Immer sooooo laut

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von lisab 19.11.10 - 09:33 Uhr

Hallo,

mein Sohn ist 9. Bei ihm wurde vor 2 1/2 Jahren ADS mit einer Teilleistungsstörrung festgestellt. Er geht zur Förderschule und schafft den geforderten Lernstoff ohne Probleme. Er hat anfangs Medikinet genommen. Davon war der Appetit Mittags aber ganz weg und er stand irgendwie total neben sich, war gar nicht ganz da. Wir haben es daher wieder abgesetzt, er bekommt jetzt morgens 1 Tablette Equasym.
Im Moment ist mein Problem, dass er immer so laut ist. Er schreit zwar nicht aber redet immer extrem laut. Die WE sind der Horror. Mit bestem Willen ist es nicht möglich, den ganzen Tag, von morgens bis abends immer so eine Lautstärke um sich zu haben. Wegen dem Wetter spielen die Kinder viel im Haus. Sogar sein 4jähriger Bruder sagt zu ihm er solle leise sein, das würde nerven. In der Schule ist er genau so laut hat mir die Lehrerin gestern erzählt. Dort muß er sich von den Mitschülern auch anhören, dass er nervt weil er so laut ist :-(
Desweiteren traut er sich nichts zu und sein Verhalten ist immer total albern. Er bohrt in der Nase, fängt wegen jeder Kleinigkeit an zu weinen (z.B. wenn sein Bruder sagt, er sei ein Blödmann), räkelt sich halb angezogen auf dem Teppich, kriecht unterm Tisch durch (macht er wohl seinem 1jährigen Bruder nach) usw. Ich sehe Neuerdings schon gegen die Sonntage gegen an. Losfahren braucht man nicht, weil der Große immr irgendwie Ärger macht. Zu Hause ist nach 1 Stunde das Geheule und Geschreie groß. Mein Mann und ich können uns noch beherschen, aber der kleine ist dann so genervt, dass er auch anfängt zu hauen usw. Wir müßen die beiden dann abwechselnd in ihre Zimmer schicken usw. Nur nervig.
Wir machen jetzt seit einer Woche Psychomotirik mit ihm. Aber ob das wirklich hilft, weiß ich nicht.
Gibt es nicht irgendwelche Möglichkeiten, das Verhalten von ihm zu verbessern. Könnte ein Kinderpsychologe dabei helfen? Ich habe zwar Nerven wie Drahtseile aber langsam kann auch ich nicht mehr. Meine fröhliche Art ist momentan dahin. Mein Mann hat schon gesagt, ich würde garn icht mehr lachen. Ich habe vor einem halben Jahr eigentlich noch alles locker genommen und konnte alles einigermaßen ruhig regeln. Das geht im Moment nicht mehr, ich bin nur noch am Schreien. Jeden Abend ein schlechtes Gewissen und jeden Abend nehme ich mir vor, morgen wird´s besser. Aber es geht einfach nicht.
Vielleicht habe ich ja Glück und jemand von Euch kann mir einen Tip geben. Ach ja. Seine Ohren sind in Ordnung. Er kann sozusagen das Gras wachsen hören.
LG und einen schönen Tag!

Beitrag von chrysalaki 19.11.10 - 11:11 Uhr

Hallo,

ich frag mal ganz dumm. Geht es ohne Medis gar nicht? Denn ich habe es so verstanden dass es von dem Equasym kommt.

lg
Chrysalaki

Beitrag von lisab 19.11.10 - 11:49 Uhr

Hallo,

es kommt nicht von dem Equasym. Am We nimmt er keine Medis. Während der Woche ging es nicht ohne. Mittags war die Konzentration total am Ende, so dass es nicht möglich war (ohne Geschrei und Geheule) noch Hausaufgaben zu machen. Laut ist er immer, ob nun mit oder ohne Medis.
LG

Beitrag von nanoukaladar 19.11.10 - 13:00 Uhr

Was die Stimmlautstärke anbelangt: da würde ich dringendst in Richtung Stimmbildungstherapie/Logopädie gehen, so wie du es beschreibst könnte er mit der Eigenwahrnehmung seiner Stimme Probleme haben.
Allenfalls käme auch eine auditive Wahrnehmungsstörung in Frage, das bedeutet, dass die Ohren zwar in Ordnung sind, bei der Verarbeitung des Gehörten jedoch eine "Übertragungsstörung" vorliegt.

