Familie oder Karierre?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von evtlzuspießig? 25.11.10 - 11:34 Uhr

Hallo
Ich hätte gerne ein paar Meinungen eingeholt, weil ich nunmal subjektiv- und damit vielleicht überreagiere..
Zur Situation:
Ich bin AE Mutter 2er Kinder. Habe seit etwa 1 Jahr einen Partner. Wir sind beide Mittdreißiger. Wohnen noch nicht zusammen.
Jetzt steht die Überlegung im Raum zusammenzuziehen, welche wohlgemerkt von ihm ausging. Allerdings läuft sein Arbeitsvertrag nächstes Jahr aus, daher bewirbt sich entsprechend.
Was mich ärgert: Er bewirbt sich deutschlandweit, sogar Nachbarländer und hofft auf große KAriere. Sein Job kann nicht überall ausgeübt werden, aber es dürfte sich (m.E.) schon über kurz oder lang etwas finden, wo man vielleicht 1-2 Std pendelt, zumal wir ziemlich zentral wohnen. Andererseits will er aber mit mir zusammenziehen und hat auch Kinderwunsch.
Für mich passt das nicht zusammen. Wenn er nen Job bekommt, der 500km und weiter weg ist, braucht er da seinen Kram und kann max 2 mal im Monat fürn WE vorbeikommen, wenn es Österreich oder Italien wird sieht man sich vielleicht zu Ostern und Weihnachten.
Er sieht da keine Entscheidung zwischen Karierre und Familie.
Seh ich das zu eng?
Ich will ihn bei mir haben. Andererseits möchte ich mir auch nicht vorwerfen lassen ihn behindert zu haben, insofern, dass er für mir auf etwas verzichtet und sich ärgert. Aber ich denke, es müsste doch auch von ihm die Einsicht da sein, dass es einfach nicht machbar ist, wenn er weit weg geht. Ich muss wegen Job und Kinder mindestens noch 1,5 Jahre hier bleiben, danach bin ich auch gerne bereit ihm überall hin zu folgen, obwohl es für mich wesentlich aufwändiger ist.
Ich weiß nicht, wie ich ihm das klar machen soll, ohne ihm sein Leben vorzuschreiben. Ich seh da schon eine Entscheidung zwischen Familie und Karriere.
Vielleicht könnt ihr mich von meiner Palme runterholen.
LG L.

Beitrag von agostea 25.11.10 - 11:38 Uhr

Ihr seid erst ein Jahr zusammen, da finde ich das völlig legitim, das sich dein Freund nach SEINEM Gusto beruflich orientiert. Wer weiss, wohin das überhaupt führt mit euch?

Ich würde ihn machen lassen. Wenn du - wie du sagst - in 1,5 Jahren ohnehin freier bist in deinen Entscheidungen - kannst du zusehen, ob ihr räumlich eine Möglichkeit habt, euch zusammen zu tun.

Seh die Zeit als Probe.

Gruss
agostea

Beitrag von evtlzuspießig? 25.11.10 - 11:49 Uhr

Einerseits hast du recht, aber andererseits steht da die Möglichkeit durch Zusammenziehen unsere PArtnerschaft auf ein anderes Nivea zu heben. Im Moment sehen wir uns auch nahezu täglich, da wäre es schlimm, dies auf wenige Tage im Jahr zu reduzieren. Darüber hinaus ist die Familienplanung ein Thema. Seine Stellen sind immer auf 3 Jahre begrenzt. Ich will doch nicht den schon vorhandenen Kindern alle 3 Jahre einen Umzug zumuten und da er ncoh keine Kinder hat und sich noch welche wünscht, muss das auch entweder eingeplant oder darauf verzichtet werden. Ich möchte auch nicht nochmal mit 40 schwanger sein, wenn die Große dann schon fast volljährig ist. Ich habe auch nichts dagegen einzuwenden, dass er nicht jeden Abend heim kommt und sich woanders noch ein Zimmer nimmt, aber ab einer bestimmten Distanz könnte er uns nur noch besuchen anstatt bei uns zu wohnen. Das ist vielleicht ganz witzig, wenn mann Anfang zwanzig ist, aber irgendwann muss man schon Prioritäten setzen.. finde ich.
Gruß

Beitrag von agostea 25.11.10 - 11:56 Uhr

>>aber irgendwann muss man schon Prioritäten setzen.. finde ich. <<

Da gebe ich dir Recht. Aber nicht nach einem Jahr und mitten in einer offensichtlichen Orientierungsphase deines Freundes.

