unser Gesundheitssystem

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Forum: Unterstützter Kiwu

Dein Arzt hat Hindernisse für eine normale Empfängnis festgestellt und du bist in Behandlung in einer Kinderwunschpraxis? Hier kannst du dich mit anderen über die künstliche Befruchtung etc. austauschen. Auch nützlich: Lexikon der Abkürzungen. Unser Kinderwunschmediziner Dr. David Peet beantwortet deine Fragen in unserem Expertenforum.

Beitrag von karinundfabian 27.11.10 - 05:57 Uhr

Wisst ihr was mich richtig auf die Palme bringt?
Unser Gesundheitssystem.:-[
Wenn man sich einfach mal vom Bundesstatistikamt die Zahlen der Bevölkerung ansieht und wie unser demographischer Wandel bis zum Jahre 2050 verläuft frage ich mich doch allen ernstes ob die Obrigkeiten mal darüber nachdenken irgendwas dagegen zu tun?!
Unser Staat muss kinderfreundlicher werden wird gebrädigt, aber mit kleinen Beträgen und Kitas für alle kommen auch nicht mehr #baby zur Welt.

Es ist ein GRO?ER FEHLER gewesen, dass man die ICSIs bzw. die künstlichen Befruchtungen nur noch 50 % bezuschusst. Welches Ehepaar das vielleicht 2500 Euro im Monat an Einnahmen hat kann sich 3 oder mehr künstliche Befruchtungen leisten?
Geschweige denn selber eine komplette ICSI zu bezahlen.

Es wird immer davon gesprochen, dass der Staat nicht so viel im Gesundheitssystem ausgeben darf, SPAREN SPAREN und nochmal SPAREN heißt es immer.
Aber heben sich die Kosten nicht wieder auf wenn, die Bevölkerung nicht kontinuierlich schrumpft?
Nachwuchs braucht das Land, doch wie sollen das Ehepaare oder Familien schaffen ohne oder nur durch geringe Unterstützung?

Ich weiß, war nicht sogenau wie ihr denkt, aber ich fühle mich da etwas inStich gelassen.
Wir wünschen uns so sehr ein Kind, aber bekommen nur 3 ICSIs bezuschusst. Toll, da das ja auch immer auf anhieb so klappt.

Danke Gesundheitssystem.

Danke fürs zuhören.

Karin

Beitrag von 010luna010 27.11.10 - 06:28 Uhr

Guten Morgen, #tasse

Ich kann deine Wut total gut nachvollziehen ich denke nämlich genauso!
Ich finde das auch alles unter aller sau, jeden möglichen Scheiß bezahlt Deutschland, Therapieplätze für Drogensüchtige, Entzugskliniken, Abtreibungen usw. usw.
Und wir ungewollte Kinderlose Paare? bleiben komplett auf der Strecke und bekommen sowas vor den Kopp geknallt und sollen damit zufrieden sein. :-[
Die 50% sind wirklich nicht viel und es kann auch nicht jeder ein super Gehalt beziehen aber daran wird ja nicht gedacht....

Genauso schlimm und wütend macht mich aber auch die 25 Jahreregelung ich meiner wer verdammt nochmal hat das Recht einen Paar vorzuschreiben das sie erst mit 25 von Spezialisten geholfen bekommen wenn es so nicht klappt?
21 hätte ich noch verstanden (volljährig, erwachsen vor dem Gesetz) aber warum 25? das check ich net...
Ich meine Kinder die mit 12/13/14 Kinder kriegen bekommen doch auch nicht ihre Kinder weggenommen (weil sie noch nicht alt genug sind oä.) und bekommen sie erst mit 18 oder 21 wieder? #wolke
Also auf gut Deutsch 12/13/14 Jährige dürfen Kinder in die Welt setzten wie sie wollen aber wenn man beim "Schwanger werden" Probleme hat darf man sich erstmal hinten anstellen und warten bis man 25 is und "Hilfe in Anspruch nehmen DARF!!!" #rofl was für ein Schwachsinn... #klatsch


LG.

