ging es Euch auch so?

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von wertvoll 22.11.10 - 21:37 Uhr

Wir haben Anfang September unseren Sohn verloren. Aufgrund einer Plazentainsuffizenz mussten die Ärzte ihn in der 27 SSW holen. Die Lunge reifte nicht richtig aus, er starb nach drei Tagen.
Die erste Zeit habe ich ganz viel geweint, dann ging es mir eine Zeit besser, dann kam tägliches Weinen, aber ich war nicht depressiv.
Und seid ein paar Tagen finde ich mein Leben nur noch als sinnlos!!
Ich will so nicht Denken, aber ich will nicht mehr Leben. Ich kann mir (zum Glück) nichts antun.
Könnt ihr das Nachvollziehen, ging es Euch auch so?

wertvoll

Beitrag von francie_und_marc 22.11.10 - 22:12 Uhr

Liebe Wertvoll!

Mir geht es nicht ganz so. Aber das liegt wahrscheinlich daran das meine Geschichte einen ganz anderen Hintergrund hat. Mein Engel war ja so sehr krank das wir einen medizinisch indizierten Abbruch hatten. Hinter dieser Entscheidung stehen mein Mann und ich heute noch zu tausend Prozent. Denn wir haben unserem Sohn ganz viel Leid erspart. Sein Tod war nicht so sinnlos wie der Tod deines Engels. Bei Marten war die Krankheit die er hatte absolut sinnlos und ich verstehe nicht warum mein Körper ihn nicht beschützen konnte. :-(

Ich war nach der Diagnose wie gelähmt. Im Krankenhaus bei der Einleitung hatte ich auch kurz die Idee, wie es wäre vom Balkon zu springen. Dann hätten Marten und ich es geschafft gehabt, aber da hat wieder mein fieser ironischer Humor zu mir gesprochen: "Wenn du da jetzt runterspringst, hast du wahrscheinlich wieder soviel Glück das du dort unten mit einem gebrochenen Bein liegst und sonst nix, also lass es bleiben." Im Krankenhaus selbst war ich eigentlich relativ klar im Kopf und ruhig. Als ich aber wieder zuhause war kam der große Einbruch, die Geburt hatte den letzten Rest Kraft aufgebraucht. Ich habe geweint, geklagt und gezweifelt. Dann kam eine "gute Phase" und als ich nach 6 Wochen wieder arbeiten gehen musste kam ein richtig großer Einbruch. Mir ging es grottenschlecht. Ich habe oft gedacht warum ich noch hier bin, dabei wäre ich doch lieber bei Marten. Jetzt nicht das ich daran gedacht hätte mein Leben zu beenden, nein dafür lebe ich trotz allem viel zu gerne. Aber ich dachte an dem Kummer zu sterben in mir war eine Leere und riesige Angst vor der Arbeit.

Die erste Arbeitswoche war auch noch sehr schlimm und anstrengend sich den ganzen Tag vor den Kunden zusammen zu reißen und dann wurde und werde ich noch oft genug angesprochen. Viele wollen mir gratulieren zur Geburt. #heul Sie rechnen einfach eins und eins zusammen. Bauch weg + ich war länger nicht da = Baby ist da. Ja ist er ja auch, aber eben nicht zum gratulieren. Die zweite Arbeitswoche war schon besser und ich merke das es bergauf geht. Klar habe ich immer noch Momente wo alles mit Macht an die Oberfläche drängt, aber diese Freiräume gebe ich der Trauer auch.

Mir half und hilft viel der Kontakt mit anderen Sternenkindereltern. Du bist nicht allein mit deinem Schmerz. #liebdrueck
Ich wünsche dir ganz viel Kraft um aus diesem tiefen Loch wieder herauszukommen. Irgendwann werden auch wir ein Licht am Ende des Tunnels sehen.
Ganz liebe Grüße Franca mit Marc fest an der Hand und Marten still geboren 21.SSW am 19.09.2010 tief im #herzlich

Beitrag von haseundmaus 22.11.10 - 23:32 Uhr

Hallo!

