Spiegelartikel über Angehörige von Tätern, die vergessenen Opfer

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Beitrag von landmaus 26.11.10 - 09:30 Uhr

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-50828217.html

Find dich damit ab, er war es
Von Dahlkamp, Jürgen

Ein Lehrling tötet ein Mädchen aus demselben Dorf, ein Marinesoldat seine beste Kameradin, ein Frührentner eine junge Frau: Nicht nur für die Hinterbliebenen, auch für die Angehörigen der Täter bricht danach alles zusammen. Sie sind die vergessenen Opfer der Tat. Von Jürgen Dahlkamp

***

Beitrag von colle 26.11.10 - 09:36 Uhr

na wenn das mal nicht eingekürzt wird#augen

Beitrag von landmaus 26.11.10 - 09:50 Uhr

Nur für Dich:

http://www.youtube.com/watch?v=rQbwolMvIL8

:-p

Beitrag von pupsismum 26.11.10 - 09:43 Uhr

Diese Thematik habe ich vor geraumer Zeit schon mal in einer anderen Diskussion angesprochen.

Keine der keifenden Hyänen hat es wirklich interessiert. Frei nach dem Motto, wäre halt Pech für die betroffene Familie.

Opferschutz wird hier ganz groß geschrieben. Das diejenigen auch dazugehören, will allerdings keiner von ihnen begreifen/zugeben (oder kann es nicht).

Manchmal frage ich mich, was für ein widerliches, falsches und selbstherrliches Miteinander manche von uns eigentlich leben.

Gruß
p

Beitrag von pupsismum 26.11.10 - 09:47 Uhr

Sorry, selbstgerecht meinte ich natürlich.

Beitrag von purpur100 26.11.10 - 09:53 Uhr

auch hier, wie bei sehr vielen Themen:
Es wird nicht drüber nachgedacht, weil es einen ja nicht betrifft #aha

Beitrag von pupsismum 26.11.10 - 10:03 Uhr

So traurig das ist, aber ich glaube es wird nicht darüber nachgedacht, weil es einfach nicht interessiert. Die Familie des Täters wird genauso wert- und rechtelos betrachtet, wie der Täter selber.

Man stelle sich das mal vor, da finden erwachsene Menschen es völlig in Ordnung, wenn Kinder - oder auch die Ehefrauen, Eltern - von anderen (egal ob Erwachsene oder auch Kinder) aufs übelste beleidigt werden, bespuckt werden, sie verhöhnt werden, sie ausgeschlossen werden oder ihr Eigentum beschädigt wird.

Mich macht eine Toleranz der "Bestrafung" für jemanden der nur auf Grund seiner Familienzusammengehörigkeit beteiligt ist einfach fassungslos.

Beitrag von purpur100 26.11.10 - 10:15 Uhr

gibts doch so ein olles Sprichwort:
Mitgefangen, mitgehangen.
Obs daran liegt?

Beitrag von pupsismum 26.11.10 - 10:45 Uhr

Ja, für manche ist das Leben sicherlich so einfach. Traurig genug.

Beitrag von holy_cow 26.11.10 - 15:07 Uhr

Hola,

bei diesem Artikel kommt mir die Galle hoch und der Blutdruck steigt. Grottenschlecht dieser Artikel.
Die armen Taeterfamilie die damit nicht klar kommen und in der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie Frau Kampusch als Opfer hier im Forum so was von in den Dreck gezogen wurde, weil sie sich nicht wie ein Opfer verhaelt oder verhalten hat. Da wurde sogar wild spekuliert, ob sie es nicht sogar noch toll gefunden und letztendlich ja auch ein Haus bekommen hat.

