LRS - wie funktioniert es in der Praxis?

Archiv des urbia-Forums Kids & Schule.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von luka22 27.11.10 - 13:49 Uhr

Hallo!

Mein Sohn ist gerade in der 2. Klasse und schon in der ersten Klasse zeichnete es sich ab, dass er Schwierigkeiten mit dem Fach Deutsch haben wird. Die Lehrerin hat mich jedoch nie darauf angesprochen. WEnn, dann ging es darum, dass wir mit ihm mehr üben müssen. So, jetzt gab es vor 2 Wochen aus heiterem Himmel das erste Diktat (habe dazu gepostet). Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil sie noch nie etwas diktiert bekommen haben und dann gleich mehrere Sätze. Nun ja, ich habe jeden Tag mit meinem Sohn geübt, obwohl mir bewusst war, dass ich ihn total überfordere und er noch nicht einmal soweit ist, dass er lautgetreu schreiben kann, geschweige denn Umlautschreibung, Konsonantenverdoppelung, Groß- und Kleinschreibung usw. Er hat es mit 6 Fehlern (24 Wörter) noch ganz toll hinbekommen, aber es hat mich stutzig gemacht, dass es den meisten anderen Kindern trotz Nichtübens im Unterricht nicht schwer fiel. 11 Kinder (von 18) hatten 0 Fehler. So habe ich einen Termin im Sprachheilzentrum gemacht und dort wurde festgestellt, dass mein Sohn in der Lese/rechtschreibentwicklung seinen Altersgenossen wohl noch stark hinterherhinkt. Die nächste Woche bekomme ich dazu noch einen schriftlichen Bericht. Für mich ist es alles in allem noch nicht so gravierend, da ich merke, dass bei meinem Sohn langsam alles kommt, eben "nur" später. Mit dem Fach Deutsch hätte er im Prinzip jetzt anfangen sollen, jetzt hätte er die sprachliche Reife und das Interesse. Ich habe mir schon verschiedene Übungen überlegt, wie Silbentabellen oder eben dem Schreiben von lauttreuen Wörtern, jeden Tag ca. 15 Minuten. Jetzt habe ich nur ein Problem: Mein Sohn bekam jetzt wieder ein Diktat, das bis zur nächsten Woche zu üben ist. Der Therapeut meinte, dass das auf dem Entwicklungsstand meines Sohnes gar nichts bringt, da es in komplett überfordere. Für ihn müssen andere Zielkontrollen gelten. Nun bin ich mir wirklich unsicher: Soll ich ihn neben "seinem" Programm auch das Diktat üben lassen, obwohl es ihn überfordert? Übe ich es nicht, wird er komplett "versagen", übe ich es, kann ich nicht viel von dem machen, was ihn wirklich weiter bringt. Ein Gespräch mit der Lehrerin steht noch aus, von ihr erhoffe ich mir jedoch wenig. Sie hat mich noch nie auf das Thema angesprochen und sie weiß auch nicht besonders gut über LRS und die Fördermöglichkeiten bescheid. Daher möchte ich den Bericht abwarten, den ich ihr vorlegen kann.

Wie ist es denn bei euch im Unterricht bzw. an der Schule geregelt? Schreiben die Kinder die normalen Diktate mit? Wie werden diese benotet? Wie wird der LRS REchnung getragen?

Grüße
Luka

Beitrag von delfinchen 27.11.10 - 14:23 Uhr

Hallo,

bei uns muss ein Attest über eine LRS vom Schulpsychologen vorlegen. Auf dem Attest stehen dann auch Fördermöglichkeiten.

Liegt ein Attest vor, bekommt das Kind den im KMBek verlangten Nachteilsausgleich, also mehr Zeit, Lückentexte bei Diktaten, Aufgabestellungen vorgelesen, ...
Allerdings liegt das alles im Ermessen der Lehrkraft.

Nur bei einer echten Lese-Rechtschreibstörung hat man das Recht auf diesen Nachteilsausgleich.

In diesem Zusammenhang ist es daher sehr wichtig, was auf dem Attest steht:

isolierte Rechtschreibschwäche
isolierte Leseschwäche
isolierte Rechtschreibstörung
isolierte Lesestörung
kombinierte Lese-Rechtschreibstörung
Rechtschreibschwäch mit Lesestörung
Rechtschreibstörung mit Leseschwäche ....

