Bin am Ende

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von engellia 24.11.10 - 07:54 Uhr

Hallo,

ich muss es aufschreiben, das alles erdrückt mich...

Mein Mann und ich sind seit über 10 Jahren zusammen und haben dieses Jahr sogar zum zweiten Mal geheiratet - als Zeichen unserer Liebe und dem Zusammenhalt. Wir haben ein absolutes Wunschkind, die nun 1 Jahr alt ist. So sind wir endlich eine kleine Familie. Ich liebe ihn über alles und wir führen eigentlich eine gute Ehe... Eigentlich... Wenns da die Gesundheitsprobleme nicht gäbe.

Er ist vor 6 Jahren an einem Tumor erkrankt, wurde operiert und anschl. behandelt. Der noch teilweise operierte Tumor ist immer noch vorhanden und kann jederzeit rezidiv werden. Seit ca. 1 Jahr hat er auch untypische Symptome, die ihm bzw. uns das Leben erschweren, er ist kränker geworden und natürlich auch seniler. Durch so eine chronische Krankheit kann man ja nur ängstlich werden.
Zudem kommt, dass unsere Tochter auffällig klein und leichtgewichtig ist und wir durch Kinderärzte mit einem Syndrom konfrontiert werden. Dieses Jahr haben wir sehr sehr viel Zeit im Krankenhaus verbracht als es eigentlich gesund sein sollte - immer im Wechsel, meine Tochter/mein Mann...
Bisher war ich stark und war immer für sie da. Doch so langsam schwindet meine Kraft und ich weiß nicht, wie ich das alles überstehen soll. Ich heule nur noch, bin nicht einmal fähig an seinem Geburtstag mit ihm/uns einen schönen Tag zu verbringen, wir streiten viel, ich ziehe mich immer mehr zurück, kann ihn nicht mehr in den Arm nehmen und kann die Menschen um mich herum nicht mehr ertragen. Das Reden mit meinen Freundinnen bzw. Familienangehörigen bzw. meinem Mann bringt mir nichts, ich überfordere sie nur damit.
Ich versuche einen Ausgleich zu finden indem ich in Sport gehe, doch das klappt nicht. Ich weiß, dass die Ängste mich auffressen, dass sie doch was haben könnte (das ist der größte Alptraum für jede Mutter) und es meinem Mann immer schlechter gehen könnte und ich versuche dagegegn anzukämpfen und immer positiv zu denken - aber es klappt nicht mehr. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich noch tun soll, damit ich wieder die Kraft für sie habe. Der nächste Untersuchungstermin findet Anfang Dezember statt und da werden wir sehen, wie es mit meinem Mann und meiner Tochter weitergeht (wir müssen zur Kinder SPZ)...

Danke fürs Zuhören

Beitrag von silk.stockings 24.11.10 - 09:15 Uhr

Geh zu einem Traumapsychologen und lass dir helfen.

Beitrag von similia.similibus 24.11.10 - 10:42 Uhr

Ich denke auch, dass du psychologische Hilfe brauchst. Auch ich hatte mit einer Art Trauma zu kämpfen. Ich habe lange versucht, das allein zu bewältigen und es wurde nur immer schlimmer. Als ich mir endich Hilfe suchte, war es schon ziemlich übel. Warte nicht so lange wie ich seinerzeit. Wenn du magst, kann du mich gern über VK anschreiben.

