Rechtswiedriger Vertrag??

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von lilalaus2000 28.11.10 - 12:58 Uhr

Hallo

eine Nachbarin ist seit 20 Jahren bei einer Fleischerei als Fleischereifachverkäuferin angestellt und hat noch nie eine Gehaltserhöhung bekommen und auch noch nie Zulagen wenn sie mal Sonntags oder feiertags rein musste um Platten für eine Feier zu arrangieren.

Ihr Stundenlohn beträgt gerade mal 5€ knapp.

Sie will kündigen und woandes anfangen, aber in ihrem Vertrag steht, dass sie 2 Jahre lang nicht zu einem Konkurrenzunternehnem, also Fleischerei darf.

Ist das nicht rechtswiedrig???

Danke - ich habe ihr versprochen mich zu informieren.

LG

Beitrag von hinterwaeldlerin09 28.11.10 - 13:12 Uhr

Hallo,

das ist dann rechtswidrig, wenn ihr nicht gleichzeitig in dem Vertrag eine Ausgleichszahlung zugesagt wurde.

Ich kenne einige Branchen und Ränge, in denen sowas üblich ist.

Aber bei Fleischereiverkäuferinnen...habe ich sowas ehrlich gesagt noch nie gehört!

Was manche Arbeitgeber sich vorstellen....#augen! Die wollen ihr verbieten, zwei Jahre lang in ihrem Beruf arbeiten zu dürfen...und wie stellen die sich das mit dem Arbeitsamt vor? Meinen die, die können dem Arbeitsamt vorschreiben, was für Vorschläge die ihr machen? Also echt!

lg die hinterwäldlerin

Beitrag von manavgat 28.11.10 - 13:13 Uhr

Ich würde zu einer Anwältin gehen und auf entgangenen Lohn klagen, da der Lohn sittenwidrig ist.

Der Passus, den Du angesprochen hast, entspricht einem Berufsverbot und kann nur aufrecht erhalten werden, wenn der AG für diese 2 Jahre eine Entschädigung zahlt.


Gruß

Manavgat

Beitrag von mamavonyannick 28.11.10 - 13:14 Uhr

Hao,

sthet da drin, dass sie nicht dort anfangen darf oder dass sie dem AG keine Konkurrenz machen darf? Denn eigentlich gilt diesen Wettbewerbsverbot nur, wenn sich jemand in der selben Branche selbständig machen möchte.

vg, m.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerbsverbot

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Wettbewerbsverbot.html#tocitem4

Beitrag von grafzahl 28.11.10 - 14:01 Uhr

> Ist das nicht rechtswiedrig???

Ich würde eher von einem Witz sprechen.

Sie kann gar nicht kündigen. Sie kann nur an einen anderen Sklavenhalter verkauft werden.

Beitrag von parzifal 29.11.10 - 08:48 Uhr

Wenn sie woanders als Verkäuferin arbeiten will ist das natürlich möglich.

Weshalb man sich das Ganze aber hat gefallen lassen ist schon schwer verständlich.

Steht im Arbeitsvertrag etwas zu Tarifverträgen?

Arbeitet sie in Bremen oder Niedersachsen?

Beitrag von lilalaus2000 29.11.10 - 12:05 Uhr

Hallo

nein sie arbeitet in einem kleinen Dorf, ein Familienbetrieb, in Thüringen.

Gewerkschaft oder sowas gibts da nicht.

Sie hat da angefangen, weil die Kinder damals noch klein waren und sie denke ich froh war, dass sie so nah eine Arbeitsstelle hatte, in Thüringen gibts ja nicht viele.

Jetzt sind die kinder groß und brauchen keine Aufsicht mehr :-)

Ich werde es ihr ausrichten was ihr mir so geschrieben habt. Es ist schon dumm, denn in diesem Kaff kennt ja jeder jeden ..... da muss sie wohl durch und vielleicht kann sie sich ja auch im Guten einigen und raus da :-)

Danke für eure Hilfe.

Beitrag von parzifal 29.11.10 - 15:18 Uhr

"und vielleicht kann sie sich ja auch im Guten einigen und raus da"

Dies hört sich aber schon wieder an, als wenn man bereit ist irgendwelche Zugeständnisse zu machen die unangebracht sind.

Einfach kündigen und beim nächsten AG anfangen. Und auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen haben und vor allem Dingen nicht ein solches Einreden lassen.

Und sich nicht verunsichern lassen mit irgendwelchen Drohungen.

Beitrag von lilalaus2000 29.11.10 - 15:27 Uhr

Ich meinte eher, dass man sie gehen läßt und dafür klagt sie den entgangenen Lohn nicht ein... sie muss das selber wissen. Das Problem ist das Dorfleben da, es ist echt dumm wenn jeder die Schlüpfergröße das anderen kennt, du weißt wie ich das meine.


Gibts denn keinen Mindestlohn in der Branche?

Ich werde ihr noch einen Anwalt empfehlen, was sie dann macht ist ihre Sache, hatte nur versprochen mich mal schlau zu machen wegen des Vertrags.

Danke an alle und schöne Vorweihnachtszeit, hier liegen 12 cm Schnee :-)

Beitrag von parzifal 29.11.10 - 15:37 Uhr

Was verstehst Du unter "einfach gehen lässt"?

Der AG kann dies doch ohnehin nicht verhindern.

Mindestlohn setzt eine gesetzliche/tarifvertragliche Regelung voraus.

Einen gesetzlichen Mindestlohn gibt es bei Fleischereien nicht.

Mangels vorliegen einer individuell vereinbarten tarifvertraglichen Regelung bleiben nur allgemein verbindle Tarifverträge übrig die Bindungswirkung haben. Die gibt es meines Wissens (Kurzrechereche) nach nur in Bremen und Niedersachsen.

Aufgrund Ausschlussfristen wäre da aber ohnhhin nicht viel zu holen gewesen.

Hat sie denn eine Arbeitsrechtsschutzversicherung?

Ansonsten sollte sie sich die Kosten des Anwalts sparen.


Beitrag von lilalaus2000 29.11.10 - 16:53 Uhr

ich meinte mit einfach gehen lassen, dass sie sie nicht anzeigen wenn sie zu einer anderen fleischerei geht. also 15 km entfernt.

ich hoffe sie findet den richtigen weg. nur das mit 2 jahre nicht bei der konkurrenz arbeiten hat interessiert. und natürlich dieser billiglohn, aber wenn keine arbeit da ist, dann ist man oft schon mit wenig zufrieden, besser als harz4 jedenfalls.

leider haben die wenigen arbeitgeber da die freie auswahl und die arbeitslosigkeit ist hoch.

Beitrag von parzifal 29.11.10 - 18:16 Uhr

Sie braucht vor einer "Anzeige" keine Angst haben. Strafrechtlich ist das Ganze irrelevant.

Und zivilrechtlich hat der AG keinen Anspruch.

Deine Freundin soll sich einfach nicht einschüchtern lassen. Mir ist klar, dass jemand der 20 Jahre auf Lohnerhöhungen sowie Zuschläge für Sonntagsarbeit verzichtet, damit ein Problem hat. Dafür bist Du ja da um dafür zu sorgen.