Beitrag von shiningstar 27.11.10 - 09:09 Uhr

Hey,

ich kann Deine Wut sehr gut nachvollziehen -ich denke genauso.

Auf der einen Seite hört man immer "Deutschland stirbt aus" - "Es fehlt an Nachwuchskräften" usw.
Und dann wird eine Kiwu-Behandlung nicht als "medizinische Erkrankung" anerkannt. Bis 2004 wurden übrigens vier ICSI zu 100 % bedankt, dank der Grünen wurde das dann auf drei halbe Versuche reduziert... #gruebel

Die Regelung mit 25 und verheiratet finde ich aber schon sinnvoll.... Ich glaube, damit soll sicher gestellt werden, dass der soziale Rahmen stimmt usw.

Stattdessen müssen die Krankenkassen für Erkrankungen zahlen, die durch jahrelanges Rauchen entstanden sind oder was auch immer. Ist für mich nicht nachvollziehbar.

Deswegen fand ich es auch sehr schade, dass sich die CDU kürzlich gegen die PID entschieden hat. Vor einem Transfer einen Embryo auf Chromosomenschäden zu untersuchen, ist nicht moralisch vertretbar, denn wenn es einen Schaden gibt, muss entschieden werden, ob der Krümel eingesetzt und eine Chance auf Leben hat oder nicht.... Ja aber in der Schwangerschaft kann man sein Kind untersuchen lassen und ggf. bis zu 20. SSW abtreiben lassen.... Da wird ja genauso über Leben und Nicht-Leben entschieden!

Beitrag von motmot1410 27.11.10 - 09:40 Uhr

Du kannst es bis zur Geburt abtreiben! Bei den "Spätabtreibungen" gibt es keine Frist. #aerger

Beitrag von shiningstar 27.11.10 - 09:42 Uhr

Noch schlimmer.... #schmoll

Beitrag von tritratrullalala 27.11.10 - 10:11 Uhr

Hallo,
wie kommst du darauf, dass das die Grünen waren? Die Gesundheitsreform ist von der rot-grünen Regierug und den Stimmen der CDU durchgewunken worden.

LG;
Trulli

Beitrag von motmot1410 27.11.10 - 10:03 Uhr

Ich sehe unser Gesundheitssystem immer noch von der anderen Seite, weil ich halt erlebt habe, dass jemand richtig Krankes sofort die beste medizinische Versorgung bekommt. Auch, wenn häufig das Gegenteil behauptet wird.
Bei Kleinigkeiten (z.B. dem Abführmittel in KH) wurde schon auf das Geld geachtet, aber wenn es um lebenswichtige Behandlungen ging, dann hat das keine Rolle gespielt.
In dem Sinne haben wir eine wirklich tolle Gesundheitssystem und dafür bin ich einfach dankbar.
Und auch die KB-Kostenübernahme sehe ich zwiespältig. Ich finde schon, dass sich das Paar finanziell an den Kosten beteiligen sollte. Und 1500 - 2000€/Versuch sind durchaus stemmbar für Berufstätige (wir hätten auch einen Kredit dafür aufgenommen). Problematischer finde ich eigentlich, dass man so einem massivem Erfolgsdruck ausgesetzt wird. Ich finde die pauschale Begrenzung auf 3 Versuche einfach absurd. In vielen Fällen macht durchaus ein 4 und 5 Versuch Sinn. Aber den können sich dann wirklich viele Paare nicht mehr leisten. Uns hätte der ca. 8000€ gekostet und das ist einfach wieder eine völlig andere Dimension.

Aber ich denke nicht, dass man mit einer Änderung der Kostenübernahme das demographische Problem lösen könnte. Das wird vermutlich nur noch über Zuwanderung gehen. Und darüber, dass man die Arbeitswelt wieder etwas humaner und arbeitnehmerfreundlicher gestaltet. Gerade Frauen sind häufig so einem enormen Druck ausgesetzt, dass sie sich garnicht trauen überhaupt über eine Familie nachzudenken. Man gibt halt nur ungerne seine hart erarbeitete Karriere auf. Vor diese Wahl werden Männer bis heute nicht gestellt #kratz

Beitrag von punkt3 27.11.10 - 13:10 Uhr

Vieles sehe ich genau wie Du!

