Bin in ein Dorf von Verrückten gezogen

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Beitrag von manja. 26.11.10 - 23:04 Uhr

Ich wollte nie aus der großen Stadt aufs Dorf, aber mein Mann hat mich überredet. Nun sitze ich hier unter lauter verrückten Alt-Bewohnern. Und kann zu Fuß nirgend mehr hin.
Rechts wohnt eine super laute Frau, die hat ein Organ und wenn wirklich mal Ruhe ist, macht sie ihr Radio im Garten an. Ruft mich mein Kind, schreit sie gleich rüber "Gehts noch lauter?" und beschwert sich andauernd über irgendwas. Ich darf nichts sagen. Nur keinen Streit sagt mein Mann.

Auf der anderen Seite die waren sehr zurückgezogen, aber jeden Tag über Mittag war im ganzen Sommer Hobby-Tischler-Krach. Direkt an der Grundstücksgrenze neben meiner Terrasse. Von halb eins bis halb vier, ich dachte, man muß tot umfallen bei der Hitze. Konnte nie mein Baby draussen lassen, mich natürlich auch nie. Bloß keinen Streit meint mein Mann.

Nun lag gestern ein Riesen-Berg Gerümpel vor unserem Garten, nicht an der Grundstücksgrenze, sondern ca. 5 m zu uns. Zum Glück heute abgeholt, aber denkste, nun liegen riesige Laubhaufen und Säcke da, der Nachbar will sie nicht vor seinem Garten haben und nun haben wir sie direkt vor der Eingangstüre im Grünstreifen. Den Abhol-Lärm unterm Baby-Zimmer. Ich wollte das zurücklegen. Nein, nur keinen Streit sagt mein Mann.
Ich fühl mich hier nicht wohl, sag ich. "Willst du Streit?" sagt mein Mann.


Manja

Beitrag von jennychrischi 26.11.10 - 23:17 Uhr

:-D Das hast du aber süß geschrieben. Dein Mann ist ja der Knaller, er ist sicher den ganzen Tag arbeiten und du ärgerst dich damit rum.

Was hälst du davon, mal die Nachbar einzuladen? EInfach mal ein liebes nettes Gespräch? Aber nicht böse werden dabei, denn: Nur keinen Streit-sagt dein Mann :-) Könnt ihr einen Zaun ziehen an eurem Grundstück? Dann kan da niemand mehr was abladen.

Beitrag von manja. 26.11.10 - 23:29 Uhr

Naja, die Grundstücke sind komplett eingezäunt, das ist quasi der Fußweg der da benutz wird. Bloß dass der Nachbar jetzt seinen Abfall, der erst nächste Woche abgeholt wird, bei uns vors Grundstück legt. Ich kann das gar nicht fassen, so eine Unverfrorenheit. Das tut jeder vor sein eigenes. Nur er meint plötzlich, seinen Müll zu uns legen zu können. Und ich darf nicht mal meinen zu ihm legen (keinen Streit...).
Ich weiß nicht, ob ich es kann, die Leute einzuladen. Vielleicht mal im Sommer, aber puh, schwer.

Beitrag von lena1309 26.11.10 - 23:19 Uhr

Nabend,
dir mögen sie verrückt erscheinen, aber ich merke deutlich, du willst da nicht sein.
Ich wohne auf einem Dorf, komme aus einem Dorf und habe eine Zeit in einer Großstadt gelebt und ja es gibt diesen Unterschied von Stadt und Land.

Und ich höre aus deinem Thread nur die Stadtfrau.

Jetzt ist Herbst/Winter, liegen die Säcke an der Straße, um geholt zu werden und wo viel Grün da viel Laub.

Und ich kenne es so, hier lebt man im Frühling und Sommer viel draußen und da wird gewerkelt.
Und wenn du nicht mir deinem Nachbarn redest, wie soll er wissen, dass dann Schlafenszeit ist.

Ich habe wirklich den Eindruck, du bist überempfindlich, weil du überhaupt nicht da sein willst. Du wohnst nur da, weil dein Mann dich überredet hat, aber für das Stadt- oder Landleben muss man schon was übrig ahben, sonst wird das nichts.

Und ich schmeiße mal so in den Raum, du gehörst nicht auf´s Land.

Netten Abend noch
M.

