Wahrnehmungsstörungen und damit verbundene Schwierigkeiten

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von sakirafer 24.11.10 - 13:19 Uhr

Hallo zusammen,
mein Sohn (fast 3,5 Jahre alt) geht in den KiGa seit er zwei ist. Er war/ist immer wieder auffällig, so dass ich auf Anraten des KiGas mit Lukas Ergotherapie mache.
Dort wurden Wahrnehmungsstörungen im taktilen und vestibulären Bereich diagnostiziert, zudem hat er ein überempfindliches Gehör. Seitdem geht Lukas regelmäßig zur Ergo.

Lt. Therapeutin macht er auch gute Fortschritte. Nun eskaliert die Situation allerdings wieder. Im KiGa ist er permanent am rennen, toben, kämpfen, bleibt einfach nicht ruhig. Auch zu Hause ist es im Moment wieder extrem. Manchmal kommt es mir so vor, als ob in seinem Kopf was explodieren würde, aus heiterem Himmel wird im Kreis gerannt, anderen Kindern mit den Händen vorm Gesicht herumgefuchtelt, gebrüllt, über den Boden gerollt. Als ob auf einmal eine Welle von Energie freigesetzt wird, die er irgendwie raus lassen muss.
Aber er kann auch ganz ruhig spielen und sich in Bücher regelrecht verlieren, dass er kaum ansprechbar ist.

Letzte Woche war ich mit dem Jüngeren 7 Tage im Krankenhaus und konnte Lukas (den älteren) kaum sehen. Vielleicht ist das eine Reaktion darauf? Wobei die Verschlimmerung sich schon vorher angedeutet hat.
Ist dies normal bei Kindern mit Wahrnehmungsstörungen? Wie bekommen Kinder sich selbt unter Kontolle?

Erschwerdend kommt dazu, dass ich selbst mit seinem VErhalten sehr schwer umgehen kann. Ich kann es nicht akzeptieren. Ich liebe meine Kinder über alles und weiß, dass ich sie annehmen muss, wie sie sind, aber im Moment fällt es mir so schwer. Wie kann ich dies lernen? Oder auch der Rest der Familie? Er ist ein sehr liebes, clevers und sensibles Kind, das alles wird aber durch die Symthome überdeckt und macht ihn zum Raufbold und Störenfried.

Mit der Therapeutin habe ich Ende der Woche noch mal ein Gesprächstermin vereinbart um mir noch mehr Rat einzuholen.Kann mir irgendwer konstruktive Hilfestellung geben, wie ich selbst lerne, gut damit umzugehen und mit den Phasen meines Kindes umzugehen?

Viele Grüße

Sakirafer

Beitrag von kleinehexe1606 26.11.10 - 07:01 Uhr

Ich habe einen Sohn jetzt inzwischen 6 Jahre mit auditiver Wahrnehmungsstörung und Verhaltensauffälligkeiten seit er eigentlich geboren ist. Im nachhinein sehe ich erst das es wirklich seit der Geburt ist. Er hat das erste LJ komplett gebrüllt, schlief 2 Stunden und weiter ging es Tag und NAcht. Später versuchte er immer seinen Kopf durchzusetzen. Bis hin zum nicht mehr atmen umfliegen und blau anlaufen. Wir machen seit er im Kiga ist Ergotherapie, dort lernte ich und vor allem er das sein Verhalten Konsequenzen hat. Seit ich das durchziehe läuft es gut. Wenn er wieder mal einen Aussetzer hat was ab und an natürlich vorkommt, wird die Konsequenz einmal angedroht und dann auch durchgezogen. Das dauert dann 10 - 15 Minuten und danach ist alles wieder gut.
Wichtig ist das solche Kinder klare Strukturen haben, alles andere bringt sie durcheinander und sie reagieren anders. Vielleicht auch wirklich bei Situationen wo sie überfordert sind, dann gehen sie in eine andere Rolle rein.

Beitrag von seelenspiegel 27.11.10 - 13:03 Uhr

Das was ich Dich sofort nach lesen des Beitrages fragen wollte habe ich doch noch in Deinem Beitrag entdeckt, nämlich ob sein Gehör über die Norm hinaus empfindlich ist, bzw. er ein extrem gesteigertes Hörvermögen hat.

Ein Wassertropfen wird zum Trommelschlag, Kindergeschrei ist fast nicht erträglich, fahrende Autos erreichen den Pegel eines Düsenjets.

Stell Dir vor wenn Du unablässig ohrenbetäubenden Lärm um Dich herum hättest. Da dreht mal wirklich regelrecht durch, ohne dass eigentlich ein Psychisches Problem vorliegt.

<<<Aber er kann auch ganz ruhig spielen und sich in Bücher regelrecht verlieren, dass er kaum ansprechbar ist. >>>

Das mit den Büchern ist eine Art Rettungsleine, die es ihm ermöglicht abzuschalten und den anderen...sonst übermächtigen äußeren Einflüssen zu entgehen.

Ich bin kein Arzt, und das ist alles nur reine Spekulation, aber habt ihr schon mal ganz einfache Schallschutzstopfen für die Ohren ausprobiert?


Meine Frage zielt darauf ab, dass bei einer Bekannten genau diese kleinen Dinger geholfen haben, nachdem zig Untersuchungen und Therapien fehl geschlagen sind, weil niemand auch nur daran dachte, dass bei ihrer Tochter die ganzen Überreaktionen daher kamen, weil sie die Umweltgeräusche nicht ausblenden konnte, und viel intensiver wahrgenommen hat als ein durchschnittlicher Mensch.

Beitrag von sakirafer 27.11.10 - 14:36 Uhr

Hallo,

super Idee - so einfach und doch bin ich nicht selbst auf die Idee gekommen.

Mir wurde zwar gesagt, dass Lukas ein überempfindliches Gehör (aber wohl nicht extrem gesteigert) hat, aber dass er lernt, damit umzugehen. Ich werde mich gleich mal umschauen, ob es kleine, weiche Stöpsel für Kinderohren gibt.

Vielen lieben Dank für diesen Tipp, einen Versuch ist es allemal wert!

GLG

Sakirafer