zu: Wie den Kindern sagen, dass Papa tot?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von saraa85 22.11.10 - 15:03 Uhr

Vielen dank für eure lieben worte und ratschläge..

Ich habe neulich nicht alles erzählt/ gepostet, verzeihung bitte..

Die sache ist etwas dramatischer, als ihr es euch vorstellen könnt.:-(

Der Vater wurde erschossen, mit seinem Bruder, als sie beide im auto saßen. die ehefrau vom bruder und die stiefmutter wurden dabei verschont..
Der Bruder schwebt jedoch noch in Lebensgefahr. Beiden wurde mehrmals in den Kopf geschossen.. Der Vater, bzw der MANN MEINER COUSINE, ist sofort gestorben, der Bruder liegt im Koma, da sein Gehirn getroffen wurde.
sie waren polizisten von beruf...

Meine Cousine erzählt den Kindern, dass sie alle zur Zeit weinen, weil der Onkel (der Bruder ihres Mannes) im Krankenhaus liegt..
was ja der wahrheit entspricht..

der älteste sohn meiner cousine (6jahre alt) hat vor 3 jahren den tod seines onkels, nämlich den meines cousins - der bruder eben dieser cousine - auch "miterlebt"... er sagt immer ganz von alleine"onkel ist im himmel" und immer wenn ein flugzeug am himmel zu sehen ist, sagt er "da oben ist onkel"...
meine armen verwandten.... erst der sohn bzw bruder, dann der schwiegersohn bzw ehemann....

ich lebe leider tausende von kilometer weit weg von ihnen...

das alles hat sich in Bagdad vor 8 tagen ereignet....

ihr meint also, sie sollte es den kindern sagen, nicht wahr...
die armen... sie hängen so sehr an ihm.
letzten dienstag war der einzug in ihr neu gebautes haus geplant..

Gott bewahre, so schnell kanns gehen :-(

Beitrag von maxundjan 22.11.10 - 17:32 Uhr

Um Gottes Willen....

Hat sie die Möglichkeit sich Hilfe zu holen? Beratungsstellen kennen Leute die sich mit solchen Traumata auskennen. Das kann niemand allein schaffen.

Die Kinder sollten auch von jemandem aufgefangen werden, der emotional nicht so involviert ist.

Guckt mal nach Seelsorgern, evtl. beim Polizeiseelsorger nachfragen, Pfarrer, Trauerbegleiter....

Wo wohnt ihr denn? Bzw. die betroffene Familie? Vlt. kann ich was suchen.

Grüße,
Sandra

Beitrag von saraa85 22.11.10 - 18:59 Uhr

Hey danke für deine Hilfe!!

Nein, ich lebe ja hier in Deutschland, aber sie im Irak.

Ach da gibts sowas wie einen Seelsorger oder so nicht.. Die wären da total überfordert, bei all den Toten jeden Tag.. Soviele Seelsorger gibt es bestimmt nicht..
Sowas wird ja im TV nicht berichtet.. Es wird ja (nur) von Anschlägen usw berichtet, aber diese Fälle geschehen jeden Tag in der Hauptstadt.. Tagtäglich.. Man bekriegt sich ja mittlerweile gegenseitig.. Ich frage mich, welches Verbrechen er wohl begangen hat, dass man ihm 7 Schüsse in den Kopf verpasst???!!!!
Er war ein wirklich hübscher und lebenslustiger Mann.. Er und meine Cousine waren so verliebt in einander..

Ich kann aus der Entfernung auch nicht wirklich was für meine Cousine tun..
Sie bat mich nur, sie jeden Tag anzurufen.. Wie süß. Das ist selbstverständlich, dass ich das tu. Wenn ihr das guttut..

Ich mache mir u.a. Sorgen um ihre finanzielle Lage. Dort gibts ja sowas wie Kindergeld o.ä. nicht.. Ich weiss auch nicht, ob sie sofort wieder arbeiten gehen kann.. Ich überlege ihr wenigstens monatlich was zukommen zu lassen.. Wenigstens so lange, bis sie wie arbeiten kann..
Aber es gibt keine Bankverbindung zwischen Deutschland und Irak soviel ich weiss.. Ach es ist zum Heulen...

Ich werde ihr sagen, dass es doch besser ist, den Kindern zu sagen, dass der Vater tot ist.. Oder wenigstens, dass er schwer krank sei und man ihn nicht sehen kann.. ach keine ahnung..
Der Tod des Vaters ist ja absolut nicht mit dem des Onkels der Kinder vor 3 Jahren zu vergleichen.. Er wurde übrigens 19 Jahre alt.. Er starb durch eine Rakete, deren Splitter seinen Kopf tötlich trafen, während er sich im Garten befand...

