Ratlos-Vater wirr im Kopf, KH keine Reaktion

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von hymira 26.11.10 - 20:43 Uhr

Hallo,
weiß nicht, ob ich hier so ganz richtig bin. Muss aber mal einiges loswerden. Gestern bekommt mein Mann einen Anruf von den Mietern meines Vaters. Mein Vater lebt alleine, nachdem sich meine Mutter vor ca. 3 Jahren von ihm getrennt hat. Muss dazu auch sagen, dass er Alkohliker ist, es sich aber nicht eingesteht, bzw. das ganze verharmlost. Der Mieter meinte am Telefon, es möchte doch jemand vorbei kommen der Entscheidungen treffen könnte. Mein Mann dann nachmittags erst mal rüber gefahren und geschaut was Sache ist.
Mein Vater stand völlig neben sich. War nicht betrunken, hat total wirres Zeug erzählt, was absolut nicht real ist. Er hat keinen von uns wieder erkannt. Hat sich dann eine brennede Zigarette in die Hemdtasche gesteckt usw. Mit meinem Mann wollte er nicht mitfahren zum Arzt. Nach einem Gespräch mit meinem Onkel der zufällig auch Suchtberater ist, ist mein Mann zum Hausarzt gefahren, hat ihm die Sache geschildert und er möchte doch unbedint vorbei schauen.
Am Abend kam der Arzt dann auch, da mein Vater aber nicht freiwillig mit wollte ins KH, sagte dieser er könne nichts machen. Nach einigem Hin und Her kam dann ein Wagen von einer Nerven- und Suchtklinik vorbei. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt der Meinung er müsste zur Arbeit. Also haben wir gesagt, na komm zieh dich an, dann fahren wir jetzt zur Arbeit. Und er ist ohne Murren mit zur Nervenklinik gefahren, das war so gegen 21 Uhr.
Heute Mittag ist meine Schwester mit meinem Onkel (der Suchtberater, der auch in dieser Klinik ein und aus geht) hingefahren um zu schauen, wie Stand der Dinge ist. Um es kurz zu halten, erst wollte ihnen niemand Auskunft geben und letztendlich haben Sie dann erfahren, dass er gar nicht mehr in dieser Klinik ist, sondern noch in der gleichen Nacht in ein "normales" Krankenhaus verlegt worden ist. Da er auch noch eine verschleppte Erkältung/Bronchitis hat, wollten die wohl das Risiko einer anderen Krankheit umgehen. Was ich aber unmöglich finde, obwohl die alle Daten Telefonnummer usw. hatten, haben die es nicht mal für nötig gehalten uns über die Verlegung zu informieren.

Ja und in dem normalen Krankenhaus liegt er momentan noch auf Intensivstation. Dort konnten Sie aber nichts weiter finden. Und ich weiß jetzt schon ganz genau, wenn er auf eine normale Station verlegt wird, läßt er sich auf eigene Verantwortung entlassen. Nach seiner Aussage heute war er auch letzte Nacht nicht in dieser Nervenklinik, sondern er hat uns einen ganz anderen Ort genannt.

Ich weiß echt nicht, was wir noch tun sollen. Meine Schwester und ich wollen morgen früh gleich ins KH und mit einem Arzt reden und ihm noch mal das ganze Sachverhalten schildern. Wir können meinen Vater doch absolut nicht alleine lassen. Wir haben aber auch keine Möglichkeit uns 24 Std. rund um die Uhr bei ihm zu sein. Selbst bei einer Std. pro Tag wird es schon schwierig. Aber wenn er sich nicht helfen lassen möchte, können wir doch auch nichts machen.

Ach das ist alles so eine sch... Situation! Sorry für den langen Text. Aber das musste alles mal raus.

Hymira

Beitrag von jeanie25 26.11.10 - 21:04 Uhr

Hallo,

das hört sich ganz nach Korsakow Syndrom an.

Ich würde mich mal Informieren ob es die möglichkeit einer Zwangseinweisung in eurem Fall gibt.

Wenn der werwirrte Zusatand deines Vaters weiter anhält solltet ihr auch mit dem Sozialdienst des Krankenhauses sprechen und ein Verfahren zwecks Betreuung in die Wege leiten.

Ich wünsch euch alles gute, ist eine wirkliche schwierige Situation.

LG

Beitrag von ma2004 27.11.10 - 06:05 Uhr

Hallo!

Bei meinem Vater ist es ähnlich.

Er ist auf Grund seines Alters verwirrt.

Ich kann Euch auch nur raten, Euch an den Sozialdienst des Krankenhauses zu wenden.

Die haben uns sehr geholfen.

