Was tun mit Kindern, die Opfer sexueller Gewalt wurden?

Archiv des urbia-Forums Allgemeines.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Allgemeines

Aktuelles und Zeitloses rund um das (Familien-) Leben im Allgemeinen. Auch gesellschaftliche Themen sind in dieser Rubrik willkommen. Alles rund um den Internet-Handel, Versand etc. gehört in das Forum "Internet & Einkaufen".

Beitrag von daddy69 25.11.10 - 20:10 Uhr

Hallo,

ich greife hier mal den Gedanken eines anderen users auf. Der hat mal einen eigenen Thread verdient.

Täter, die Kinder missbrauchen, hatten in ihrer Kindheit oft das gleiche durchgemacht. Hier wird gern gesagt, dass dies gern als Entschuldigung oder Ausrede genommen wird. Das lasse ich mal so stehen.

Diese ganzen Threads in der Medienwelt, mit all dem Mitgefühl für die Opfer und den Rachegelüsten an den Tätern lässt die Frage aufkommen: Was ist denn eigentlich mit den heutigen Opfern in 15 Jahren? Wenn die dann selbst Kinder vergewaltigen?

Was sollte man mit den Opfern heute tun? Lebenslange Beobachtung?

Viele hier sind ja der Meinung, dass Triebtäter nicht therapierbar sind. Müsste man dann nicht die heutigen Opfer bei den ersten einschlägigen kriminellen Handlungen nicht gleich wegsperren? Ohne Therapie? Für immer?

Denn ihr wollt ja keinen Täterschutz. Keine Therapien

Das zumindest lese ich aus den gängigen Argumentationen hier heraus.

Gruß
daddy

Beitrag von alkesh 25.11.10 - 20:15 Uhr

Die Frage hab ich schon in solch einem Thread gestellt, da bekommst aber keine Antwort drauf - wie so oft hier, wenn man einen User mal den Spiegel vorhält oder zum nachdenken anregt!

LG

Beitrag von shampoo 25.11.10 - 20:16 Uhr

sehr gute gedankenansätze. ich bin gespannt auf die antworten .

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 20:24 Uhr

>Denn ihr wollt ja keinen Täterschutz. Keine Therapien

Waaas? Doch!
Therapien dürfen aber nicht immer erst angeboten werden, wenn etwas passiert ist. Jeder zukünftige Kinderficker sollte schnellstmöglich eine Therapie bekommen dürfen.

Vor nichtmal 100 Jahren wurden so gut wie alle Kinder mittels Gewalt erzogen. Und oh Wunder es haben nicht alle dieses Verhalten übernommen und weitergegeben, so dass heute die meisten Kinder gewaltfrei erzogen werden. Und genauso muss auch kein Vergewaltigungsopfer dieses Verhalten zwangsläufig übernhemen. Auch Opfer haben später die Wahl, nicht genauso zu werden wie ihre Peiniger.
Bzw. hatten Täter die Wahl, sie haben sich nur falsch entschieden.

Beitrag von king.with.deckchair 25.11.10 - 20:37 Uhr

Du quatschst dumme Stammtischsülze.

"Vor nichtmal 100 Jahren wurden so gut wie alle Kinder mittels Gewalt erzogen. Und oh Wunder es haben nicht alle dieses Verhalten übernommen und weitergegeben"

Nun, vielleicht hat sich spätestens nach 1968 (du erinnerst dich? die, deren Eltern zum Großteil schlimme Nazis oder Mitläufer waren...) sich der Gedanke durchsetzte, dass eben DOCH viele die gewaltvolle Erziehung in anderer Gewalt kanalisierten...

Du unterstellst, dass jedes Opfer eine Wahl hätte, ob es später auch "böse" wird. Das haben viele eben NICHT!

Bitte google mal nach "Resilienz". Und bitte auch nach den neuesten Hirnforschungsergebnissen, was traumatische Erfahrungen an ORGANISCHEN Schäden im Gehirn hinterlassen. Man weiß, dass traumatische Erfahrungen sehr oft tatsächlich Veränderungen im Gehirn (welches bekanntermaßen ja auch unsere Handlungen, unser Gefühlsleben steuert) verursachen. Bestimmte Botenstoffe werden nicht mehr "korrekt" transportiert".
Platt gesprochen: viele Gewaltopfer sind irgendwann einfach nicht mehr richtig "verdrahtet da oben".