In jedem Fall steht ein entsprechender Vermerk im Zeugnis, beipielsweise: "Aufgrund einer Lese-Rechtschreibschwäche wurden die Leistungen im Fach Deutsch nicht im vollen Umfang gewertet".

Wende dich doch an den Schulpsychologen bzw. Beratungslehrer, der wird weiterhelfen können und ggf. mit der Klasenlehrkraft reden, wie sie mit der Schwäche umgehen sollte. An vielen Schulen gibt es auch Förderlehrer, die mit betroffenen Kindern einzeln oder in Kleingruppen arbeiten.

Liebe Grüße,
delfinchen

Beitrag von luka22 28.11.10 - 05:32 Uhr

Vielen Dank. Wieder ein Stück klüger :-D.

Grüße
Luka

Beitrag von delfinchen 28.11.10 - 08:07 Uhr

Ich hoffe, dass das alles so stimmt - es sind die Regelungen von Bayern :-)

Beitrag von luka22 28.11.10 - 11:46 Uhr

Ja, ja, als ob es für Betroffene nicht kompliziert genug ist, muss dann jedes Bundesland noch sein extra Süppchen kochen...

#schmoll

Beitrag von delfinchen 29.11.10 - 07:48 Uhr

Ja, das ist leider so.

Für Bayern gibt es eine gute Seite: www.schulberatung.de, auf der wichtige Fragen rund um solche Themen beantwortet werden.

Jedes BL hat eine solche Seite, aber leider sind nicht alle wirklich empfehlenswert - oder ich hab den Aufbau der Seite nicht erfasst ;-).

Liebe Grüße

Beitrag von shorty23 27.11.10 - 20:27 Uhr

Hallo Luka,
mach auf jeden Fall einen Termin mit der Deutschlehrerin!! Vielleicht wäre es auch gut, wenn sich Therapeut und Lehrerin mal zusammensetzten (oder telefonieren). Es kommt auf das Bundesland an, wie das mit dem LRS Nachteilausgleich geregelt ist. Bei uns ist es so, dass es nichts bringt ein Attest vorzulegen, die Klassenkonferenz muss das beschließen. Also bitte sprich mit der Lehrerin. Denn sie kann deinem Sohn sehr wohl eine andere Art der Lernzielkontrolle geben oder sie anders gewichte, aber das musst du wirklich mit ihr besprechen.
Bei mir ist es so, dass die beiden LRS Schüler die gleichen Diktate und alles bekommen, sie werden aber viel weniger gewichtet außerdem haben sie mehr Zeit (ist aber Kl. 6).
LG und alles Gute

Beitrag von luka22 28.11.10 - 05:36 Uhr

Danke Shorty!

Ich bin gerade so am Hin- und Herüberlegen, was das Richtige ist. Sicher nimmt ein Nachteilsausgleich erst einmal den Druck und den Frust. Aber vielleicht nimmt dann in gleichem Maße der Druck ab zu üben? Und ob Nachteilsausgleich oder nicht: ohne Förderung gibt es keinen Fortschritt. Ich werde bald einen Termin mit der Lehrerin machen und mir ihre Sicht der Dinge anhören.

Grüße
Luka

Beitrag von zanadu01 28.11.10 - 09:05 Uhr

Hallo, bei uns worde es in der dritten Klasse vom der Schule getestet.
Die Leistungen von Diktaten werden nicht gewertet. Außerdem schreibt er seine Arbeiten alleine. Letztesmal hat er einen Text abgeschreiben.
Ich habe das Üben für Diktate eingestellt.

Wichtig last die vom jemanden Beraten , wo die Probleme deines Sohnes liegen . Außerdem wie ihr am Besten übt. Denn normales Üben birngt nichts.
Ich habe am einen Thermien in der Familienbidungsstätte mit einer Therapeutin.

Als zusätzliche Übung zuhause worden mir folgende Sachen empfehlen:
http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__...ld-keywords=LRS
http://www.amazon.de/FRESCH-Freiburger-R...89981087&sr=8-3
http://www.amazon.de/CES-Verlag-CESAR-Le...9981186&sr=1-13
http://www.amazon.de/Emil-Pauline-Lesesp...89982107&sr=1-9
http://www.amazon.de/Emil-Pauline-bei-Ol...9982211&sr=1-16

Das erste Heft habe ich grade gekauft, ich glaube es ist ganz gut.