Beitrag von manja. 26.11.10 - 23:34 Uhr

Naja, ich würde das Landleben vielleicht genießen, wenn ich mal mit jemandem reden könnte. Statt dessen verstecken sich alle hinter der Hecke und meckern dann entweder, dahinter rum oder legen abends ihren Müll vor unserem Grundstück ab (Das ist auch auf dem Land unüblich, wage ich mal zu behaupten, oder?).
Oder wenn ich mal meine Ruhe hätte, aber über Mittag Baulärm, nachmittags und abends Radio.
Ade, liebe Landruhe.

Beitrag von lena1309 26.11.10 - 23:45 Uhr

Seid ihr denn in eine komplett fremde Umgebung gezogen oder kommt dein Mann aus der Gegend?
Und wie lange wohnt ihr genau da?

Ich kann dir sagen, es dauert auf dem Land immer ein wenig Zeit.
Das ist für Stadtmenschen schwer zu verstehen und zu fühlen, aber ich komme z.B. vom Niederrhein und wir grüßen freundlich auf der Straße aber willst du in unseren Kreis, brauchst du Ausdauer.
Da ist kein böser Gedanke bei, aber in einer Dorfgemeinschaft, die ja viel überschaubarer ist als Stadtteile oder so, will man einfach erst mal sehen, wer da so kommt.
Wir hier gelten als verschlossen, rauh und naja komisch, aber unser Herz liegt eben in der Brust und nicht auf der Zunge.

Versuche doch, über Schule oder Kindergarten Kontakt zu kriegen und lade deine Nachbarn jetzt zur Weihnachtszeit mal auf eine Glühwein im Garten ein, weil ihr eine Lichterkette anmachen wollt. Das klingt blöd, aber es soll ein Symbol sein.
Oder du fragst einfach mal, ob man sich hier Sylvester auf der Straße trifft, damit du ein Fläschen mehr einkaufen kannst.

Ich kann dir nur sagen, versuche mal das Landleben mit allem pro und Kontra und wenn es dann nicht deins ist, gehe wieder in die Stadt, keiner soll da leben, wo es ihm nicht gefällt.

Beitrag von manja. 27.11.10 - 00:01 Uhr

Wir sind hier seit drei Jahren. Mein Mann findet alles gut. Aber der ist ja auch den ganzen Tag weg.
Ich hab mal auf einem Dorf bei Essen gewohnt, da waren die Leute nett und aufgeschlossen.
Naja, hüte ich halt Nachbar Müll.
Manja#schmoll

Beitrag von lena1309 27.11.10 - 00:16 Uhr

Beziehe dich doch mal nicht nur auf den Müll.
Gibt es Momente in dem Ort, in denen du dir denkst: Gott hier will ich bleiben"?

Ich gebe dir mal ein Beispiel, was für mich so ein Moment ist: Ich sehe von meiner Tür aus in Richtung Feld, wenn ich den Kopf leicht drehe. Und wenn ich jetzt teilweise am Abend den Nebel aufsteigen sehe oder ich sehe, wie der Staub aufsteigt, wenn der Bauer das Feld pflügt, könnte ich schreien vor Freude, weil ich hier Zuhause bin.
Ich mag diesen Moment, wenn das Auge nur Feld sieht.
Oder Wald.
Oder egal, aber keine Stadt.

Mein Mann ist ein echtes Stadtkind. Seit der Zeugung bis zum Moment des Umzuges immer ein Essener und jetzt liebt er diese Ruhe und den Raum, den das Auge auch mal hat.
Und er versteht, was ich mit dem Platz für Kinder meinte.
Was wir hier haben, könnten wir uns in der STadt nicht leisten.

Ich weiß, das meine Empfindungen subjektiv sind, aber ich bin der Meinung Landleben muss man fühlen, allein mit dem Kopf geht es hier nicht.

Beitrag von tauchmaus01 27.11.10 - 12:35 Uhr

Da hört man ganz die Landfrau raus.
Hauptsache alle anderen halten sich an Regeln, besonders die Neulinge.
Und damit die erstmal wissen wo der Pfeffer wächst, werden die Neuen erstmal fertiggemacht.
Wozu sollte man die Mittagsruhe einhalten, wenn man damit die Neuen ärgern kann. Und warum sollten die Laubsäcke vor der eigenen Tür stehen, wenn man weiß dass sich die Neuen darüber ärgern.
BEsonders wenn die auch so gar nichts sagen, dann macht es noch mehr Spaß.