Wir sind sogar komplett Selbstzahler gewesen, weil es an meinem Mann liegt. Seine Kasse sagt: Nee, keine Aussicht auf Erfolg. Meine Kasse sagt: Wir doch nicht, bei Ihnen ist doch alles in Ordnung! Soll ich mir deshalb nen anderen Mann suchen??

Naja, also mehrere tausend Euro ärmer, aber um zwei Kinder reicher, wer will da nachrechnen????



Beitrag von motmot1410 27.11.10 - 13:44 Uhr

Naja, ich durfe mir gerade erst anhören, dass ich mir mein Kind gekauft hätte, weil ich auch einen Kredit aufgenommen hätte ;-)

Ich finde, der eigentliche Skandal liegt wirklich auch darin, dass viele Paar auf Grund unterschiedlicher Versicherungsverhältnisse auf allen Kosten sitzen bleiben. Diese Ungleichbehandlung finde ich viel schlimmer, als die 50%-Regelung.#aerger

Beitrag von tritratrullalala 27.11.10 - 10:26 Uhr

Hallo,
ich bin da auch eher zwiespältig. Klar wäre es toll, wenn wir nicht so viel Geld ausgeben müssten (wir sind aufgrund meines Alters Selbstzahler). Andererseits finde ich es schon wichtiger, dass ein Drogenabhängiger eine Therapie bekommt, ein Gehbehinderter einen guten Rollstuhl oder jemand anderes eine künstliche Hüfte, die technisch auf dem neuesten Stand ist. Ich habe eine Kollegin, die für ihr behindertes Kind um jedes kleine bisschen mit der Krankenkasse kämpfen muss. Es gibt Krebskranke, denen teure Therapien verweigert werden. Das finde ich schlimm. Dagegen kommt mir meine Kinderlosigkeit schon wie ein Luxusproblem vor.

Ich ärgere mich am meisten darüber, dass ich Geld für Medikamente ausgeben muss, für die die Pharmafirmen Fantasiepreise verlangen dürfen. Und daran hat die neueste Gesundheitsreform auch nichts geändert. Ich habe meine Medis damals in Luxemburg bestellt, was ja nun auch nicht ein Billig-Lohn-Land ist, und habe wirklich VIEL Geld gespart. Diese Verhältnisse treiben mich auf die Palme.

Es liegt wahrscheinlich an meinem Alter, dass ich die Situation gelassener sehe und die Kinderwunschbehandlung eher als mein Privatvergnügen sehe.

LG,
Trulli

Beitrag von rotes-berlin 27.11.10 - 15:24 Uhr

Ich bin froh über unser Gesundheitssystem!

Beitrag von kleinehexe1 27.11.10 - 16:52 Uhr

Hallo,

ich kann dich gut vertehen. Wir haben unseren Sohn auch durch eine ICSI beommen, Gottlob reichte eine, weil sehr viele Embyonen dabei heraus kamen, die dann irgendwann über die Kryo zum Erfolg geführt haben.

Was mich ärgert, ist nicht allein die Zuzahlung, sondern die Tatsache, das zum Beispiel sachen wie Raucherentwöhnung, Diätprogramme, Fittnesstudion ect. ebenfalls bezuschusst werden und das zum Teil nicht mit 50 % sondern mit 80%.

Ich finde es ungerecht, das ein Raucher, der sich entschließt damit aufzuhören mit uns, die keine andere Wahl haben, und eindeutig körperlich Krank sind, über einen Kamm geschoren werden und unterstüzt werden, obwohl sie irgendwann im Leben mal selbst entschieden haben mit dem Rauchen anzufangen, obwohl sie wußten, das es schädlich ist.

