Sechsjähriger ist wie ein Schatten

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von textzauber 26.11.10 - 19:23 Uhr

Guten Abend,

ich habe eine Frage, die mich gerade echt zur Verzweiflung bringt. Mein sechsjähriger Sohn (der im Sommer mit der Schule begonnen hat), will von einem auf den anderen Tag nicht mehr alleine sein, wenn er und ich in der gleichen Umgebung sind.

Er geht mir in jeden Raum hinterher, sogar auf die Toilette, schläft nicht mehr alleine in seinem Bett (auch nicht in unserem) und gerät in Panik, wenn ich an der Tankstelle bezahle und ihn (auf Sichtweite) im Auto lasse. Dunkelheit geht garnicht.

Ich habe natürlich versucht, herauszufinden, was los ist. Er antwortet nur: Ich habe Angst, dass DU weggehst und nicht wiederkommst.

Dazu muss man sagen: In unserer Familie ist nichts passiert, womit sich das erklären lassen könnte. Auch im Umfeld habe ich ich mal umgehört und nichts erfahren. Er ist an der Schule beliebt, ist eher zu weit für die 1. Klasse als dass er nicht mitkommen würde und mein Mann ist öfter daheim als früher.

Was kann das bloß sein? Ich weiß, dass ich cool bleiben sollte, aber ich gehe daran kapputt, keine Minute für mich zu haben. Das geht jetzt seit 3 Wochen so. Alle sind dementsprechend müde und ausgelaugt.

Tipps wären supertoll!

Danke und Gruß, Simone

Beitrag von zahnweh 26.11.10 - 21:13 Uhr

Hallo,

hat die Mutter eines/r Klassenkameraden/in die Familie verlassen, ist ausgezogen?
Haben sie eine Geschichte gelesen, die ihn emotional mitnimmt?
Haben andere Schüler im gedroht: "wenn du uns nicht dein Essen gibst, verpfeifen wir dich und deine Mutter wird so sauer sein, dass sie weggeht"?
(leider nicht unrealistisch)

Lass ihn noch eine Weile gewähren. Gestehe ihm offiziell die Zeit bis Silvester zu, dass er bis dahin auf jedenfalls (also auch innerlich) bei euch schlafen darf. Er muss jetzt offensichtlich Sicherheit aufsaugen!
Gehe aber weiter den Ursachen auf den Grund. Finde es gut, dass du da schon angefangen hast!

Gibt es eine Patentante oder eine andere Vertrauensperson, der er vllt mehr erzählen würde? vllt hat er ja auch Angst DIR was zu erzählen, eben weil ih gedroht wurde, dass du ihn dann verlassen würdest?

Oder irgendwas anderes, was ihn bedrückt!

Oft ist es bei Kindern auch ein Missverständnis. Ein ausgestoßener Fluch (eine Freundin fluchte mal vor sich hin, sie würde sich gerne in Luft auflösen. Sehr leise und aus purer Verzweiflung eines sehr anstrengenden Tages. Ihr 4jähriger klebte erst mal nur noch an ihr, bis sie durch Zufall herauskitzelte, dass er das wörtlich genommen hatte). Ein 6jähriger ist da zwar sprachlich weiter, kennt auch Redewendungen, aber Ironie oder ähnliches verstehen viele noch nicht und nehmen es ernst. Emotional vor allem.

Möglichkeiten gibt es noch zahlreiche mehr.
Daher viel Kraft bei der Ursachenforschung und genug Platz im Bett, dass er sich die Sicherheit holen kann, die er zur Zeit offensichtlich braucht.

Beitrag von xxtanja18xx 27.11.10 - 10:53 Uhr

Wenn Du/Ihr überhaupt nicht weiter kommt, lass Ihn mal mit einem Psychologen sprechen. Das wirkt Wunder...Du musst ja keine Therapie machen, aber mal ein paar gespräche...Mein Großer ist auch bei einem (Allerdings wegen ADS) Aber er Spricht so anderester mit dem Großen, das ich dann die Sich von meinem Sohn erst verstanden habe.

Lg Tanja

Beitrag von blackcelebration 04.12.10 - 11:02 Uhr

Hallo Simone,

darf ich mal fragen, wie Dein Sohn sonst so ist?

Gehört er eher zu den "aufgedrehten" Kindern oder eher zu denen, die immer ein klein wenig vor sich hinträumen und evtl. auch trödel usw?


Beitrag von textzauber 06.12.10 - 15:06 Uhr


Er ist eigentlich ein sehr ruhiges, angenehmes Kind, das kaum aus der Reihe fällt, nicht aufgedreht ist usw.

Beitrag von blackcelebration 06.12.10 - 19:02 Uhr

Ich habe gefragt, weil es eine ADS-Form gibt, bei der sogenannte "Träumerchen" genau die Anzeichen haben, die Du beschrieben hast.
Erschreck bitte nicht, denn das ist eigentlich überhaupt nichts Schlimmes, bedarf keiner Medikation etc, sondern erfordert einfach nur eine ander Herangehensweise der Eltern. Genau kann ich das natürlich nicht beurteilen, aber für mich klingt es ein wenig danach.
Hab gerade eine Broschüre darüber im Haus und daher ist es sehr aktuell.

Falls Du Fragen hast......

LG b.

Beitrag von manavgat 04.12.10 - 16:22 Uhr

Ich würde eine Kinderpsychologin um Rat fragen. Einfach, damit Du nichts übersiehst.

Für mich hört sich das nach Trauma an.

Gruß

Manavgat

Beitrag von gluecksengel 06.12.10 - 10:30 Uhr

Hallo Simone,

ich dachte zuerst Du schreibst über meinen Sohn, auch gerade 6 Jahre, im August eingeschult. Geht mir genauso nur ist unser Zustand das er an mir klebt schon seit Ende Oktober, nach den Herbstferien fing alles an. Leider ist es bei uns so extrem das er den Schritt in die Schule auch nicht mehr alleine schafft. Trennungsangst!!! In diesem Alter durchleben die Kinder die Phase nochmals und manche leider ganz schlimm #heul.
Ich kenne Deine Situation, mal Ruhe, Zeit für sich, lass Dich drücken.
Wir haben einen Kinderpsychologen zu rate gezogen. Am besten rede erst einmal mit Deiner Kinderärztin und warte, die meisten Kinder reden nach einiger Zeit, achte auf jedes Zeichen von Deinem kleinen, Du wirst dahinter kommen.

Gruss
gluecksengel

Beitrag von textzauber 06.12.10 - 15:11 Uhr

Danke für Eure vielen Antworten.

Um ehrlich zu sein: Ich tue mich schwer, mit ihm zu einem Psychologen zu gehen. Wir haben einen Sohn daheim, der entwicklungsgestört ist und leichten Autismus hat und wir haben schon eh viel Rennerei mit ihm.

Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich das Ganze von alleine legt, da ja nichts vorlgefallen ist. Was ich in den letzten Tagen mitbekommen habe. Er beschäftigt sich ganz viel mit dem Tod, zum Beispiel hat er gestern gesagt:

"Ich wäre gerne noch ein Baby, dann lebe ich länger...." Hat mich ganz schön traurig gemacht. Ansonsten gibt es nichts, was vorgefallen ist.

Deswegen denke ich auch nicht, dass es eine ARt Trauma ist, es sei denn, es wäre etwas, das ich nicht mitbekomme....in Schule oder so...