Wie steht Ihr zur Präimplantationsdiagnostik?

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Beitrag von meritene 20.11.10 - 12:28 Uhr

Hallo,
ich frage diese Frage aus sehr aktuellem Anlass. Zum Einen wir dieses Thema ja gerade in der Politik heiß diskutiert, die CDU hat sich dagegen ausgeprochen.
Gestern hörte ich ein Radiointerview, da meinte ein CDU-Politiker "Auch schlimme Krankheiten seien eben Schicksal und das Leben verlaufe nunmal nicht immer wunschgemäß, man müsse sich dem Schicksal dann fügen."

In unserem engeren Freundeskreis haben wir ein Paar, das im Mai nach 8 monatiger schwerer Krankheit ihr Mädchen (erstes Kind) aufgrund einer genetischen Erkrankung verloren haben. Es war wirklich sehr schlimm, die Prognose dieser Erkranung ist immer tödlich, meist noch vor dem 1. Lebensjahr des Kindes.

Laut genetischer Untersuchung ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder ein Kind bekommen, das diese Erkrankung hat 1/4.

Wenn ich mir deren Schicksal und Leidensweg und auch den des Kindes ansehe, dann bin ICH der Meinung, dass (eine strenge Reglementierung um Missbrauch vorzubeugen vorausgesetzt) solchen Eltern mit der Möglichkeit einer PID sehr geholfen wäre.

Es ist doch absurd, vor der Einpflanzung der befruchteten Eizelle das Leben schützen zu wollen und es deshalb zu verbieten, aber eine Abtreibung nach genetischer Diagnostik im Fruchtwasser zuzulassen bzw. dem Kind und den Eltern diese psychische/körperliche Belastung zuzumuten.

Das finde ich unethisch!

Und wenn das Argument der CDU ist, dass es eben auch Schicksal sei ein krankes Kind zu bekommen, dann muss man wohl an jedem medizinischen Eingriff Zweifel hegen oder? Muss dann nicht auch ein Herzinfarkt, eine Gallenkolik oder ein gebrochenes Bein als Schicksal angesehen werden?

Ich bin auf Eure Meinungen gespannt, hoffe auf sachliche Diskussionen,
Dani

Beitrag von litalia 20.11.10 - 12:51 Uhr

ich würde mich dafür aussprechen!

Beitrag von 1374 20.11.10 - 13:12 Uhr

Hallo!
Ich glaube das ist ein furchtbar emotionales thema!! mal schauen ob und was sich hier tut!
;)
Ich bin in dem Punkt erstaunlicherweise sehr konservativ, vielleicht christlich geprägt (obwohl ich kein gläubiger Mensch bin).
Ich finde z.B. es gibt kein "recht" auf Kinder und stehe der bezuschussung von künstlicher Befruchtung sehr skeptisch gegenüber. Habe aber Freunde die auf diesem Wege wunderbare Kinder bekommen haben. Es soll da jeder seinen Weg gehen, inwieweit die Allgemeinheit da mit reingezogen werden sollte ist dann für mich aber eine frage, die man ruhig diskutieren kann.

Genauso ist die Präimplantationsdiagnostik ein sehr diskussionswürdiges thema.
Ich fühle sehr mit Eltern, die ein schicksal, wie Du beschrieben hast, erlebt haben.
Das wünsche ich keinem und kann verstehen, dass die Betroffenen da anders denken als ich!
(Man kann auch nie sagen wie man sich selber in so einer situation entscheiden würde!)

Mein jetziger Standpunkt ist, dass es auch kein "Recht" auf ein gesundes Kind gibt.
Ich finde schon viele der "standard"-Untersuchungen während der Schwangerschaft sehr fragwürdig.
Ab wann ist ein Kind lebensfähig, kann man schon vorher sagen ob man sich das Leben mit einem kranken oder behindertem kind zutraut, ist es vertretbar zu entscheiden wann Leben leben darf und wann nicht?
Sind einem die Folgen wirklich bewusst?
Vielleicht hat es biologische Gründe, dass einige menschen in Kombination nicht (gesnnde) Kinder bekommen können/sollten, die wir aber nicht sehen?