Mit welchem Recht bekomme ich einen Fitnesskurs (dieser ist nicht mal an eine Fettleibigkeit oder sonstige Begründung gebunden) zu 80 % bezuschusst und eine ICSI nur zu 50%?

Wenn alle ihre Sportkurse selbst zahlen würden, hätten die Krankenkassen sicherlich einen Teil der finanziellen Mittel, den Paaren mit ungewollter Kinderlosigkeit ein bisschen mehr zu helfen.
Bis vor ein paar Jahren gab es ja auch noch keine Präventionsmaßnahmen.

Aber was hilft das Klagen, wir sind es ja zum Teil selbst in Schuld, weil so wenige in unserer Lage öffentlich darüber sprechen, und sich wehren.

Solange dieses Thema immernoch als "Einzelschicksal" und nicht als normales "Volksleiden" wie viele andere Erkrankungen auch angesehen wird, wird sich auch an der Förderung nichts ändern, und wir müssen halt zahlen.

Aber sei dir über eines Sicher, ich würde immer wieder diese Summe zahlen, für so einen Goldschatz wie unseren Jonas. Das Gedl hat sich auf jeden Fall mehr als gelohnt.

Kleinehexe1

Beitrag von gemini0571 27.11.10 - 18:30 Uhr

Hallo Karin,

mir geht es genauso, ich finde es auch nicht in Ordnung, wenn Paare mit KiWu 50% der Kosten selbst tragen müssen.

Bis 2003 oder 2004 (ich bin mir nicht ganz sicher) waren drei Behandlungen kostenfrei, dann hat man das abgeschafft, weil es zu teuer für das Gesundheitswesen war. Und zwar mit der Begründung, dass eine KiWu-Behandlung keine Krankheit sei. Aber - wenn es nicht von selbst klappt, dann stimmt doch etwas nicht, also ist es in gewisser Weise doch eine Krankheit!

Ganz schlimm finde ich, daß in Deutschland keiner in der Lage ist, einheitliche und vor allem eindeutige Gesetze zu schaffen. Die PKV zahlt nur, wenn man ihr beweisen kann, dass der PKV-Versicherte auch wirklich schuld ist.
Es gibt aber auch genügend grenzwertige Fälle, bei denen die "Schuldfrage" nicht eindeutig ist. Was sollen dann die Paare machen? Die PKV sagt, wir sind nicht zuständig. Die GKV muss 50% zuzahlen, genehmigt aber unter Umständen keine ICSI. Wenn es ganz schlimm kommt, angenommen Mann und Frau sind PKV-versichert, dann will unter Umständen keine KK zahlen und man kommt nur mit einem Anwalt weiter?!

Es wird KiWu-Paaren hier einfach nur schwer gemacht und es ist statistisch gesehen so, dass seit der Regelung der 50%-Zuzahlung 8000 Kinder pro Jahr weniger geboren werden (habe ich neulich gelesen).

LG gemini

Beitrag von amalka. 27.11.10 - 23:13 Uhr

Hm, es ist nur die Frage, warum sollen alle Versicherten für deinen Wunsch zahlen ? hier sich zu beschweren vollkommen richtig..

Du meinst es so wahrscheinlich. Dieses müsste eigentlich aus der KV vollkommen ausgegliedert werden und der Staat müsste sagen, es ist uns so oder so wichtig und dann beteiligen wir uns mit so viel Euro daran..

meine Meinung..

oder es sollte eine Art Zusatzversicherung, die es einschließt, geben.

Es ist traurig aber soll man echt nicht sagen, für uns als Staat ist es wichtig, dass jede Frau X Kinder hat und dafür zahlen wir ihr X Versuche oder man sagt, das Paar soll schon spüren, dass es was kostet und muss sich mit X% beteiligen..man soll etwas tun..ich denke nur nicht, man soll es über die KK ziehen lassen.



Beitrag von karinundfabian 28.11.10 - 05:36 Uhr

Danke, für eure Antworten.

Wünsche euch allen einen schönen ersten Advent und denkt an die #kerze

GLG Karin