wie verhalten wir uns angemessen?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von jule3 19.11.10 - 08:52 Uhr

hallo zusammen,

ich komm gleich zum thema, eine liebe arbeitskollegin meines mannes hat ihr kind in der 19.woche verloren. sie hat es zur welt gebracht und es hat 1 stunde gelebt. ich hab gar nicht so viel mit ihr zu tun und trotzdem macht es mich so fertig. mir laufen ständig die tränen und dabei kann ich vermutlich nicht im geringsten nachvollziehen wie es ihr momentan geht. ich hab mich doch so für sie gefreut, als sie es mir erzählte. ich habe gerade ein baby bekommen, bin emotional vermutlich auch grad hypersensibel. ich möchte etwas tun, weiß aber natürlich, dass es nichts gibt was wir sagen oder tun können, dass den schmerz lindert.
meine frage an die, die es durchmachen mußten, was hat euch "geholfen", was war zuviel, was zu wenig. ich weiß natürlich, dass jede familie anders trauert, aber vielleicht hab ihr ja doch einen tip für mich. ich möchte nicht nichts tun.

habt dank für eure antworten.

julia

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 09:13 Uhr

"ich möchte etwas tun, weiß aber natürlich, dass es nichts gibt was wir sagen oder tun können, dass den schmerz lindert. "

sag ihr das genauso und biete ihr an für sie da zu sein (wenns geht ohne dein Baby, aber frag sie vorher)

Du kannst ihr, wenns geht natürlich, anbieten Kleinigkeiten wie einkaufen usw. abzunehmen. Mach ihr ´ne Suppe und bring sie vorbei. Vlt. könnt ihr sie unterstützen bei den Vorbereitungen für die Beerdigung.

Kommt aber alles drauf an, wie eng ihr miteinander bekannt seid.

Grüßr,
Sandra

Beitrag von jule3 19.11.10 - 09:55 Uhr

wir sind gar nicht so eng befreundet, als dass ich ihr jetzt irgendwas abnehmen könnte :-( ich würde es natürlich gern tun, jederzeit, aber das wäre vermutlich unpassend. ich würd ihr gern was schreiben. würde auch was für ihren sohn dazu legen wollen (ein buch?) aber wann ist die richtige zeit? es ist anfang der woche erst passiert. jetzt schon zu "stören" ist doch unangemessen.

und ich sitze hier mit meinen beiden kindern, hab tolle schwangerschaften gehabt und gesunde kinder. vermutlich sind wir die letzten, mit denen sie überhaupt etwas zu tun haben will. bin ich egoistisch, weil ICH das bedürfnis habe ihr mein beileid kund zu tun? ist es nicht etwas, damit ich mich besser fühle? ich komme mir verlogen vor, denn ich weiß, dass ich ihren schmerz doch gar nicht lindern kann, wenn ihr ihr schreibe. oder?

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 10:27 Uhr

wenn ihr nicht so eng bekannt seid, dann schreib ihr doch eine Karte. Es gibt Trauerkarten, da ist ein Teddy oder so drauf. Nimm keine Karte mit einem spruch, die kam bei uns überhaupt nicht gut an. Auch von den Engeln die wir bekamen war ich nicht angetan, weil mein Kind kein Engel sein sollte, sondern ein Mensch hier bei mir!

Schreib in die Karte das du nicht weißt was du sagen sollst, das dir dir Worte fehlen....

Mir hat z.B. eine Mutti aus dem Kindergarten einen kleinen bunten Blumenstrauß mit einem Teddy drin gebracht. Den Teddy habe ich heute noch.

Mehr kannst du eigentlich nicht tun...

Tja, und ob du es machen willst um dein Gewissen zu beruhigen, bzw, dmit du dich besser fühlst, kannst nur du beantworten. Und wenn? Tut es der Mutti weh? nein! Ich denke wenn du hier nach Rat fragst, dann brauchst du dieses Mitteilen der Anzeilnahme nicht nur für dein Gewissen.