Mich schreckt besonders, dass es wohl auf dauer schwer wird eine richtige Reglementierung bzw. Schutz vor missbrauch zu sichern.
Das wird wohl ein grosser Knackpunkt sein.
Oder mit der zeit wird sich das Bewusstsein für evtl. missbrauch verändern und wo landen wir wohl in 20-50 Jahren?...
Mit meiner gesunden familie im Rücken sage ich derzeit ich finde es ethisch nicht vertretbar an dieser Stelle zu forschen und ins Leben einzugreifen.
Ich bezweifel, dass man die folgen im Grossen wirklich absehen kann.

Lg,
1374

Beitrag von manavgat 20.11.10 - 13:29 Uhr

Ich würde klar eingrezen bei welchen erblichen Krankheiten die Anwendung erlaubt ist.

Spätabtreibungen bis einen Tag vor der Geburt sind bei uns übrigens zulässig.

Gruß

Manavgat

Beitrag von sunflower.1976 20.11.10 - 13:43 Uhr

Hallo!

Das ist ein sehr schwieriges Thema zu dem es viele verschiedene Meinungen gibt.

Für mich ist es ein Widerspruch, dass eine PID verboten sein solle, aber die Abtreibung eines Kindes mit einem genetischen Defekt auch noch nach der 12. SSW erlaubt ist.

Daher...sollte bei den Eltern / in der Familie eine genetische Erkankung bekannt sein, sollte aus meiner Sicht eine PID erlaubt sein. Nicht aber bei Familien, bei denen keine entsprechende Erkankung bekannt ist. Dafür ist - wie Du auch schreibst - eine sehr strenge Reglementierung nötig. Und vor allem sollte ein Test bzgl. anderer Erkankungen, die später auftreten könnten und die anhand der Gene festgestellt werden kann, nicht erlaubt sein. Eben nur Tests auf eine sehr eingeschränkte Anzahl genetisch vererbter Erkanungen/Behinderungen.

LG Silvia

Beitrag von haruka80 20.11.10 - 13:56 Uhr

Huhu,

nur weil es hier verboten wurde, wird es aber dennoch angewandt. Uns wurde es zumindest in der KiWuKlinik angeboten, das wäre dann in Dänemark gemacht worden, sowie auch ein Spermatest meines Mannes in DK gemacht wurde, bzw dahin verschickt wurde,weil die anders testen dürfen.
Ich wurde nun während der Voruntersuchungen schwanger, daher war es für uns alles kein Thema mehr, aber angeboten hat man uns das alles und wir hätten uns damit auch auseinandersetzen müssen, ob wir das wollen. Ich glaube, wir hätten uns dafür entschieden, wenn man schon ein Kind möchte, weil es ewig nicht klappt und die Möglichkeit besteht, das "beste" rauszusuchen, ich glaube, wir hättens gemacht, einfach weil wir beide Panik hatten, dass ich nicht ss werde und falls, ob dann alles gut geht. Aber ich weiß es nicht, wir standen zum Glück nicht vor der Entscheidung.

L.G.

Beitrag von mansojo 20.11.10 - 18:31 Uhr

hallo,

ich finde es falsch entstehendes leben mit bestehendem leben zu vergleichen


ich persönlcih würde in der richtung keine untersuchung machen lassen

es hätte keine konsequenz für mich


nun würde ich aber nimanden verurteilen oder reinreden wenn diese diese möglichkeit für sich in betracht zieht

auf eine emotionale disskusion würd ich mich hier nie einlassen

Beitrag von golm1512 20.11.10 - 20:17 Uhr

Ich unterstelle jetzt mal, dass die PID sowieso nur für einen verschwindend geringen Teil der Menschheit in Frage käme.

Ich sehe, dass die Methode Gefahren birgt in Bezug auf das Machbare. Deshalb finde ich, dass es selbstverständlich feste Regeln dafür geben sollte. Nicht alles, was machbar ist, sollte auch getan werden können.