Ebenso weiß man, dass Hirnschädigungen sehr oft zu einem Verlust der nennen wirs mal moralischen Kontrolle führen. Stichwort Schlaganfallopfer, die manchmal hinterher ziemlich bösartig werden können oder auch Demenzkranke oder Menschen, bei denen ein Tumor Teile des Gehirns lahmlegt.

Beitrag von sonntagsmalerin 25.11.10 - 20:40 Uhr

"Du unterstellst, dass jedes Opfer eine Wahl hätte, ob es später auch "böse" wird. Das haben viele eben NICHT!"

Das stimme ich dir zu. Es entscheidet ja auch kaum jemand selbst, ob er schizophren, depressiv oder manisch wird...

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 20:53 Uhr

Das nicht, aber was man daraus macht kann man entscheiden.

Wenn ich depressiv, shizophren oder sonstwas bin kann ich mir Hilfe suchen, mich umbringen oder 2 Teenis im Wald erlegen. Was ich mit diesem Kranken Hirn anstelle bleibt (in so gut wie allen Fällen - es ist unwahrscheinlich selten, dass solche Krankheiten im kompletten Kontrollverlust enden) in meiner Hand.

Beitrag von king.with.deckchair 25.11.10 - 21:18 Uhr

"Wenn ich depressiv, shizophren oder sonstwas bin kann ich mir Hilfe suchen"

Man sieht: Du hast null Dunst von Materie.

Tipp: Bei manchen psychischen Erkrankungen ist eines der Symptome, dass der Kranke gar nicht MERKT, dass er krank ist. Im Gegenteil - er hält sich für gesund und andere für gestört.

"es ist unwahrscheinlich selten, dass solche Krankheiten im kompletten Kontrollverlust enden"

Dummes, uninformiertes Zeug.

Für mich ist hier mit dir Ende der Diskussion.

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 21:31 Uhr

>Bei manchen psychisc

>"es ist unwahrscheinlich selten, dass solche Krankheiten im kompletten Kontrollverlust enden"

>Dummes, uninformiertes Zeug.

Du weißt schon, dass du selbst sagt, dass MANCHE Täter es nicht merken und mir vorwirfst, wenn ich sage, dass manche Täter es nicht merken, aber bei weitem nicht die Mehrheit?

Was für ein Wunder, dass alle misshandelten und vergewaltigten Kinder bzw. nun Erwachsene, die ich kenne ein gefühltes Unrechtsbewusstsein haben UND sich Hilfe geholt haben. Ja auch die depressiven und shizophrenen. Da haben wir wohl doch recht, wenn wir sagen, dass es weniger betrifft.

Die aller meisten also die Wahl haben zwischen Hilfe suchen und......ich wiederhole mich.

Beitrag von daddy69 25.11.10 - 21:28 Uhr

Nein. Man kann sich dann nicht einfach Hilfe suchen.

Ich habe dir schonmal geschrieben: Du überschätzt den freien Willen.

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 22:08 Uhr

>Nein. Man kann sich dann nicht einfach Hilfe suchen.

Wie ist es dann zu erklären, dass alle Personen,die ich kenne, die depressiv oder shizophren sind sich Hilfe holen konnten? Ist wohl doch irgendwie möglich.

Wieviele Menschen kennst du, die nach Misshandlungen Amok gelaufen sind? Und wieviele Menschen kennst du, die misshandelt wurden und sich Hilfe geholt haben?

Die Zahl derer, die so kaputt sind, dass sie nicht mehr suchen können scheint wohl doch verschwindend gering zu sein.


Beitrag von daddy69 25.11.10 - 22:13 Uhr

Wir reden hier aber nicht von persönlichen Erlebnissen oder Bekanntschaften.

Sondern von Krankheitsbildern. Deswegen ist schnurz wieviele Depressive ich kenne.

Nebenbei: Jährlich 12000 Suizide. Beim größten Teil geht man davon aus, dass sie depressiv waren.

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 22:30 Uhr

Du kannst dir aber mit deinen Bekannten beweisen, dass man sich mit einer solchen Krankheit Hilfe holen kann.

Du hast schließlich geschrieben, dass man sich keine Hilfe holen KANN, wenn man depressiv oder shizophren ist. Das Argument kannst du selbst widerlegen.

Ja und diesen 12000 konnte man nicht helfen oder sie haben sich nicht helfen lassen. Dagegen stehen Millionen, die mal Suizidgedanken hatten/ depressiv waren - und Hilfe gesucht haben(und bekommen haben und die dann auch noch geholfen hat). Nicht zu vergessen sind die, die einen angedeuteten Suizid übertrieben haben.

