Bindungstheorie und Alltag

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Beitrag von tsuki2010 29.11.10 - 17:27 Uhr

Hallo ihr Lieben,

wie wohl alle hier strebe auch ich ein sicher gebundes Kind an. Jetzt ist es so, dass ich mich ständig bemühe, die Bedürfnisse meiner Kleinen (7 Wochen) zu erfüllen.
Sie möchte ausschließlich getragen werden; allerdings nur im Arm. Also wird dies getan. Was allerdings nach einer Weile echt anstrengend ist, zumal sie mittlerweile größtenteils tagsüber auch nur schläft, wenn sie getragen wird. Setze ich mich hin, wacht sie sofort auf und schreit. Also muss ich wieder aufstehen und rumlaufen. Das Spielchen geht nun schon seit Wochen so.

Wie gesagt; alles zum Wohle des Kindes.

Nun geht es um zwei Dinge.

1. Nachts schläft sie erstaunlicherweise alleine in ihrem Babybay ein, ohne dass ich sie tragen oder wiegen muss. Etwa zur selben Uhrzeit lege ich sie dann ins Bettchen und ich habe das Gefühl, dass sie dann versteht, dass sie nun alleine schlafen muss.
Das funktioniert erstaunlich gut und stellt in dem Sinne ein vollkommen gegensätzliches Verhalten dar. Ich halte manchmal ihr Händchen, aber das ist eigentlich nicht nötig.
Kann es schon sein, dass sie den Umstand, dass sie nachts schlafen soll, bereits irgendwie versteht?

2. Manchmal schreit sie tagsüber wie wild, wenn ich mal - wie gesagt - kurz sitzen möchte, was Essen möchte oder auf Toilette gehe. Wenn sie sich nicht beruhigen lässt, lege ich sie auf ihre Krabbeldecke und lasse Musik laufen. Auf einmal wird sie dann ganz ruhig und schaut sich im Zimmer um.
Hebe ich sie wieder auf, schreit sie dann meistens wieder los.

Das Verhalten wiederrum verstehe ich dann nicht.

Habe ich irgendeinen Fehler gemacht?

Ich denke die ganze Zeit, wenn ich sie kurz weinen lasse, prägt sich das irgendwie ein. Schließlich haben Babies in dieser Hinsicht ja kein Zeitgefühl.

Beitrag von berry26 29.11.10 - 17:57 Uhr

Hi,

was ich nicht verstehe ist: Warum hebst du sie von der Krabbeldecke hoch wenn sie sich gerade allein beschäftigt und in der Gegend rumschaut? Lass sie doch mal die Welt aus dieser Perspektive erkunden.

Das mit dem Tragen auf dem Arm haben wir auch hinter uns. Am Anfang wollte sie absolut in keine Tragehilfe. Habe es mit dem Glückskäfer, einem RingSling und dem Bondolino probiert. Geklappt hat es dann mit dem Bondolino indem ich bereits beim Binden losgelaufen bin. Nach 2 Tagen hat sie Ihn geliebt und ist sofort darin eingeschlafen. Ist auch nur halb so anstrengend wie sein Kind auf dem Arm zu tragen, zumal sie auch irgendwann richtig schwer werden. Ich würde es einfach immer wieder probieren.

Übrigens ist es ganz normal das Babies manchmal weinen. Dein Job ist es auch nicht dies immer sofort zu unterbinden sondern du solltest es dann einfach nicht allein lassen. Du musst und sollst dich nicht aufreiben um die Bedürfnisse deines Babies zu erfüllen.

LG

Judith

Beitrag von tsuki2010 29.11.10 - 18:14 Uhr

Sobald sie sich auf der Krabbeldecke beruhigt und nicht schreit, hebe ich sie dann wieder hoch. Und dann schreit sie wieder.

Manchmal lasse ich sie aber auch einfach liegen, bis sie sich meldet und weinerlich wird. Dann schreit sie auch sofort los.

In beiden Fällen.
Daher bin ich ja so verwirrt.