Alles Gute

Sandra

Beitrag von jule3 19.11.10 - 10:34 Uhr

ich dank dir sehr für deine antwort und deine offenheit. nur noch eine frage. sofern es einen "richtigen" zeitpunkt gibt, wann darf ich mich melden? nicht persönlich, ich meine in form von karte/blumen? ich möchte es so gerne "richtig" machen und auf keinen fall durch mein verhalten stören.

ich wünsche dir auch alles gute
julia

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 10:43 Uhr

Dafür gibt es keinen richtigen Zeitpunkt. Ich würde gucken ob sie zu Hause ist und es ihr dann kurz vorbeibringen. Da wirst du ja sehen wie sie reagiert, wenn sie dich reinbittet, dann kannst du ja noch ein paar persönliche Worte wechseln (im Ernstfall diesselben wie im Brief).

Ich zumindest war dankbar über jeden der zu mir gekommen ist und der es auch ausgehalten hat mich weinen zu sehen und der sich auch angehört hat, wie die Geburt usw. war, denn schließlich hat sie ja ein baby zur Welt gebracht und das sollte auch gewürdigt werden.

Hoffentlich weiß sie auch, das sie Anspruch auf Mutterschutz hat und auch eine Nachsorgehebamme. Die wenigsten Mütter wissen das nämlich.

Solltest du noch was wissen wollen, dann frag ruhig.

Grüße,
Sandra

Beitrag von jule3 19.11.10 - 10:50 Uhr

du meinst ich kann wirklich bei ihr klingeln? ich würde es gern tun. aber ich würde mitweinen, ich wein ja jetzt schon, ist das etwas was du auch ertragen konntest?
ich werd meinen mann mal fragen, ob sie das weiß.
danke

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 10:55 Uhr

naja, bei manchen konnt ich es ertragen, aber nur wenn ich das Gefühl hatte die nicht trösten zu müssen, verstehst du was ich meine?

Wenn jemand geweint hat, weil er mit mir mitgefühlt hat, dann haben wir uns einfach nur in den Arm genommen.

Versuch es einfach, nichts ist schlimmer als eine Chance die vertan (was ist das eigentlich für ein komisches Wort?) ist.

Sandra

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 10:57 Uhr

und was ich ganz schlimm und furchtbar fand, waren Leute, die hinterher kamen, also eine ganze Zeit später, und die dann in Tränen ausgebrochen sind und mir vorgeheult haben wie schrecklich sie das alles fanden und sie sich nicht getraut hätten mir was zu sagen....

Das hätte man auch vorher sagen können, find ich

Sandra

Beitrag von jule3 19.11.10 - 11:03 Uhr

ok, ich bin dir wirklich dankbar, dass du mir deine erfahrungen so genau schildern konntest. ich werde mit meinem mann sprechen und dann in 2 bis 3 wochen den weg zu ihr wagen. ich hoffe sehr, dass ich mich bis dahin gesammelt habe und ihr den raum geben kann zu erzählen, sofern sie es denn möchte.

julia

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 11:06 Uhr

wobei ich zwei bis drei Wochen schon recht lang finde...

Geh doch eher hin, du kannst ja dann auch fragen wann die Beerdigung ist, wenn du willst natürlich..


Sandra

Beitrag von jule3 19.11.10 - 11:29 Uhr

du meinst ich kann echt nächste woche da schon auftauchen? störe ich sie dann nicht in ihrer trauerarbeit? will sie menschen sehen? naja, sie könnte ja auch einfach nur die karte entgegennehmen und ich könnte wieder fahren. oder eben gar nicht erst aufmachen.
darf ich mich nächste woche evtl. noch mal melden bevor ich hin fahre? ich denke da werde ich noch ganz schön angst bekommen.

julia

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 12:04 Uhr

na klar kannst du dich melden

und ja, was soll weiter passieren außer das sie dich nicht reinlassen?

Grüße,
Sandra

Beitrag von lieke 20.11.10 - 12:58 Uhr

Hallo Julia,

falls es dir hilft: ich habe in der 30.SSW mein Kind verloren und kann maxundjan in allem zustimmen.

