Freies Entfalten vs. klare Strukturen

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von plda0011 25.11.10 - 08:22 Uhr

Hallo,

ich habe zwei Söhne, zwei und vier Jahre alt. Beide gehen in den hiesigen katholischen Kindergarten (der kleine für zwei Tage pro Woche). Jetzt überlege ich ob ich zumindest den kleineren Jungen in einen anderen Kindergarten geben soll sobald er drei wird.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen zu Kindergärten mit "offenem Konzept" erzählen könntet. Es gibt hier nämlich auch ein Gemeidekindergarten, der nach dem pädagogiaschen Konzept von Maria Montessori arbeitet. Konkret weiss ich nur, dass dort immer die Türen offen sind, die Kinder sich aussuchen können in welcher Gruppe sie sein möchten (sie müssen aber Bescheid sagen), es einen offenen Turnraum gibt, der jederzeit genutzt werden darf (von max. acht Kindern gleichzeitig) dafür aber keine regelmäßigen Turnstunden. Ähnliches gilt wohl auch für's Außengelände.

Im katholischen Kindergarten dagegen ist alles sehr durchorganisiert. Um halb zehn machen alle Gruppen ihren Stuhlkreis, dann ist an einem Tag Turnen, am anderen "Gruppenmischen" (gehört zum Orientierungsplan und soll die Kinder befähigen sich überall in der Einrichtung zurecht zu finden), dann Musikschule (falls man sich dafür angemeldet hat). Für Vorschulkinder gibt es den fast täglichen "Powertreff" (so eine Art Schulvorbereitung), es gibt Sprachförderung zu bestimmten Zeiten für bestimmte Kinder usw.. Alles halt nach Stundenplan.

Mir kommt das alles ziemlich steif vor und ich stelle es mir schöner vor mit dem offenen Konzept. Andereseits gibt ja eine gewisse Struktur im Tagesablauf für Kinder auch Sicherheit. Ich muss sagen als Mutter (und Elternbeirätin) finde ich unseren jetzigen Kindergarten seehr unflexibel, muss aber dazusagen, dass mein Sohn sich wohl fühlt und ich den Eindruck habe, dass er wirklich viel lernt dort...

Tja, ich bin etwas ratlos im Moment.

Was haltet ihr denn von den verschiedene Methoden?

LG

Beitrag von zahnweh 25.11.10 - 10:46 Uhr

Hallo,

was braucht DEIN Kind?

Für meine wären beide genannten keine Option!

Sie braucht Verlässlichkeiten, aber auch Flexibilität.
Wir haben uns mehrere Kindergärten angeschaut. Mit ganz offenem Konzept, jeder Raum ein anderes Thema, war sie hoffnungslos überfordert, hing mir nur am Bein und es ging gar nicht.

Zu feste Strukturen passen nicht zu uns. Wir essen wann wir Hunger haben (aber immer gemeinsam! aber nicht Punktgenau. 1 Stunde ist variabel)
Sie geht schlafen, wenn sie müde ist, aber mit dem selben Ablauf. Punktgenau drehen wir beide durch, sind gereizt und schlafen beide viel später und schlechter. Daher quälen wir uns nicht mehr.

Im Kindergarten braucht sie feste Wiederholungen. Sie singt (noch) nicht mit, aber wehe das Heimgehlied wird vergessen, dann "reibt" sie mir das noch 1-2 Tage lang unter die Nase. Oder sie waren wegen Schlechtwetter nicht draußen...
Freies Spielen und viel Bewegung braucht sie aber auch. Da sind unsere Räume perfekt aufgeteilt und es klappt prima.

Die Erzieherinnen nehmen jedes Kind individuell!!! Sie wissen sofort Einzelheiten und welches Kind vor 10 Minuten noch wo gespielt hat und holen es liebevoll aber bestimmt zurück, damit DIESES Kind wieder aufräumt. Und gleichzeitig führen sie die Kinder zu einer gemeinsamen Gruppe heran. Sie helfen selbst auch, aber wo andere Kinder auch helfen können, ermuntern sie andere Kinder kurz zu helfen oder das Kind, das Hilfe braucht, dass er/sie auch mal andere Kinder um Hilfe bittet. Nicht nur die Erzieherin.

Sie leben ein Miteinander, in dem jede Person als Indiduum respektiert wird!

Beitrag von plda0011 25.11.10 - 11:47 Uhr

Hallo,

eure Version entspricht in etwa auch dem katholischen Kindergarten. Die schauen auch, dass DIE Kinder selbst aufräumen, die auch ausgeräumt haben. Die Kinder dürfen während der Freispielzeit auch jederzeit was Essen, wenn sie mögen. Viel Bewegung gibt's im riesigen Freigelände, aber das immer erst nach dem gemeinsamen Mittagessen, also ab 13.00 Uhr und da fängt auch die Abholzeit an...