Beitrag von sonntagsmalerin 25.11.10 - 22:33 Uhr

Nur weil viele sich Hilfe holen können, heißt das für den Rest, dass sie das automatisch auch können müssen?

Das würde bedeuten, dass alle Menschen gleich ticken und auf gleiche Erlebnisse völlig identisch reagieren.

Du denkst zu einseitig, es KANN sich nicht jeder Hilfe holen. Informier dich doch darüber mal. Natürlich holen sich einige Leute Hilfe - Gott sei dank. Aber es gibt eben wie bereits mehrfach geschrieben wurde auch genügend Personen, die es

a) nicht merken, dass etwas schief läuft
b) die unter Kontrollverlust leiden
c) die verdrängt / dissoziiert haben und es gar nicht mehr wissen
usw.

Die holen sich nicht einfach mal so einen Rat ein und bitten um eine Therapie!

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 22:55 Uhr

Nei das heißt es nicht, aber du kannst so sehen, dass die meisten trotz Trauma zwischen gut und böse unterscheidne können und sich Hilfe holen können. Ich wollte dir nur deine ganz persönliche Statistik zeigen.

ZU den Personen abc ist zu sagen, dass diese auch fremdbestimmt Hilfe bekommen können. Und da sind wir dan wieder bei der Opferhilfe. Die ist ja (bei aktuellen)vorhanden. Und darum geht es ja, dass Opfer zu Tätern werden.
Wenn der Teeniemörder aber bei der Supernanny war, hat er bereits Hilfe bekommen. Dann hat die Hilfe nur nichts bewirkt.

Genau diese Hilfe (egal ob für ein Opfer oder einfach nur so krank) habe ich ja im 1. Beitrag gefordert. - Und genau die ist nicht vorhanden.

Beitrag von sonntagsmalerin 25.11.10 - 22:15 Uhr

"Abwehr: fast alle kindlichen Opfer von Missbrauch leugnen oder "vergessen" / dissoziieren ihn zumindest zeitweise. Ich habe unzählige Beispiele von Leuten erlebt, die typische Folgesymptome von Missbrauch und Misshandlung schildern, aber steif und fest behaupten, eine derartige Problematik könne bei ihnen überhaupt nicht vorliegen. Dabei haben sie (wie fast jedermann) große Amnesie-Lücken bezüglich ihrer Kindheit und begehen den logischen Denkfehler, dass man bei Vorhandensein von Gedächtnis-Lücken so etwas niemals nicht Sicherheit ausschließen kann."

http://www.aufrecht.info/utu/verarbeitung.html

Und die, die verdrängt haben, holen sich auch rechtzeitig und vernünftigerweise Hilfe, oder wie?

Beitrag von king.with.deckchair 25.11.10 - 22:19 Uhr

"Wie ist es dann zu erklären, dass alle Personen,die ich kenne, die depressiv oder shizophren sind sich Hilfe holen konnten?"

Du lügst. Denn ich denke, du kennst keinen einzigen solchen Menschen.

Meine Mutter hatte Psychosen aus dem schizoiden Formenkreis und war in ihren akuten schizophrenen Phasen nicht in der Lage, sich Hilfe zu holen. Was im Übrignen - siehe oben - ein KrankheitsSYMPTOM ist! Wie oft muss man es dir eigentlich erklären?!

Die Dinge, die du schreibst, sind an Uninformiertheit nicht mehr zu überbieten. Einfach nur noch ärgerlich sind deine Posts!

Beitrag von ippilala 25.11.10 - 22:46 Uhr

Meine Schwester leidet seit über 3 Jahren unter paranoider Shizophrenie, sie konnte sich Hilfe holen (geschlossene Psychatrie, offene, Tagesklinik usw). Ein Schulfreund ist stark depressiv und war letztes Jahr ziemlich lange in der offenen Psychatrie. Die Cousine meines Vaters ist stark depressiv und jetzt bis zur Rente krankgeschrieben. Als ich 14 war ist eine Bekannte (auch 14) vor die Bahn gehopst, das war so nicht ganz gewollt - die war auch depressiv, war aber zuvor in Behandlung. UND oh Wunder - alles haben sich selbst Hilfe geholt, wisen/wussten, dass sie nicht ganz normal sind.

Dazu kommen all jene, die sich zumindest in Form von Gesprächen mit mir Hilfe geholt haben und die ich auch depressiv bezeichnen würde - die zumindest wussten, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

Ich weiß nicht inwieweit die Mädchen depressiv waren, die vergewaltigt wurden. Aber alle haben sich Hilfe geholt (eine hat sogar angezeigt!). Also alle von denen ich weiß, dass die vergewaltigt wurden, da liegt ja sicher bei vielen einiges im Verborgenen.

