darf? Auch das ist wichtig. Gut sind immer "ICH-Botschaften". Das heißt:"ICH möchte nicht, daß Du das tust denn es ist gefährlich" oder so statt :"Geh da weg und lass das sein" Ich -Botschaften hören die Kinder besser und befolgen sie lieber, da Du als Mutter ihr wichtig bist und sie Dir gefallen und Dich kennenlernen möchte. Sie wird schnell darauf achten was Du magst und was nicht wenn Du das so kommunizierst. Bei Sätzen wie "Lass das sein" etc hören Kinder sehr schnell weg, weil dies für sie unwichtig formuliert ist.
Wenn sie schreit weil sie was nicht darf ist das erstmal auch nicht schlimm, denn es ist ein Ausdruck ihrer Gefühle in dem Moment. Sie ist sehr frustriert ( denn Kinder wollen und müssen Dinge ausprobieren um zu lernen. Verbote sind da doof ) und wütend. Wichtig ist es, dass Du ihr zeigst, dass sie diese Gefühle haben darf und das nichts schlechtes ist. Denn sonst wird sie zu früh lernen ihre Wut in sich hineinzufressen, was ihr ewig Probleme machen wird im Leben. Sie sollte lernen Gefühle auszudrücken und sie als etwas normales ansehen - auch die "schlechten" Gefühle!

"Ich weiß auch, dass sie gerade ihre Grenzen testet"
Nein, das tut sie nicht. Sie entdeckt ihre eigenen Vorstellungen, ihre beginnende Selbständigkeit und der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung erwacht in ihr. Das ist für Dein Kind sehr schwer denn sie will einerseits immer bei Dir sein, ganz nah, und spürt wie sehr sie Dich braucht und liebt und andererseits erwacht das Bestreben in ihr sich von Dir zu lösen ( was sie ja auch soll auf Dauer ). Manchmal macht das den Kindern Angst, oft führt es zu Gefühlsspagat und innerem Chaos beim Kind und es ist schwer für die Mutter da flexibel im rechten Gleichgewicht zu reagieren. Nichts davon tut sie um Grenzen oder sonstwas zu testen! Sie verhält sich so weil sie Selbständig werden will und gleichzeitig Nähe braucht und mit diesen inneren Gefühlen, die oft widersprüchlich sind nicht klarkommt. Das solltest Du wissen um angemessen zu reagieren.

Ich empfehle Dir die Bücher von Jesper Juul zu dem Thema: "Grenzen, Nähe,Respekt" und "Nein aus Liebe"


Hast Du noch Fragen?


Liebe Grüße,
Chris mit Frieda Lina 28 Monate