Es gehen auch die größeren Kinder mit den kleineren raus und helfen beim Matschhose ausziehen, wenn die mal auf's Klo müssen...

Ich werde auf jeden Fall mit dem Kleinen mal zu dem anderen Kindergarten hingehen und mich rumführen lassen und schauen, wie der da reagiert.

Ich glaube das unflexieble an unsrem KiGa kriegen vor allem die Erzieherinnen und Eltern zu spüren. So können bei uns z.B. erst dann Fotos gemacht werden, wenn für jeden Event von allen Eltern explizit die Erlaubnis per Formular eingeholt wurde. Das ist beim andren garnicht, die lassen einen einmal unterschreiben und ballern dann das Portfolio mit Bildern zu - find ich schön, aber hat letztendlich nicht unbedingt eine Bedeutung für's Kind...

Danke für die Antwort!

LG

Beitrag von zaubertroll1972 25.11.10 - 11:18 Uhr

Hallo,

mein Sohn ging in einen kath. Kindergarten in dem es feste Strukturen gab.
Mir hat das sehr gefallen ( meinem Sohn ging es dort gut und er ging immer gerne in den Kiga ) denn in Bezug auf die Schule fand ich es gut und richtig klare Strukturen vorzugeben damit die Kinder nicht plötzlich aus allen Wolken fallen wenn sie in der Schule nicht mehr das machen können wozu ihnen gerade ist.
Auch hier zuhause wird gegessen wenn wir alle am Tisch sitzen und unser Sohn geht meist zur gleichen Zeit in`s Bett.
Ich denke nicht daß dies unflexibel ist. Es hilft vielen Kindern einfach wenn sie einen geregelten Ablauf haben, abgesehen davon hilft es auch mir als Mutter :-)
Wenn es Deinem Sohn gut geht würde ich ihn nicht aus der Einrichtung nehmen.

LG Z.

Beitrag von plda0011 25.11.10 - 11:38 Uhr

Ich würde auch den Großen nicht mehr aus seiner Gruppe nehmen. Mein Kleiner müsste zum nächsten Kindergartenjahr sowieso die Gruppe wechseln (ist momentan in der Kleinkindgruppe). Das wäre der Moment an dem wir evtl. einen Kindergartenwechsel in Erwägung ziehen würden...

Beitrag von kathrincat 25.11.10 - 13:57 Uhr

wenn es deinen sohn da gefällt bleibt da. ich finde die struktur super, würd so ein freies kon. nicht so toll finden, da bereitet ja nicht wirklich auf die schule vor, wenn jeder machen kann wann und was er will.

Beitrag von almura 25.11.10 - 15:13 Uhr

Hallo!

Für unsere Tochter ist der Rahmen, der durch die regelmäßigen Aktivitäten gebildet wird, sicher hilfreich.
Was ich aus dem Montessori-Kindergarten höre, in den die Tochter einer Freundin geht, würde für unser Kind nicht passen.
Es ist nicht so flexibel und offen wie es sich anhört.
Die Kinder dort können sich zwar aussuchen, was sie spielen wollen, sollen das aber auch auf jeden Fall beenden. Also Kugeln in die Kugelbahn werfen nicht nach 2 Schluß machen und das nächste spielen sondern einen 10er vollmachen und dann etwas anderes suchen.
Zudem habe ich von einem anderen Montessori-Kindergarten gehört, daß den Kindern der Mund mit Seife ausgewaschen wird, wenn sie Schimpfwörter sagen.
Insgesamt scheint mir das eigentlich alles straffer als das herkömmliche Konzept unseres Kindergartens.

Ich kann also nur raten, Zeit im Kindergarten zu verbringen und mir genau anzusehen, wie sie mit den Kindern umgehen.

Liebe Grüße
Almura

Beitrag von plda0011 25.11.10 - 20:02 Uhr

Danke für alle Antworten!

Ich werde den anderen KiGa auf jeden Fall mal zusammen mit meinem Kleinen anschauen. Eure Beiträge haben mir geholfen!

Vor allem, weil ich eigentlich recht zufrieden war, aber dann einer schwärmenden Mutter begegnet bin, die ihr Kind gerade dort eingewöhnt hat. Jetzt hab ich auch mal wieder ein paar Befürworter für die "althergebrachten" Strukturen gehört (lesen).

LG