Da aber scheinbar schon ziemlich viel an deinem Sohn rumgetestet und rumtherapiert wurde, würde ich sehr vorsichtig sein. Nützt nichts, so schadet es nichts, stimmt hier definitiv nicht. Deshalb vorab, bevor dein Sohn involviert wird genau abklären was, warum und wo getan wird.

Wegen den Medikamenten: kann gut sein, dass da noch nicht das richtige Produkt, bzw. die richtige Dosierung gefunden worden ist, mit dem Wirkstoff Methylphenidat gibt es ja noch diverse andere Präparate, auch noch länger wirkende (zb. Concerta). Wenn es mit einem Produkt zu Nebenwirkungen kommt, kann es sein, dass bei einem anderen diese wegfallen.

Nebenwirkung Appetitlosikgeit:
Das kann man Ernährungstechnisch leicht organisieren: gibt es halt statt Mittagessen ein grösseres Frühstück (kann auch mal was Warmes sein, Suppe, Spaghetti, Bratkartoffeln), danach Essen erst wieder wenn der Hunger sich meldet, am Nachmittag oder Abend.

Zudem scheint mir dein Sohn vom Alter her halt genug für eine Verhaltenstherapie, so könnte er lernen, die eigenen Defizite und Stärken besser selber "zu managen"= mehr Eigenverantwortung.

Beitrag von lisab 19.11.10 - 14:28 Uhr

Hallo,
was könnte man denn bei einer "Übertragungsstörrung" machen? Oder bei einer auditiven Wahrnehmungsstörrung. Auch Logopädie? Auf die Idee, dass Logopädie helfen könnte, ist noch keiner gekommen. Leider. Ichehrlich gesagt auch nicht. Ich dachte, Logopädie wird gemacht, wenn ein Sprachfehler vorliegt. Im SPZ habe ich das GEfühl, "der hat ADS, bekommt seine Mediks und gut ist" und um viel mehr wird sich keine Gedanken gemacht. Ich warte schon seit einem halben Jahr auf einen Termin bei einem anderen SPZ. Was meinst Du, hat Psychomotorik überhaupt Sinn. Wenn ich darüber nachdenke, macht eine Verhaltenstherapie und evtl. Logopädie mehr Sinn. Und viel mehr will ich ihm auch nicht zumuten. Irgendwann muß ja auch mal gut sein.
LG und ein schönes Wochenende!

Beitrag von nanoukaladar 19.11.10 - 15:03 Uhr

Ich kann nur sagen, das bei zweien meiner Kinder unseriös abgeklärt und therapiert wurde (auch meine Schuld), da ein Test, dort eine (Fehl-)Diagnose, hier eine Therapie, zusätzlich diverse Experimente im Naturheilbereich. Mit dem Ergebnis dass beide extreme Verweigerer wurden und ihr eigenes Selbstbild sehr defizitär war, dh. sie dachten, sie seien "nicht richtig, falsch".

Ich habe folgendes daraus gelernt: Abklärungsstellen, Therapeuten, Ärzte, das alles sehe ich mir an, bevor ich die Kinder einbeziehe, da lässt sich schon einiges aussieben, oft spürt man ja gleich, dass die Chemie zwischen einer Person und dem eigenen Knd nie und nimmer stimmen wird.

Ja, ich denke Logopädie könnte ein super Ansatz sein, nur müsste getestet werden, ob im auditiven Wahrnehmungsbereich deines Sohnes wirklich eine Störung liegt, und es müsste ein Logopäde gefunden werden, der sich mit der Therapie in dem Bereich auskennt. Unser Sohn ging deswegen in die Sprachheilschule.
Mit Psychomotorik kenne ich mich absolut nicht aus.

Ach ja, nach viiieelen Irrwegen und Rückschlägen gehts beiden gut, beide sind am Gymnasium.

Ich muss jetzt zur Spätschicht, werde aber sicher wieder hier im Thema reinschauen.

Beitrag von kati543 19.11.10 - 15:19 Uhr

Wart ihr denn mal beim Pädaudiologen und habt ihn auf auditive Wahrnehmungsstörungen testen lassen?

Beitrag von lisab 19.11.10 - 15:45 Uhr

Ja, waren wir. Es wurden zig Tests gemacht aber nichts festgestellt.
LG