"Trauerarbeit" ist in dieser ersten Phase noch nicht richtig da. Es ist noch mehr ein Schockzustand und evtl ein Zustand des Verleugnens und "noch nicht verstanden haben" was da passiert ist.

Es ehrt dich, dass du dir so viele Gedanken machst und was tun willst. Ich verstehe auch, dass du es schwierig findest, aber bedenke immer, für sie ist es am allerschwierigsten. Sie hat die Trauer UND das Problem, wie trete ich (demnächst) den Leuten wieder gegenüber, was werden sie sagen, darf ich darüber beginnen, wollen sie es hören usw usw. Auch für sie ist der Umgang mit anderen Menschen auf einmal anders, weil viele so unsicher sind wie du, die allermeisten aber einfach nichts machen.

Wenn du schon mal an der Tür warst -was immer dann weiter daraus wird- weiss sie zumindest bei einem, woran sie ist. Wenn sie es möchte, wird es ihr leichter sein, mit dir darüber zu reden, als wenn sie den ersten Schritt machen muss. Sag ihr doch einfach, dass du auch später für sie da bist, wenn sie herausstellt, dass es jetzt zu früh ist und gibt ihr die Möglichkeit, die Tür zuzumachen, wenn es tatsächlich gerade nicht passt.

Ich hätte mich gefreut über jemanden wie dich!

Vielleicht kann sie dich ja auch als "Sprachrohr" benutzten gegenüber den Kollegen, wenn sie wieder zur Arbeit kommt. Dann hat nicht jeder für sich das gleiche Problem wie du jetzt. Also ich denke, du kannst sehr viel für sie bedeuten!

Nur Mut!

LG, Lieke

LG

Beitrag von jule3 20.11.10 - 19:59 Uhr

hi lieke,
ich danke dir für deinen beitrag. in keinem fall will ich meine ratlosigkeit/trauer mit ihrer verzweifelung vergleichen. ihr macht mir mut mich zu trauen und mein mann hat sich gestern schon bei ihr gemeldet. per sms. als erstes zeichen, dass wir in gedanken bei ihnen sind und ich denke ihre antwort hat uns gezeigt, dass wir den richtigen weg gehen. sie hat geschrieben,dass die beerdigung um 15.30 ist und wir für ihren sohn eine kerze anzünden können, wenn wir wollen. das haben wir auch getan.
heute habe ich nach einer trauerkarte gesucht. mit den erfahrungen von maxundjan im hinterkopf. ich habe mich für eine karte entschieden auf der margeriten in schwarz weiß zu sehen sind. auf einer blüte (nur der innere teil ist gelb) sitzt ein roter marienkäfer. keine engel, keine sprüche, nicht zu dunkel.
ich habe mich entschieden dienstag zu ihr zu fahren und ihr den raum für ihre entscheidung zu lassen. was immer sie möchte.

ich kann nicht nachempfinden wie schrecklich es sein muß, was ihr erlebt habt, aber die ahnung schmerzt schon fürchterlich.

ich dank dir für deine lieben worte.
julia

Beitrag von lilliane 19.11.10 - 09:15 Uhr

ich würde ihr einen brief schreiben in dem du dein mitgefühl ausdrückst und deine hilfe anbietest. ich denke, dass du als frische mami nicht die richtige bist um ihr zu helfen......... aber das soll sie entscheiden. meine beste freundin hat ihr baby in der 31. ssw verloren. mein baby war grade 3 monate, sie hat trotzdem mich als hilfe angenommen, sie durfte mich jederzeit anrufen und sie hat gesagt es hat ihr einfach gut getan, dass sie jeden morgen um sieben anrufen konnte und weinen und sagen- es ist immernoch wahr--- morgens ist es halt am schlimmsten. LG LILLI

Beitrag von jule3 19.11.10 - 09:59 Uhr

wir gehören da doch eher in die reihe: bekannte...
es macht mich dermaßen betroffen, dass ich an nichts anderes denken kann. ich weiß nicht warum. aber ich sollte vermutlich mich hinten an stellen und das erst mal mit mir klären. :-( werden die kinder denn beerdigt? ich würd sonst auch einfach gerne ein gesteck hin bringen.

es muß so grausam sein.