Wie sind denn weitere Optionen bei deinem Freund? Hat er welche? Also REgionsnähere berufliche Chancen?

Beitrag von evtlzuspießig? 25.11.10 - 12:04 Uhr

Aber er wird sich beruflich immer wieder neu orientieren müssen, da die Stellen als wiss.Mitarbeiter immer auf höchstens 3 Jahre begrenzt sind. Es sei denn er schafft bis 45 die Habil.. Die Stellen sind allgemein rar. Aber es gibt durchaus Stellen im Umkreis von 300km, das wäre ja ok. Sonst muss er eben sagen, nö Kinder will ich nicht mehr, wir können erst dann zusammen ziehen, wenn du mir nachreist.

Beitrag von marsupilami2010 25.11.10 - 12:21 Uhr

Das stimmt so übrigens nicht ganz. Wenn er über Drittmittel sprich: Projekt finanziert wir, kann er auch länger an einem Lehrstuhl bleiben, allerdings muss man sich dann rechtzeitig um ein Nachfolgeprojekt kümmern (Antrag schreiben, bei Stiftungen einreichen etc.). Wie ernst nimmt er denn die wiss. Karriere? Ansonsten könnte man die Habil ja z.B. auch über ein Stipendium regeln. Ist natürlich alles immer abhängig vom Fachbereich...

Beitrag von rosalinde.x 25.11.10 - 12:24 Uhr

Hallo,

im dem Berufsumfeld hat er wahrscheinlich keine andere Wahl als überregional oder gar im Ausland zu suchen - insbesondere wenn er auf eine Habilitation hinarbeitet.

Er könnte versuchen, in der Nähe eine Stelle zu finden, aber sich darauf zu beschränken, könnte auf Dauer das berufliche Aus bedeuten.

Da du nicht so einfach hinterher ziehen kannst, würde ich mit weiteren Kindern warten und erst sehen, wie sich die Beziehung auf Dauer entwickelt und ob sie ggf. eine räumliche Trennung übersteht.

Liebe Grüße

Beitrag von evtlzuspießig? 25.11.10 - 13:57 Uhr

<<Er könnte versuchen, in der Nähe eine Stelle zu finden, aber sich darauf zu beschränken, könnte auf Dauer das berufliche Aus bedeuten.>>

Andererseits könnte es das Beziehungsaus bedeuten, wenn wir uns nur wenige Male im Jahr sehen.
Natürlich warte ich mit Kindern bis wir wissen, was kommt. Nur irgendwann schreibe ich das Theman Kinder auch ab, da ich dann einfach zu alt bin.
Wäre ich zehn Jahre jünger, würde ich dem gelassen entgegensehen.
LG

Beitrag von marsupilami2010 25.11.10 - 14:32 Uhr

Da hilft es nur, die gemeinsame Planung in Ruhe zu diskutieren. Auch als wiss. Mitarbeiter kann man Familie haben, man muss es nur wirklich wollen und der Partner muss auch mitziehen, wenn es z.B. auf eine Wochenendbeziehung (bzw. kann man ja auch oft 1-2 Tage die Woche von zu Haus aus arbeiten) hinausläuft.

Beitrag von agostea 25.11.10 - 14:36 Uhr

Warum müssen unbendingt gemeinsame Kinder sein?

Beitrag von stormkite 25.11.10 - 13:12 Uhr

Hallo, L,

du schreibst: "Er hat Kinderwunsch".

Wie sieht es denn bei dir aus? Willst du noch einmal Mutter werden, so ganz aus dir heraus, oder ist das etwas, das dich anspricht, weil es eine schöne Idee ist, die Bindung zum Partner durch Kinder zu "krönen"?

Wie wichtig ist sein Kinderwunsch? Kann er auf Kinder verzichten, wenn du in drei bis vier Jahren sagst: "Jetzt fühle ich mich zu alt?" Trennt ihr euch dann?