Ach sie tun mir so unheimlich leid..
Jetzt ist sie wieder bei ihren Eltern für die nächste Zeit..
Die Angehörigen des Mannes sind auch total fertig.. Gleich 2 Söhne auf einen Schlag verloren.. Naja hoffentlich überlebt aber der Bruder.. Die Hoffnung stirbt zuletzt..


Tut mir echt leid, dass ich hier soviel "horror" reingepostet habe..
Im Irak sind die Todesumstände nunmal etwas anders als hier.. Furchtbar, welch einen Alltag die Menschen da haben..

Danke für die Anteilnahme!#blume

Beitrag von maxundjan 22.11.10 - 19:35 Uhr

ach Mensch, es tut mir so leid..........


Da kann man wohl nicht wirklich helfen, außer mit den Telefonaten vielleicht...

Ich würde den Kindern aber schon sagen das der vater tot ist, denn mit Krankheit oder verreisen assoziieren sie sonst schlimme Dinge und das kann sich auf ihr ganzes weiteres Leben auswirken

Wie gehts dir denn dabei? Kommst du damit klar?Du bist die Bezugsperson die sie hat, auch du mußt verarbeiten.

Grüße,
Sandra

Beitrag von saraa85 23.11.10 - 12:03 Uhr

ja hast recht.. die kinder haben ein recht dazu zu erfahren wo ihr vater ist..

Ich denke es tut ihr einfach gut, dass ich sie anrufe.. erginge mir vielleicht auch so, wenn ich in ihrer situation wäre..
mir gehts eigentlich gut, ich kann mich ja nun wirklich nciht beklagen.

Lebe hier in sicherheit, weit weg von dem terror dort, aber es macht mich traurig, dass meine verwandten es nicht so gut haben wie wir..
aus diesem grund, will ich ihnen irgendwie helfen, sei es auch nur durch einen anruf jeden tag..
Damals als mein Cousin starb, mit dem ich sehr gut befreundet habe, habe ich auch jeden tag, ja sogar mehrmals am tag meine cousinen angerufen.. ich bin 3monate später sogar in den irak geflogen, jedoch nicht nach bagdad, das hab ich mich nicht getraut.
Ich musste damals hin, einfach nur um an seinen grab zu gehen und abschied zu nehmen.. insbesondere auch, um für seine familie da zu sein.
das kann ich diesmal aber nicht..
jetzt bin ich verheiratet und habe einen 4 monate alten sohn.. ist unmöglich jetzt..

Ich trau mich aber irgendwie nie ganz, das thema anzusprechen.. ich bemühe mich eher, dem thema aus dem weg zu gehen... Auch den namen ihres mannes habe ich bis jetzt nicht ausgesprochen, wenn ich mit ihr sprach oder dass er tot ist..

Ich habe einfach angst, was auszulösen bzw will sie doch eigentlich eher ablenken und auf andere gedanken bringen.. ist eigentlich bescheuert, denn sie soll sich ja aussprechen können... hmm..
oh mann..
Gott sei dank, ist sie ein gläubiger mensch.. Der Glaube gibt ihr vieeel Halt und Kraft.. Das ist unglaublich. Sie sagte mir, sie würde jeden Tag ganz viel Koran lesen usw..
Ich sagte ihr auch, dass sie für ihn beten soll, das würde ihm gut tun und er brauche das.. und sie soll sich auf ihre kinder konzentrieren und für sie stark sein...

vielen dank für deine/eure anteilnahme, das ist so unheimlich nett wirklich!

Beitrag von nici20285 22.11.10 - 20:54 Uhr

Aber wenn es da so schlimm ist wieso kommt sie dann nicht zurück nach deutschland oder lebt sie da schon immer?

echt harte sache


#kerze

Beitrag von saraa85 23.11.10 - 11:53 Uhr

sie lebt da schon immer! es ist nicht einfach seine heimat mit 2 kindern zu verlassen..
Ich denke das hat sie auch nciht vor..
eine zeit lang haben sie wenigstens (immerhin) krisenherd bagdad verlassen, aber nun sind sie zurück, was ihnen zum verhängnis wurde.
naja..

Beitrag von anyca 23.11.10 - 09:20 Uhr

Natürlich muß sie es den Kindern sagen. Oder wenn sie es nicht schafft, ein anderer Angehöriger. Die Kinder haben schon den Vater verloren, sie dürfen jetzt nicht auch noch das Vertrauen zur Mutter verlieren ...

Alles Gute für Deine Cousine.