Wieso meinst du ich lüge? Meinst du die ganzen Leute, die in Behandlung sind, wurden von Verwandten dorthin gezerrt und eingewiesen?

Geh doch einfach mal zu einer Tagesklinik und rede mit den Leuten und frage sie, wer alles selbst Hilfe gesucht hat.

Die wenigsten sind wie deine Mutter.

Beitrag von mansojo 25.11.10 - 23:02 Uhr

und deine schwester hat ganz allein für sich erkannt das etwas nicht stimmt?


oder hat vielleicht ihr aufmerksammes familiäres umfeld was gemerkt?

Beitrag von ippilala 26.11.10 - 00:46 Uhr

Sie ist zusammengebrochen und hat sich dann einweisen lassen.

Vorher war nichts, zumindest nichts auffälliges.
Die Ursache bestand schon längere Zeit, ist an sich aber soweit auch nicht tragisch. Die Zeit zwischen dem Auslöser und dem Zusammenbruch war aber sehr kurz. Wir hatten also nicht wirklich eine Möglichkeit etwas zu bemerken oder sie darauf hinzuweisen, dass da etwas nicht stimmt.


Mir sind noch 2 weitere Personen eingefallen, die sich selbst geholfen haben bzw. Hilfe gesucht haben. Der eine ist ein ehemalier Parteikolege, der fühlte sich selbst nicht mehr wohl und ist zur Psychologin - Depressionen, aber nur leichte und irgendeine narzistische Persönlichkeitsstörung. Und mit der 2. bin ich entfert verwandt (ich glaube dafür gibt es keinen Namen mehr), die hat ihre Ausbildung abgebrochen, sich einweisen lassen und ist seitdem krank geschrieben (über 1Jahr jetz). Wobei ich bei ihr nicht genau weiß, ob sie nun Depressionen hat oder sonst eine Störung.

Im Übrigen wäre es egal, ob der Impuls von der Familie kommt oder ganz allein aus dem Inneren des Betroffenen, Solange Hilfe gesucht/gefunden wird. Problematisch ist es ja erst, wenn ma nichts erkennt, dass etwas nicht stimmt UND wenn das niemand anderes bemerkt oder man allen anderen nicht glaubt. - So einen Fall habe ich bisher aber noch nicht erlebt.

Alle die ansatzweise längerfristig misslaunt waren (ich mag mir nun nicht das Recht herausnehmen Diagnosen in Richtung Depression zu stellen), haben sich geöffnet - Freunden,Verwandten, im Internet ...irgendwo.
Ich habe es aber NIE erlebt, dass sich irgendwer, der auch nur den Hauch einer Depression ausstrahlte, solange verschlossen hat, bis es im Suizid oder in nicht autoaggressiven Gewalttaten endete.

Beitrag von sonntagsmalerin 26.11.10 - 07:41 Uhr

"Ich habe es aber NIE erlebt, dass sich irgendwer, der auch nur den Hauch einer Depression ausstrahlte, solange verschlossen hat, bis es im Suizid oder in nicht autoaggressiven Gewalttaten endete."

Das ist schön und ich freue mich für dich, dass du das nicht miterleben musstest. Das schließt aber nicht aus, dass es eben (genügend) solcher Fälle gibt.

Beitrag von ippilala 26.11.10 - 14:59 Uhr

Was heißt denn genügend?...Wie erwähnt will ich damit ausdrücken, dass es weit weniger von denen gib, die sich Hilfe suchen, als solche die einfach nichts tun.

Beitrag von mansojo 26.11.10 - 08:09 Uhr

ich hab schon ganz viele patienten gehabt deren depressionen im suizid endeten

die meißten hatten kein aufmerksames familiäres umfeld

Beitrag von ippilala 26.11.10 - 15:12 Uhr

Und wieviele Depressive kennst du, die sich nicht umgebracht haben?

Was ist denn dein beruf? Wenn du mit Depressiven zu tun hast, siehst du ja wieviele sich helfen lassen bzw helfen ließen. Dass diese Hilfe nicht immer eine Wirkung hat habe ich auch gesagt und auch ein Beispiel gebracht.

Beitrag von mansojo 26.11.10 - 21:23 Uhr

nun der suizidversuch ist allzuoft der erste hilfeschrei


und ja ich hab zu genüge damit zu tun
zu genüge