Beitrag von datlensche 29.11.10 - 18:19 Uhr

vielleicht möchte sie "es" tatsächlich mal alleine schaffen...sprich sich selbst beschäftigen und auch selbst beruhigen. vielleicht brauch sie deine hilfe atsächlich erst wenns gar nicht mehr geht ;-)

Beitrag von berry26 29.11.10 - 18:29 Uhr

Grundsätzlich solltest du dein Baby in Ruhe lassen wenn es mit sich allein beschäftigt ist! Das ist ganz wichtig für dich und auch dein Baby!
1. Lernt es so sich auch mal alleine zu beschäftigen. Wenn du das verhinderst kann es dies auch wieder "verlernen"!
2. Braucht dein Baby diese Zeit um zu entdecken und zu lernen!

Wenn sie meckert und du nimmst sie hoch, weiß ich zwar nicht warum sie weint aber Babies sind manchmal nicht so leicht zu durchschauen. Nimm es einfach hin und sei für sie da! Wie gesagt, du musst ihr Weinen nicht immer unbedingt verhindern.

LG

Judith

Beitrag von catch-up 29.11.10 - 18:03 Uhr

Also ich denke, dass du mal das Denken sein lassen solltest!

Mach dir doch nicht um jeden Pup son Kopp, sondern lass die Ding einfach sein, wie sie sind! Damit machst du dir und deinem Kind das Leben erheblich einfacher!

Zum Thema "Ich möchte den ganzen Tag getragen werden, aber nur im Stehen und Laufen": Also ich hab ja Respekt davor, dass du das schaffst, ich hätt da *mit Verlauf* kein Bock drauf!

Probier dich an deinem Kind doch mal aus! Kaputt geht an ihr so schnell nix und weinen gehört nun mal zum Geschäft! Und wenn sie mal ablegt wird und deswegen weint, prägt sich da nix ein. Dein Baby hat noch n Gedächtnis wien Sieb. Sie erinnert sich höchstens 2 Minuten!

Mach dich einfach locker!

Beitrag von datlensche 29.11.10 - 18:18 Uhr

also von der bindungstheorie hast du wohl noch nix gehört...

"Dein Baby hat noch n Gedächtnis wien Sieb. Sie erinnert sich höchstens 2 Minuten!" #klatsch

kontinuierliche erfahrungen beeinflussen prägen in den ersten 2 jahren das bindungsverhalten für den rest des lebens! du hattest wohl leider eine unsichere bindung zu deinen bezugspersonen, sonst würdest du nicht so von deinem (und anderen) babys sprechen...
und die kuntunurliche erfahrung, dass meine (also die des babys) bedürfnisse nicht erfüllt werden führt nachweislich dazu, dass ein kind sich nicht auf seine bezugsperson verlassen kann/wird, was wiederum das explorationsverhalen (also auch die mehr oder weniger die intelligenz) negativ beeinflusst!
siehe John Bowlby und Mary Ainsworth (Fremde Situation)

lg, lena

Beitrag von kajana1 29.11.10 - 18:07 Uhr

halli hallo...
also bei uns ist es so:
einschlafen kann meine maus auch am besten auf meinem arm. lege ich sie dann aber ins bett, schläft sie (meist) auch ohne probleme weiter.
unsere maus hat schon sehr früh angefangen durch zu schlafen (mit 4 wochen c.a.) nur die letzten drei nächte waren wir immer erst um 2 im bett (denke sie hatte einen schub denn jetzt schläft sie wieder normal)
ich denke die kleinen merken einfach, dass nachts nichts los ist. dass keiner rumläuft, und die umgebung still ist. dass es nacht ist, denke ich wissen die in dem alter noch nicht. aber sie merken, dass eine phase der ruhe eingeläutet wird.
zu punkt 2 :
wenn deine kleine auf der decke liegt und ruhig ist, dann lass sie um gottes willen liegen!!!
klar ist es wichtig, die mäuse viel zu tragen. die brauchen den körperkontakt als orientierungshilfe und deinen herzschlag um zu spüren, dass du da bist. aber:
ein baby was ruhig und zufrieden auf einer decke oder im bettchen liegt, ist in den meisten fällen gerade mit etwas beschäftigt.
es nimmt seine umgebung war, sowie den eigenen körper.
es übt bewegungsabläufe und das bewusstsein für sich und seine umwelt wächst in diesen momenten. Wenn du sie dann aufnimmst, reißt du sie quasi aus ihrer momentanen tätigkeit, was sie dir dann lautstark mitteilt #schrei

es braucht also beides. nähe und distanz und du musst herausfinden, wieviel von beidem sie braucht.
ich denke, dann wird sie sicher auch bald tagsüber in der lage sein, mal ein paar minuten ohne dich auszukommen, ohne dass es ihrer entwicklung oder eurer bindung zueinander schadet.

ich hoffe, ich konnte dir helfen
liebe grüße und viel glück;-)

Beitrag von datlensche 29.11.10 - 18:10 Uhr

ich wollte dir eigentlich ein zitat aus Remo H. Largos "Babyjahre" liefer aber ich finde die stelle nicht...

also sinngemäß: das kind hat auch eine gewisse kompetenz sich selbst zu beruhigen (variert natürlich von kind zu kind) und diese vergrößert sich auch, wenn man dem kind mal raum gibt diese zu finden und zu erproben. hieße demnach,das kind auch mal ein bisschen weinen lassen, damit es die möglichkeit hat sich selbst zu beruhigen. z.b. durch daumen lutschen, hände gucken, etc. denn selbsständigkeit schafft selbstvertrauen, auch eine wichtige komponete des bindungsverhaltens. er schreibt auch, dass die entscheidung wie viel sofortige "bedürnisserfüllung" und raum zur selbstständigkeit dem kind gegeben wird leider bei den eltern liegt und nach geschmack variiert.

ich kann dir sagen, dass ich bei kili immer sofort gesprungen bin und er trotzdem tendenzen zu unsicher vermeident gebunden hatte. er kann sich schwer selbstbeschäftigen, hat eine niedrige frustrationstoleranz und kann schlecht warten. ob das daran liegt weiß ich nicht.
bei nuno kann ich zwangsläufig nicht immer sofort. was sollich sagen? der kleine mann schläft ganz alleine abends ein (der große "muss" immer noch in den schlaf begleitet werden), beruhigt sich oft selbst (so fern er kann) mit daumen lutschen, spielt sehr schön, sehr lange auf seiner decke...wie sein bindungsverhalten ist, wird die zukunft zeigen ;-)
kann sein,dass es einfach daran liegt, das es unterschiedliche kinder sind, könnte eben aber auch an dem "umgang" mit ihnen liegen.

mach es einfach so wie dein bauchgefühl es sagt und wie es eben geht...man kann nicht perfekt sein! und wenn man dazu steht,macht es das für die kinder authentisch!

lg, lena


Beitrag von tsuki2010 29.11.10 - 19:12 Uhr

danke für den super Beitrag. Das Konzept der Selbstberuhigung/Verhaltensregulation habe ich im Hinblick auf die Bindungstheorie vollkommen außer Acht gelassen.

Wirklich ein hilfreicher Beitrag.

Von dem Buch habe ich gehört.Ich werde es mir noch zulegen.

Beitrag von datlensche 29.11.10 - 19:59 Uhr

vielen dank für die lobenden worte und bitte ;-)
du scheinst auch vom fach zu sein...und einen letzten rat (den ich oft selber nicht ganz einhalten kann): versuch nicht jede theorie an deinem kind zu erproben, um zu setzen.
ich studiere heilpädagogik und ich muss mich echt bemühen nicht ständig irgendwo verhaltensauffälligkeiten oder defizite zu sehen :-[ ganz schlimm! man verliert so schnell das "gute" aus den augen und vergisst ganz, dass man die größte kompetenz in sich trägt und nicht in büchern findet: mama-sein!!!

lg!

Beitrag von mauz87 29.11.10 - 18:30 Uhr

Erstmal , wenn deine Kleine doch auf der Decke liegt und ruhig ist sogar die Gegend anschaut lasse Sie einfach dort.Es geht Ihr gut Sie fühlt sich wohl und mag das gern.Da würde Ich auch schreien wenn man mich da wegnimmt ;-).

Zum anderen ein Kind rufen doer schreien lassen ist ein Unterschied.Bei mir gab es zB nicht das ewige rumgetrage.Wird es auch beim zweiten nun nciht geben.Ist eben so nciht weil Ich mein Kind nicht mag.Doch jeder hat seine andere Meinung zu den einzelnen Themen.Wenn ich zur Toi.. musste habe Ich dies ALLEIN getan es dauert keine zehn Std und das geht dann.Genau wie bei määäh und bäääh sofort zu spurten gab es nicht.Manchmal war auch nach zweimal ruhe.Und was sagt uns das? Sie hatte kein verlangen.Aber sowas merkt jeder für sich allein nach einiger Zeit oder eben nicht ;-).Also nciht böse nehmen.

Zum anderen es kann durchaus sein das Sie versteht das nachts bubu gemacht wird und es eh langweilig ist in der Nacht am Tage ist aj viel mehr los.Dsa merken sich auch die Kleinen.

lG mauz

Beitrag von brille09 29.11.10 - 20:42 Uhr

Hallo! Also eins vornweg: Du bemühst dich sicher sehr, alles richtig zu machen und das ist ja schon mal richtig gut. Das Problem ist nur, dass du selber dabei komplett auf der Strecke bleibst. Bitte bedenke dringend, dass du dein Kind nicht nur 12 Wochen oder 1 Jahr oder 6 Jahre lieben musst sondern 50, 60 oder 70 Jahre - solange ihr beide eben lebt. Und das mit dem Lieben kann da noch sehr schwer werden. Im Vergleich zu einem volltrunkenen 16jährigen, den du kotzend von der Party abholst (das kann auch bei nem "gut gebundenen Kind" passieren), ist ein schreiender Säugling geradezu ein Schätzchen. Wenn du so weitermachst, wirst du aber sicher bald keine Kraft mehr haben.

Das nächste ist, dass das mit der "Bindung" nicht nur davon abhängt, wie oft man ein Baby trägt und wie viel mans schreien lässt, sondern vor allem von einer - ich nenns mal - bodenständigen Umgangsweise. Schmeiß alle Bücher raus und benutz den klaren Menschenverstand. Wenn du aufs Klo musst, dann musst du eben gehen. Da brauchst du auch kein schlechtes Gewissen haben. Wenn dein Kind eh nie schreien muss (was ich sehr gut finde, ich lass unseren auch nicht schreien), dann tuts ihm sicher nicht weh, die 5 Minuten, die du am Tag auf der Schüssel verbringst mal zu schreien. Andere Kinder schreien nen ganzen Tag und werden auch zu netten Menschen.

Bitte beachte außerdem, dass Erziehung - wie jeder Umgang mit Menschen - eine etwas unkalkulierbare Sache ist. Es gibt keine Garantie - wie beim Computer oder AUto - mach ich das, so passiert dann das. D.h. selbst wenn du jetzt alles für dein Kind tust, kann es sein, dass es mit 15 drogenabhängig ist, Einbrüche begeht oder computersüchtig ist.

Also, wirf alle Bücher raus, mach es so, dass es euch BEIDEN gut geht (und vergiss auch deinen Mann nicht dabei vor lauter Kind) und trau deinem Kind ruhig auch etwas zu. Nur mal ein Beispiel: Wie soll denn ein Kind z.B. lernen, den Kopf in Bauchlage zu heben, wenn es nicht sauer werden darf, weil es nichts sieht? Hebt man es dann immer hoch, hat es ja keine Chance, es von sich aus zu lernen.

Also viel Erfolg (wobei ich den Begriff Erfolg hier eigentlich nicht mag).

Beitrag von tsuki2010 29.11.10 - 21:49 Uhr

Danke für die liebe Antwort. Hat gut getan sie zu lesen.

Einen schönen Abend noch

Beitrag von gigamama 05.12.10 - 00:03 Uhr

Also weiter so ist genau das richitge. Das dein Baby Nachst schläft ist eine Geschenk. Sei froh darüber und sobald die Kleine selbst krabbelt und laufen kann, brauchst du nicht mehr Mama Taxi spielen. Die Zeit geht auch vorbei, ich habe auch immer mit einem Baby auf dem Schoß auf dem Klo gesessen, wenn es mal sein musste. Besser als ein Schreibaby vor der Tür. Also entspanne dich, geht auch bald vorbei. Lg