Mona

Beitrag von oekomami 27.11.10 - 15:02 Uhr

Hallo,

mittagsruhe gibt es in den meisten Gemeinden und Städten nicht mehr.

Beitrag von mrs.smith 27.11.10 - 07:21 Uhr

Hallo,

ich kann dich so gut verstehen...
Ich bin der Liebe wegen in die "Pampa" gezogen.
Ich wohne hier inzwischen drei Jahre und es gibt auch inzwischen viele Tage und Zeiten, in denen ich mich wohlfühle und das alles hier geniessen kann.
Aber es gibt auch immer wieder Zeiten, wo ich denke, ich werde hier verrückt.
Das mit dem Lärm verstehe ich und ich habe auch mit den Nachbarn geredet wegen den Schlafenszeiten, nur interessiert das hier keinen.
Im Sommer wird dann gerne abends um 21 Uhr noch Rasen gemäht oder der Holzhäcksler angeschmissen, so dass meine Kinder senkrecht im Bett stehen.
Generell kann ich nicht von ruhigem Dorfleben sprechen, irgendjemand macht immer Krach. Einen entspannten, ruhigen Sommerabend auf dem Balkon oder Terrasse? Geht nicht, gegenüber wird wieder irgendein krachmachendes Gartenwerkzeug ausprobiert! :-[

Für die Kinder ist es trotz allem ein Traum hier, ich bin zwischen Betonbunkern aufgewachsen, hier haben wir den Wald und die Natur direkt hinter der Haustür.

Ach ja, ich habe das Glück, dass mein Mann schon immer hier gelebt hat und ich natürlich über ihn viele Leute kennengelernt habe. Dennoch ist es nicht einfach, in so eine festverschweißte Gemeinschaft "hineinzukommen".

Ich habe inzwischen 3 sehr gute Freundinnen hier, aber ich habe auch lange genug einsam meine Kreise mit dem Kiwa gezogen und fast geheult, weil ich mich so alleine gefühlt habe...

Alöles Gute Euch!

Beitrag von schnee-weisschen 27.11.10 - 13:52 Uhr

Hey,

Du hast die nicht genehmigten Schornstein-Ambauten, die fehlenden Bio-Tonne (im Dorf hat eh jeder nen Komposthaufen > wir nicht), den Rasenmäher-Krach während der Mittagsruhe und alle zwei Tage Baumfällungen vergessen ;-)

Ich habe vorher auch in der Stadt gewohnt, jetzt leben wir hier (im Dorf) seit 8 Jahren.
Und wir haben zwar keinen Streit, aber mit absolut niemandem hier etwas zu tun (ok, man grüßt sich).
Unsere Kontakte fangen in der nächsten Stadt an, da gehen die Kinder in den KiGa und die Schule.
Richtig geil wird es nämich erst, wenn im Dorf-KiGa un der Schule Züchtigungsmethoden aus dem Mittelalter angewandt werden.
Das Harmloseste, was uns passiert ist, war ein totgeschossener Dachs, der stolz im Unterricht präsentiert wurde und für unseren Sohn Anlass dafür war, 4 Stunden am Stück zu weinen (während die Dorfkinder hellauf begeistert waren).

Ich hoffe nur, wir kratzen irgendwann die Kurve, denn der Dorf-Friedhof ist neben der Post, die sich im Sparmarkt befindet und nur eine Stunde täglich geöffnet hat, so ziemlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.
Und das Haus kann man leider nicht aufschultern.


Solidarische Grüße.


sw

Beitrag von manja. 27.11.10 - 16:21 Uhr

Stimmt, die laute Radio-Mecker-Nachbarin hat ihren Schuppen an unserer Grundstücksgrenze auf 3 m aufgestockt und der ist jetzt sage und schreibe 12 m lang. Unser Grundstück wird damit wertgemindert. Das scheint so eine Art Wettkampf zu sein: wer schafft am meisten ungenehmigte Bauten aufzustellen. Ich habs versucht,positiv zu sehen, denn eine 3 m Mauer dahin wäre mein echter Wunsch.
Der Gestank abends ist hier unerträglich, kann man nicht lüften. Ich fürchte, das ist der nächste Wettbewerb: Wer spart die meisten Cent beim Müllentsorgen. Ich glaube, die verbrennen ihren Müll. Ich hab echt Angst, das einzuamtmen und weiß nicht, wo es herkommt.
manja