Ist unsere Maus mehr als nur quirlig?

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von analir 25.11.10 - 21:57 Uhr

Hallo,

wir haben 3 wundervolle Kinder, als jüngstes Töchterchen Lena. Sie ist schon zu Kindergartenzeiten quirlig gewesen, sehr wissbegierig und pfiffig. Sie hat eine sehr ausgeprägte Phantasie und redet ohne Punkt und Komma.

Jetzt im September wurde sie mit 6 Jahren eingeschult. Gestern waren wir zum Gespräch bei ihrer Lehrerin. Diese hatte sich das Gespräch erbeten und ich bin nun verunsichert.

Lena kann alles, was den schulischen Stoff anbelangt. Sie liest schon sehr gut, auch Worte mit noch nicht gelernten Buchstaben. Sie gilt ansich als aufgewecktes, liebes Mädel.... aber...

Lena ist ein Chaot, mit sich, ihren Sachen. Sie macht selten was sie soll, lässt sich total schnell ablenken. Kann nicht bei der Sache bleiben. Sie stört nicht den Unterricht, schafft aber oft aufgrund der Unkonzentriertheit das Pensum nicht. Sie ist liederlich mit ihren Heften, der Schrift. Sie verbummelt fast täglich was, vergisst viele Dinge.

Es wurde noch einige Dinge genannt und dann der Satz "haben sie mal daran gedacht, Lena auf Adhs testen zu lassen?"

Ich meine, ja Lena ist - wenn man die Tests und Fragebögen im Inet liest - auffällig, aber ich würde sie nicht als krank bezeichnen, eher eben als quirlig. Für uns ist sie zwar anstrengender als unsere anderen Beiden, aber nicht so schlimm. Versteht ihr was ich meine?

Nun bin ich eben ratlos. Was würdet ihr tun? Doch zum KiA und testen lassen? Ich denke schon, dass sie Konzentrationsprobleme hat, aber worin unterscheidet sich das von Adhs? Und was können wir dagegen tun? Und mir noch wichtiger - sind wir schuld an Lenas Problemen?

Wäre lieb, wenn ihr mir mit Tips und Erfahrungen weiterhelfen könntet. Und auch so, danke, dass ich es hier mal rauslassen kann.

GLG R.

Beitrag von mimi1410 25.11.10 - 23:00 Uhr

Hi,
sei nicht geschockt durch die Frage der Lehrerin deiner Tochter - sicherlich will sie euch und eurer Lena nur helfen!
Ich denke, ich würde das Gespräch mit dem Kinderarzt suchen, es schadet ja nicht. Vielleicht ist es irgendein Mangel (Eisen?) oder eine Blockade, was auch immer ...
ihr kennt ja eure Tochter als quirlig und lebendig, die Lehrerin erlebt sie als - so hab´ich das verstanden - unstrukturiert und sich selbst im Weg stehend. Und sollte man ihr hier das Leben einfacher machen können, warum nicht?

LG und alles Gute MImi

Beitrag von analir 26.11.10 - 07:00 Uhr

Guten Morgen,

aber ja, auch wir wollen es Lena einfacher machen. So ist uns ja bewusst, dass sie Probleme hat innerlich zur Ruhe zu kommen und auch Feinmotorik-Probleme hat. Daher geht sie in der Nachmittagsbetreuung zur Feinmotorik-AG und zum Yoga.

Ich werde heute mal einen Kinderarzttermin vereinbaren. Hoffe aber dass Lena nicht vorschnell in irgendeine Schublade gesteckt wird.

LG R.

Beitrag von manavgat 26.11.10 - 17:12 Uhr

wenn Mädchen nicht lieb, angepasst und verhuscht sind, dann sind sie "auffällig"...

Ich würde mal hinterfragen, was die Lehrerin für ein Rollenverständnis hat.

Gruß

Manavgat

Beitrag von knutschka 26.11.10 - 08:08 Uhr

Hallo,

die gleichen Anfangsschwierigkeiten hatte meine Nichte auch. Zum Halbjahr hin lief sie Gefahr, das Klassenziel nicht zu erreichen... Allerdings hatte sie das Glück, eine engagierte Lehrerin zu haben. Diese kümmerte sich darum, dass sie unter anderem kleinere Arbeitshefte bekam, auf den Seiten also nicht so viel drauf war und sie nicht so viel hatte, das sie ablenken konnte... Mittlerweile ist sie richtig in der Schule angekommen und hat auch keine Probleme in dieser Art mehr.

Allein wegen der leichten Ablenkbarkeit würde ich nicht auf ADHS testen lassen. Ich bin da eh vorsichtig, weil ich der Meinung bin, dass viele Kinder den AD(H)S-Stempel zu unrecht tragen, aber das ist eine andere Geschichte.

Eure Lehrerin wird gemerkt haben, dass eure Tochter anders als die anderen Kinder ist und da ist heutzutage anscheinend eine AD(H)S-Testung das Mittel der Wahl. Allerdings würde euch selbst ein positiver Test nicht so viel weiter bringen, denn sie würde sicherlich nicht gleich medikamentös eingestellt werden und also auch mit positivem Test genauso bleiben.

Fragt doch mal die Lehrerin, was sie anders machen würde, wenn eine Aufmersamkeitsstörung diagnostiziert wäre und fragt gleichzeitig, ob sie das nicht auch jetzt schon versuchen könnte.