Der Schritt zum "Designerbaby" ist aber noch ein ganz großer. Die Eltern, die sich für eine Schwangerschaft auf diesem Wege entscheiden (müssen), tun das sicher nicht aus Freude an der Sache.

Für mich sind 2-16 Zellen noch kein Mensch. Ich bin in bestimmten Fällen für die PID. Ich finde es ebenfalls unethisch ein möglicherweise todkrankes "Kind" zu implantieren, dass dann aber locker bis fast zum Ende der Schwangerschaft legal abgetrieben werden darf. DANN ist es allerdings ein Mensch.

Man hat kein Recht auf ein Kind und auch nicht auf ein gesundes. Ich persönlich hätte auch ein schwerkrankes Kind wahrscheinlich nicht abgetrieben. Ich hätte aber auch nicht bewusst ein krankes Kind gezeugt. (Ich hätte dann aber wohl lieber ganz auf Kinder verzichtet, weil ich wenig Lust auf diese Maschinerie gehabt hätte. Ich weiß aber, dass es Menschen gibt, für die alles an einem Kind hängt und mag darüber nciht urteilen.)
Das Schicksalsargument weise ich nicht völlig von der Hand. Man kann und darf nicht alles beeinflussen. Wenn man aber WEISS, dass mit großer Wahrscheinlichkeit ein krankes Kind entstehen kann und man das im Vorfeld verhindern könnte, dann sollte man die Möglichkeit auch nutzen können.

Gruß
Susanne

Beitrag von geli0178 21.11.10 - 01:16 Uhr

Hallo,

ich hatte während meiner Kindheit und Jugend die Möglichkeit zwei geistig und körperlich behinderte Menschen ein paar Jahre zu begleiten und sehe die Diskussion mit gemischten Gefühlen. Einem Elternpaar wäre mit der PID die Möglichkeit gegeben selbst zu entscheiden das Kind zu bekommen oder auch nicht. Das Kind ist inzwischen eine Frau mittleren Alters, die Eltern schon sehr alt und eventuell schon verstorben und der Bruder hat nicht die Möglichkeit seine Schwester zu pflegen.
Bei dem anderen Kind hätte wahrscheinlich eine PID nichts gebracht, allerdings ist die junge Frau mit Hilfe von außen in der Lage ein relativ selbstständiges Leben zu führen.
Ich denke in einigen Fällen sollte man der Forschung dafür danken das sie inzwischen soweit ist.

Geli

Beitrag von anyca 21.11.10 - 16:16 Uhr

Also erstmal: Der PräNATALdiagnostik stehe ich kritisch gegenüber, ich habe nicht mal die NFM machen lassen, da ich es FÜR MICH PERSÖNLICH als Schicksal ansehe, ob ich eines Tages mit einem behinderten Kind dastehe. Hätte eines meiner (gesunden) Kinder morgen einen Unfall, würde ich es ja auch nicht weggeben.

ABER: Solange FWU und Spätabtreibung erlaubt sind, finde ich es unmenschlich, PräIMPLANTATIONSdiagnostik zu verbieten. Das heißt ja, Eltern, die um ein Risiko einer gravierenden Krankheit wissen, müssen erst mal eine halbe Schwangerschaft durchlaufen und dann evtl. doch noch abtreiben ... aber ein Mehrzeller in der Petrischale darf nicht angetastet werden? Das ist absurd.

Entweder Erlaubnis der PID oder konsequenterweise Verbot der Spätabtreibung!