Ich hatte grad einen ewig langen Text dazu formuliert, ihn jetzt aber wieder gelöscht. Zu viel Drumherumgerede, völlig unnötig.
Ich möchte dir sagen, mir gings auch so, ich kann deine Gefühlen absolut nachvollziehen. Diese schwierige Phase dauerte in ihrer fiesesten Form bei mir bald 9 Monate. Nicht nur seelischer Schmerz, auch körperlicher, jeden Tag. Ich bin auch durch die Hölle gegangen.
Man kann dir jetzt sagen, es wird besser. Vergehen wird der Schmerz aber nie. Ich hatte mir irgendwann gesagt, ich lass mich so nicht abfertigen, so werd ich ncicht von dieser Welt gehen. Ich habe es verdient auch mal glücklich zu sein. So habe ich weiter gemacht und wurde belohnt.
Dennoch, es holt einen immer wieder ein, egal wie lange der Verlust her ist. Man lernt aber damit zu leben, auch wenn es immer weh tut.
Ich wünsche dir, dass du auch an diesen Punkt kommst, mit oder ohne Hilfe. Der Weg ist echt steinig, aber auch du hast ein Recht darauf wieder glücklich zu sein.

#liebdrueck

Manja mit Lisa Marie #verliebt (*18.09.2009) und Jana & Talina #herzlich#herzlich (still geboren am 8.06.2007 in der 25. Woche)

Beitrag von chiqui 23.11.10 - 01:23 Uhr

Liebe wertvoll,

ja, es ging/geht mir nicht anders. In den düstersten Momenten hält mich nur der Gedanke aufrecht, dass mein so geliebter und erwünschter Sohn, mein Leben und die Hoffnung auf ein Kind gerettet hat.
Aber sinnlos erscheint mir das Ganze immer wieder. Auch wenn ich mittlerweile den einen oder anderen relativ vernünftigen Grund gefunden habe, so verweigert mir mein Herz oft die Anerkennung eben dieser Gründe und ich denke nur wie sinnlos alles ist.
Bis heute kann ich nur sagen, dass die Zeit zwar die Wunden heilt, aber dicke, fette hässlichen Narben bleiben. Diese werden uns unser gesamtes Leben begleiten. Denn eben dieses Kind, welches wir nie in den Armen halten oder aufwachsen sehen werden, welches nie Mama zu uns sagen wird und uns niemals anlächelt, dieses Kind, wird uns immer begleiten. Er wird unser und unserem Folgekind besonderer Engel sein. Daran glaub ich ganz fest.
Liebe Grüsse
Anita

Beitrag von kerstini 23.11.10 - 10:39 Uhr

Hallo Wertvoll,

erstmal möchte ich eine #kerze für Euren Sohnemann anzünden!

Alles was du schreibst kommt mir sehr bekannt vor. Wir haben Anfang September 2009 zwei Kinder verloren. Unsere Zwillinge Madita und Leo.

Bis heute vergeht kein Tag an dem ich nicht an sie denke. Und auch heute weine ich noch oft. Mittlerweile überwiegen aber wieder die schönen Dinge im Leben. Was mir sehr geholfen hat waren die Gespräche mit meiner Psychologin. Wenn du solch "böse" Gedanken hast solltest du dir vielleicht wirklich Hilfe suchen. Ich habe damals auch nur mit meiner Hebamme über meine Selbstmordgedanken geredet und sie hat mir diese dann empfohlen.

Es ist einfach nochmal etwas anderes wenn du mit jemand Außenstehenden darüber reden kannst. Mir persönlich tat es sehr gut! Auch hat sie mir Wege gezeigt wie ich lerne besser mit der Trauer umzugehen.

Ich empfehle dir nur nimm dir nicht zuviel vor und setz Dich nicht zu sehr unter Druck! Dir ist das schlimmste passiert was einem im Leben passieren kann. Ihr habt Euer Kind beim sterben begleitet. Dieser unglaubliche Verlust braucht länger als ein paar Wochen um leichter zu werden. Du hast alles Recht der Welt zu trauern!

Ich wünsche Dir das du für Dich den richtigen Weg und genügend Unterstützung findest um irgendwann wieder lachen zu können und glücklich zu sein. Wenn du dich näher austauschen möchtest kannst du Dich auch gerne per PN melden.