Solange deine Tochter die Klasse nicht stört und selbst gut mitkommt, würde ich an das Geschick der Lehrerin appellieren (auch wenn sie es mit den sehr großen Klassen von heute damit sicherlich nicht leicht hat).

LG Berna

Beitrag von marion2 26.11.10 - 09:48 Uhr

Hallo,

deine Tochter ist ein ganz normales Kind.

Sie funktioniert leider nicht wunschgemäß. Also braucht die Lehrerin eine Diagnose - dann liegt das Problem bei Lena und nicht bei ihr.

Was ist so schlimm daran, ein paar Erstklässler an ihre Aufgaben zu erinnern?

Mit einer Diagnose würde sich dein Kind nicht verändern, es sei denn, du wärst bereit ihr Ritalin & Co zu verabreichen. Ich persönlich bin der Meinung, dass das Zeug heute viel zu früh verschrieben wird. Immer dann, wenn Kinder nicht wunschgemäß funktionieren. Es fängt immer so an, wie bei euch. Man verunsichert die Eltern, die machen dann irgendwann Druck beim Kinderarzt und am Ende schluckt so ein kleines Würmchen Tabletten, die unter Umständen zu Herzerkrankungen und ähnlichem führen.

Gruß Marion

Beitrag von celia791 26.11.10 - 15:05 Uhr

Hallo,

schau mal hier:
http://www.amazon.de/M%C3%A4rchen-ADHS-Kind-Moeglichkeiten-Verhalten-verbessern/dp/3873874946

Ich finde, dass das ein sehr schönes Buch ist, dass das Thema sehr schön beschreibt und welches auch aufzeigt, dass es eine Modeerscheinung ist.
Unsere Grosse Tochter (wird im Dez. 6) ist auch ein aufgewecktes Mädchen, sehr phantasievoll, redet auch sehr viel. War als Baby ein Schreikind und als Kleinkind megaanstrengend.
Wir sind damals, als sie 3 Jahre alt war, zu einem Kinderpsychiater gegangen, da sie immer wieder extreme Wutanfälle und Schreiattacken bekam. Der Kindergarten sagte uns, dass sie unkonzentriert wäre.

Dieser Arzt hat uns gesagt, dass die Ursache für das Verhalten nicht an unserer Tochter liegt, sondern an uns. Dass sie ein Schreibaby war, hatte die Ursache, dass sie sich den Nacken bei der Geburt verrenkt hatte und es erst mit 3 Monaten erkannt und behandelt wurde. Wir sind durch die Schreierei meganervös gewesen und sind natürlich sofort auf jedes Schreien eingegangen. Sie hatte nun gelernt, dass sie sofort alles bekommt, wenn sie schreit oder dass sie Aufmerksamkeit bekommt, wenn sie Quatsch macht.
Er hat uns gesagt, dass es die Krankheit AD(H)S nur ganz selten gibt. Es ist wohl eine Art Stoffwechselstörung. Aber so häufig, wie es heute diagnostiziert wird, gibt es das nicht.
Er sagte auch, dass Einstein und Beethoven dann auch ADHS hätten haben müssen. Sie waren auch konfus und quirlig. Man soll Kinder nicht gleich in eine Schublade stecken, nur weil sie nicht in das Weltbild passen.

Ihr solltet vielleicht überdenken, ob ihr an der Erziehung noch etwas feilen könnt. Z.b., ob sie einen geregelteren Alltag braucht, als Eure älteren Kinder. Oder ob sie vielleicht als 3. Kind eine andere Aufmerksamkeit bekommt, als die Grossen (ist natürlich als Aussenstehender schwer zu beurteilen, kann ja auch sein, dass alles ok ist).
Dabei könnte Euch vielleicht tatsächlich ein guter Psychologe/Psychiater helfen. Allerdings würde ich nur zu jemandem gehen, der nicht auf das Modephänomen ADHS abfährt.

Wir haben damals zusammen mit ihm ein Konzept für uns erarbeitet und unsere Tochter ist dadurch ganz anders geworden. Wichtig bei uns ist, dass wir sie immer mit ihrem Namen ansprechen und erst dann weiterreden, wenn sie Blickkontakt hält. Und das in JEDER Situation. Auch wenn es nur mal heisst "Gib mir doch mal schnell die Schere" o.ä.
Ansonsten klare Tagesstrukturen, also ihr z.B. beim Anziehen "beistehen", wenn es nicht vorwärts geht, eingreifen und sie daran erinnern, dass sie jetzt das nächste machen soll. Sie immer wieder von ihren eigenen Ablenkungen zurückholen.
Macht man das 2 Jahre lang, dann haben Kinder diese Abläufe drin und verzetteln sich zumindest dabei nicht mehr.

Sie ist nun ein phantasievolles, aufgewecktes Mädchen, sie kann sich lange und konzentriert mit Basteln, Spielen, Malen beschäftigen. Auch auf Puzzles oder Spiele kann sie sich konzentrieren. Im Kindergarten ist das auch sehr gut geworden, nur in grossen Gruppen, wenn viel Lärm gemacht wird, lässt sie sich ab und zu ablenken.

Ansonsten: Viel Sport!!! Das sorgt für Ausgleich. Klassische Musik, aber ruhige Musik im Hintergrund laufen lassen, hilft auch sehr. Man kann sogar eine Musik gemeinsam mit dem Kind heraussuchen, die es ruhig macht und diese dann z.B. als Hintergrund bei den Hausaufgaben laufen lassen.

Liebe Grüsse, Celia.