Beitrag von dani2608 21.11.10 - 20:11 Uhr

hallo,
also ich bzw. wir (mein mann und ich) sind definitv für die PID. Vorweg: wir sind selber ein ungewollt kinderloses paar und in kinderwunschbehandlung. wir sehen das von daher vielleicht ohnehin von einer etwas anderen seite. eine PID kann ja eigentlich nur gemacht werden, bei paaren die eine künstliche befruchtung machen lassen müssen. und eins kann ich euch sagen: DEN weg geht ein gesundes paar bestimmt nicht freiwillig. und wenn man schon den schicksalsschlag hin nehmen muß auf normalem weg nicht schwanger zu werden, ist es einem egal ob das kind blond oder brünett ist, obs blaue oder grüne augen hat. da hofft man nur noch das man überhaupt ein kind bekommt und das es vor allem gesund ist. ich denke das ist wohl ein wunsch den jedes paar hegt. somit ist hier meiner meinung nach die frage nach einem "designer"-baby schon fast erledigt. natürlich wird es schwarze schafe geben, aber die gibt es auch jetzt schon, und hierfür müßen einfach entsprechende strafen her im falle des missbrauchs.
und wenn ein paar bereits gewisse gen-defekte mitbringt sollten diese auch die möglichkeit haben, das im vorfeld klären zu lassen. wer sich dann zutraut, auch ein krankes kind zur welt zu bringen und es zu versorgen, der wird sich auch dafür entscheiden. ich kann durchaus paare verstehen die sich ab einem gewissen punkt vielleicht gegen das kind entscheiden. aber so gibt es wenigstens die möglichkeit das zeitig genug zu tun. es ist wohl kein geheimnis, das eine schwangerschaft mit krankem embryo nicht selten in einer fehlgeburt endet. im schlechtesten fall sogar mit einer totgeburt. muß man das den paaren unbedingt zumuten die ohnehin schon einen extrem schweren weg hinter sich haben?

vielleicht kann man einen kompromiss eingehen, dass die pid zumindest als sogenannte IGeL-Leistung angeboten werden darf, aber eben bei entsprechender vorgeschichte. und wenn dann ein paar diese diagnostik durchführen lassen möchte ohne das es eigentlich einen begründeten verdacht gibt, dann ist das eben so. wenn sie es nicht hier in deutschland dürfen, lassen sie es eben im ausland machen wo es bereits zugelassen ist. und ich bin mir sicher, das es auch diesen paaren nicht darum geht welche haarfarbe, augenfarbe oder schuhgröße das kind haben wird.
es kann einfach nicht sein, das ein mehrzeller besser geschützt ist als eine intakte schwangerschaft. in dem ganzen zusammenhang gehört außerdem auch das ebryonenschutzgesetzt überarbeitet.

wenn die pid nicht zugelassen wird, muß man auch nfm und fruchtwasseruntersuchungen verbieten. erst recht die spätabtreibung.
bei uns sind im übrigen keine gen-defekte bekannt und ich selber würde die pid auch nicht durchführen lassen, würde mich aber sicher auch nicht für eine spätabtreibung entscheiden, sollten sich in späteren untersuchungen defekte festgestellt werden.

so, ich hoffe man kann meinem text folgen. ich habe versucht möglichst zusammenhängend zu schreiben.... :-p

viele grüße

dani

Beitrag von summersunny280 22.11.10 - 13:33 Uhr

Ich finde wenn man dadruch erbkrankheiten oder sonstige lebensgefährlichen ,-bedrohlichen oder einschränkenden krankheiten entdecken oder auschliessen kann gut.

Es geht auch gar nicht um recht oder unrecht ein gesundes kind zu bekommen.
Ich finde es schrecklich das mütter vor die wahl gestellt werden ein kind mit downsyndrom abzutreiben oder zu bekommen.
Wir haben im bekanntenkreis einen jungen ........er ist genau ein mensch wie jeder andere MIT einschränkungen .......diese familie hat es erst nach der geburt erfahren.
Aber hätte sie entscheiden können und sich für eine abtreibung entschieden ,finde ich das moralisch schlimmer als vorher zu entscheiden ob es ein gesundes kind wird oder ein krankes.
Welche qual ist das ?wo besteht da sinn?
Eine mutter so quälen zu müssen was hier recht oder unrecht ist .....einen bestehenden Mensch zu töten weil er krank ist?
Da finde ich es richtig die PID zu nutzen und vorher dies auszuschliessen.


Ich bin für PID .....

Aber ich bin dagegen wenn diese medinzinische möglichkeit ausgenutzt wird um sich sein perfektes baby kreieren zu lassen.
Das würde ich verbieten lassen .....haarfarbe ,augenfarbe , größe ...was auch immer da wohl wichtig erscheinen mag .#zitter#schock