Lifestyle und Alkohol hat Einfluss auf Einnistung

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Forum: Kinderwunsch

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Beitrag von mariamey 19.11.10 - 18:53 Uhr

Aktuelle Studienlage:

Eine aktuelle Arbeit (veröffentlicht in der Zeitschrift: Human Reproduction Update; 2007;13:209-223) hat alle bisher zu den einzelnen Fragen publizierten relevanten Studien zusammengefasst und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen.

1.
Alter: Vor allem ab dem 35. Lebensjahr der Frau kommt es zu einem stärkeren Absinken der Fruchtbarkeit, verursacht vor allem durch die abnehmende Qualität der reifenden Eizellen.
2.
Nikotin: Nikotin vermindert die Fruchtbarkeit. Beim Mann werden vor allem Spermienbildung, –beweglichkeit, –form sowie das Erbmaterial der Spermien negativ beeinflusst. Bei der Frau wirkt Nikotin auf die Reifung der Eizelle sowie die Hormonwerte in der Gelbkörperphase. Raucherinnen kommen durchschnittlich etwa 1-4 Jahre früher in die Wechseljahre als Nichtraucherinnen.
3.
Gewicht: Sowohl Über- als auch Untergewicht können die Fruchtbarkeit durch eine Beeinflussung der Hormonbildung sowie der Eizellreifung stören. Die Fruchtbarkeit einer übergewichtigen/adipösen Patientin ist aber auch bei regelmäßigen Zyklen mit Eisprüngen geringer. Beim Mann sind Übergewicht/Adipositas häufiger mit einer eingeschränkten Spermienqualität verbunden.
4.
Ernährung: Eine ausgewogene und gesunde Ernährung hat vermutlich keinen direkten Einfluss auf die Schwangerschaftschance, ist aber als wichtige Voraussetzung für eine Regulation des Gewichtes (siehe 3.)
5.
Sport: Hier gilt wie auch für die Ernährung, dass regelmäßige körperliche Betätigung die Regulation des Gewichtes sowie des körperlichen Wohlbefindens unterstützt.
6.
Psychischer Stress: Es gibt bisher keine Beweise für eine direkte Beeinflussung der Fruchtbarkeit. Da der unerfüllte Kinderwunsch, Therapien etc. selber mit einer psychischen Belastung einhergehen, sind entsprechende Untersuchungen zu einem möglichen Zusammenhang problematisch. Aus Therapiezyklen (z.B. Reagenzglasbefruchtung=IVF) gibt es Hinweise auf eine Senkung der Therapiechancen.
7.
Koffein: Es gibt zumindestens Hinweise aus Studien dafür, dass der Genuss von Koffein (Kaffee, Tee, Softdrinks, bestimmte Schokoladen) die Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft verlängern kann. Die Mechanismen sind derzeit unklar. Diskutiert wird eine Beeinflussung des Eisprunges sowie der Gelbkörperfunktion. Weiterhin ist ungeklärt, ob ein solcher Einfluss abhängig von der Koffeinmenge ist und wo dann die Grenze gesetzt werden sollte.
8.
Alkohol: Man vermutet, dass auch Alkoholgenuss die Schwangerschaftschance senken kann, wobei der Schwellenwert für den Beginn dieses möglichen negativen Einflusses unbekannt ist. Als Erklärung für diesen Zusammenhang vermutet man einen Beeinflussung des Hormonhaushaltes, der Eizellreifung, des Eisprunges sowie der weiteren Reifung und Einnistung der befruchteten Zelle. Außerdem ist der negative Einfluss von Alkohol auf eine bestehende Schwangerschaft bekannt (erhöhte Fehlgeburtsrate, Wachstum des Kindes etc.). Studien, die tatsächlich klären, ab welcher Menge Alkohol negativ wirken kann, sind aus ethischen Gründen nicht möglich.

In Zusammenfassung dieser Studien steht nach heutigem Kenntnisstand fest, dass

* Alter, Nikotin und Gewicht unstrittig Einfluss auf die Fruchtbarkeit nehmen
* psychischer Stress, Koffein und Alkohol möglicherweise einen Einfluss haben, wobei hier die Schwellenwerte für den Beginn dieser Wirkung (Koffein, Alkohol) nicht bekannt sind.

http://www.endokrinologikum.com/index.php?cccpage=pa_schwerpunkte_kinder_neue_erkenntnisse