Sorry, ich bin Opferfamilie und da wird genauso hinter dem Ruecken getuschelt und manch einer kommt damit nicht klar und zieht sich zurueck.
Die Familie bleibt meist sprachlos und oftmals zerbrechen Ehen an dem Leid.
Trost gibt es auch fuer die Opfer keine und sie werden genauso ausgrenzt, eben anders aber genauso schmerzvoll.
Meine Familie wurde sogar bedroht von der Familie des Taeters / in und vom Telefonterror moechte ich erst gar nicht anfangen. Schlaflose Naechte und Schuldgefuehle. Die Liste ist mindestens genauso lang wenn nicht so gar laenger.
Ich habe in den letzten 3 Jahren alle Ersparnisse verloren. Der Opferschutz besteht aus keinen finanziellen Mitteln und einen normalen Job kann ich seit her auch nicht mehr machen. Beim Psychologischen Dienst ist die Liste so lang, dass man besser beraten ist, sich private Hilfe zu suchen, die allerdings selber bezahlt werden muss. Den Taterfamilien steht das genau auch offen.
Die Narben werden auf ewig bleiben, ich glaube kaum dass ich jemals vergessen kann und moechte auch nicht mit Taterfamilien verglichen werden.
Ich habe nicht erlebt, dass hier Taterfamilien so behandelt wurden und ich denke hinter den Beschreibungen ist eine Menge uebertrieben.
Die Taeter werden in den Zeitungen nicht mal mehr gezeigt oder mit vollem Namen benannt. Die Taeterfamilien muessen nicht bei der Verhandlung dabei sein und sich ins oeffentliche Licht stellen.
Nenne mir bitte einen Namen der Maenner, die jetzt wegen Kinderporno und Missbrauch ( zu ganz geringe Strafen ) verurteilt wurden oder wo die Familien dieser Schweine wohnen.

Sicher kann da was durchsickern, aber das die Menschen dann zu der Wohnung der Taeterfamilie pilgern und Fenster einschmeissen oder die Waende beschmieren, glaube ich nicht, bezw. denke das ist aeusserst selten. Zumindest habe ich in den 33 Jahren die ich in Deutschland gelebt habe, nicht einmal so was gehoert oder gelesen.
( Aussnahme als Eltern sich zusammen gerottet haben, da ein Kinderschaender in ihre Naehe wohnt )

Saludos





Beitrag von landmaus 26.11.10 - 09:56 Uhr

Ich persönlich glaube, dass es vielfach die Angst davor ist, sich mit dem thema wirklich auseinander zu setzen. Viele Menschen brauchen eine ganz strikte Abgrenzung von den Tätern, um ihr eigenes Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen. Wenn man einräumt, dass manche Entwicklungen unvorhersehbar sind und man vielleicht unter den "richtigen" Umständen selbst nicht davor gefeit wäre, das "Falsche" zu tun, rückt das Undenkbare halt näher.

Beitrag von pupsismum 26.11.10 - 10:44 Uhr

Ich weiß es nicht, ob es wirklich darum geht, nicht "das Falsche" zu tun oder ob einfach ausgeblendet wird, was an der umfassenden Verurteilung des Täters und seines Umfeldes schlicht unzutreffend und ungerecht ist und wie schnell man selbst in diese Situation kommen kann.

Bei vielen Antworten hier denke ich mir immer wieder: "Meine Güte, habt ihr eigentlich mal bis zu Ende gedacht, was eure Aussage in letzter Konsequenz bedeutet? Welche Folgen das für euch persönlich oder eure Familie haben könnte?"

Scheinbar haben viele Menschen wenig Lust, sich wirklich umfassend Gedanken zu machen und verleihen lieber ihrer ersten Wut Ausdruck, ohne zu bedenken, dass das oft unausgegorener Quark ist.

Aber was will man von Menschen erwarten, die obendrein häufig noch nicht mal in der Lage sind, zwischen Erklärung und Entschuldigung zu unterscheiden?

Beitrag von fifi4president 26.11.10 - 11:06 Uhr

Hallo,

zu diesem Thema gibt es einen Roman, der mich sehr bewegt hat:

"Wir müssen über Kevin reden" von Lionel Shriver

Geschrieben aus Sicht der Mutter eines Jugendlichen der mehrere Mitschüler erschossen hat.
Hat mich sehr nachdenklich gestimmt.

LG,
fifi