Hilfe. Agressionen bei meinem 7-jährigen Sohn

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von mami170980 22.11.10 - 08:33 Uhr

Hallo zusammen,

ich wende mich mit meinem Anliegen an euch, da ich einfach nicht mehr weiter weiß.
Mein Sohn, 7 Jahre, hat ADHS. Seit März diesen Jahres nimmt er Medikamente.
Nachdem er in die Schule kam, haben wir bemerkt, dass er "anders" ist. Bestimmt nicht dumm, eher im Gegenteil, aber er konnte mit seinem Wissen nichts anfangen, es nicht umsetzen.
Also haben wir ihn auf ADHS testen lassen, da die alte Schule das ERgebnis aber nicht abwarten wollte, weil "solche Kinder" nur stören, haben wir nach den Osterferien einen Schulwechsel gemacht.
Er geht jetzt in eine integrative Schule, wo ihm auch mehr Aufmerksamkeit zukommt, da nicht nur eine Lehrerin in der Klasse ist, sondern immer mindestens zwei. Er hatte auch in den letzten Montaten unglaubliche Fortschritte gemacht, seine Konzentration wurde besser, das Lesen und Schreiben somit auch und auch die Aggressionen sind zurückgegangen. Er nahm zu diesem Zeitpunkt Concerta 36 mg bei einer Größe von 1,25 und einem Gewicht von 25kg. Auch zuhause ist es super gelaufen, aber seit 2 Wochen geht es irgendwie wieder drunter und drüber.
Die Lehrerin sagt, er macht nur Mist, passt nicht auf, weigert sich bei Tests diese zu machen und schlägt sich auch in den Pausen wieder.
Ein Widerspruch ist allerdings, dass in der Betreuung am Nachmittag weiterhin alles ok ist, er macht seine Hausaufgaben konzentriert und spielt lieb mit den anderen Kindern. Auf Anraten der Kinderpsychologin haben wir die Medikamente umgestellt. Er nimmt jetzt morgens 20 mg Medikinet retard und nachmittags nochmal 5mg.
In der Schule hat sich aber trotzallem nichts geändert....
Ich muss dazu sagen: Zuhause ist er absolut lieb. Klar, es gibt die üblichen Reibereien, aber dafür ist er ja ein Kind.
Er kann mir auch nicht sagen woran es liegt.
Aber ich habe Angst, er versaut sich alles. Hat kaum Freunde, ist viel alleine. Ich weiß nicht mehr wie ich ihm helfen soll, weil ja auch mir niemand wirklich hilft.
Nachdem ich die Lehrerin gefragt habe, ob es daran liegen kann, dass er überfordert ist, sagte sie nur: Keine AHNUNG!
Aber wer soll es denn sonst wissen, wenn nicht sie.
Er flippt auch nur in Gruppen aus, wo Kinder seines Alters sind, sobald Ältere dabei sind, ist er ganz "normal".
Deswegen meine Angst, dass alles noch schlimmer wird, wenn er die Klasse wiederholen müsste.
Hat von euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir einen Rat geben?
Ich bin dankbar für alles.

LG
Mami170980

Beitrag von leiahenny 22.11.10 - 08:59 Uhr

Also die Klasse nochmal machen, bringt wahrscheinlich gar nichts.

Bei meinem Sohn war es die Überforderung aus der morgenlichen "Schwemme" von Eindrücken.
Er ist dann immer als Erster in die Schule gegangen (wirklich sobald diese aufmachte) und dann ging es deutlich besser.
Andere Kinder kömmen besser zurecht, wenn sie die letzten sind oder wenn sie alleine sitzen und möglichst wenig Kontakt mit der Gruppe haben etc. oder ein Freund meines Sohnes ist jeden morgen gelaufen.
Teste mal kleine Veränderungen-
Nicht das Wissen ist für viele ADSler die Überforderung, sondern die emotionalen Anforderungen.

Viel Glück.

Beitrag von mami170980 22.11.10 - 09:32 Uhr

Vielen Dank schonmal für Deine Antwort, aber das haben wir ja auch schon alles probiert.
Und es ging ja auch eine Weile gut, aber wie auf Knopfdruck geht seit 2 Wochen gar nichts mehr.
Vielleicht ist ja auch der "falsche Umgang" mit einem Jungen aus seiner Klasse. Er ist wohl noch heftiger als mein Sohn und nun habe ich angst, dass er sich dessen Verhalten abschaut und es einfach cool findet, dies auch an den Tag zu legen. Allerdings ist dies sein einziger "Freund" und ich weiß nicht, wie ich ihm das verbieten soll....Und ob ich es überhaupt soll.

Beitrag von leiahenny 22.11.10 - 10:39 Uhr

Vielleicht beschäftigt ihn ein Vorfall - das verfolgt ADSler ja häufig.

Sprich nochmal mit der Lehrerin - habt ihr einen Schulhelfer ?.