Alles, alles Liebe

Kerstin mit #stern Madita & #sternLeo *08.09.09+ und #stern12.SSW u Ida 32.SSW #verliebt

Beitrag von jill1979 23.11.10 - 12:15 Uhr

ja,ich kenne das auch..Aber bei mir kamen diese Gedanken nur ganz kurz.Ich habe eine Tochter und so durften solche Gedanken gar keinen Platz in meinem Kopf finden.Und ich habe mich immer wieder aufgerappelt und eine imense Kraft in mir gesammelt..Ich wollte meinen Kinderwunsch nicht aufgeben und habe mich an diesem Gedanken und diesem Willen festgehalten..immer wieder..Ich habe für mich innerlich der "Natur den Krieg angesagt"..wenn du verstehst was ich meine.Ich habe all meine Kraft da rein gesetzt und versucht diese Kraft nicht für die Tränen zu verlieren.ja,ich weine bis heute.Immer mal wieder,aber ich lege das dann auch wieder ab und mache weiter.Ich bin schnell wieder schwanger geworden.Es war so gewollt und mein Sohn ist nun 3 Monate alt.Angst habe ich noch immer.Die geht wohl auch nicht weg.Immer wieder sehe ich ihn an,weine und hoffe einfach nur,dass diesmal alles gut bleibt.
Es sind immer mal wieder so Punkte,wo alles raufkommt..das bleibt sicherlich auch,aber es wird leichter.Von Jahr zu Jahr.Am 4.12. jährt sich bei uns z.B. der eigendliche ET zum ersten mal.Letztes Jahr Weihnachten war eine schlimme Mischung der Gefühle..Ich war gerade wieder schwanger.In der 9.Woche..Wir waren glücklich,eigendlich,aber wir hatten so Angst,dass wieder etwas passiert.Es war das erste Weihnachten ohne Luna.Es sollte ihr erstes Weihnachtsfest werden..Ach ja,so ist das Leben.Leider können wir uns viele Dinge nicht aussuchen..wir können sie nur durchleben und überleben.

Dass die Vögel der Trauer über deinem Haupte kreisen
kannst du nicht ändern.
Doch dass sie Nester in deinen Haaren bauen,
kannst du verhindern!!!!

Schreibe dir auf den badezimmerspiegel:
Gott gab dir dein Gesicht,
lächeln musst du selbst!
(Steht bei mir seit 2 jahren drauf)

Beitrag von francie_und_marc 23.11.10 - 20:58 Uhr

Liebe Jill!

Du hast mir aus der Seele gesprochen. Ich habe auch der Natur den Kampf angesagt und sehe es garnicht ein so um mein Glück betrogen worden zu sein. Deine Worte machen so richtig Mut. Ich wünsche dir noch viel Kraft für den 4.12. #liebdrueck Franca

Beitrag von nonn 23.11.10 - 21:41 Uhr

Ich will gar nicht viel schreiben, ich kann deine Gefühle verstehen.
Komm einfach mal her und lass dich #liebdrueck#liebdrueck#liebdrueck

Die Zeit wird sich um dich kümmern, auch wenn es sich jetzt
nicht so anfühlt...

Es wird besser...

Aber es wird auch Rückschläge geben...

aber man lernt damit zu leben.

#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee

Durch das Leben in die Knie gezwungen,
verzweifelt am Boden liegen.
Aufgeben, Hadern, Verbittern?
ODER - Annehmen!
Nach vorne schauen.
Ich will nicht liegen bleiben,
ich stehe auf und gehe weiter!
Nicht den einfachen Weg - der ist mir versperrt.
Aber es gibt einen anderen Weg.
Mühsam, doch begehbar.
Er führt über Berge und Täler,
ausgestattet mit vielen Hindernissen.
Manche Berge erscheinen unüberwindbar.
Doch ich habe sie alle erklommen
und genieße die schöne Aussicht,
die ich auf diesen Bergspitzen erleben darf.

#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee#klee


Die Geschichte von der traurigen Traurigkeit

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüstere die Stimme stockend und so leise, daß sie kaum zu hören war.
"Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit mißtrauisch.
"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder eimal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
"Ja, aber ...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"
"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, daß du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"
"Ich ... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.
Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."
Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, daß mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen." "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet.
Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, daß ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu." Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.
Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
"Weine nur, Traurigkeit", flüstere sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."
Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber ... aber wer bist eigentlich du?"
"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzeln, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung."