Schon ne Weile her, aber immer noch heftig

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von die.caro 28.11.10 - 23:25 Uhr

Hallo,

die Geburt meines Sohnes liegt nun schon über ein Jahr zurück, aber immer noch fange ich an zu heulen, wenn ich daran denke und kann es erst jetzt in Worte fassen. Vielleicht hilft es ja, das mal zu posten...

Ich kam gegen 16 Uhr mit Blasensprung im Krankenhaus an. Nachdem ich zur Anregung der Wehentätigkeit erfolgreich spazieren war, fragte mich die Hebamme, ob ich eine PDA wünsche. Über meine Antwort, ich wolle eine Wassergeburt und daher versuchen, ohne PDA auszukommen, schien sie nicht erfreut und fragt mehrfach, ob ich das denn überhaupt aushalten könne. Ich war ziemlich irritiert und meinte, es sei meine erste Geburt, daher wisse ich das nicht so genau, würde mich aber melden, wenn ich doch eine PDA wolle.Sie teilte mir daraufhin einen Kreißsaal mit Geburtswanne zu.

Im Laufe der nächsten Stunden wurden die Wehen stärker und folgten sehr rasch aufeinander. Da ich zum Veratmen das Gefühl hatte, etwas zum aufstützen zu benötigen, aber nichts die richtige Höhe hatte, veratmete ich sie letztlich im Liegen. Die Hebamme kam nur selten vorbei, da parallel einige andere Geburten liefen, und sagte mir dann nur, ich solle nicht liegen und ob ich nicht doch eine PDA wolle. Um 19.30Uhr gab ich nach und ließ eine PDA legen. Diese war so dosiert, dass ich die Wehen von nun an völlig schmerzfrei auf dem CTG mitverfolgte, ohne sie zu spüren. Einmal rutschte mein Bein vom Bett und mein Mann musste es wieder hoch wuchten, da ich keine Kontrolle mehr über meinen Körper unterhalb der PDA-Nadel hatte.
Nun lag ich bis 21.30Uhr gelangweilt mit meinem Mann im Kreisssaal, bis die Hebamme der Nachtschicht sich vorstellte und mir einen Wehentropf legte, obwohl ich laut CTG schon länger einen Wehensturm hatte. Sie kündigte an, dass ich gelagert werden solle, damit das Baby den Weg in den Geburtskanal finde. Dann ging sie weg.

Um 22.15 Uhr lagerte sie mich auf die rechte Seite und versprach, in 15 Minuten zum Umlagern zurück zu kommen.

23.15Uhr Da die Hebamme noch nicht wieder erschienen war, klingelten wir nach ihr. Daraufhin Lagerung auf der linken Seite. Sie erklärte, sie und ihre Kollegin seien im Stress, da sie noch vier andere Geburten betreuen und die Kreißsäle putzen müssten. In einer Viertelstunde sei sie jedoch wieder da, um mich wieder umzudrehen und anschließend in den Vierfüßlerstand zu bringen.

24Uhr: Wieder erst Umlagerung nach Betätigen der Rufanlage. In den Vierfüßlerstand wurde ich trotz mehrfacher Ankündigung nicht mehr gebracht. Beim Umlagern kündigte die Hebamme an, gleich einen „Pressversuch“ zu starten.

Ca. 0:30 Uhr: Die Hebamme erklärte mir kurz, wie ich pressen sollte, führte einen Pressversuch mit mir durch und verließ dann wieder den Kreißsaal. Eine Information an meinen Mann oder mich über den weiteren Verlauf blieb aus.
Als wir nach einiger Zeit noch einmal klingelten, erklärte sie, ich solle nicht auf eigene Faust weiter pressen und ließ mich das Köpfchen meines Kindes, das bereits zu fühlen war, ertasten. Dann verließ sie uns wieder.

Einige Zeit später erschien sie mit einer Ärztin, die sehr schlecht gelaunt wirkte und mich mit der Information begrüßte, die Hebamme habe den Verdacht, mein Kind komme als „Sternengucker“ zur Welt, was sehr anstrengend und schmerzhafter als eine normale Kindslage sein würde. Sie habe gerade ein anderes Kind aus dieser Position entbunden und eine Episiotomie sei unumgänglich. Nachdem sie nach meinem Kind getastet hatte, fügte sie hinzu, der Kopf habe eine extreme Wölbung und ich solle nicht denken, es wäre schon fast geschafft, nur weil ich den Kopf schon ertasten könne. Ich war beinahe geneigt, mich dafür zu entschuldigen, dass ich vorhatte, ein Kind zu entbinden, noch dazu um diese Uhrzeit.

Da die PDA recht hoch dosiert war, konnte ich keine Presswehen spüren und musste mit Hilfe von Hebamme und Ärztin „auf Verdacht“ pressen. Die Ärztin fragte immer ruppiger, ob ich jetzt eine Wehe habe und konnte sich anscheinend gar nicht vorstellen, dass ich das nicht spüren konnte. Nun schlug das CTG auf Grund nachlassender Herztöne immer wieder Alarm. Die offensichtlich sehr gestresste Hebamme fand den Schalter zum Abschalten des Alarms nicht, sondern schaltete bei jedem Alarm (insgesamt etwa 6 Mal) das gesamte Gerät aus. Dies führte zu Unstimmigkeiten mit der Ärztin, welche anscheinend eine durchgängige CTG-Überwachung für dringend notwendig hielt. Ich geriet zunehmend in Panik, da ich um das Leben meines Kindes fürchtete. Als ich begann, zu weinen, fragte die Ärztin "warum heulen Sie denn jetzt?!". Nicht gerade einfühlsam :( Dann meinte sie noch, bei der nächsten Wehe müsse mein Sohn kommen, worauf ich panisch fragte "Und wenn nicht? Notkaiserschnitt?". Ihre Antwort: "Dafür ist es jetzt zu spät, er sitzt zu tief im Geburtskanal". Keine weitere Erläuterung, was die Alternative wäre...

Schließlich drückte die Hebamme von oben, die Ärztin machte einen Dammschnitt und zog von unten und mein Kind war um 2:40Uhr endlich geboren. Vorher hatte sie noch ein paar sehr ruppige Anweisungen zum Pressen gegeben, da ich unter dem Druck auf meinen Magen doch glatt einmal geächzt hatte (ich dachte, er wird gerade abgerissen), anstatt die Luft beim Pressen anzuhalten.
Im U-Heft meines Sohnes findet sich der Vermerk "pathologisches CTG", das meiner Überzeugung nicht so gewesen wäre, wenn er nicht vier Stunden im Geburtskanal den Wehen ausgesetzt gewesen wäre. Ich denke, man hat mich "auf Eis gelegt", um in Ruhe die anderen Geburten absolvieren zu können. Mein Sohn hatte massive Blockaden der Wirbelsäule, die krankengymnastisch behandelt und schließlich von einem Osteopathen eingerenkt werden mussten.
Direkt nach der Geburt verunsicherte die Ärztin uns mit der Aussage, dass mein Sohn "irgendwie komisch" atme und evtl. besser in die Kinderklinik verlegt werden sollte. Dies stand etwa 15 lange und ungewisse Minuten im Raum, bis sie sich dagegen entschied. Ob es ihm nun wirklich gut ging, wurde uns nicht gesagt. Er wurde in einem Nebenraum untersucht, bis ich meinen Mann zu ihm hin schickte, um mal zu sehen, wie es ihm gehe.

Die Ärztin nähte den Dammschnitt und ließ sich in genervtem Ton darüber aus, dass das Kind mit seiner Schulter einen großen Riss verursacht habe, den sie nun auch noch nähen müsse. Zwischendurch telefonierte sie zwischen meinen Beinen noch mit einem anderen Arzt, den sie für eine andere Geburt in den Dienst zurückholen musste.

Meine Nachsorgehebamme stellte später fest, dass der Dammschnitt „sehr nachlässig“ und durchgehend mit Muskelfäden, die sich auf der Haut nicht auflösten, genäht wurde. Infolgedessen hatte ich noch nach Monaten mit Entzündungen der Dammnaht zu kämpfen, die mir das Sitzen erschwerten. Wegen einer Verkapselung eines Fadenstückes wurde ich nach drei Monaten noch einmal operiert.

Mein Beckenboden fühlte sich nach dieser Geburt an wie ein glühend heißer Klumpen und ich habe trotz intensiver Rückbildungsgymnastik immer noch Probleme damit und bekomme nun Krankengymnastik deshalb.

Die tiefste Wunde bleibt aber immer noch die in meiner Seele, die einfach nicht verheilen will. Sobald jemand von der Geburt seines Kindes erzählt, fließen die Tränen in Strömen. Als ich neulich im selben Krankenhaus eine Freundin, die gerade entbunden hatte, besuchen war, konnte ich das Haus lange nicht betreten, hatte im Aufzug einen Tinitus und hätte die ganze Zeit heulen können.

Falls jemand noch Tipps hat, wie man sowas verarbeiten kann, freue ich mich sehr darüber.
Meinem Sohn geht es inzwischen gut, die Blockaden sind weg und er entwickelt sich toll. Aber ob ich so etwas für ein Geschwisterkind noch einmal auf mich nehmen kann, ist noch fraglich.

Ich wünsche niemandem, dass er sowas durchmachen muss. Man ist so ausgeliefert und kann die Situation nicht einfach verlassen :-(

Beitrag von miomeinmio 28.11.10 - 23:35 Uhr

Oh man, das klingt echt krass. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde ich dir ein geburtshaus empfehlen- da wird ja normalerweise alles mit dir abgesprochen und du wirst nicht alleine gelassen. zumindest ist das meine Annahme (mein ET ist in 4 tagen und ich will ins Geburtshaus). habe schon öfters solche Horrorgeschichten aus Krankenhäusern gelesen, vor allem, dass die Frauen voll übergangen werden und gar nciht gesagt wird, was genau gemacht wird.
Alles Gute für euch #klee

Beitrag von ostseekraebbchen 29.11.10 - 00:56 Uhr

Ach Mensch..Du Arme.. lass Dich mal #liebdrueck Hab zwar noch keine Geburt hinter mir, aber denen hätte ich da im Nachhinein was erzählt,wenn die mich so wie ein Stück Vieh behandelt hätten! An Deiner Stelle hätte ich das auch mal der Klinikleitung mitgeteilt,ob es da immer so abläuft!?
Hoffe für Dich,daß Du es schnell verarbeiten kannst..
LG #winke

Beitrag von tekelek 29.11.10 - 10:11 Uhr

Hallo !

Klingt wirklich gruselig ...
Aber ich denke, beim nächsten Mal würdest Du Dich nicht so behandeln lassen, oder ? Es ist schließlich Dein Kind und Deine Geburt, ohne Deine Einwilligung läuft gar nichts.
Wenn ich so etwas lese bin ich immer froh, daß ich bisher nur Hausgeburten hatte, ich konnte tun und lassen was ich wollte, war in vertrauter Umgebung und in Notfällen reagieren die Hebammen meist schneller und routinierter, als das Personal im Krankenhaus ...
Ich hoffe, Du kannst dieses Erlebnis bald richtig verarbeiten und hast beim nächsten Mal eine richtig schöne, selbstbestimmte Geburt !

Liebe Grüße,

Katrin mit Emilia-Sofie (bald 6), Nevio (4) und Sohn Nr.2 (34.SSW), der hoffentlich wieder zu Hause auf die Welt kommen wird :-)

Beitrag von doris72 29.11.10 - 10:53 Uhr

Hallo,

ojeh, das ist ja eine schlimme Geburtsgeschichte. #liebdrueck
Daß Euch die Hebamme so allein ließ, ist nicht zu fassen. :-[
Natürlich haben die Hebammen auch Stress, wenn viele Geburten gleichzeitig laufen. Aber so darf es nicht sein.

Ich musste gerade daran denke, daß ich bei meiner 2. Tochter auf dem Gebärhocker (der im Kreissaal stand) entbinden wollte. Da sagte die Hebamme zu mir: Das will ich nicht machen. Ist mir zu anstrengend. #klatsch

Sowas gibt es wirklich.

Vielleicht solltest Du wirklich therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Daß Dich dieses Erlebnis nicht loslässt kann ich sehr gut verstehen.
Für die nächste Geburt wäre vielleicht ein Geburtshaus eine sehr gute Lösung, da gibt es sowas garantiert nicht.

LG von Doris

Beitrag von elfine 29.11.10 - 13:34 Uhr

Hallo #liebdrueck,

das ist ja echt der Hammer, was sich die Ärztin und die Hebamme dort rausgenommen haben. Gerade, wenn man selbst betroffen ist und kurz vor der Geburt ist, kann man sich ja wirklich schwer bzw. gar nicht wehren.
Ich bin gerade in der 39. SSW und habe genau vor so einem Fall Angst.
Da man vorher aber nicht weiß, an wen man gerät, kann es eben so oder so laufen. Ein Geburtshaus ist auch nicht gerade die Lösung, weil bei Komplikationen einfach wertvolle Zeit verloren gehen kann und das Kind eventuell Schaden nimmt.
Ich habe mich in letzter Zeit rumgehört und viele Geburten laufen anders ab und die Betreuung durch das Personal ist gut.

Lg
Elfine

Beitrag von lotte79 29.11.10 - 14:47 Uhr

Hallo die.caro,

mensch deine Geschichte liest sich fast so wie meine.

Ich hatte im Prinzip (bis auf die Betreuung) den gleichen Geburtsablauf. Bei mir war zwar immer ne Hebamme und dann auch der Arzt zur Stelle aber der Rest ist gleich:-( Auch mit anschliessender KG etc....
Daher graut es mir auch schon vor der erneuten Geburt:-(

Tja wie man so etwas am besten verarbeiten kann, kann ich Dir leider auch nicht sagen. Ich habs ja auch noch nicht richtig verarbeitet.

Vieleicht kannst Du ja bei der nächsten Geburt (bist Du schon schwanger?) eine Beleghebamme nehmen? Die würde dann zumindest bei Dir bleiben und Dich nicht ständig alleine lassen.....

Ich wünsche Dir alles Gute und lass uns positiv denken (es kann nur besser werden, oder?).

LG
Silke

Beitrag von derhimmelmusswarten 29.11.10 - 15:38 Uhr

Wow, da hast du aber ein mieses Krankenhaus erwischt. Das würde ich aber echt jedem erzählen und jeden warnen, dorthin zu gehen. Unmöglich sowas. Meine Tochter wurden wegen "pathologischem CTG" per Saugglocke geholt und war 10 Tage auf der Intensiv. Aber während meiner Geburt waren am Schluß sogar 2 Hebammen und 3 Ärztinnen da. Sowas wie bei dir hab ich echt noch nie gehört. Ich glaub, ich hätte der Hebamme und der Ärztin im Nachhinein nen Tritt in den .... verpasst. Ich hoffe, du kannst das irgendwie überwinden.

Beitrag von 240600 29.11.10 - 17:01 Uhr

Wenn ich so etwas lese habe ich immer einen Klos im Hals und bin wütend zugleich. Du tust mir wirklich leid #liebdrueck.
Ich würde eine Beschwerde an das KH schreiben! Egal, ob es was bringt oder nicht.
Wenn dich das Ganze zu sehr belastet vielleicht mal den FA ansprechen, eventuell psychisch betreuen lassen oder irgendwo ein Beratungsgespräch führen (Caritas, AWO?), manchmal kann es ungemein helfen einfach nur mal mit jemanden darüber zu reden!

Und wenn du gerne ein weiteres Kind haben möchtest, dann bekomm dieses!!! Gaaanz dringend rate ich zu einer Beleghebamme :-)! Ich habe mir für meine 3.Geburt eine gesucht und mich öfters gefragt, ob es wirklich nötig ist. Spätestens nach der Geburt konnte ich sagen :JA!!! Als ich mit meinem 4.Kind schwanger war rief ich sie sofort an, denn nie wieder würde ich ohne Beleghebi entbinden wollen. Ich kannte sie und sie mich und meine Wünsche/Ängste, ich vertraute ihr und hatte vor 2 Wochen eine absolute Traumgeburt (siehe weiter unten;-)).
Mit "deiner" Hebamme wirst auch du sicher eine tolle Geburt erleben dürfen.

Ich wünsche dir alles Gute und noch viel Spass mit deinem Kind :-)

Beitrag von die.caro 29.11.10 - 20:33 Uhr

Danke für Eure lieben Antworten! Das macht wirklich Mut.

Ich habe mich tatsächlich ein paar Monate nach der Entbindung bei Klinikchef und - Aufsicht beschwert und hatte daraufhin ein Gespräch mit dem Chefarzt. Das war aber nicht wirklich hilfreich, er hat zwar zugegeben, dass sie Situation unschön gewesen und die Ärztin dafür bekannt sei, sich öfters im Ton zu vergreifen. Jedoch hackt natürlich eine Krähe der anderen kein Auge aus, er hat alles als medizinisch zu rechtfertigen versucht und dann war das Gespräch vorbei. Immerhin hängt das Bild der Ärztin inzwischen nicht mehr im Bilderrahmen der diensthabenden Ärzte auf der Station, vielleicht musste sie ja wirklich gehen, weil sich mehrere Leute beschwert haben. So jemand hat einfach auf einer Geburtsstation nichts zu suchen...

Euch allen wünsche ich alles Gute für ggf. bevorstehende Geburten und ein tolles Geburtserlebnis.
Alles Liebe,
Caro

Beitrag von becca04 29.11.10 - 22:35 Uhr

Hallo,

meine erste Geburt verlief in Ansätzen ähnlich wie Deine, auch wenn ich das Glück hatte, eine Hebamme für mich allein zu haben (da der Kreißsaal leer war). Trotzdem ließ sie mich die ganze Zeit liegen und betreute mich überhaupt nicht aktiv. Ich habe mich sehr gequält, da meine Tochter auch noch sehr groß und schwer war (38 cm KU, 4.340 g und 58 cm Länge).

Am Ende wurde ich mehrmals kristellert (das Kind wird aus dem Bauch "ausgestrichen"), bekam einen voll aufgedrehten Wehentropf und auch noch einen mittelgroßen Dammschnitt. Klar, dass ich auf dem Kreisbett lag zum Gebären, oder?

In den 13 Monaten, die auf diese Geburt folgten, wurde mich klar, dass ich wirklich ein Geburtstrauma weg hatte: Ich fing an, nach den "Fehlern" zu suchen, die bei dieser Geburt unterlaufen waren - der Hebamme und der Ärztin bzw. dem "System Krankenhaus". Ich erkannte, dass ich einfach eine ganz "normale" Krankenhausgeburt erlebt hatte. Aber ich las auch, dass Geburtshilfe eigentlich ganz anders sein kann und soll: aktiv, fürsorgend und zugleich zurückhaltend, die Gebärende und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellend. Allerdings findet diese Art Geburtshilfe in Deutschland fast nie im Krankenhaus statt - ich beschloss daher, von nun an nur noch "im Notfall" und bestimmt nie wieder freiwillig (!) für eine Geburt in ein KH zu gehen.

Meine zweite Geburt war dann eine absolut komplikationslose und für mich sehr schöne Hausgeburt, die mich von meiner ersten Geburtserfahrung "heilte", da sie mir zeigte, dass ich die Kraft und die Fähigkeit habe, mein Kind spontan und ganz ohne Hilfsmittel zu gebären. Und mein Sohn war noch ein Stück größer als meine Tochter (4.500g, 38 cm KU).

Vor gut drei Monaten konnte ich dann die zweite Hausgeburt erleben, die dann noch schöner und erfüllender war als die erste Hausgeburt, da ich dieses Mal meine Kräfte kontrolliert eingesetzt habe und daher trotz der Größe meines zweiten Sohnes (5.000g, 60 cm , 40 cm KU) bis auf einen kleinen Dammriss komplett unverletzt blieb.
Hier ist mein Geburtsbericht: http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=43&tid=2777216

Vielleicht ist diese Form der Geburt ja auch für Dich der richtige Weg? Die für mich allerwichtigste Voraussetzung für jede Hausgeburt ist allerdings, dass ich eine sehr erfahrene und kompetente Hebamme an meiner Seite habe, die nach Möglichkeit schon seit mindestens 15 Jahren Hausgeburten betreut!

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Erfolg bei der Überwindung Deines Geburtstraumas - es gibt speziell ausgebildete Hebammen, die Dir auf Deinem Weg zur Seite stehen können!

Ganz liebe Grüße,
Becca.

Beitrag von meandco 30.11.10 - 18:27 Uhr

erst mal:

mädels, gebt den verstand nicht am eingang ab - oder fordert zumindest selbiges vom mann. ihr könnt und dürft euch wehren. ihr würdet staunen wie überrascht die erst mal gucken wenn du kundtust dass du eine eigene meinung zu den dingen hast und wie schnell die dann auf kooperation umschwenken ...

zum anderen:
was ist denn das für ein horrorkrankenhaus? ist da noch nie was schiefgegangen??? da hast du ja echt sonderexemplare erwischt #schock sowas gehört verboten!

was du noch machen kannst:
rückführung/regressionstherapie. dabei wird das trauma (in deinem fall die geburt) neu aufgerollt. du kannst alles noch mal durchleben und verstehen was wann warum passiert ist. dabei kann man auch gucken was du machen wollen hättest und auch machen. zum ende hin wird das alles integriert und danach solltest du zwar noch unangenehme erinnerungen haben aber nicht mehr so traumatisch reagieren - als wieder ein völlig normales leben leben können, auch wenn mal das thema geburt aufs tapet kommt.
wenn du willst kannst du dich melden und ich nenn dir namen wo du hingehen kannst!

lg

Beitrag von becca04 30.11.10 - 21:14 Uhr

Hallo,

das klingt in der Theorie wirklich gut und sehr stark, dass man einfach seinen Willen durchsetzen soll.

Nur ist das in der Praxis - vor allem beim ersten Kind - oftmals kaum durchführbar: Man hat trotz aller Recherche im Voraus keine Ahnung, wie eine Geburt WIRKLICH abläuft, was noch normal und tolerierbar und was bereits pathologisch ist. Zugleich sind viele Frauen allein schon von der KH-Atmosphäre eingeschüchtert und glauben irgendwann wirklich, dass sie krank sind, einen Arzt und das ganze Drumherum brauchen, um die Geburt heil zu überstehen.
Dazu kommt das "Hausrecht" der "Halbgötter in Weiß (Ärzte) und Blau (Hebammen)", die der unerfahrenen Erstgebärenden im schlimmsten Fall über den Mund fahren und einfach machen, was sie wollen.
Und was soll die Gebärende denn dann tun, wenn sie unter Wehen ist - also alle paar Minuten vom Schmerz ausgeknockt wird? Was soll der Mann machen, der seine Frau zum ersten Mal im Extremfall völlig außer sich vor Schmerz bzw. durch das Geburtserlebnis sieht?!

Ich spreche da aus eigener Erfahrung: Ich war sicherlich besser informiert als die Durchschnittsschwangere vor meiner ersten Geburt. Z.B. wusste ich, dass ein Dammschnitt in der Regel nicht nötig ist. Doch als dann die obercoole Assistenzärztin nach ca. 3 Stunden Presswehen (bei superguten Herztönen des Kindes) die Nerven verlor und nur meinte: "In der nächsten Wehe machen wir einen Dammschnitt", habe ich natürlich protestiert. Woraufhin sie nur sagte: "Das Kind muss jetzt raus" und schon hatte sie geschnitten. Was sollen den Frauen in dieser Situation tun - Vom Kreisbett aufstehen und das KH verlassen?!

Ich denke die Auswirkungen der gesamten KH-Situation auf den Verlauf der Geburt sind so komplex und individuell verschieden, dass man eben nicht die Schwangeren auffordern soll: "Kuscht doch nicht einfach und wehrt euch!" - eben weil es sich bei der Geburt um eine körperliche und seelische Ausnahmesituation handelt, in der "Sich-Wehren" kaum möglich ist.

Je nachdem, wie schwer das Trauma ist, würde ich auf jeden Fall therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen!

Liebe Grüße,
Becca.

Beitrag von hova 03.12.10 - 11:39 Uhr

Oh, Mann!

Da hat Du ja echt einiges erlebt!
Typisch für eine KH Geburt ist das aber sicher nicht! Immer wieder drüber zu reden hilft mit Sicherheit. Gibt es nicht auch Hebammen, die sich grad damit intensiv beschäftigen und einem gut Hilfestellung geben können um das zu verarbeiten bzw eine neue SS gut zu überstehen?

Ich habe 4 recht schöne Geburten im KH erlebt! Die 2. Geburt war eine Ausnahme, weil die Hebamme unfähig war! Danach hatte ich immer meine eigene Hebamm dabei! Es war für mich perfekt! Sie war die ganze Zeit bei bei! Wir wurden nie von Fremden gestört und ich fühlte mich rundum versorgt! Eine Geburt muss bei mir genauso sein! Vielleicht ist das ja eine Option für Dich! Du lernst die Hebi während der SS gut kennen und sie kann Dich gut vorbereiten und Du wirst Dich sicher nich im Stich gelassen fühlen!

Ich wünsche Dir, dass Du das Ganze trotzdem irgendwie verarbeiten kannst!

LG :-)

Beitrag von vika1986 04.12.10 - 01:10 Uhr

Herzlichen glückwunsch zu dem kleinen :-)

Mensch was sind denn das für ärzte... das kann ja nicht wahr sein... sowas gibt es ja nicht.... :-[

beim nächsten mal gehst du am besten in eine andere klinik....

lg vicky

Beitrag von frany80 04.12.10 - 20:28 Uhr

Es macht einen wütend was da abgegangen ist, nicht nur das sie dum sind eine PDA ordentlich zu dosieren, nein offensichtlich haben sie dir auch noch alles andere was bei denen schief gelaufen ist, bei dir abgeladen. Ich hatte das Gefühl das du für sie ein Prellbock warst.

Null Hirn, du warst erst gebärende - respekt für jede frau die ein Kind bekommt egal ob mi Section oder spontan.

Ich wünsche mir das Du ein zweites kind bekommst aber die die Klinik vorher anschaust und vor allem weiss ich das Du da nicht wieder hin gehst.

Bei uns war eine Schwester - Schwester Grobian - die sollte mich in Sachen stillen beraten. Grabschte mir an die Brust zog mir am Nippel und schob mein Sohn dran. "Klappt doch" sagte sie. Ich war so verstört das ich das Stillen komplet aufgegeben habe als es dananch nicht klappte, weil ich nicht wollte das mir andere auch noch an den Brüsten rum ziehen.

Ich wünsche Dir jedenfalls alles Liebe und gute und das Du nie wieder so eine Erfahrung machen musst. Wichtig ist das Du über deine Erlebnisse redest, schreib sie Dir auf, Tagebuch, und schreibe sie Dir immer wieder auf deine Gedanken und erlebnisse. Ich denke das auch andere Mütter mit dir da drüber reden würden und dir zuhören würden und wenn alles nicht geht und es Dich immer mehr zerfrisst, rede mit deinem Frauenarzt da drüber. Vielleicht kann er dir einen guten Psychiater empfehlen. Du darfst nur nicht scheuen die Hiilfe anzunehmen die dir geboten wird.

Liebe grüsse Frany

Beitrag von die.caro 25.10.12 - 12:50 Uhr

Ich schreibe hier mal ein Update, denn die oben geschilderte Geburt ist nun drei Jahre her, es hat sich einiges getan und vielleicht verirrt sich der ein oder andere ja noch hierher.

Also, ich bin inzwischen in der 37.SSW mit dem zweiten Kind schwanger. Die halbe Schwangerschaft über habe ich geheult, weil das Trauma doch noch nicht so verarbeitet war, wie ich dachte und es war echt ne heftige Zeit, in der ich -obwohl es ein Wunschkind ist- sogar immer wieder über Abbrüche nachgedacht habe.

Dann habe ich mich mit positiv gelaufenen Geburten beschäftigt -nur tolle Geburtsberichte im www und in Büchern gelesen. Und wieder geheult, weil es bei mir so anders war. Aber irgendwie hat mir das aktive Trauern geholfen, ich konnte stehen lassen, dass es nun einmal so war und ich es nicht mehr ändern kann, aber die nächste Geburt rein gar nichts mit der letzten zu tun hat. Es kann alles anders werden.
So habe ich mir eine Beleghebamme gesucht, was wegen der gestiegenen Rechtsschutzversicherung bei denen gar nicht so einfach war. Ich wollte was "mütterliches" und fand schließlich -die einzige, die im November noch Beleggeburten anbietet- eine seeehr junge Hebamme, die absolut gar nichts mütterliches hat, aber offen für alles ist und Zuversicht ausstrahlt. Erfahrung hat sie durch Ausbildung und mehrere Jahre Praxis dennoch schon.

Wieder ein Lernschritt für mich: an was mütterliches hätte ich mich wahrscheinlich wieder geklammert und die Verantwortung abgegeben, jetzt MUSS ich selbst dafür sorgen, dass es gut wird und meine Hebamme steht mir dabei zur Seite.
Sie arbeitet mit einem Krankenhaus hier in der Gegend zusammen, das für sanfte und selbstbestimmte Geburten bekannt ist (VPH Bensberg). Dort werde ich also entbinden.

Ich habe begonnen, mich mit Hypnobirthing auf die anstehende Geburt vorzubereiten und auch das hat viele Ängste genommen. Bei der Entspannungs-CD schlafe ich zwar fast immer ein, aber einmal wach und mit Verstand gehört, fiel mir neulich auf, dass mir da im Schlaf suggeriert wird, dass ich der Geburt ohne Angst entgegen trete :-) Anscheinend klappt es, ich bin wirklich recht entspannt.

Was mich noch ein wenig mitnimmt, ist die Vorstellung, dass mir das Baby schließlich auf den Bauch gelegt wird, was bei meinem Sohn damals ja so ein Hin und Her war ("hier, nehmen sie ihn, ach nee doch nicht, er atmet komisch, doch Kinderklinik?") bis es mir fast egal war, was mit ihm passiert. Wenn ich mir vorstelle, dass das diesmal anders wird, kommen mir immer die Tränen und ich weiß gar nicht, ob ich das emotional verpacken kann :-D

Ich habe bei der Klinik von damals Anfang Oktober den Geburtsbericht angefordert (aber ihn bis heute noch nicht bekommen!) und werde ihn mit meiner Hebamme durchsprechen, falls er mich noch erreicht. Sie weiß, was auf keinen Fall nochmal passieren darf und hat meinen Geburtsplan (in dem übrigens u.a. steht "ich möchte ungeachtet der Uhrzeit und der Überlastung des Personals freundlich behandelt werden" :-D) in meine Akte im Krankenhaus geheftet.

Insgesamt bin ich zuversichtlich und habe das Gefühl, alles in meiner Macht stehende zu tun, damit es eine schöne Geburt wird, die vielleicht die letzten psychischen Wunden der ersten noch vergessen machen kann. Mein Gyn meinte zwar schon, meine Naht müsse beim nächsten Dammschnitt nochmal geschnitten werden, aber meine Hebamme ist zuversichtlich, dass wir um einen Schnitt herum kommen. Das wäre mir mehr als lieb, mal sehen, wer Recht hat.

Also: Daumen drücken! #danke