Muttersprachler keine 1 im Zeugnis (4. Klasse)

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Beitrag von scotland 24.11.10 - 11:38 Uhr

Hallo ihr - ich poste für eine Freundin, bin mal gespannt, was ihr meint.

Der Vater des Kindes meiner Freundin ist Franzose, geboren wurde das Kind in Paris und dort war es, bis es 3 war - wuchs zweisprachig auf, meine Freundin ist Deutsche. Dann zogen sie ins Grenzgebiet, aber auf die französische Seite und der Kleine war in einem deutsch-französischen Kindergarten. Dann trennten sie sich, meine Freundin zog nach Deutschland und schulte das Kind auf der Rhein-Schiene (B-W) ein, da hat es in der Grundschule Französisch. Der Kontakt zum Vater ist weiterhin gut, der Kleine besucht ihn jedes zweite Wochenende und in den Ferien und spricht dort ausschließlich Französisch.

Nun gab es in der 3. Klasse folgendes Problem: In Französisch schrieb er immer 1er in den Klassenarbeiten, im mündlichen bekam er hin und wieder eine 2, weil er sich "nicht oft genug meldete" (er sagt, dass er meist eh nicht dran kommt. Wurde er aufgerufen, so sagt die Lehrerin, antwortete er "überdurchschnittlich"). In der Heftführung bekam er eine 3 - am Ende des Jahres hatte er eine 2 im Zeugnis.

Dieses Jahr hat meine Freundin ihm eingeimpft, sich oft zu melden, in den KAs hat er weiterhin glatte 1er. Nun wurde das Heft eingesammelt. Gewarnt vom letzten Jahr, haben die beiden das gesamte Heft nochmals abgeschrieben. Die Note: 3+ (1 Note für die Schrift abgezogen, einmal hatte er einen Satz vergessen abzuschreiben, das fiel aber nicht auf, wenn man die Vorlage nicht kannte) und einmal war ein Arbeitsblatt nicht sorgfältig genug ausgemalt.

Nun hat meine Freundin Angst, dass es keine 1 wird, die brächte er für den Bilingualzug auf dem Gymnasium. Die Lehrerin argumentiert, dass ihm Französisch ja in die Wiege gelegt wurde und er eben bei der Heftführung, die mit 1/5 in die Note einfließt, kein 1er Schüler sei. Daher sei eine 2 gerechtfertigt. Meine Freundin argumentiert, dass das Heft sauber geführt war, es für Schrift eine extra Note im Zeugnis gibt und die Sprachkenntnisse ihres Sohnes bei weitem die des Kindes übersteigen, das in der 3. Klasse in Französisch eine 1 bekommen hat.

Was meint ihr? Ist die 2 gerechtfertigt?
LG
Scotland

Beitrag von schichtsalat 24.11.10 - 11:56 Uhr

Hallo!

Ich verstehe die Aufregung nicht.

Erstens ist eine 2 eine gute Note!

Zweitens kann auch ein deutschsprachiges Kind in Deutsch eine 2 haben (diese Sprache wurde ihm auch in die Wiege gelegt, jedoch können Dinge wie Mitarbeit, Heftführung, Verhalten im Unterricht, Lese- und Rechtschreibschwäche etc. eine Note durchaus beeinflussen, positiv als auch negativ) und hat damit noch eine "GUTE" Note.

Die Lehrerin wird ihre Notengebung begründen können. Wenn er unbedingt eine 1 braucht für diesen Zweig (was ich mir kaum vorstellen kann, das wäre ja Wahnsinn!), muss die Mutter bei der Lehrerin (freundlich) vorsprechen. Ansonsten würde ICH mein Kind loben für eine 2 im Zeugnis!!!

Liebe Grüße,
schichtsalat

Beitrag von lisabet 24.11.10 - 11:58 Uhr

#pro So sehe ich das auch.

Beitrag von scotland 25.11.10 - 20:25 Uhr

Hallo Schichtsalat und danke für deine Antwort und Meinung! Klar ist eine 2 eine gute Note - letztes Jahr hat sich meine Freundin ihren Teil gedacht und die 2 einfach weggesteckt.

Blöd ist nur, dass sie eben die 1 braucht für den bili Zug, weil der Rektor der Schule eben sehr darauf schaut und 2er an anderen Grundschulen inflationär verteilt werden.

Der Vergleich mit dem muttersprachlichen Kind in Deutsch hinkt ein wenig, da die meisten Kinder im Schulalltag ja Deutsch entweder als Muttersprache haben, oder zumindest in einer deutschsprachigen Umgebung aufwachsen.

Beim Sohn meiner Freundin ist es halt so, dass er wirklich fließend Alltagsfranzösisch spricht, während die Kinder in seiner Klasse eben einzelne Wortfelder beackern (Wochentage, Uhrzeit, etc.). Das ist für ihn wirklich total einfach. Es ist halt so, als ob er in Mathe statt Viertklässleraufgaben 8 Klässleraufgaben rechnen kann und am Ende eben gesagt bekommt "gut" obwohl seine Leistung, gemessen an anderen Kindern "supergut" ist.