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 10:28 Uhr

Du schreibst, das das Baby gelebt hat als es geboren wurde, somit ist es keine fehlgeburt oder Todgeburt und wird von den Eltern beerdigt.



Sandra

Beitrag von jule3 19.11.10 - 10:37 Uhr

das ist das was wir gestern gehört haben, ja,
vielleicht ist es irgendwann ein trost für die eltern wenn nicht nur sie eine blume für ihr baby hinlegen

Beitrag von maxundjan 19.11.10 - 10:44 Uhr

Richtig, je mehr Leute an sie und das Baby denken, umso "schöner" ist es für sie. Wenn man da von schön sprechen kann...

Aber das ist meine persönliche Erfahrung und auch die von meiner Arbeit

Sandra

Beitrag von kerstini 19.11.10 - 11:58 Uhr

Hallo Julia,

ich weiß leider nur zu gut wie es deiner Bekannten geht :-(

Und ich kann aus Erfahrung sagen, ich hätte mich gefreut wenn ich mehr Zuspruch von außen bekommen hätte. Klar wissen viele nicht was sie sagen sollen, aber lieber nichts sagen und einmal drücken als ignoriert zu werden und behandelt zu werden als wenn nichts gewesen wäre.

Mein Leben hat sich nach diesem dramatischen Ereignis um 120° gedreht. Leider weiß ich jetzt zu gut wer meine echten Freunde waren bzw sind.

Schick ihr einen Brief und schreib dir alles von der Seele, erzähl ihr ruhig das du nicht weist wie du damit umgehen sollst, drück ihr dein Beileid aus, biete ihr Hilfe an. So kann sie selbst entscheiden ob und wann!

Ich wünsche deiner Bekannten alles, alles Gute für die nächste schwierige Zeit! Sein Kind zu verlieren und beim sterben zu begleiten ist das schlimmste was einem im Leben passieren kann und ich finde es toll das du dich so bemühst ihr zu helfen! #herzlich


Kerstin mit #stern Madita & #sternLeo *08.09.09+ und #stern12.SSW u Ida 32.SSW #verliebt

Beitrag von jule3 19.11.10 - 13:30 Uhr

ich bin ziemlich froh, jetzt ganz sicher zu sein, dass wir unseren weg gehen "dürfen" und ihnen unser beileid ausrichten können.

es gibt nichts schlimmeres als sein kind zu verlieren. und es gibt kein wort was es besser macht.

ich wünsch dir von herzen eine schöne restliche schwangerschaft und für die geburt alles gute!

julia

Beitrag von jule3 21.11.10 - 18:11 Uhr

ich bin es noch einmal. ich hatte mir ja überlegt am dienstag zu ihr zu fahren. ABER dienstag ist es genau eine woche her. ich bin so (ob jetzt im negativen oder positiven) dass ich an solchen tagen immer denke, jaaa heute vor einer woche... um diese uhrzeit...
ist das nicht genau der tag an dem man niemandem die tür aufmachen will? montag besser?

ja, ich denke immer noch permant an sie :-(

vielleicht mag mir noch mal jemand seine meinung schreiben.
danke
julia

Beitrag von maxundjan 21.11.10 - 20:06 Uhr

wenn du dich besser fühlst, dann geh am Montag

niemand weiß wie sie sich fühlen wird, also machs davon abhängig wie du dich fühlst, da gibt es kein richtig und kein falsch

vlt. ist sie froh das niemand da ist und sie allein trauern kann, vlt. ist sie aber auch froh, wenn jemand da ist, der ihre Trauer mitträgt



Sandra

Beitrag von jule3 22.11.10 - 08:25 Uhr

Guten Morgen,

ich habe mich gestern noch mit meinem Mann unterhalten und wir haben es bei Dienstag belassen. Wie du schu schon sagst, wir können nicht wissen, was für sie besser ist.

Liebe Grüße und alles Gute für dich!
Julia