Wahrscheinlich wird ein Betreuer beauftragt.

Alles Gute für Euch

Gruß

Susanne

Beitrag von .roter.kussmund 27.11.10 - 11:26 Uhr

"War nicht betrunken, hat total wirres Zeug erzählt, was absolut nicht real ist. Er hat keinen von uns wieder erkannt."
die ursache für diesen "ausfall" wird der alkoholentzug gewesen sein.

"Die häufigste Ursache des Deliriums bei Alkoholismus ist der Alkoholentzug. Man spricht dann von einem Alkoholentzugsdelirium: Delirium tremens. ..."
http://de.wikipedia.org/wiki/Delirium

wenn dein vater seine alkoholsucht nicht bekämpft, wird er nicht mehr allzulange zu leben haben.

Beitrag von dharma8 27.11.10 - 12:14 Uhr

Hallo!
Ich hab mal von einer ähnlichen Situation gehört (von meinem Mann). Ein Bekannter von ihm trank auch und redete irgendwann sehr wirr. Grund: Er hatte Krampfadern in der Speiseröhre, die irgendwann geplatz sind und nun verblutete er quasi innerlich. Der Blutverlust sorge für eine Unterfkt im Hirn. Die Ursache wurde dann in der Klinik gefunden und behoben und das wirre Reden hatte ein Ende.
Ich hoffe, bei euch tritt bald Besserung ein!

LG

Beitrag von seluna 28.11.10 - 13:54 Uhr

Mir fallen drei Stichworte ein
Demenz, Korsakow Syndrom (alkohol demenz) und zu hoher Blutdruck.

Wenn er sich eine brennende Zigarette ins Hemd steckt, ist das ja selbstgefährdend.
Habt ihr das mal angesprochen?
Wenn er eine Gefahr für sich und andere darstellt, kann man ihn auch zwangseinweisen.

Lasst euch nicht abweisen, besteht zur not darauf.

Beitrag von hymira 28.11.10 - 17:14 Uhr

Hallo,

erst einmal lieben Dank für Eure Antworten. Wir (meine Schwester und ich) waren ja am Samstag im KH. Natürlich war nur ein Notarzt da, der meinen Vater gar nicht kannte, der behandelnde Arzt ist erst Montag wieder da.
Hatten aber ein längeres Gespräch mit der Krankenschwester. Sie sagte er ist aus der Nervenklinik zu Ihnen gekommen, wegen seiner "gesundheitlichen" Probleme - hatte wohl in der Nacht in der Nevenklinik Atemnot. Wir wußten, dass er erkältet war, aber er ließ sich ja durch uns, aufgrund des Alkohls, nicht helfen. Ist ja auch nie alleine zum Arzt gegangen. Na ja, hat wohl auch, neben der Kopfsache, eine Lungenentzündung. Jedenfalls konnte uns die Schwester in soweit beruhigen, dass er aus der Nervenklinik dorthin überwiesen wurde, und er anschließend wohl auch dorthin wieder "entlassen" wird, da deren Behandlung ja noch gar nicht beendet wurde, bzw. eigentlich hat sie dort noch gar nicht angefangen. Ich kann es nur hoffen, dass es so abläuft, denn alles andere wäre ein Alptraum.

Als wir gestern da waren, hat er tief und fest geschlafen. Und heute ist meine Schwester hin, da warte ich noch auf deren Bericht, wie er geistig drauf ist.

Aber aufgrund Eurer Antworten habe ich mich mal mit dem Korsakow Syndrom beschäftigt. Bin ja nun kein Spezialist, aber die Anzeichen scheinen mir alle dafür zu sprechen. Die Schwester im KH riet uns auch, wenn er wieder in der Nerven- u. Suchtklinik ist, dass wir dann mit deren Sozialarbeitern uns Gedanken machen sollen wegen einer Betreuung.
Ich weiß, dass es für alle dann die beste Lösung sein wird, aber er ist doch erst 59 Jahre. Da sieht man mal wieder, was der Alkohol alles anrichten kann. Aber trotz aller Rückschläge (Arbeitslos, ok. hatte nichs mit Alkohol zu tun, Frau und Führerschein weg) hat er es nie einsehen wollen, dass er ein Problem damit hat. Bzw. hat gesagt, warum soll er es ändern.

Jetzt heißt es momentan für uns erst einmal abwarten, bis die Behandlung im allgemeinen KH abgeschlossen ist.

Werde mir jetzt mit unserem Sohn endlich einen gemütlichen Abend machen, die erste Kerze anzünden und Weihnachtsgeschichten lesen.

Wünsche Euch allen auch noch einen schönen 1. Adventssonntag
Hymira