LG
Scotland

Beitrag von delfinchen 24.11.10 - 11:59 Uhr

Hallo,

wenn sich der Sohn deiner Freundin nun wirklich fleißig meldet und passende Beiträge liefert, dann sehe ich es wie deine Freundin: Schrift wird extra benotet.
Wenn das Heft nicht aussieht wie Kraut und Rüben, alle Arbeitblätter sorgfältig eingeklebt wurden und die Einträhe vollständig, finde ich nicht, dass die Schrift so stark ins Gewicht fallen dürfte, dass die Note auf eine Zwei abgewertet wird.
Das ist jedoch meine Meinung und meine Handhabe - ich hab auch schon Schülern, die im Klassenvergleich nicht "schön" schreiben, gemessen an ihren Möglichkeiten aber schon, eine gute Bewertung bei der Heftführung gegeben.
Leider ist gerade da der Ermessenspielraum bei uns Lehrern sehr groß.
Gehen wir aber mal davon aus, dass er mündlich auf 1 steht, die Heftführung aber zu einem Fünftel zählt und er da auch 4 steht, dann wäre der Durchschnitt - gemessen an den zwei Noten "Mündlich" und "Heftführung", was sonst dazukommt, weiß ich ja nicht - 1 + 1 + 1 + 1 + 4 = 8; 8 : 5 = 1,6
Entsprechend bei einer 3 in Heftführung: 1 + 1 + 1 + 1 + 3 = 7; 7: 5 = 1,4.

Da du schreibst, er habe eine 3+ in Heftführung, sollte das eigentlich für die 1 reichen, vorausgesetzt, er steht in den anderen Teilbereichen, die es ja vielleicht noch gibt, auch auf einer 1.

Naja, ob man einem Kind wegen einer nicht ganz sauberen Heftführung dann die Motivation nehmen, ihm ne 2 ins Zeugnis geben und damit die Chance auf den Bilingualzweig nehmen muss, lass ich mal dahingestellt. Ich persönlich finde es nicht richtig.

Liebe Grüße,
delfinchen


Beitrag von arthurmama 24.11.10 - 14:31 Uhr

Hi Scotland,

kann Deine Freundin verstehen, dass es ihr querliegt, wenn Tochter bilingual aufwächst und bei der Beurteilung auf Niveau Fremsprache keine 1 im Zeugnis bekommt.
Es ist auch ein bisschen arm von der Lehrerin, wenn sie das damit begründet, dass sie sich nicht anstrengen muß und deswegen so Beiwerk wie Heftführung u.ä. zur Bewertung heranzieht. Machen könnt ihr aber GAR NIX dagegen, höchstens auf demselben kleinkarierten Niveau argumentieren, dass Heft doch eigentlich ganz gut aussieht. Dann wird sie vermutlich das Nichtmelden ins Feld führen und da seid ihr halt machtlos. Es ist sehr verständlich, wenn ein Kind welches seit es sprechen kann französisch spricht, sich nicht meldet, wenn es darum geht Vokabeln für Apfel, Fenster, .... nachzublubbern!

Vielleicht ist der Hintergedanke der Lehrerin der: "Warum braucht muttersprachliches Kind auch noch die raren bilingualen Schulplätze?"

VG, I.

Beitrag von scotland 25.11.10 - 20:29 Uhr

Danke für die Meinung! Ja, ich glaube, dass das das Problem ist. Die Lehrerin hat letztes Jahr kritisiert, dass sie den Jungen nicht wirklich drannehmen kann, da er sein "sprachliches Niveau dem der Klasse nicht anpassen kann" - in die Praxis übersetzt heißt das, dass, wenn man ihn was fragt, er eben fließend und mit vielen Sätzen antwortet - die aber niemand außer ihm (und der Lehrerin) versteht.

Meine Freundin überlegt sich gerade eine Taktik, wie sie den Rektor der Bili Schule davon überzeugen kann, dass ihr Sohn -rein sprachlich gesehen- ein 1er Schüler ist, ohne über die Lehrerin zu schimpfen oder ihre Kompetenz anzuzweifeln. Hast du hierfür eine Idee?

LG
Scotland

Beitrag von delfinchen 26.11.10 - 09:26 Uhr

Hallo,

würde mir von der Lehrerin schriftlich geben lassen, wie ich die Note zusammensetzt. Damit zweifelt niemand ihre Kompetenz an und deine Freundin kann nachweisen, dass di 2 nur aufgrund der Heftführung zustande gekommen ist.
Ansonsten den Sohn zur Anmeldung mitnehmen und ihn das auf Französisch erledigen lassen :-D.

LG,
delfinchen

Beitrag von scotland 27.11.10 - 17:08 Uhr

LOL, Danke für den Tipp. Bis zur Anmeldung sind es noch ein paar Wochen, das ist eine Superidee von dir.
LG
Scotland