Ich habe seit längerem eine Fernbeziehung. Und meine Kinder waren 8 und 10, als wir uns kennengelernt haben. Jedes zweite Wochenende besuche ich meinen Freund, wenn die Kinder beim Vater sind. Bei 60 km ist das kein Problem.

600 km oder mehr? Das wird echt anstrengend. Du hast einen Job, und bist alleinerziehend. Die Fahrerei ist Zeit- und Kraftraubend. Du kriegst daheim nichts mehr erledigt, und hast keinerlei Unterstützung. Du bist im Prinzip weiter alleinerziehend.

Irgendwann werden dir deine Kinder auch was husten: Die lassen sich nicht mehr einfach "Mitnehmen" damit sie sich dort langweilen können, ohne ihre Freunde. Meine Teens würden sich auch weigern, wegzuziehen: Ihr Vater lebt hier, ihre Großeltern leben hier, ihre Freund sind hier, sie gehen hier zur Schule ... ich jedenfalls würde nicht zu meinem Freund ziehen, wenn sich meine Kids weigern. Den Stress tue ich mir nicht an.

Willst du dann gleich schwanger werden, in der neuen Umgebung? Oder doch noch mal ein Jahr "Probezeit", wie das Zusammenleben in neuer Umgebung klappt? Und dann der nächste Umzug?

Was ist mit deiner Karriere? Oder mutierst du gerne zu Hausfrau und Mutter?
Wie überstehen deine Kinder die ständigen Schulwechsel, die offenbar zum Lebensstil deines Freundes gehören? Eine ganz schöne Zumutung für deine Kinder. Die zahlen dann die Zeche für seine Karriere.

Ich würde da mein Herz nicht dranhängen: wenn er jetzt wegzieht und ständig weiter umziehen muss wirst du mit ihm die Familie vermutlich nicht erleben. Dann hast du halt einen Liebhaber fürs Herz. Das ist eine Zeitlang auch ganz nett.

Kite

Beitrag von joulins 25.11.10 - 13:14 Uhr

So sehe ich das auch. :-)

Beitrag von evtlzuspießig? 25.11.10 - 13:53 Uhr

Hallo Kite
Genau das was du schreibst sind auch meine Bedenken.
Ich hätte gerne noch ein Kind, aber dann auch gerne in 1-2 Jahren. Und nicht so zwischen Tür und Angel.

Für mich gibt es eben nur zwei Optionen. Zusammenziehen und das Leben wieter gemeinsam planen mit Kindern und Job im Umkreis bzw dann im Verlauf eine "endgültige" Bleibe zu finden. Oder eben Fernbeziehung ohne weitere Kinder. Wenn man dann von einem frühstmöglichen "Familienstart" in 3 Jahren ausgeht mit einem Jahr Zusammenwohnen, wären es ja schon min 4 Jahre und dann fühle ich mich wirklich zu alt für einen Neustart als Mutter und für eine Unterbrechung im Beruf.
Für mich wäre es dann ok, zumal ich zwei Kinder habe, ein weiteres wäre schön, aber es hat auch seine Vorzüge, wenn die beiden dann fast erwachsen sind. Es ist ganz klar seine Entscheidung, was er für sich will.

Ich hatte für mich schon den Gedanken die Gegend hier zu verlassen, wenn ich mich dann übernächstes Jahr ohnehin beruflich umorientiere, allerdings will ich dann nur einmal umziehen und bleiben. Weitere Umzüge kann man Kindern nicht zumuten und auch ich möchte dann mal ankommen.

Wir werden heute abend noch mal reden und dann muss er sich bewusst werden, dass er sich entscheiden muss und nicht beides geht.
LG L.

Beitrag von stormkite 25.11.10 - 15:38 Uhr

Wenn für dich der Kinderwunsch kein "must have" ist, und in deine Lebensplanung ein Umzug in absehbarer Zeit passt, dann kannst du seinen Plänen relativ gelassen entgegen sehen: Schau dir an, wo er landet, entscheide in ruhe, ob dir die Gegend gefällt, und entscheide in 1,5 Jahren, ob DU und Deine Kinder da hin wollen.

Die Fairness gebietet, das du deinen Freund drüber aufklärst, das du dir in 3 Jahren keine Kinder mehr vorstellen kannst. Auch eine klare Ansage, das du maximal einmal umziehst.

Gruß, Kite