LG

Beitrag von fruehchenomi 24.11.10 - 11:03 Uhr

Lass Dich erstmal knuddeln, ich kann annähernd mir vorstellen, wie es Dir geht #liebdrueck Der Rat mit dem Traumapsychologen ist sicher nicht schlecht, nutzt Dir aber nicht viel, wenn man mal in einem halben Jahr einen Termin bekommt - und ob Du dafür gerade Zeit hast....
Mein Mann hatte vor 6 Jahren einen Schlaganfall (wir kämpfen mit vielen Beeinträchtigungen und er ist auch ziemlich älter als ich) und meine Enkelin war ein Extremfrühchen mit 6 Hüft-Operationen uns 2 Jahren Gips und Schienen, nur soviel, warum ich Dich verstehen kann. Auch durch die Krebserkrankung des anderen Opas und seinem Tod kamen wir Jahre nicht aus den KrHäusern raus.
Mein Rat: Schaff Dir eine "Insel" - egal wo. Sei es eine Kirche, sei es ein Waldweg, ein Cafe, eine Freundin - und such diese Insel immer mal auf, zum Durchschnaufen, zum Heulen, zum Nachdenken, oder zum wütenden Schreien (dafür hab ich mir den Wald ausgesucht) Es muss RAUS, was in Dir nagt und bohrt. Und noch was: grenze den "Fall Mann" und den "Fall Tochter" voneinander ab. Das geht. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun - man verfällt nämlich leicht in eine Art "Massenangst" wo sich alles miteinander vermischt - da muss man raus.
Du findest vielleicht eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Krebspatienten (frag mal den Sozialberater der behandelnden Klinik Deines Mannes) die verstehen Deine Ängste am besten. Die Freunde sind damit schnell überfordert - ich habs auch schon aufgegeben, darüber zu reden.
Du bist zu Recht wütend, dass Du für alles den Hut auf hast - aber - es ist nunmal meistens so,dass es die Frau ist. Lass die Wut ruhig zu und auch mal raus - wir sind alle keine Übermenschen.
Noch was, auch Kranke haben nicht das Recht, uns zu triezen ! Das hab ich meinem Mann letztens auch erst gesagt. Er war über seine eigenen Unzulänglichkeiten so wütend, dass er MICH massiv beleidigt hat. Da hab ich ihm schon auch gesagt, dass ich immer für ihn da bin, er aber auch trotz seiner Krankheit nicht das Recht hat, mich zu beleidigen. Kommt Dir das bekannt vor ? Wir sind auch nicht für Selbstmitleidstage verantwortlich - dann muss ER sich einen Therapeuten suchen, wir, die Ehefrauen, können das nicht leisten, bei aller Liebe !
Bei Deiner Maus geh mal nicht vom Schlimmsten aus - warts einfach ab und hoffe drauf, dass man heutzutage doch sehr viel machen kann.
Meine Enkelin wird nun 4 Jahre alt und ist auch nur 13 kg leicht bei 93 cm, aber noch machen wir uns da auch nicht verrückt.
Konnte ich Dir ein bißchen helfen ? Kannst mir gerne auch an meine VK schreiben !
Kopf hoch, wir schaffen das ! Weil wir es müssen, schon wegen der Kinder #herzlich
Liebe Grüße von Moni

Beitrag von similia.similibus 24.11.10 - 11:10 Uhr

#liebdrueck

Beitrag von pieda 24.11.10 - 11:14 Uhr

Toller Beitrag und sehr hilfreich,super#pro#pro

Beitrag von engellia 24.11.10 - 13:59 Uhr

Liebe Moni,

ich lese Deinen Beitrag und mir kullern die Tränen... Ich möchte mich aus tiefstem Herzen bei Dir bedanken.

Dafür, dass es doch noch einen lieben Menschen gibt, der auch eine hohe Last auf seinen Schultern trägt und die Stärke wiedergefunden hat, und immer noch so liebe und ernstgemeinte Worte und Verständnis für einen anderen Menschen hat.

Ich nehme mir Deine Erfahrung und Deinen Rat zu herzen und werde das auf jeden Fall versuchen.

Danke Dir sehr

Beitrag von fruehchenomi 24.11.10 - 14:13 Uhr

Gerne geschehen, und mein Angebot steht, dass Du mir auch auf die VK schreiben kannst. Ich bin allerdings berufstätig und es kann mal sein, dass ich einen Tag nicht am PC bin. Was mir noch einfiel :
Geh doch auch mal zur Caritas oder pro familia, die haben auch Beratungsstellen, wo man relativ schnell mal einen Gesprächstermin haben kann. Ruf dort an. Nur mal so zum "auskotzen" (sorry, ist aber so gemeint) Mit den Leuten dort kannst Du eher reden wie mit eigenen Freunden.
Vielleicht kommt auch von dort noch der eine oder andere praktikable Rat.
Nimm an, was Du kriegen kannst, denn alleine ist es wirklich manchmal sehr sehr schwer, und da ist es auch wurscht, ob man jünger oder älter, sprich "lebenserfahrener" ist.
LG Moni

Beitrag von rosenrot1974 24.11.10 - 12:04 Uhr

Vielleicht baut es Dich ein wenig auf:

Meine Nichte war auch vieeeel zu leicht und zu klein als Säugling... Hat er sehr spät laufen gelernt und konnte mit 12 Monaten auf dem Bauch liegend noch nicht selbständig den Kopf heben... :-(.

Wir haben uns grosse Sorgen gemacht, dass etwas nicht stimmt. Die Ärzte waren auch nicht sehr optimistisch...

Heute ist sie sieben Jahre alt, ein VÖLLIG "normales" Mädchen" und sogar ganz gut in der Schule....! #freu

Es kann sich alles auch noch entwickeln... Egal wie es Heute aussieht!

Rosenrot