Beitrag von mami170980 22.11.10 - 11:00 Uhr

Das habe ich mir auch schon gedacht, aber er rückt ja nicht mit der Sprache raus.
Deswegen auch meine Befürchtung mit dem falschen Umgang.
Meiner Meinung nach schaut er sich dieses Verhalten bei seinem neuen und auch einzigen Freund ab.
Aber was soll ich dagegen machen?
Ich kann es ja in der Schule nicht verhindern, dafür ist die Lehrerin zuständig. Zumindest meiner Meinung nach.
Schulhelfer weiß ich jetzt nicht so genau, aber wir haben eine Schulpsychologin- mit der ich auch in Kontakt stehe.
Ich möchte ihm einfach nur helfen, damit er nicht komplett abrutscht.
Davor habe ich nämlich wirklich angst.

Beitrag von leiahenny 23.11.10 - 16:25 Uhr

Ich meinet konkret eine Einzelfallhilfe durch einen Schulhelfer, welcher deinen Sohn und die Lehrer in der Schule unterstützt.
Sprich die Schule mal drauf an, ist in jedem Bundesland
anders geregelt - glaube ich. Vielleicht kann hier auch die Schulpsychologin helfen.
Alles Gute.

Beitrag von lisasimpson 22.11.10 - 09:54 Uhr

Welche begleitenden Maßnahmen laufen neben der Psychopharmaka-therapie?
Wer hat die umstellung empfohlen? eine psychiaterin oder eine psychologin?
ist er gut psychiatrisch diagnostiziert worden?

Sollte auf der psychiatrischen ebenen alles gut abgeklärt worden sein (incl. intelligenztests und co), dann ist es IMMER wichtig, begleitend zu eienr medikamentösen therapie eine psychotherapeutische begleitung zu suchen.
auch für euch eltern würde ich eine erziehungsberatungsstelle/ familientherapie empfehlen, einfach um zu schauen, wie wer wen mit welchem verhalten wie beeinflußt und um einen ansprechpartner zu haben für die probleme, die sich außerhalb ergeben..

lisasimpson

Beitrag von mami170980 22.11.10 - 10:04 Uhr

Hallo LisaSimpson,

das ADHS wurde von einer Kinderpsychologin diagnostiziert, mit Intelligenztest und allem was dazu gehört- parallell zu den Medikamenten hat Raphael eine Verhaltenstherapie in der Praxis gemacht, mit 6 gleichaltrigen Jungen, aber er geht ungern hin und helfen tut es bezüglich seines Sozialverhaltens in der Schule auch nicht.
Ich bin mit meinem Latein am Ende. Weiß nicht mehr weiter.
Einfach völlig verzweifelt und von Lehren und Psychologen irgendwie im Stich gelassen.

Beitrag von lisasimpson 22.11.10 - 10:13 Uhr

dann geht es bei euch eher drum, daß DU dir was suchst, wo du gut beraten wirst.
eine erziehungsberatungsstelle oder eine familientherapeutische begleitung wäre da sicher richtig!

in der schule gänbe s noch die möglichkeit einen schulpsychologen einzuschaloten (oder evtl. sowas wie einen sonderpädagischen dienst?- ich weiß noch nicht genau, welche schule das ist, die dein sohn da besucht?!)

ich wünsch dir dabei viel erfolg

lisasimpson

Beitrag von barbarelle 22.11.10 - 11:34 Uhr

Das "ausflippen" in Gruppen ist bei AD(H)S häufig der Fall. Ganz einfach, weil der Geräuschpegel, die unterschiedlichen Aktivitäten die Kinder einfach überfordern. Ältere mögen ruhiger und "vernünftiger" sein, sodaß er sich nicht so stark auf jeden konzentrieren muss.

Meine Tochter z.B. sucht dann immer eine stille Ecke, wo sie das Geschehen von der Ferne betrachtet. Jungs mögen da anders sein.

Nichts desto trotz kam mir auch der Verdacht auf das Medikament. Keine Bange - ich bin keine Gegnerin, mein Kind bekommt selbst welche. Kinder wachsen und was vor einem halben Jahr noch gut war, kann es jetzt schon nicht mehr sein.

Schau auch mal in diese Richtung, rede mit dem Arzt und ganz wichtig für dein Kind wäre eine begleitende Verhaltenstherapie.

... und den Freund - nun gut. Etwas scheint ihn ja an ihm zu reizen. Meine Tochter hielt sich auch immer an die "Krawallschachteln" in der Schule.

Bis sie (zum Glück) selbst erkannt hat, dass die ihr nicht gut tun und sie mit diesen erst Recht in Schwierigkeiten kommt.

Liebe Grüße und alles Gute
Barbarelle

Beitrag von milka700 26.11.10 - 14:10 Uhr

In den IGS sind viel zu große Klassen. Hier schrieb ja schon jmd. vom hohen Lärmpegel.
Wenn ein Kind solchem Stress ausgesetzt wird, regiert es natürlich. Meine Kinder (2 sind auf einer IGS) brauchen erstmal, um runterzufahren, wenn sie heimkommen. Ich find das echt schlimm, wenn die Kinder durch Medis ruhiggestellt werden, weil der Staat versagt und keine zusätzlichen Schulen baut und Lehrer einstellt...